Nikolaus Hermann – Der hundert vnd dritte Psalm Dauids.

NU lob, mein Seel, dein HErrn vnd Gott,
von gantzem hertzn jn preise!
Gedenck mit fleis aller Wolthat,
die er dir hat beweiset!
All dein Sünd hat er dir geschenckt,
dein Missethat er nicht gedenckt
vnd heilt all dein gebrechen.

Dein leben rett er allezeit,
allen vnfall er wehret;
Mit gnad, gut vnd Barmhertzigkeit
krönet er dich vnd ehret,
Hertz, mut vnd sinn ist freuden vol,
das Gwissn gehab sich fein wol,
mein Mund sein Wolthat preiset.

Wie ein Adler verjünget sich
vnd kriegt spann new gefieder,
So hat er new geboren dich
durchs Wort vnd sein Geist wider.
Der HErr schafft Grechtigkeit vnnd Gricht,
die elenden verlest er nicht,
die vnrecht müssen leiden.

Sein zorn wehrt nur ein kleine zeit,
sein grim sich gar bald leget;
Er schont menschlicher gbrechligkeit,
vnser schwacheit er treget.
Er ist Barmhertzig vnd gütig
gnedig, gedultig, langmüütig,
die Sünd er nicht bald straffet.

Wie ein Vater meint seine Kind
vnd jn alls guts erzeiget,
So ist Gott gegen vns gesindt,
sein hertz zu vns geneiget:
Wer jn fürcht, trawt vnd ruffet an,
den kan vnd wil er nicht verlan,
denn wir sind sein geschöpffe.

Er weis, das wir sind asch vnd staub
vnd wie grass auff dem felde:
Ein Mensch fellt ab gleich wie das laub
von Blumen in den Welden,
Sein gnad aber wehrt ewiglich,
der sollen allzeit trösten sich,
die nach seim willen wandeln.

Mosen hat er sein weg bericht
vnds Gsetz lassen auff schreiben,
Auff das Israel jrret nicht
vnd bey seim Wort möcht bleiben,
Sein wunder macht er jn bekandt,
do er sie mit gwaltiger Hand
vom Pharao erlöset.

Im Himel hoch sein Regiment
fürt er mit gwalt vnd ehren,
Im ghorchen alle Element,
sein macht kan niemand wehren:
So lob den HErrn, jr Engelein,
die jr ausricht den willen sein
vnd sein Wort weit ausbreitet!

Ir Heerscharen, lobt ewren Gott,
die jr thut nach seim gfallen
Vnd richt mit fleis aus sein gebot,
lobt seine Werck mit schalle!
Vnd du, mein allerlibste Seel,
preis Gott vnd sein Wolthat erzel,
rhüm sie von gantzem hertzen! Amen.

Quelle

Thomas Blaurer – Der XXVI. Psalm Heb.

Judica me domine rc.

RIcht mich, das ichs mög lyden,
nach miner einfalt, Herr!
All sünd wolt ich gern myden,
wandlen in diner ler.
Gott mag ichs wol vertruwen,
mich sicher auff jn lon,
Mein sachen auff jn buwen,
hat mich noch nie geruwen,
so mag ich allweg bston.

Prüff vnd ersuch min nieren,
probier mit fhür min hertz!
Laß dich an mir nichts irren,
es ist umb keinen schertz.
Din warheit vnnd din güte
nimm ich für mich allein,
Dahin richt ich min gmüte
zuwider dem geblüte
in allem minem thun.

Ich wölt nit gern zuhuse
by losen lüten syn,
Die läbend in dem suse
mit pracht vnnd ytelm schyn;
Vil minder by den lüsern
möcht ich mich finden lon,
Die frässend dwitwen hüser,
heimlich vnd tückisch müser
imm Euangelion.

Wie seer hassz ich die kirchen
falsch gnanntes geistlichs stands
Der leyen vnd der Clerchen,
ich mein des Bapstes brands
Vnnd all, die jr thun vnnd dencken
ouch jrn gottlosen mund
Verblümend schon mit rencken,
wil sich ddoch gar nit lencken,
es hat ouch keinen grund.

By jnn mocht ich nit blyben,
wo ich mich sunst hin lend,
Vnnd soltens mich vertryben,
mit vnschuld wäsch ich dhend.
Vmb dinen altar, Herre,
ringswyß gon ich herumb,
Dem wird ich nit syn verre,
des crütz ich mich nit sperre,
biß das ich zu dir kumb.

