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Schlagwort: Trost

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

  1. Du bist zwar Mein und bleibest Mein
    (Wer will mir anders sagen?),
    doch bist du nicht nur mein allein;
    Der HErr von ewigen Tagen,
    der hat das meiste Recht an dir,
    der fordert und erhebt von mir
    dich, o mein Sohn, mein Wille,
    mein Herz und Wunsches Fülle.
  2. Ach, gült es Wünschens, wollt ich dich,
    du Sternlein meiner Seelen,
    vor allem Weltgut williglich
    mir wünschen und erwählen;
    Ich wollte sagen: `Bleib bei mir!
    Du sollst sein meines Hauses Zier:
    An dir will ich mein Lieben
    bis in mein Sterben üben.´
  3. So sagt mein Herz und meint es gut,
    GOtt aber meints noch besser.
    Groß ist die Lieb in meinem Mut,
    in GOtt ist sie noch größer.
    Ich bin ein Vater und nichts mehr,
    GOtt ist der Väter Haupt und Ehr,
    ein Quell, da Alt und Jungen
    in aller Welt entsprungen.
  4. Ich sehne mich nach meinem Sohn,
    und der mir ihn gegeben
    will, daß er nah an seinem Thron
    im Himmel solle leben.
    Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt!
    Gott spricht: Willkomm‘n, du liebes Kind,
    dich will ich bei mir haben
    und ewig reichlich laben.’
  5. O süßer Rat o schönes Wort
    und heilger als wir denken!
    Bei GOtt ist ja kein böser Ort,
    kein Unglück und kein Kränken,
    kein Angst, kein Mangel, kein Versehen,
    bei GOtt kann keinem Leid geschehn;
    Wen GOtt versorgt und liebet,
    wird nimmermehr betrübet.
  6. Wir Menschen sind ja auch bedacht,
    die Unsrigen zu zieren;
    Wir gehn und sorgen Tag und Nacht,
    Wie wir sie wollen führen
    in einen seinen sel‘gen Stand,
    und ist doch selten so bewandt
    mit dem, wohin sie kommen,
    als wirs uns vorgenommen.
  7. Wie manches junge fromme Blut
    wird jämmerlich verführet
    durch bös Exempel, daß es tut,
    was Christen nicht gebühret.
    Da hat‘s denn Gottes Zorn zum Lohn,
    auf Erden nichts als Spott und Hohn,
    Der Vater muß mit Grämen
    sich seines Kindes schämen.
  8. Ein solches darf ich ja nun nicht
    an meinem Sohn erwarten;
    Der steht vor Gottes Angesicht
    und geht in Christi Garten,
    hat Freude, die ihn recht erfreut,
    und ruht von allem Herzleid;
    Er sieht und hört die Scharen,
    die uns allhier bewahren.
  9. Er sieht und hört der Engel Mund,
    sein Mündlein hilft selbst singen:
    Weiß alle Weisheit aus dem Grund
    und redt von solchen Dingen,
    Die unser keiner noch nicht weiß,
    die auch durch unsern Fleiß und Schweiß
    Wir, weil wir sind auf Erden,
    nicht ausstudieren werden.
  10. Ach, sollt ich doch von fernen stehn
    und nur ein wenig hören,
    Wenn deine Sinnen sich erhöhn
    und GOttes Namen ehren,
    Der Heilig, Heilig, Heilig ist,
    durch den du auch geheiligt bist:
    Ich weiß, ich würde müssen
    vor Freuden Tränen gießen.
  11. Ich würde sprechen: `Bleib allhier!´
    Nun will ich nicht mehr klagen:
    Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir!
    Nein; sondern: Komm du Wagen
    Eliä, hole mich geschwind
    Und bring mich dahin, da mein Kind
    und so viel liebe Seelen
    so schöne Ding erzählen.
  12. Nun, es sei ja und bleib also,
    ich will dich nicht mehr weinen.
    Du lebst und bist von Herzen froh,
    siehst lauter Sonnen scheinen,
    Die Sonnen ewiger Freud und Ruh;
    hier leb und bleib nun immerzu,
    Ich will, wills GOtt, mit andern
    auch bald hernacher wandern.
Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

