Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Hört heut der Weisen große Frage

1.) Hört heut der Weisen große Frage:
Wo ist das neugeborne Kind?
Wo sind die Weisen heutzutage,
Die fragen, wo man Jesum findt?
Von heut an soll mir dies allein
Die allerhöchste Weisheit sein.

2.) Bis ich ihn ganz in meiner Nähe,
Bis ich ihn selbst von Angesicht,
Im Glauben hier, dort wirklich sehe,
Bis ich ihn finde, ruh ich nicht.
Von heut an soll mir dies allein
Die allergrößte Sorge sein.

3.) Behalte, Welt die tollen Freuden,
Womit dein Volk sein Herz berauscht.
Es haben heut schon viele Heiden
Das Jesuskind drum eingetauscht.
Und Jesum finden soll allein
Auch meine höchste Freude sein.

4.) Erbebt vor ihm, ihr Majestäten,
Die ihm nicht herzlich untertan
Und kommt, dies Kindlein anzubeten,
Nicht in Herodis Sinn heran!
Vor ihm sich beugen, wird allein
Die Ehre seiner Heil’gen sein.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Besser ist kein Tag zur Buße

1.) Besser ist kein Tag zur Buße,
Mensch, für dich, als eben heut‘.
Kehre wieder auf dem Fuße,
Heut‘ ist noch die Gnadenzeit.
Morgen kommt vielleicht der Tod.
Heut‘ ist dir die Buße Not.
Heute lass‘ dich noch erretten!
Wirf von dir dein Übertreten.

2.) Heute bietet Gottes Güte
Dir und mir und Jedermann
Ein neu‘ Herz und neu‘ Gemüte,
Einen neuen Geist uns an.
Mache, dass der heut’ge Tag
Dein Geburtsfest werden mag!
‚Wie soll ich dies Machen fassen?‘
Du sollst Gott nur machen lassen!

Karl Johann Philipp Spitta – Du, dess‘ Zukunft einst erflehten

1.) Du, dess‘ Zukunft einst erflehten
Tausende in Israel:
Du bist unter uns getreten,
Christus und Immanuel!
O, der teuren Gnadenzeit!
Nun ist allen Heil bereit,
Nun soll keiner hilflos klagen,
Keiner hoffnungslos verzagen.

2.) Sel’ge Zeit! O, wie vor Alters
Man nach Dir Verlangen trug, –
Wie die Saiten seines Psalters
David so voll Sehnsucht schlug, –
Wie nach Dir einst ausgeschaut,
Sich gesehnet still und laut
Unter Seufzen und Gebeten
Die Gerechten und Propheten!

3.) Gott sei Dank! Nun ist geschehen,
Nun aus Gnaden uns gewährt,
Was so viele hier zu sehen
Und zu hören einst begehrt.
Gotes Rat ist nun enthüllt
Und zu unserm Heil erfüllt
Jetzt der Väter heiße Bitte:
Christus ist in unsrer Mitte!

4.) Aber der der Welt erschienen,
Wie vom Vater er gesandt,
Wandelt mitten unter ihnen,
Vielen fremd und unbekannt.
Unbeachtet lässt man Ihn
Seinen Weg vorüberziehn.
Ruft er, will man ihn nicht hören,
Lässt in Sünden sich nicht stören.

5.) Und Er klopft an manche Pforte,
Suchet Eingang hier und dort,
Grüßt sie mit holdsel’gem Worte,
Doch man weist Ihn schnöde fort.
Wer nicht fühlt, was ihm gebricht,
Dem gefällt der Helfer nicht.
Wer nicht in sein Herz will gehen,
Lässt den Heiland draußen stehen.

6.) Kennt ihr Ihn, der, uns zu retten,
Von dem Thron des Vaters kam,
Und damit wir Frieden hätten,
Unsre Strafe auf sich nahm?
Lebt ihr als Sein Eigentum
Ihm zur Ehre und zum Ruhm?
Seid ihr auch schon angeschrieben
Unter denen, die Ihn lieben?

7.) Ließt ihr Ihn das Herz gewinnen?
Nahmt ihr euch sein sanftes Joch?
Ist sein Reich bei euch darinnen
Oder widerstrebt ihr noch?
Sagt, wem dient ihr überall:
Christo oder Belial?
O, singt Christo: Hosianna!
Er allein hat Lebensmanna.

8.) Hosianna, sei willkommen,
Christe, kehre bei uns ein!
Du sollst von uns aufgenommen,
Herzlich aufgenommen sein.
Sieh, zum Eingang öffnen wir
Freudig unsre Herzen Dir.
Komm denn, komm darin zu wohnen,
Ja, als König drin zu thronen!