Da wil ich erst vernemen
dz danckbar lobgesang,
Des ich mich nit wird bschenem
zum end von anefang,
Ja selbst syn ein verkünder
der hochberümpten that,
Vnd aller diner wunder,
die vns din Sun in sunder,
Christus, bewisen hat.

Din huß vnnd hofstatt schone,
da ich din wonung hatt,
Din tabernackel frone,
da man din Eer begat,
Die selbig stett vnnd orte
lieb ich von hertzen grund,
Sy stond in dinem worte,
biß ist allein min horte,
wie es gadt vß dim mund.

Darumb welst nit vfheben
vnd lassen durhin gon
Min seel, ouch lyb vnnd läben
das es der sünder lon
Empfach mit sampt den hunden
der blutdurstigen rott,
Din marter vnnd din wunden,
alls, was an dir wirt funden,
das lestern sy mit spott.

Zu säld vnnd ouch dahinden,
imm wollust vnnd am stryt,
Mit fründen vnd mit synden,
es sey nach oder wyt,
Thut sy die blutsucht tryben,
die Herren vnd die knecht,
Vor jnn mag nieman blyben,
all die wend sy entlyben,
wär nit spricht: Ir habt recht.

Kein mißthat jren henden
ist zegroß noch zeschwär,
Das gält mag sy verblenden,
als ob es wolthon wär,
Sich lassen zu bestechen
ist vol jr grechte hand,
Gricht, recht, frid sy zerbrechen,
mit heschen vnnd mit zechen
regierends lüt vnd land.

Wie sol dann ich mich schlöuffen
vß sölchem boch vnnd zwang
In disen gschwinden löuffen?
es wil mir doch sin zlang!
Din gnad, Herr, laß ich walten,
dann ich fort wie bißhar
On arglist vnd haar spalten,
das ich mich din mög halten,
in einfalt ynher far.

Min fuß soll nit abwychen,
er stadt vff rechter ban.
Hochmut, wituz vnd derglychen
macht irrthumb vnd bringt span:
Des wird ich syn vertragen,
so ich von dir allein
Lob, EEr vnd pryß wird sagen
on alle forcht vnd zagen
imb raat vnd gantzer gmein.

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=verzeichnisse:quellen:kirchenlied_wackernagel

Matthesius, Johannes – Der ein und neuntzigste Psalm

WEr bey Gott schutz vnd hülffe sucht,
wenn er sein ruth außsendet,
Und hat zu jm all sein zuflucht,
mit buß sich zu jm wendet;
Der rufft getrost in seiner nott:
du bist mein Burg, o Herr, mein Gott,
du wirst mich nicht verlassen!

Du rettest mich vons Jeger strick,
kein Pestilentz mir schadet;
Unter dein flückel ich mich tück,
wenn die seuch zu mir nahet,
Dein waarheit ist mein schildt vnd spieß,
dein wort macht mich keck vnd gewiß,
drumb laß ich mich nicht schrecken.

Kein gram des nachts, kein pfeil am tag,
die der teufel lest fliegen,
Mir schaden kan, kein seuch noch plag
des Feinds wirdt mir obsigen:
Ob vil tausent auff beider seit
vmb mich fallen, nicht nur dran leit,
der tod kan mich nicht treffen!

Mit lust mein augen werden sehen,
wie Gott den lohn wirdt geben
Vnd vergelten den Gottlosen,
die seim Wort widerstreben,
Mein Hauß aber zu friden bleibt,
als vnglück mein Gott darvon treibt,
kein plag darzu mag kommen.

Sein Engeln er befolhen hat:
„Tragt jn auff euren henden,
Wo er auff seineen wegen gat,
das böß von jm thut wenden,
Damit sein fuß an keinen stein
anstoß, mit treuen ich jn mein,
lest jm nichts args begegnen!

Wenn er auff schlangn vnd drachen steht,
kein leid jm widerferet;
Durch Pestilentz er sicher geht
vnd bleibt auch vnversehret;
Gleich wie auch Aaron in seinem Ampt,
wehr ich der Seuch mit meiner hand,
das sie zu jm nicht nahe!

Wenn jn gleich die plag sampt dem tod
ergreifft vnd wölln jn fressen,
Im größten kampff vnd höchster not
kan ich sein nicht vergessen;
Wenn er gleich gar darnider leit,
helff ich jm auff zu rechter zeit,
so bald er mich anruffet.