  1. Das ist mir lieb, daß GOtt, mein Hort,
    So treulich bei mir stehet;
    Wenn ich bitte, wird kein Wort
    In meiner Bitt verschmähet.
    Des schwarzen Todeshand
    Samt der Höllenband
    Umfingen überall
    Mein Herz mit Angst und Qual;
    Doch hat mir GOtt geholfen.
  2. Ich kam in Jammer und in Not
    Und sank fast gar zugrunde,
    Und da sank, rief ich zu GOtt
    Mit Herzen und mit Munde:
    O HErr, ich weiß, du wirst
    Als des Lebensfürst
    Schon führen meine Sach!
    Und wie ich bat und sprach,
    So ists auch nun geschenket.
  3. Sei wieder froh und gutes Muts.
    Mein Herze, sei zufrieden,
    Der HErr, der tut dir alles Guts,
    durch ihn ist nun geschieden
    Und ferne weggebracht,
    Was mich traurig macht;
    Er hat mich aus dem Lach
    Und schwarzen Todesfach
    Mit seiner Hand gerissen.
  4. Mein Aug ist nun von Tränen frei,
    Mein Fuß von seinem Gleiten;
    Das will ich sagen ohne Scheu
    Und rühmen bei den Leuten.
    Was gar kein Mensch nicht kann,
    Das hat GOtt getan.
    Der Mensch ist Lügen voll,
    GOtt aber weiß gar wohl,
    Wie sein Wort soll halten.
  5. Ich glaube fest in meinem Sinn,
    Und was mein Herze glaubet,
    Das redt mein Mund in Einfalt hin:
    Wer GOtt vertraut, der bleibet.
    Die Welt und böse Rott
    Lacht des, mir zum Spott,
    Ja plagt mich noch dazu;
    Ich aber mein steh und ruh
    Auf dir, mein GOtt und Helfer.
  6. Du stürzest meiner Feinde Rat
    Und segnest, wenn sie schelten,
    Die soll ich doch die große Gnad
    Dir immer mehr vergelten?
    Ich will, HErr, meines Teils
    Den Kelch deines Heils,
    Der voller Bitterkeit,
    Doch mir zu Nutz gedeiht,
    Gehorsamlich annehmen.
  7. Was du mir zugemessen hast,
    Das will ich gerne leiden;
    Wer fröhlich trägt des Kreuzes Last,
    Dem hilft du aus mit Freuden.
    Du weißt der Deinen Not
    Und hältest ihren Tod
    Sehr hoch, sehr lieb und wert,
    Auch läßt du auf der Erd
    Ihr Blut nicht ungerochen.
  8. So zürne nun gleich alle Welt
    Mit mir, HErr, deinen Knechte:
    Du, du deckst mich in deinem Zelt
    Und reichst mir deine Rechte.
    Darüber will ich dich
    Allstets inniglich,
    So gut ich immer kann
    Mit Dank vor jedermann
    In deinem Hause preisen.
Gerhardt, Paul – Kommt, ihr traurigen Gemüter

Gerhardt, Paul – Kommt, ihr traurigen Gemüter

  1. Kommet, ihr traurigen Gemüter,
    Kommt, wir wollen wiederkehren
    Zu dem Herren, dessen Güter
    Kein Verderben kann verzehrn;
    Dessen Macht kein Unglück fällt,
    Dessen Gnade wieder stellt,
    Was sein Eifer umgestürzet:
    Seine Gnad bleibt unverkürzet.
  2. Zwar hat er uns ja zerrissen
    Mit ergrimmten Angesicht
    Und uns, da er uns geschmissen,
    Sehr erbärmlich zugericht´t.
    Doch deswegen unversagt!
    Eben der uns schlägt und plagt,
    Wird die Wunden unsrer Sünden
    Wieder heilen und verbinden.
  3. Alle Not, die uns umfangen,
    Springt vor seinem Arm entzwei;
    Wenn zwei Tage sind vergangen,
    Macht er uns vom Tods frei,
    Daß wir, wenn des dritten Licht
    Durch des Himmels Fenster bricht,
    Fröhlich auf erneuter Erden
    Vor ihm stehn und leben werden.
  4. Alsdann wird man acht drauf haben
    Und mit großem Fleiße sehn,
    Was für Wundergnad und Gaben
    Uns von obenher geschehn.
    Da wird dieses nur allein
    Unsres Herzens Sorge sein,
    Daß wir uns nennen,
    Mögen recht und wohl erkennen.
  5. Denn er wird sich zu uns machen
    Wie die schöne Morgenröt,
    Über welche Lust und Lachen
    Bei der ganzen Welt entsteht.
    Er wird kommen uns zur Freud
    Eben zu der rechten Zeit,
    Voller süßen Kraft und Segen,
    Wie die früh und spaten Regen.
  6. Ach, wie will ich dich ergehen,
    O mein hochgeliebtes Volk!
    Meine Gnade soll dich netzen
    Wie ein ausgespannte Wolk,
    Eine Wolke, die das Feld,
    Wann der Morgen weckt die Welt
    Und die Sonne noch nicht leuchtet,
    Mit dem frischen Tau beleuchtet.
Gerhardt, Paul – Noch dennoch mußt du drum nicht ganz

