Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Weil die Worte Wahrheit sind

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Weil die Worte Wahrheit sind

Weil die Worte Wahrheit sind,
Daß man nichts bei Gott gewinnt,
Nichts durch des Gesetzes Werke,
Nichts durch eigne Kraft und Stärke,
Nichts durch Einsicht und Verstand,
Nichts durch eine milde Hand;

Nichts durch eignes Heiligsein,
Wenn’s gleich nicht nur Augenschein,
Sondern treu gemeinet wäre,
Auch nicht durch die reine Lehre,
Daß kein Tugendbild die Gnad
Näher als der Sünder hat;

So ist dies der leichtste Rath,
Es bestärkt ihn auch die That:
Man fällt Jesu zu den Füßen,
Und sagt nichts von Thun noch Büßen,
Sondern spricht zum Menschensohn:
Bin ich etwa nicht dein Lohn?

Hast du etwa mich allein
Nicht erkauft, um dein zu sein,
Da dir deine Müh‘ und Frohnen
Ein unzählbar Heer soll lohnen?
Würd’st du doch auch meiner so,
Und ich wieder dein recht froh!

Also, wie kömmt man dazu,
Daß man in der Gnade ruh‘;
Daß man nicht nur nicht verderbe,
Sondern auch den Segen erbe?
Das erfordert zweierlei:
Daß man arm und Sünder sei.

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