Wenn all sein leib fur kranckheit hitzt
vnd er jetzt will verschmachten,
In todeskampff für engsten schwitzt,
sein heil will ich betrachten!
Ich will sein krafft vnd labsal sein
vnd jn erquicken in der pein,
bey jm bin ich in nöten.

Sein unschuld macht mich offenbar,
das man sein ehr stets preise,
Sein leben frist ich manches Jar,
mein Heiland ich jm weise,
Von hinn fehrt er mit frid vnd freud,
ein end hat all sein dürfftigkeit,
sein Seel will ich bewaren.“

Wir dancken dir für disen trost!
hilff, das wir fest dran halten!
Herr Christ, der du vns hast erlöst,
du wöllest vnser walten!
Sterck vnsern glauben, Herr, an dich,
hilff, das die lieb dem Nechsten sich
mit früchten stets beweise! Amen.

Quelle in der Glaubensstimme

Spangenberg, Cyriakus – Der 103. Psalm

NUn lob mein seel den Herren,
den Herren Jesum Christ,
Willig von hertzen gerne!
nur alls, was in mir ist,
Das lobe sein Heylgen Nammen
vnd faß es all zusammen,
war er mir guts gethon.

Er hat die Sünd vergeben
vnd heylt die gbrechen all,
Vom Todt errett mein leben,
darumb ich jn loben soll,
Hat mich gekrönt mit gnaden,
gejschenckt für meinen schaden
sein groß Barmhertzigkeyt.

Mein Mundt er frölich machet,
sein lob zusingen frey!
Mein hertz mir wider lachet,
als obs Jung worden sey,
Er hilfft vns stäts zu rechte
vnd strafft das böß geschlechte,
welchs vns verfolget sehr.

Sein weg ließ er kundt werden
Mose, dem Gottes Mann,
Sein thun zeygt er auff erden
den Kindern Israel an:
Der Herr der ist Barmhertzig,
Gnädig vnd auch Gedultig
vnd sehr von grosser Güt.

Er würt nicht hadern immer
noch Ewig halten zorn,,
Nicht straffen nach den Sünden,
sunst wern wir all verlorn,
Er will auch nicht vergelten
mit peyn vnd stätem schelten
nach vnser Missethat.

Als weyt wir den Himmel sehen
vber die Erd gebreyt,
So soll sein Gnad auch stehen
vber all Gottsförchtig leut,
So fern der Morgen vom Abend
so weyt seind hingehaben
von vns die Missethat.

Gleich wie ein Vatter treget
mitleyden mit seim Kindt,
So ist der Herr beweget,
gen die, so gleübig seind:
Er kennet vnser Kranckheyt
vnd denckt an vnser schwachheit,
das wir nichts seind dann staub.

Ein Mensch in seinem Leben
ist gleich wie Graß im Feld,
Blüet wie ein Blum gar eben
vnd doch bald hinweg fellt:
Wann nur der Wind drauff gehet,
alsdann sie nicht bestehet
vnd kennt jr stett nicht mehr.

Doch bleibt des Herren Gnade
in alle Ewigkeyt
Bey den, so Gottsforcht haben,
vnd sein Gerechtigkeyt
Auff Kindts Kind, so verbringen
sein Bundt vnd auch bedenken
sein gebott, das sie die thun.

Der Herr sein Stul bereyt hat
vnd gsetzt ins Himmelreych,
Sein groß vnd herrlich Maiestat
herrschet vber alles gleich:
Darumb lobt jn, Engel vnd Helden,
thut sein befelch vermelden,
das man seins Worts Stimm hör!

Nun lobt den Herrn mit schalle,
jr Scharen vnd Himmel Hör!
Darzu, jr Diener alle,
sein willn verbringt nun mehr!
Es lob sein Werck den Herren
an allem Ort auf Erden!
lob jn auch, mein Geyst vnd Seel!
Halleluia.

Quelle in der Glaubensstimme

Vogtherr, Heinrich – Der LXXIII. Psalm – Quam bonus Israeli Deus.

Ein lehr Psalm/ wider die gemein ergernüs/ das Gottes kinder vnder der rhuten werden gehalten/ doch erhelt sie Gott/ Die bösen buben aber müssen pletzlich vnd mit schreck zu boden gehn.