Gerhardt, Paul – Noch dennoch mußt du drum nicht ganz

  1. Noch dennoch mußt du drum nicht ganz
    in Traurigkeit versinken,
    Gott wird des süßen Trostes Glanz
    schon wieder lassen blinken.
    Steh in Geduld, wart in der Still
    und laß Gott machen, wie er will,
    Er kanns nicht böse machen.
  2. Ist denn dies unser erstes Mal,
    daß wir betrübet werden?
    Was haben wir als Angst und Qual
    bisher gehabt auf Erden?
    Wir sind wohl mehr so hoch gekränkt,
    und hat doch Gott uns drauf geschenkt
    ein Stündlein voller Freuden.
  3. So ist auch Gottes Meinung nicht,
    wenn er uns Unglück sendet,
    als dass sein Angesicht
    ganz von uns sei gewendet;
    Nein, sondern dieses ist sein Rat,
    daß der, so ihn verlassen hat,
    durchs Unglück wiederkehren.
  4. Denn das ist unsers Fleisches Mut,
    wenn wir in Freuden leben,
    Daß wir dann unserm höchsten Gut
    am ersten Urlaub geben,
    Wir sind von Erd und Halten Wert
    viel mehr, was hier ist auf der Erd
    als was im Himmel wohnet.
  5. Drum fährt uns Gott durch unsern Sinn
    und läßt uns Weh geschehen:
    Er nimmt oft, was uns lieb, dahin,
    damit wir aufwärts sehen
    und uns zu seiner Güt und Macht,
    Die wir bisher nicht groß geacht,
    als Kinder wiederfinden.
  6. Tun wir nun das, ist er bereit,
    uns wieder anzunehmen,
    Macht aus dem Leide lauter Freud
    und Lachen aus dem Grämen,
    und ist ihm das gar schlechte Kunst;
    Dem ist geschwind geholfen.
  7. Drum falle, du betrübtes Heer,
    in Demut vor ihm nieder;
    spricht; Herr, wir geben dir die Ehr,
    Ach, nimm uns Sünder wieder
    in deine Gnade! Reiß die Last,
    die du uns aufgeleget hast,
    hinweg, heil unsern Schaden!
  8. Denn Gnade geht doch vor Recht,
    Zorn muß der Liebe weichen,
    wenn wir erliegen, muß uns schlecht
    Gott sein Erbarmen reichen
    Dies ist die Hand, die uns erhält,
    wo wir die lassen, bricht und fällt
    all unser Tun in Haufen.
  9. Auf Gottes Liebe mußt du stehn
    und dich nicht lassen fällen,
    wenn auch der Himmel ein wollt gehn
    und alle Welt zerschellen;
    Gott hat uns Gnade zugesagt,
    sein Wort ist klar, wer sich drauf wagt,
    dem kann es nimmer fehlen.
  10. So darfst du auch an seiner Kraft
    gar keinen Zweifel haben.
    Wer ists, der alle Dinge schafft?
    Wer teilt aus alle Gaben?
    Gott tuts! Und das ist auch der Mann,
    der Rat und Tat erfinden kann,
    wann jedermann verzaget.
  11. Deucht dir die Hilf unmöglich sein,
    so sollst du gleichwohl wissen:
    Gott räumt uns dieses nimmer ein,
    daß er sich laß einschließen
    in unsers Sinnes engen Stall;
    sein Arm ist frei tut überall
    viel mehr als wir verstehen.
  12. Was ist sein ganzes wertes Reich
    als lauter Wundersachen?
    Er hilf und baut, wann wir uns gleich
    Des gar kein Hoffnung machen,
    und das ist seines Namens Ruhm,
    den du, wann du sein Heiligtum
    willst sehen, ihm mußt geben.
Gerhardt, Paul – Warum sollte ich mich grämen?

