Unbekannter Uebersetzer – Dies Irae (1677)

Unbekannter Uebersetzer – Dies Irae (1677)

O des Tags, der wird verzehren
Diese Welt mit Feu’r, wie lehren
Davids und Sibyllä Zähren.

Wie wird sein so grosses Zagen,
Wann der Richter alle Klagen
Schlichten wird, nach rechter Waagen.

Der Posaunenschall mit Schrecken
Alle Todten wird erwecken,
Vor dem Richterstuhl sie entdecken.

Schrecken wird sich Tod und Leben,
Weil der Leib sich wird erheben,
Seine Antwort da zu geben.

Ein geschriebens Buch der Erden
Wird vom Richter vorbracht werden,
Draus er scheiden wird die Heerden.

Wann er sitzen wird zu richten,
Sich verbergen wird mit nichten
Was mit Feu’r und Flamm‘ zu schlichten!

Ach, was werd‘ ich Armer sagen?
Welchem Freund werd‘ ich da klagen,
Wann der Fromme auch wird zagen?

O du König grosser Ehren,
Deiner Gnad‘ ich thu begehren,
Mir das Heil nicht wollst verwehren!

Führ‘, o Jesu, zu Gemüthe,
Was gethan mir deine Güte,
Mich an jenem Tag behüte.

Kreuz und Leiden hast erkoren,
Dass ich wieder würd‘ geboren,
Diess an mir nicht sei verloren.

Strenger Richter mir’s vergebe,
Da ich noch auf Erden lebe,
Eh‘ ich Rechenschafft dir gebe.

Ach! ich Sünder seufz‘ und weine,
Meine Bosheit nicht verneine,
Gnädig mir, o Herr, erscheine.

Der Magd’lenä Sünd‘ vergeben,
Und den Schächer bracht‘ zum Leben,
Du auch mir hast Hoffnung geben.

Meine Bitt‘ ist nicht zu achten,
Deine Güte wollst betrachten,
Dass im Feu’r nit muss verschmachten.

Bei den Schafen Platz verleihe,
Von den Böcken mich befreie,
Dann mein‘ Stell‘ zur Rechten seie.

Du wirst vermaledeyen
Die Gottlosen, – mir verzeihen
Wollest, Herr, und benedeyen.

Jesu, zu dir ich mich wende,
Geb‘ mein Herz in deine Hände,
Seh‘ doch auf mein letztes Ende.

O des Tags! wohl zu beweinen,
Da der Mensch auf seinen Beinen,
Wird vor seinem Gott erscheinen.

Aller Straf‘ uns dann befreie,
Jesu, alle Sünd‘ verzeihe,
Und die ewig Ruh‘ verleihe!

Dies Irae,
Hymnus auf das Weltgericht
F. G. Lisco
Berlin
Verlag von Gustav Bethge
1840

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