GOTt ist so gut dem Israel/
Die seind eins reinen hertzen/
Mein füs straucht schier in vngefel/
Mein tritt schlipft nah in schmertzen/
Dann auff die tollen mich verdros/
Das glück allein hat der gottlos/
Geht jhn nach jrem willen.

Seind mit dem tod vmbfangen nicht/
Stehn vest/ wie ein pallaste.
Vnglück wie ander nit anficht/
Die plag sie nit erhaschte.
Die frommen menschen leiden pein/
Jhenr hoffart all muss erlich sein/
Trutz der sie darumb straffe.

Ir freuel mus jn wol anstehn/
Sie wöllen sein gesehen/
Darumb sie so feist einher gehn/
Was dencken mus geschehen/
Vernichten alles das da ist/
Reden daruon mit argem list/
Mit gwalt hoch einher reden.

In Himmel stellen sie jrn mund/
Ihr zung geht vmb im lande/
Da selbst kert hin ir volck zu stund/
Bei ihn vil wasser fande/
Sie sprechen all wie weiß es Gott/
Der Höchst des kein erkandtnus hat/
Treiben aus Gott das gspörne.

Sih da wie die gottlosen leüt/
All glückj hand in der welte/
Sie bsitzen hie in diser zeit/
All reichthumb gut vnd gelte/
In armut der gottselig lebt/
Das creütz alls ob seim rucken schwebt/
Ihm ist all welt zu wider.

So sagt der fromm/ sol ich vmb sunst/
Gereinigt han mein hertze.
Mit vnschuld meine hend im brunst/
Geweschen hab mit schmertzen.
Von Gott ich teglich plag ein nam/
Mein straff mir alzeit frü zu kam/
Kein freüd bei mir erschine.

In meinem hertzen ich gedacht/
Solt ich auch also sagen/
Das gschlecht dienr kinder ich veracht/
Vnd wird an dir verzagen/
Ich dacht jm nach/ das ich vernem/
Mir ward es alles wider zem/
Das fleisch mochts nit begreiffen.

Da ich in Gottes heilgthumb gieng/
Vnd merckt auff jres ende/
Mein hertz Gottes erkandtnus fieng/
Vernam ich schnell behende/
Das du auffs vngwis setzst jr ding/
Vnd fellest sie zu boden ring/
Sie werden bald gantz wüste.

Mit schrecken nemen sie jhr end/
Vnd gehn zu boden vnder/
Als einr vom traum erwacht behend/
Vor ihm ist als verschwunden.
Also Herr machstu sie veracht/
Die statt ir bild verspott verlacht/
Ihr schand wirt gantz entdecket.

Durch bittert ist mein hertze gar/
Durch stochen sein mein nieren/
Nichts weiss ich/ vnd bin gantz ein narr/
Bei dir bin ich ein thiere.
On vnderlas ich bin bei dir/
Mein rechte hand erfassest mir/
Fürst mich nach deinem rathe.

Nimpst mich hernach mit ehren an/
Im Himel ist kein hülffe/
Allein Herr so ich bei dir stan/
Zu dir allein ich gilffe.
Bei mir seind alle ding veracht/
Mein fleisch vnd hertz ist gar verschmacht/
On dich bin ich verdorben.

Gott ist allein meins hertzen hort/
Vnd mein ewiger theile/
all die sich ferrn von seinem Wort/
Der seelen ist kein heile/
Was sich aufflenet wider Gott/
Das kommet vmb/ vnd wirt zu spott/
Von Gott ewig verstöret.

Mir ist gut/ das mein hertz zu Gott/
Allein sich gibt vnd helte/
Mein zuuersicht nit wirt zu spott/
Weils auff den Herrn wirt gstelte/
On vnderlas bitt lbo vnd danck/
Das er mich halt mein leben lang/
Das ich sein werck verkünde.

Das Newer vnd gemehrer Gesangbüchlin
Getruckt zu Strasburg bey Thiebold Berger/ am Barfüsserplatz/ Anno 1559.

Vogtherr, Heinrich – Der CXXXIX Psalm – Domine probasti me.

Ein Rhum vnd Bett Psalm/ von den grossen wunderen Gottes/ die er in vnser der menschen erschöpffung/ erhaltung vnd regierung beweiset/ Vnd das vns Gott von den gottlosen erretten wölle.