Gerhardt, Paul – Warum sollte ich mich grämen?

  1. Warum sollte ich mich grämen?
    Hab’ ich doch
    Christum noch,
    Wer will mir den nehmen?
    Wer will mir den Himmel rauben,
    Den mir schon
    Gottes Sohn
    Beigelegt im Glauben?
  2. Nackend lag ich auf dem Boden,
    Da ich kam,
    Da ich nahm
    Meinen ersten Odem;
    Nackend wird ich auch hinziehen,
    Wann ich wird
    Von der Erd
    Als ein Schatten fliehen.
  3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben
    Ist nicht mein;
    Gott allein
    Ist es, ders gegeben.
    Will ers wieder zu sich kehren,
    Nehm ers hin!
    Ich will ihn
    Dennoch fröhlich ehren.
  4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen,
    Dringt herein
    Angst und Pein,
    Sollt’ ich drum verzagen?
    Der es schickt, der wird es wenden!
    Er weiß wohl,
    Wie er soll
    All mein Unglück enden.
  5. Gott hat mich bei guten Tagen
    Oft ergötzt:
    Sollt’ ich jetzt
    Nicht auch etwas tragen?
    Fromm ist Gott und schärft mit Massen
    Sein Gericht,
    Kann mich nicht
    Ganz und gar verlassen.
  6. Satan, Welt und ihre Rotten
    Können mir
    Nichts mehr hier
    Tun, als meiner spotten.
    Laß sie spotten, laß sie lachen!
    Gott, mein Heil,
    Wird in Eil
    Sie zu Schanden machen.
  7. Unverzagt und ohne Grauen
    Soll ein Christ,
    Wo er ist,
    Stets sich lassen schauen.
    Wollt’ ihn auch der Tod aufreiben,
    Soll der Mut
    Dennoch gut
    Und fein stille bleiben.
  8. Kann uns doch kein Tod nicht töten,
    Sondern reißt
    Unsern Geist
    Aus viel tausend Nöten,
    Schleusst das Tor der bittern Leiden
    Und macht Bahn,
    Da man kann
    Gehn zu Himmelsfreuden.
  9. Allda will in süßen Schätzen
    Ich mein Herz
    Auf den Schmerz
    Ewiglich ergötzen.
    Hier ist kein recht Gut zu finden.
    Was die Welt
    In sich hält,
    Muß im Hui verschwinden.
  10. Was sind dieses Lebens Güter?
    Eine Hand
    Voller Sand,
    Kummer der Gemüter.
    Dort, dort sind die edlen Gaben,
    Da mein Hirt,
    Christus, wird
    Mich ohn’ Ende laben.
  11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden,
    Du bist mein,
    Ich bin dein,
    Niemand kann uns scheiden:
    Ich bin dein, weil du dein Leben
    Und dein Blut
    Mir zugut
    In den Tod gegeben.
  12. Du bist mein, weil ich dich fasse
    Und dich nicht,
    O mein Licht,
    Aus dem Herzen lasse.
    Laß mich, laß mich hingelangen,
    Da du mich
    Und ich dich
    Leiblich werd’ umfangen!
Gerhardt, Paul – Schwing dich auf zu deinem Gott

