Zimmermann, Johann Christian – Getreuer Gott! Wie viel Geduld

Zimmermann, Johann Christian – Getreuer Gott! Wie viel Geduld

Getreuer Gott! Wie viel Geduld
Bezeigest du uns Armen!
Wir häufen täglich unsre Schuld,
Du häufest dein Erbarmen.
Des Menschen ganzer Lebenslauf
Ist immerdar, von Jugend auf
Verderbt und dir entgegen,
Und gleichwohl, Vater, suchst du ihn
Durch Gnad‘ und Huld zurückzuziehen,
Durch Langmuth zu bewegen.

Der Menschen Elend jammert dich;
Wenn sie sich schon verstocken,
Willst du sie gleichwohl väterlich
Durch Güte zu dir locken.
Wie lange siehst und rufest du
Den Juden in der Wüste zu,
Bis sich ihr Herz bekehret!
Wie trägest du so lange Zeit
Die erste Welt mit Gütigkeit,
Eh‘ sie die Fluth verheeret!

So giebst du Sündern Zeit und Raum,
Der Strafe zu entgehen,
So lässest du den argen Baum
Nicht ohne Pflegung stehen;
Du wartest sein, du suchest Frucht;
Und wenn du gleich umsonst gesucht,
Hörst du nicht auf zu bauen.
Du schonest sein von Jahr zu Jahr,
Dein Vaterherz hofft immerdar
Noch Frucht von ihm zu schauen.

Gerechter Gott, so große Huld
Bezeigst du frechen Sündern
Und hast nicht weniger Geduld
Mit deinen schwachen Kindern.
Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt
Und Satan häufig Netze stellt,
Oft sicher, matt und träge.
Sie straucheln, sie vergehen sich,
Und fallen oft, verlassen dich
Und deine heil’gen Wege.

Nun hättest du, o Vater, Recht,
Sie wieder zu verlassen
Und einen ungetreuen Knecht
In Ewigkeit zu hassen.
Doch nein, das kann dein Herze nicht,
Dein Herz, das aus Erbarmen bricht,
Wenn deine Kinder fehlen;
Es nimmt sich ihrer Schwachheit an
Und wacht für ihre Seelen.

Drum rufst du ihnen in Gefahr,
So oft sie irre gehen,
Reichst ihnen Hand und Stärke dar,
Von Sünden aufzustehen.
Du lockest sie mit Vaterhuld,
Versprichst, durch Christum ihre Schuld
und Fehler zu vergeben,
Giebst selber Glauben, Geist und Kraft
Und nach vollbrachter Ritterschaft
Ein ewig Freudenleben.

O Langmuth, der Nichts gleichen kann!
Ach, Vater, sieh uns Armen
Auch künftig so geduldig an,
Und trag uns mit Erbarmen!
Was hülf‘ es, daß dein Herz bisher
Voll Güt‘ und Huld gewesen wär‘,
Wenn sie aufhören sollte,
Wenn deine Hand, die Straf‘ und Schwert
Bisher in Gnaden abgekehrt,
Uns nun verderben wollte.

Drum, Brunn der Güte, duld‘ uns noch
Um Christi Tod und Schmerzen,
Erwecke bald und rühre doch
Die träg‘ und sichern Herzen,
Daß deine Huld und Vatertreu
Uns ja kein Sündendeckel sei,
Daß wir das Böse hassen
Und uns noch in der Gnadenzeit
Den Reichthum deiner Gütigkeit
Zur Buße leiten lassen.

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