HERR Gott der du erforschest mich/
Erkenst mein gantzes leben/
Mein aufferstehn vnd sitzen ich/
Bekenn von dir wirt geben.
All mein gedancken so ich han/
Vor dir/ o Gott/ eröffnet stohn/
Erkenst mein thun vnd lassen/
Dann du stehts bist vmb meinen pfad/
Der ringweis vmb mein leger goht/
Spehest aus all mein strassen.

Es ist kein wort in meinem mund/
Noch red auff meiner zungen/
Das dir nit alles vor sei kund/
Ee sie wern gredt noch gsungen.
Ich geh/ steh/ was ich immer thu/
So bist du da/ vnd sihst mir zu/
On dich nichts guts volbringe/
Du richtest dann vor in mir an/
Dein hand mich krefftig für auff dhan/
Mir mag sonst nit gelingen.

Ich bin zu schwach in meim verstand/
Solch heimlicheit zurlangen/
Vernunfft treibt daraus nur ein thand/
Im Glauben wirts empfangen/
Wo sol ich hin gehn vor deim Geist/
Derd aller hertzen dancken weist/
Dein angsicht weiss mein fliegen/
Fahr ich gen himl/ so bistu da/
Auch in der hell vnd anderswa/
Kan mich dein nit entziehen.

Nem ich flügel der morgen röht/
Vnd blib am end des Meeres/
Dein hand mich wird aus aller not/
Erhalten vnd erneren.
Sprech ich/ finsternis decken mich/
So gilt der tag vnd nacht dir gleich/
Die nacht leucht wie der tage/
Bei dir finster nit finster ist/
All heimlich sünd zu aller frist/
Dir niemand mag verschlagen.

Mein nieren hast in deiner gwalt/
Auch all mein heimlich lüste/
Wie ich in mutter leib was gstalt/
On mich hasts zu gerüste.
Dein rechte hand stehts was ob mir/
von hertzen grund des danck ich dir/
Deinr wunderlichen thate/
Damit du mich machst wundersam/
Mein seel solch gutthat wol vernam/
Das es gefiel deim Rathe.

All mein gebein hastu gezelt/
Da ich solt bildet werden/
Dein augen auch auff mich gestelt/
Da ich lag in der erden.
In mutter leib noch vnbereit/
Des kein vernunfft nit weiss bescheid/
Mein tag vor dir seind zelet/
Dauon noch zu kein mensch mag thun/
Auff deim buch all geschriben stohn/
Wie lang dus hast erwehlet.

Wie köstlich seind vor mir/ o Gott/
Dein vilfaltig gedancken/
Ir sum des sands am Meere hat/
Von dir wird ich nit wancken.
So ich vom tod auch sunst auffwach/
Dein gnad mich halt in aller sach/
Bei dir wird ich beleiben.
Die gottlos rot/ o höchster Gott/
Die töd/ tilgs aus/ vnd machs zu spot/
Das blutvolck gar vertreibe.

Sie reden stehts vnrecht von dir/
Was dient zu jhren sachen/
So bald dein wort klar will herfür/
On vrsach sich auffmachen/
Ich hass ja Herr die hässer dein/
Die dir vnd deim Wort zwider sein/
Darwider allzeit streben.
Darumb sie mir all werden seind/
Vil schmach vnd leids erzeigen seind/
Wölst mir das siegen geben.

Erforsch mich Herr/ erfar mein hertz/
Versuch all mein gedancken/
Vnd sihe/ ob mein thun hinderwertz/
Auff einig seit wöl wancken.
Ob ich sei tretten ab der ban/
Lass mich o Gott nit fürbas gohn/
Auff rechtem weg mich leite/
Der dir gefal vnd ewig sei/
Mein gwissen/ leib vnd seel dir frey/
Ewig stehts sei bereite.

Das Newer vnd gemehrer Gesangbüchlin
Getruckt zu Strasburg bey Thiebold Berger/ am Barfüsserplatz/ Anno 1559.

Vogtherr, Heinrich – Der LXXI. Psalm – In te Domine speraui

HErr Gott ich traw allein auff dich/
Las mich
Nimmer zu schanden werden/
Erret mich durch dein grechtigkeit/
Aus leid/ Von sünden hie auff erden.
Neig deine Ohren her zu mir/
Hilff mir gefangnen armen/
Sei mir ein starcker HERR vnd zier/
Das mich mein fleisch von weg nit für/
Meinr blödigkeit erbarme.