9.) Ach, es hat uns nur zu lange
Schon die Sünde übermocht,
Und mit unbesiegtem Zwange
Leib und Seele unterjocht.
Wie war aller Kampf und Krieg
Gegen sie doch ohne Sieg!
Du nur kannst uns von dem Bösen
Ganz und ewiglich erlösen.

10.) Drum, wie Dir das Reich verheißen,
Nimm das Reich bei uns auch ein.
Denn dem Starken uns entreißen,
Kann der Stärkere allein.
Mach uns selig, Gottes Sohn,
Sammle deiner Liebe Lohn,
Bis Dir untertänig werden
Alle Reiche hier auf Erden!

Tersteegen, Gerhard – Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören?

1. Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören?
Wie laß ich mich bezaubern und betören!
Die kurze Freud, die kurze Zeit vergeht,
und meine Seel noch so gefährlich steht.

2. Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich kommen?
Ich hab so lang die treue Stimm vernommen;
ich wußt es wohl: ich war nicht, wie ich sollt;
er winkte mir, ich habe nicht gewollt.

3. Gott rufet noch. Wie, daß ich mich nicht gebe!
Ich fürcht sein Joch und doch in Banden lebe.
Ich halte Gott und meine Seele auf.
Er ziehet mich; mein armes Herze, lauf!

4. Gott rufet noch. Ob ich mein Ohr verstopfet,
er stehet noch an meiner Tür und klopfet;
er ist bereit, daß er mich noch empfang;
er wartet noch auf mich. Wer weiß, wie lang?

5. Gib dich, mein Herz, gib dich nun ganz gefangen.
Wo willst du Trost, wo willst du Ruh erlangen?
Laß los, laß los; brich alle Band entzwei!
Dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei.

6. Gott locket mich; nun länger nicht verweilet!
Gott will mich ganz; nun länger nicht geteilet!
Fleisch, Welt, Vernunft, sag immer, was du willi,
meins Gottes Stimm mir mehr als deine gilt.

7. Ich folge Gott, ich will ihm ganz genügen;
die Gnade soll im Herzen endlich Siegen.
Ich gebe mich; Gott soll hinfort allein
und unbedingt mein Herr und Meister sein.

8. Ach nimm mich hin, du Langmut ohne Maße;
ergreif mich wohl, daß ich dich nie verlasse.
Herr, rede nur, ich geb begierig acht; führ,
wie du willst, ich bin in deiner Macht.

Tersteegen, Gerhard – Noch ruft der Herr, es lockt sein Wort

Noch ruft der Herr, es lockt sein Wort
dich, Seele, von der Weltlust fort;
soll diese Zeit vorübergehn
und dir kein Heil vom Herrn geschehn?

Noch ruft der Herr, drum säume nicht
und suche Gottes Angesicht;
er harret dein, er steht bereit,
er schenkt dir Fried’ und Seligkeit.

Noch ruft der Herr, klopft an die Tür
und spricht: Ach, Seele, öffne mir,
ich möchte bei dir kehren ein
und dich von Sünden machen rein.

Noch ruft der Herr, ich muß jetzt gehn,
muß endlich um Vergebung flehn;
nicht länger ich mich weigern kann,
ich komme, Heiland, nimm mich an.

Walter, Johann – Wach auf, wach auf, du deutsches Land!

1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.

2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
ein großes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.

3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.

4. Für solche Gnad und Güte groß
sollst du Gott billig danken,
nicht laufen aus seim Gnadenschoß,
von seinem Wort nicht wanken,
dich halten, wie sein Wort dich lehrt,
dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.

5. Du solltest bringen gute Frucht,
so du recht gläubig wärest,
in Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solchs selbst begehrest,
in Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
daß du niemand beschwerest.

6. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht‘,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

7. Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst übereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.

8. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der Tür;
Deutschland, laß dich erweichen,
tu rechte Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.

9. Das helfe Gott uns allen gleich,
daß wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
daß wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu‘
und gib uns deinen Geist dazu,
daß wir dein Warnung fassen.

Savonarola, Girolamo – Was thust du hier mein Herz?

Was thust du hier mein Herz?
Was thust du hier mein Herz?
Geh heim zu Gottes Liebe!

Die Liebe, Jesus Christ,
Die wonnevoll erwärmet,
Macht froh, was traurig ist,
Was nur von Liebe lebt,
Sich im Gebet noch härmet,
Den Irrthum treu begräbt.