Gerhardt, Paul – Schwing dich auf zu deinem Gott

  1. Schwing dich auf zu deinem Gott,
    Du betrübte Seele!
    Warum liegst du, Gott zum Spott,
    In der Schwermutshöhle?
    Merkst du nicht des Satans List?
    Er will durch sein Kämpfen
    Deinen Trost, den Jesus Christ
    Dir erworben, dämpfen.
  2. Schüttle deinen Kopf und sprich:
    „Fleuch, du alte Schlange!
    Was erneurst du deinen Stich,
    Machst mir angst und bange?
    Ist dir doch der Kopf zerknickt,
    Und ich bin durchs Leiden
    Meines Heilands dir entzückt
    In den Saal der Freuden.“
  3. Wirfst du mir mein Sündgen für?
    Wo hat Gott befohlen,
    Daß mein Urteil über mir
    Ich bei dir soll holen?
    Wer hat dir die Macht geschenkt,
    Andre zu verdammen,
    Der du selbst doch liegst versenkt
    In der Höllen Flammen?
  4. Hab ich was nicht recht getan,
    Ist mir’s leid von Herzen;
    Dahingegen nehm ich an
    Christi Blut und Schmerzen.
    Dann das ist die Ranzion
    Meiner Missetaten;
    Bring ich dies vor Gottes Thron,
    Ist mir wohl geraten.
  5. Christi Unschuld ist mein Ruhm,
    Sein Recht meine Krone,
    Sein Verdienst mein Eigentum,
    Da ich frei in wohne
    Als in einem festen Schloß,
    Das kein Feind kann fällen,
    Brächt er gleich davor Geschoß
    Und Gewalt der Höllen.
  6. Stürme, Teufel und du Tod,
    Was könnt ihr mir schaden?
    Deckt mich doch in meiner Not
    Gott mit seiner Gnaden.
    Der Gott, der mir seinen Sohn
    Selbst verehrt aus Liebe,
    Daß der ew’ge Spott und Hohn
    Mich nicht dort betrübe.
  7. Schreie, tolle Welt, es sei
    Mir Gott nicht gewogen,
    Es ist lauter Täuscherei
    Und im Grund erlogen.
    Wäre mir Gott gram und feind,
    Würd er seine Gaben,
    Die mein eigen worden seind,
    Wohl behalten haben.
  8. Denn was ist im Himmelszelt,
    Was im tiefen Meere,
    Was ist Gutes in der Welt,
    Das nicht mir gut wäre?
    Weme brennt das Sternenlicht?
    Wozu ist gegeben
    Luft und Wasser? Dient es nicht
    Mir und meinem Leben?
  9. Weme wird das Erdreich naß
    Von dem Tau und Regen?
    Weme grünet Laub und Gras?
    Weme füllt der Segen
    Berg und Tale, Feld und Wald?
    Wahrlich, mir zur Freude,
    Daß ich meinen Aufenthalt
    Hab und Leibesweide.
  10. Meine Seele lebt in mir
    Durch die süßen Lehren,
    So die Christen mit Begier
    Alle Tage hören.
    Gott eröffnet früh und spat
    Meinen Geist und Sinnen,
    Daß sie seines Geistes Gnad
    In sich ziehen können.
  11. Was sind der Propheten Wort
    Und Apostel Schreiben
    Als ein Licht am dunkeln Ort,
    Fackeln, die vertreiben
    Meines Herzens Finsternis
    Und in Glaubenssachen
    Das Gewissen fein gewiß
    Und recht grundfest machen?
  12. Nun, auf diesen heilgen Grund
    Bau ich mein Gemüte,
    Sehe, wie der Höllenhund
    Zwar darwider wüte;
    Gleichwohl muß er lassen stehn,
    Was Gott aufgerichtet,
    Aber schändlich muß vergehn,
    Was er selbst dichtet.
  13. Ich bin Gottes, Gott ist mein;
    Wer ist, der uns scheide?
    Dringt das liebe Kreuz herein
    Mit dem bittern Leide,
    Laß es dringen, kommt es doch
    Von geliebten Händen,
    Bricht und kriegt geschwind ein Loch,
    Wann es Gott will wenden.
  14. Kinder, die der Vater soll
    Ziehn zu allem Guten,
    Die gedeihen selten wohl
    Ohne Zucht und Ruten.
    Bin ich dann nun Gottes Kind,
    Warum will ich fliehen,
    Wann er mich von meiner Sünd
    Auf was Guts will ziehen?
  15. Es ist herzlich gut gemeint
    Mit der Christen Plagen;
    Wer hier zeitlich wohl geweint,
    Darf nicht ewig klagen,
    Sondern hat vollkommne Lust
    Dort in Christi Garten,
    Dem er einig recht bewußt,
    Endlich zu gewarten.
  16. Gottes Kinder säen zwar
    Traurig und mit Tränen,
    Aber endlich bringt das Jahr,
    Wornach sie sich sehnen;
    Dann es kommt die Erntenzeit,
    Da sie Garben machen,
    Da wird all ihr Gram und Leid
    Lauter Freud und Lachen.
  17. Ei, so faß, o Christenherz,
    Alle deine Schmerzen,
    Wirf sie fröhlich hinterwärts;
    Laß des Trostes Kerzen
    Dich entzünden mehr und mehr!
    Gib dem großen Namen
    Deines Gottes Preis und Ehr!
    Er wird helfen. Amen.
Gerhardt, Paul – O Herrscher in dem Himmelszelt