Du beutst mir selbs zu helffen an/
Wie kan/
Ich solchs vmb dich verdienen.
Du bist mein Burg/ mein fels/ eckstein/
Sonst keinr/
Darnach mich täglich sehne.
Hilff mir aus des gottlosen hand/
Des grausamen vnrechten/
In zuuersicht ich auff dir stand/
Beut mir o Gott dein gwaltig hand/
Mein hertz mach starck vnd freche.

In Herren ist mein hoffnung gstelt/
Der zielt/
Mich auff von mutter leibe/
Daraus du mich hast zogen her/
Vnd ger/
Mein rhum von dir beleibe.
Ein wunder ich vor vilen bin/
Jedoch bist Du mein stercke/
Gib mir o Gott in meinen sinn/
Das ich dich lob vnd pris fürhin/
Der feind dein beistand mercke.

Verwirff mich in meim alter nit/
Dich bitt/
So gantz mein krafft abnimmet/
Dann meine feind bereitten sich/
Auff mich/
Thun was zur rach gezimmet.
Auff mein seel haben sie gros acht/
Und Gott hab mein vergessen.
Sie sagen/ greifft jn an mit macht/
An jm übn wir all vnsern bracht/
Der sig dir zu werd gmessen.

Darumb Gott bis von mir nit weit/
Ist zeit/
Mein Gott eil mir zu helffen/
All mein feind müssen schemmen sich/
Durch dich/
An mir eim jungen welffen.
Die meiner seel zu widder seind/
Mit schand wursts vberdecken/
Mein vnglück sie all suchen bhend/
Ir red vnd anschläg auff sie wend/
Ir ziel jhn gantz verstecke.

Dann Herr ich hat allein auff dich/
Und sih/
Das ich dein nammen preise.
Dein grechtigkeit zu aller stund/
Mein mund/
Bekenn vnd auch beweise.
Dein heil ich nit erzelen kan/
Dein macht will ich verkünden/
Dein grechtigkeit ich vor mir han/
Darauff ich mich allein verlan/
Auff dich wirff ich mein sünde.

Du hast mich Gott von jugent glert/
Auff erd/
Dein wunder zu verkünden.
Wohn mir auch in dem alter bei/
Gantz frei/
Eröffen mein kinds kinden/
Damit den die zukünfftig seind/
Dein macht verkündet werde/
Dein grechtigkeit sich hoch her lend/
Thust gros ding dem der es erkent/
Wer ist dir gleich auff erden?

Der du mich Gott lasst sehen vil/
Dein will/
Mit sorg vnd angst probieren/
Thu mir jedoch hierin beistand/
Zu hand/
Durch alls vnglück mich füren.
Wie tieff ich in der erden lig/
Noch gibst mir auch das leben/
Ohn dich beim menschen ist kein sig/
Auff dich ich mich allein erwig/
Wölst mir das sigen geben.

So ich in sünd vnd vnfallig.
Ohn sig/
So tröst Du mich herwider/
Machst mich gantz wunderbarlich gros/
Ohn mas/
Die sünd truckst bei mir nider/
Des danck ich dir/ mein höchster Gott/
Will dir mit Psalter spielen/
Der trew so mir in meiner not/
Dein gütigkeit erzeiget hat/
Dein Gnad ich stercklich füle.

Mein lefftzen frölich singen dir/
Mit gir/
Dem helgen Israele.
Der du allein aus gnad vnd gunst/
Vmb sunst/
Erlöset hast mein Seele.
Von deiner grechtigkeit mein zung/
Ohn vnderlas als dichtet/
Sich müssen schemmen alt vnd jung/
Das vnglück ihn allein zu kom/
Die mirs han zu gerichtet.

Das Newer vnd gemehrer Gesangbüchlin
Getruckt zu Strasburg bey Thiebold Berger/ am Barfüsserplatz/ Anno 1559.

Ringwaldt, Bartholomäus – Der 75. Psalm

Hilf Gott, wie gehts so ungleich zu
In dieser Welt auf Erden!
Der Gottlos hat gut Fried und Ruh
In fröhlichen Geberden,
Ihn überfällt kein‘ Todesfahr,
Lacht und stolziret immerdar
Und weiß von keinem Leide.

Derhalben treibt er Uebermuth
Und thut, was ihn gelüstet,
Verläßt sich auf sein Geld und Gut,
Hoch pranget und sich brüstet,
Vernichtet guter Leute Rath
Und lobet nur sein‘ eigen That,
Läßt ihm sonst nichts gefallen.