Wenn Drangsal dir erstand,
So wird er dein Begleiter,
Dein grüner Ruhestrand,
Dein froher Friedensport,
Der macht dich immer heiter,
Er liebt ja fort und fort.

O Herz, sey nimmer dein;
Suchst du dir Friedenssaaten,
Zu Jesu geh, sey sein.
So trüglich ist die Welt,
Nur wer den Herrn verrathen,
Der falschen Welt gefällt.

Hältst du es mit der Zeit,
Verbittert sie dein Leben,
Bringt überall dir Streit.
Der Friede ging ihr aus;
Willst du dich froh erheben,
Geh‘ ein in’s Vaterhaus.

Vertrau dich Keinem an,
Betrüglich sind die Herzen,
Geh‘ du zum rechten Mann,
Des Meisters Ruhm genieß,
Er macht dir deine Schmerzen
Mit seinen Schmerzen IM

In Demuth such‘ ihn du,
Dann ist er bald gefunden,
Und hört dir liebend zu.

Gesteh‘ die Menschenpein,
Er traust in ihre Wunden
Den süßen Balsam ein.

Kommst du zu ihm hinan,
Die Füße und die Hände
Umschließt und küßt ihm dann;
Nun ward sie dir gewährt
Die beste Gnadenspende,
Die immer du begehrt.

Und faßt er deine Hand,
So laß sie ewig nimmer.
In Liebe ganz entbrannt;
In seiner holden Näh’,
In seinem Schauen immer
Verschwinden Angst und Weh.

Ja Herz, zu Jesu hin.
Und laß die Menschen toben,
Was sind sie gegen ihn?
Wie Liebe bei ihm ruht.
Sollst du der Welt erproben.
Im Tragen ihrer Wuth.

Bringt alle Waffen her,
Ihr Feinde aller Gnade,
Ich fürchte Keinen mehr.
O Leiden, meine Lust!
Das ziemet auf dem Pfade
Der lieberfüllten Brust.

Was thust du hier mein Herz?
Was thust du hier mein Herz?
Geh heim zu Gottes Liebe!

Rapp – Die erwecklichen Schriften Savonarolas

Redern, Hedwig von – Soll ich dir’s sagen, was dir fehlt?

Soll ich dir’s sagen, was dir fehlt?
Dir fehlt ein Arzt für deine Wunden,
damit die Seele kann gesunden,
die tief verborgner Schaden quält.

Du brauchst ihn nötig, ihn allein.
Die Brunnen, die die Welt gegraben,
sind löchrig, können dich nicht laben,
ihr trübes Wasser macht nicht rein.

Du gingst auf eignen Wegen hier
und suchtest deine eigne Ehre,
und dennoch griffst du nur ins Leere,
und neue Not war dein Gewinn.

Doch wenn du dich zur Quelle kehrst,
wenn du dich Jesu übergeben,
durchströmt er dich mit neuem Leben,
du hast, was immer du begehrst.

Statt Kampf und Unrast wird dir Ruh,
und statt der Sorge tiefer Frieden,
und neue Kraft wird dir beschieden,
er deckt all deinen Mangel zu.

Der Reichtum, der verborgen liegt
im Herrn, soll ja dein eigen werden,
du wanderst durch den Streit der Erden
als einer, der schon obgesiegt.

Dies alles und noch mehr ist dein.
Willst du nicht kommen und es fassen,
um nie es wieder loszulassen?
Willst du nicht endlich glücklich sein?

Mahulael, Christian – Deutschland Deutschland du hast Zeit

Eine inbrünstige Klage / hertzliche Ermahnung und trewliche Warnung / wegen der grossen undanckbarkeit und verachtung des H. Göttlichen Worts: Wie auch grossen uberhäufften Sünden / Schanden und Lastern: Und etlicher darauff gehöriger / gerechter Straffe und Untergang/ des bißher hochbegab- und geehrten Gantzen Deutschlands/

Darauß klar zuersehe / daß wo es nicht ware Busse thut / und Gott dem Allmächtigen in die ruthe fellt / es gewiß in bürtzen (laut dem ‚Wort und Trewungen Gottes / und der Prophecey und Weissagung / des Hocherleuchten thewren Mannes Gottes / Doct. MARTINI LUTHERI, und dann täglicher vorher gehender Geschichten / Zeichen und Wundern) mit Krieg und Blut gantz uberschwemmet / verheeret / verzehrt und zerstört werden müsse.