Gerhardt, Paul – O Herrscher in dem Himmelszelt

  1. O Herrscher in dem Himmelzelt,
    Was ist es doch, das unser Feld
    Und was es uns hervorgebracht,
    So ungestalt und traurig macht!
  2. Nichts anders, traun, als daß die Schar
    Der Menschen sich so ganz und gar
    Bis in den tiefsten Grund verkehrt
    Und täglich ihre Schuld vermehrt.
  3. Die, so, als Gottes Eigentum,
    Stets preisen sollten Gottes Ruhm
    Und lieben seines Wortes Kraft,
    Sind gleich der blinden Heidenschaft.
  4. Drum wird uns auch der Himmel blind,
    Des Firmamentes Glanz verschwind´t,
    Wir warten, wenn der Tag anbricht,
    Aufs Tageslicht und kommt doch nicht.
  5. Man zankt noch immer fort und fort,
    Es bleibet Krieg an allem Ort,
    In allen Winkeln Haß und Neid,
    In allen Ständen Streitigkeit.
  6. Drum strecken auch all Element
    Hier wider uns aus ihre Händ,
    Angst kommt uns aus der Tief und See,
    Angst kommt uns aus der Luft und Höh.
  7. Es ist ein hochbetrübte Zeit;
    Man plagt und jagt die armen Leut,
    Eh als es Zeit, zur Grube zu
    Und gönnet Ihnen keine Ruh.
  8. Drum trauert auch der Freudenquell,
    Die Sonn, und scheint uns nicht so hell;
    Die Wolken gießen allzumal
    Die Tränen ohne Maß und Zahl.
  9. Ach, wein auch du, o Menschenkind,
    Und traure über deine Sünd ;
    Halt doch von deinen Lastern ein
    Und mache dich durch Buße rein.
  10. Fall auf die Knie, fall in die Arm
    Des Herrn, daß sich sein Herz erbarm
    Und der so wohl verdienten Rach
    In Gnaden bald ein Ende mach!
  11. Er ist ja fromm und bleibet fromm,
    Begehret nichts mehr, als daß man komm
    Und mit geneigter Furcht und Scheu
    Ihn bitt um Gnad und Vatertreu.
  12. Ach Vater, Vater, höre doch
    Und lös uns aus dem Sündenjoch
    Und zeuch uns aus der Welt herfür
    Und kehr uns selbsten du zu dir!
  13. Erweiche unsern harten Mut
    Und mach uns Böse fromm und gut;
    Wen du bekehrst, der wird bekehrt,
    Und wer dich hört, der wird erhört.
  14. Laß deine Augen freundlich sein
    Und nimm mit gnädigen Ohren ein
    Das Angstgeschrei, das von der Erd
    Aus unserm Herzen zu dir fährt.
  15. Reiß weg das schwarze Zorngewand,
    Erquicke uns und unser Land
    Und der so schönen Früchte Kranz
    Mit süßem warmen Sonnenglanz.
  16. Verleih uns bis in unsern Tod
    Alltäglich unser liebes Brot
    Und dermaleinst nach dieser Zeit
    Das süße Brot der Ewigkeit!
Gerhardt, Paul – Wach auf, mein Herz, und singe

Gerhardt, Paul – Wach auf, mein Herz, und singe

  1. Wach auf, mein Herz, und singe
    dem Schöpfer aller Dinge,
    dem Geber aller Güter,
    dem frommen Menschenhüter.
  2. Heut, als die dunklen Schatten
    mich ganz umgeben hatten,
    hat Satan mein begehret;
    Gott aber hat’s gewehret.
  3. Ja, Vater, als er suchte,
    daß er mich fressen möchte,
    war ich in deinem Schoße,
    dein Flügel mich beschlosse.
  4. Du sprachst: Mein Kind, nun liege,
    trotz dem, der dich betrüge;
    schlaf wohl, laß dir nicht grauen,
    du sollst die Sonne schauen.
  5. Dein Wort, das ist geschehen:
    Ich kann das Licht noch sehen,
    von Not bin ich befreiet,
    dein Schutz hat mich erneuet.
  6. Du willst ein Opfer haben,
    hier bring ich meine Gaben:
    mein Weihrauch und mein Widder
    sind mein Gebet und Lieder.
  7. Die wirst du nicht verschmähen;
    du kannst ins Herze sehen;
    denn du weißt, daß zur Gabe
    ich ja nichts Bessers habe.
  8. So wollst du nun vollenden
    dein Werk an mir und senden,
    der mich an diesem Tage
    auf seinen Händen trage.
  9. Sprich Ja zu meinen Taten,
    hilf selbst das Beste raten;
    den Anfang, Mitt und Ende,
    ach Herr, zum besten wende.
  10. Mich segne, mich behüte,
    mein Herz sei deine Hütte,
    dein Wort sei meine Speise,
    bis ich gen Himmel reise.
Funcke, Otto – Ein gebrochenes Herz

Funcke, Otto – Ein gebrochenes Herz

O, wie selig ist’s, wenn unser Wille
Ganz zerknickt am Kreuze liegt,
Wenn das stolze Herz fein kindlich stille
Fest an Jesu Herz sich schmiegt.
Wenn es allen Erdentrost verloren,
Sich nur dieses eine Lied erkoren:
Führ‘ mich, Herr, durch Kreuz und Leid,
Führ‘ mich nur zur Herrlichkeit!

Doch das kostet tausend bittre Tränen
Bis das Herz in Gott gestillt;
Bis all unser Wünschen, Hoffen, Sehnen
Ganz von Jesu Geist erfüllt;
Bis man seinen Isaak zum Altare,
Seine Rahel stille führt zur Bahre;
Jammernd und wehklagend nur
Stirbt die irdische Natur.

Und doch ist’s so selig, wenn der Wille
Nichts mehr willl als seinen Herrn,
Wenn das stolze Herz ganz kindlich stille
Harret auf den Morgenstern.
Dann steht fest auch in den Trübsalswogen
Deines treuen Gottes Siegesbogen.
Er spricht: Kind, magst stille sein,
Ich will ewig bei dir sein!

Johann Heermann – Was willst du dich betrüben,

Johann Heermann – Was willst du dich betrüben,

Was willst du dich betrüben,
o meine liebe Seel’?
Tu den nur herzlich lieben,
der heißt Immanuel!
Vertrau doch ihm allein;
er wird gut alles machen
und fördern deine Sachen,
wie dir wird selig sein.

Denn Gott verlasset keinen,
der sich auf ihn verläßt.
Er bleibt getreu den Seinen,
die ihm vertrauen fest.
Läßt sich’s an wunderlich,
laß du gar nichts dir grauen;
mit Freuden wirst du schauen,
wie Gott wird helfen dir.

Auf ihn magst du es wagen
getrost mit frischem Mut;
mit ihm wirst du erjagen,
was dir ist nütz und gut.
Denn was Gott haben will,
das kann niemand verhindern
aus allen Menschenkindern,
soviel ihr’ sind im Spiel.

Er richt’s zu seinen Ehren
und deiner Seligkeit.
Soll’s sein, kein Mensch kann’s stören,
wenn’s ihm war noch so leid.
Will’s denn Gott haben nicht,
so kann’s niemand forttreiben,
es muß zurückebleiben.
Was Gott will, das geschieht.

Drum ich mich ihm ergeben,
dem sei es heimgestellt.
Nach nichts mehr ich sonst strebe
denn nur, was ihm gefällt.
Sein Will’ ist mein Begier.
Der ist und bleibt der beste,
das glaub’ ich steif und feste.
Wohl dem, der glaubt mit mir!