Was er redt, das muß köstlich sein,
Als käm es gar von oben;
Wo jemand ihm was spricht darein,
So thut er heftig toben,
Schilt denselbigen, was er kann,
Und nimmt die klugen Heuchler an,
Die sein Gedanken preisen.

Dagegen wird ein frommer Mann,
Sammt allen seinen Gaben,
Der Armuth halben ausgethan
Und muß zu Winkel traben
Und hat daneben alle Tag
Von Gott dem HErrn sein Straf und Plag,
Und muß sich immer leiden.

Daher dächt man, daß der Gerecht
Von dir gleich wär verstoßen,
Der Gottlos aber wär dein Knecht
Und säß dir in dem Schooße.
Aber am End befindt sichs wol,
Was man hievon urtheilen soll,
Und was davon zu halten.

Du setzst die Stolzen auf ein Grund,
Der leichtlich wird zu Schanden;
Eh mans versieht kömmt ihre Stund
Und sind nicht mehr vorhanden,
Gehn wie ein Traum gar schnell dahin,
Und niemand spricht: Der HErr sei ihm
Genädig und barmherzig.

Die Deinen aber thust du fest
Erhalten und bewahren,
Und da sie gleich aus ihrem Nest
Auch einst von hinnen fahren,
So gschiehts doch auf ein‘ ander Weis,
Dem Namen dein zu Lob und Preis
Und ihrer Seel zum Besten.

Darum will ich geduldig sein,
Der stolzen Leut nicht achten,
Mich wie ein Christ verhalten fein,
Mein letztes End betrachten,
Und also schicken meine Sinn,
Als wenn ich morgen sollt von hin
Aus diesem Elend reisen.

Du, Herr, bist mein gewisses Ziel,
Mein Reichthum und mein Segen,
Mag haben wenig oder viel,
Daran ist nichts gelegen,
Wenn ich nur deines Geistes Gab
Zum Trost in meinem Herzen hab,
So hab ich alle Schätze.

Wenn mir gleich Leib und Seel verschmacht,
Und die Welt unterginge,
Jedoch mein Herz nach seiner Macht
An deiner Gnaden hinge;
Denn ich weiß, daß du, Jesu Christ,
Mein Theil, Trost und Erretter bist,
Du wirst mich wol erhalten.

Du, HErr, bist nur die Freude mein,
Sammt deiner reinen Lehre,
Nicht Aecker, Häuser, Korn noch Wein,
Herrngunst, Gewalt und Ehre,
Darin die Welt hoch prangen thut;
Ich aber will in meinem Muth
Mich deines Namens rühmen. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt’s geistliche Lieder
herausgegeben von Hermann Wendebourg
Halle
Verlag von Julius Fricke.
1858

Burkard Waldis – Psal. LXXXIIII. Quam dilecta.

ACh Gott, wie lieblich und wie fein
stets in der heilgen Christen gmein,
da man dein wort thut lehren!
Drumb auch mien seel dahin verlangt,
da man stedts deinem namen danckt,
mit freuden dich thut ehren.
Da zu groß lust vnd liebe hat
mein leib vnd seel
on maß vnd zil
im Herrn, dem lebendigen Gott.

Gleich wie sein hauß der vogel bawt,
die Schalb auch auff jr nest vertrawt,
da sie jr eyer legen,
Also tracht ich auch gantz vnd gar,
Herr Zebaoth, nach deim Altar
vnd wart auff deinen Segen.
Wol deiner lieben Christen schar,
die dir vertrawt
vnd auff dich bawt!
die preißt vnd lobt dich jmmerdar!

Wol dem, der dich für seine sterck
helt vnd nicht trawt auff menschen werck,
wandelt nach deinem sinne!
Die da gehn durch das Jamerthal,
dein wort verkünden vberal,
vil leut damit gewinnen!
Die werden durch deinn geyst erquickt,
in aller gstalt
gar manigfalt
mit vil segen vnd gnad geschmuckt.

Sie wircken auch durch deine gnad
vil zeychen und groß wunder that,
damit die lehr beweren;
Mit freuden trettens in den krieg,
erhalten auch gar manchen Sieg,
wann sie jr vil bekeren,
Daß man auch spürt in allem land,
daß solches schafft
die Göttlich krafft
vnd wirckt alleyn sein rechte hand.