In einen Gesang verfasset / Im Thon: Wo Gott der HERR nicht bey uns helt / ec.

Durch

Christianum Mahulael. SS. Theol. Stud

Jerem. 18. V.7.

Plötzlich rede ich wider ein Volck und Königreich / daß ichs außrotten / zerbreche und verderbe wolle. Wo sichs aber bekehret von seiner Boßheit darwider ich rede: So sol mich auch rewe das Unglück / das ich ihm gedachte zu thun / ec.

Gedruckt im Jahr Christi / 1624.

Im Thon: Wo Gott der HERR nicht bey uns helt /ec.

Deutschland Deutschlad du hast Zeit
thu dich zu Gott bekehren
groß Trübsal ist dir zubereit
von Gott niemand wirds wehren
dein Untergang naht sich herbey
das macht dein Boßheit mancherley
Gott wird dich Mores lehren.

Weh dir Deutsch Land du Chorazim
wie wil es dir ergehen?
Du deutsch Bethsaida vernim
wie wilt du doch bestehen?
Wenn in Türckey und Graecia
zu Sodom und zu Gomorra
solche thaten geschehen:

Als in dir sin geschehen bißher
innerhalb hundert Jahren
da Gottes Wort und Luthers Lehr
deiner Füß Leuchte waren
im Sack hetten sie Buß gethan
im Staub und Aschen Fraw und Mann
der Pöbel auch mit Schaaren.

Weh dir du deutsch Capernaum
du warst sehr hoch erhaben
Gott hat dich ja gezeunet umb
mit seinen Geist und Gaben
dein Höh biß an den Himmel reicht
kein Land war das sich dir vergleicht
vom Morgen biß zum Abend.

Aber nun wird Gott stürtzen dich
Hinunter in die Helle
weil du sündigst so muthwillig
wird Gott an deine Stelle
setzen ein andre Nation
so Jesum Christum seinen Sohn
ehrt mit Hertz Mund und Seele.

Doctor Luther der thewre Held
helt dirs längst propheceyet
in seinen Schrifften angemelt
wie du gäntzliich zerstrewet
wirst werden uber wenig Jahr
nach sein Todt nims eben war
ob dichs gleich nicht erfrewet.

Dir eckelt für dem Himmel Brodt
das dir Gott hat gegeben
das Manna ist dir nur ein spott
so dir gibt ewigs Leben
Egyptisch Fleisch Töpff liiben dir
du suchest nur das zeitlich hier
daran thut dein Hertz kleben.

Weil du es nenst ein lose Speiß
wirds solche Wachteln regnen
so auff Jüdische art und Weis
mit Krig und Blut dich segnen
die sterb Drüs wird anhangen dir
Pest Fieber Geelsucht fur und für
groß Furcht wird dir begegnen.

Du wirst nicht sicher seyn im hauß
nicht sicher auff der Strassen
dein Feind werden dich treiben auß
drumb daß du Gott verlassen
und nicht gehorcht hast seiner Stimm
drumb wird der HERR in seinem Gromm
dich gantz zerstören lassen.

Du schreyest mit den Jüden starck:
Hie ist des HErren Tempel
und treibst doch Sünd und Schande arg
daß auch fast kein Exempel
der Türcken zu vergleichen dir
die Tartern und Uunchristen schier
treibn nicht solch lose Händel.

Dein Kirchen gehn ist nur ein Schein
auch dein Communicieren
du ehrst Gott mit dem Mund allein
im Werck kan mans nicht spüren
dein Hertz von deim Schöpffer und HERRN
ist abgesondert weit und fern
Gotts Geist lest dich nicht führen.

Die werden nicht so sagen HERR
dadurch in Himmel kommen
die Gottes Willen thun vielmehr
nennt Christus selbst die Frommen
ein guter Bawm bringt gute Frucht
ein fauler bawn dürr und verrucht
wird bald in Fewr genommen.

Wie kan der seyn ein warer Christ
der da hat Geld und Güter
und siht daß sein Nechster bloß ist
ja siht daß seine Brüder
mangel an ihrer Nahrung han
und lests mit gott berat euch gan
oder kompt morgen wieder.

Solcher Gesellen giebt es viel
in allem Land und Städten
aber Gott wird greiffen ins Spiel
und sein Gläubige retten
mancher geb nicht ein bissen Brod
ein Armen in der Hungers Noth
solt ihn der Hunger tödten.

Gar schwerlich werden reiche Leut
das Reich Gottes ererben
so den Mammon zu aller Zeit
lieiben und drin ersterben
es möchte wol gehen vielmehr
ein Camel durch ein Nadel Oehr
der Geitz thut sie verderben.

Wohlan ihr Reichen heulet nu
weint sehr in allen Gassen
ewr Elend nahet sich herzu
sie sind schon auff der Strassen
die ewre Schätz euch nehmen werdn
ewr Kutschen sampt den schöne Pferdn
werden sie euch nicht lassen.

Gott kan der grossen Büberey
nicht länger so zusehen
ihr seynd zuviel und mancherley
so jetzt im schwange gehen
Mord Unzucht Hoffart Schinderey
kippen und wippen auch darbey
kan länger nicht bestehen.

Wir wollen gute Christen seyn
und Gott den HErren ehren
hinder sich (gehn die Krebs) ich meyn
donnern fluchen und schweren
Christi Wunden Marter und Todt
sein Sacrament und Blut so roth
täglich man fluchen höret.

Vorzeiten steinigt man alßbald
ein solchen Gotteslästrer
jetzunder treibt es jung und alt
wer sehr flucht ist der Beste
man acht es für kein Sünde mehr
drumb thut mans auch nicht straffen sehr
der Klein flucht wie der Gröste.

Der Pöbel und gemeine Mann
wird ungestrafft nicht bleibe
er wird es müssen sehen an
das man Unzucht wird treiben
mit seinem Weib un seinem Kind
noch ist er so rasend und blind
daß er es nicht wil gläuben.

Jetz wird PPAX ET SECURITAS
von uns sehr practiciret
groß sicherheit ohn alle maß
man täglich bey uns spüret
ein jeder spricht: Es hat kein Noth
hett ich so lange Geld und Brodt
biß uns ein Kriegs Heer rühret.

Alle Sünder spricht Gott der HERR
sollen durchs Schwerd bald sterben
so da sagen: Es sey noch sehr
weit von uns das Verderben
die da sagen: Es hat kein Streit
uns trifft durchauß kein Hertzeleid
ob man gleich Volck thut werben.

Wir werden wol verschonet seyn
mit wem han wir zu schaffen?
Ach gläub es nicht Ich sag dir nein
unser Feinde nicht schlaffen
sie suchen unser reine Lehr
Land Leut die Stiffte und Klöster
woln sie einnehmn durch Waffen.

Sie dichten darauff tag und Nacht
ja schon vor vielen Jahren
haben sie ein Anschlag gemacht
wie sie wollen verfahren
mit Luthers Lehr und allen gleich
so die bekent im Römischen Reich
woln sie ubel gebahren.

Auch haben sies in Werck gesetzt
leider an vielen Orten
da sie haben ihr Schwerter genetzt
in Christen Blut mit morden
schrecklich han sie Tyrannisirt
Weib Kind Geld Gut hinweg geführt
sind noch nicht frömmer worden.

Sondern gedencken gantz und gar
Deutsch Lland zu uberschwemmen
mit ihr verfluchten falschen Lahr
und Gottes Wort zu hemmen
weils nun ist uber hundert Jahr
daß Gottes Wort gelehrt so klar
wollen sies uns weg nehmen.

Drumb brauchen sie euserste Macht
an allem Ort und enden
wo Gott nicht selbst hat auff uns ach
werden sies auch vollenden
den weil wirs fast nicht achten mehr
wird Gott seinem Zorne schwer
ein Wort Hunger uns senden.

Ich fürcht geborn sey allbereit
der Knab welchen Gott nennet
Raaube balde und Eylebeut
ob man ihn gleich nicht kennet
er wird gar balde ruffen lern
Die Assyrier seind nicht fern
ihr König kompt gerennet.

Diesen Sommer wirds geben Blut
sehr böß die Sachen stehen
es wird ein grosse Wasserflut
uber viel Länder gehen
es wird sich hebn ein Wetter groß
und Deutschland gebn ein solchen Stoß
darvon es möcht vergehen.

Thewrer als Goldt ein Mann glaub mir
ein Mensch wird werther werden
als grosse Goldstück auß Ophier
allhier auff dieser erden:
Sieben Weiber werden gemein
ergreiffen einen Mann allein
mit trawrigen Geberden.

Und sprechen: Sey du unser Trost
wir wollen uns selbst nehren
auch kleiden daß wir nicht gehn bloß
nur das wir han ein Herren
laß uns nur nach dem Nahmen dein
heissen daß unser Schmach und Pein
von uns genommen werde.

Lieben Christen es heist noch heut
thut euch zu Gott bekehren
es ist ja noch die Gnadenzeit
zu Fuß fallt Gott dem HERRN:
Deutsch Land thu Buß wie Ninive
Hab Rew und Leid wie Manasse
Gott wird die Straff abkehren.

Als denn wirstu all deine Feind
sämptlich in die Flucht schlagen
und all so dir zuwider seynd
fünff werden hundert jagen
hundert werden zehn tausend Mann
jagen und mit dem Schwerd erschlan
Gott selbsten wird die plagen.
Amen.

Juda, Leo – Klage Jesu zu dem Menschen, der aus eigenem Muthwillen verdammt wird

1522

Sagt an, ihr Menschen allgemein,
Die ihr doch habt von mir allein,
Daß reichlich ausfließt alles Gut,
So Himmel und Erd einschließen thut:
Was blendt euch? was bethört euch so,
Daß ihr das suchet anderswo,
Und nit in mir, der ich der Bronn
Und Ursprung bin, der euch auch gönn‘,
Ja gegentrag‘ euch Solches frei,
Damit euch kein Entschulden sei:
Was habt ihr Arbeit, groß‘ Unruh‘,
Kein Fried‘ kein stete Freud‘ dazu?
Was ficht euch an? was Muthwills Lust?
Was B’gierd‘ habt ihr? hang an umsust
Dem Schatten und dem falschen Wahn,
Da euch kein Nutz mag draus entstahn,
So ich allein die Seligkeit,
Und wahres Heil euch hab‘ bereit?
——————————————
Ein freudenreicher Freund bin ich,
Und dazu stet, theil selber mich
Und, was ich hab‘, mit meinem Fründ.
Wie? daß man doch so Wenig‘ findt,
Die solcher Freundschaft stellen nach
So ich aus Gunst, vergebens doch
Mein’s Reichthums Schatz geb‘ jedermann
Und niemand unbegabet lan?
Ich bin die Straß‘ und Weg allein,
Der alle Menschen gleich gemein
zum Himmel Führ‘; warum geh’n dann
So wenig Leut‘ auf dieser Bahn?
Die ewig‘ Wahrheit ich selbst bin,
Die allen Falsch und Trug treibt hin;
Wie ist das Volk denn so verblendt,
Daß mich so gar jetzt niemand kennt;
Wie sind die Menschen so bethort,
Daß sie nit glauben Gottes Wort?
Mein‘ Zusag‘ ich gar treulich halt‘,
Und hab‘ deß Macht und volle G’walt;
Wie sind denn das so thöricht‘ Leut‘,
Die mir mißtrauen allezeit?
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——————————————
G’neigt bin ich mit Erbärmd’gen dir,
Wie? daß du doch nit fliehst zu mir,
Als zu einer sichern freien Statt,
Da Sünd‘ und Schuld Verzeihung hat?
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——————————————
Darum, o Mensch, verläßt du mich,
Und führt in Tod dein‘ Blindheit dich,
Gib mir nit Schuld, klag mich nit an!
Du hast’S dir selbst muthwillig g’than;
Durch mich ist gar ganz nichts versumt.
Wirst du verdammt, dasselb‘ das kumt
Von deiner Bosheit, Muthwill groß;
Die Schuld auf keinen Andern stoß.
Denn was ist noch vorhand, das ich
Nit hab‘ gethan? Bericht deß mich!
So nun dein Herz ist härter viel
Als Marmorstein, und dich nit will
Bewegen solch inbrünst’ge Lieb‘
Die ich so überfließend üb‘
Allzeit gen dir, und dir mein‘ Güt‘
Nit weichen mag dein hartes g’müth;
So dich nit reizt gewisser Lohn,
Den ich dir dort bereitet schon;
So dich kein‘ Furcht der Hölle schreckt,
So dich kein‘ Scham, kein‘ Ehr‘ erweckt,
Ja, so dies All’s dich härter nur
Und noch verstockter macht, wodur
Ein Stahel und ein harter Stein
In Stücke würd‘ zerspalten klein;
Was soll ich väterlicher Gunst
Gen dir erzeigen fürder meh,
So du dich in das ew’ge Weh
Ganz willig und mit Muthwill gibst,
In dem du immer und ewig blibst?
Denn daß ich dich zur Seligkeit,
Die ich euch Allen hab‘ bereit’t,
Woll‘ zwingen wider deinen Will,
Ist meiner G’rechtigkeit zu viel,
So leidet’s Billigkeit gar nicht,
Auch all‘ Vernunft dawider ficht.