Darumb, Herr Gott, verlaß vns nit,
vernimm vnd hör doch vnser bitt
vnd wöllst von himmel schawen!
Sihe an das Reich des gsalbten dein,
die glauben an den Christum dein,
sich jm alleyn vertrawen!
Du bist jr schutz, jr schirm vnd schildt,
jr preiß vnd ehr,
darumb du, HERR,
sie nimmer mehr verlassen wilt!

Mit warheyt ichs wol sagen mag:
bei dir vil besser ist ein tag,
dann sunst vil tausent jare!
Wolt lieber der geringste sein
in deiner heylgen Christen gmeyn
vnd hüten an dem thore,
Dann in der Gottlosen pallast,
da man deinr ehr
denckt nimmermehr,
dein wort vnd Euangelion haßt.

Dann Gott der HERR ist Sonn vnd schildt,
gibt gnade, gut vnd ehre mildt,
er le´ßts an jm nicht fehlen!
Für der welt hon, spot, schmach vnd haß
wil er alls gut on vnderlaß
gar reichlich mit vns theylen!
Wol dem, der Gott heymstelt sein Sach,
ist jm bereyt
in lieb vnd leydt,
dem hilfft er auß dem vngemach!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Burkard Waldis – Psal. CIII. Benedic anima mea.

MEin seel lobt Got zu aller frist,
was in mir ist
seinn heylgen namen ehret!
Mein seel lobt Gott zu aller frist
und nit vergißt
was zu seim lob gehöret!
Der uns groß gut auch täglich thut,
vns hertzlich liebt, all sünd vergibt,
Heylet all vnsern schaden
auß güt vnd lauter gnaden.

Der mein leben vom todt erlößt,
mich täglich tröst,
mit gnad und guten krönet,
Der meinen mund stedts frölich macht
mit freuden lacht
und all meins thuns verschonet;
Er macht mich jung und frisch zum sprung,
er schaffet recht dem armen knecht,
Den die Gottlosen neiden,
und alln, die unrecht leiden.

Er hat sein wege wissen lon
des Amrams son,
Israel seine sitten;
Der HERR ist von hertzen gnedig
und barmhertzig,
von gduld vnd grosser güten!
Vnsr missethat in vngenad
er nicht gedenckt, die Sünd vns schenckt,
Zorn will er nicht behalten,
die gnade leßt Er walten.

Nach vnsern Sünden vns nit richt,
handelt auch nicht
wie wirs haben verdienet;
Die missethat auch nicht vergilt,
nach größ der schuld
mit gnaden vns versünet,
Im himel weit, auff erden breyt
leßt walten gnad an rechtes stadt
Vbr alle, so jn forchten
vnd seinem willn gehorchen.

So weit da ist der Morgenstern
vom Abend fern,
wirfst von vns vnser sünde,
Wie ein Vatter mitleiden tregt,
keinn zorn erregt
vbr seine lieben kinde,
Der maß auch Gott mitleiden hat,
erbarmet sich so vetterlich
Vbr all, die jn belieben,
er wil sie nicht betrüben.

Dann Er kennt wol das schwach geschlecht
vnd sein gemecht,
daß wir sein schlam vnd erden;
Des menschen leben ist wie staub,
wie graß vnd laub,
grünt, wies wolt etwas werden:
Wann der windt weht vnd drüber geht,
bald sichs verstelt, zu boden felt,
Verschwindt in einer stunden,
sein statt wirt nimmer funden.

Abr sein gnad wert von Ewigkeyt
zu Ewigkeyt
vbr all, so jm vertrawen,
Sein grechtigkeyt zu kindes kind,
die seinen bund
halten vnd auff jn bawen,
Den glauben han,
gedencken dran
vnd seinen willn auch gern erfülln,
Nach seinen gebotten leben,
die Er jn hat gegeben.

Der HERR hat seinen stul bereyt
im himel weit,
sein reich herscht vber alle;
Auff erd man auch sein wort verkündt
mit vollem mund
reichlich mit großem schalle.
Die Engel schon seinn willen thun,
manch starcker held sein wort vermelt,
Daß Euangelion leren,
all welt sein stimm muß hören.

Lobet den HERRN sein diener gar,
jr heere schar,
die jr thut seinen willen!
Lobet den HERRN all seine werck,
all krafft vnd sterck,
die seinn befehl erfüllen!
An allem ort erkling sein wort
in seinr herrschaft mit aller krafft,
Für all sein thewre gaben
mein seel den HERRN sol loben!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme