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unbekannt – Ermahnung, Buße zu thun und Liebe zu üben

O Reicher Gott im throne,
mitteil uns dein genad
Wol durch dein menscheit frone,
das unser seel nicht schad.
Die welt die ist umbfangen
so gar mit schwerer not,
Vergifft ist durch die schlangen,
ein lange zeit vergangen,
das noch kein end nicht hat.

Das Göttlich wort mit schalle
ligt warlich an dem tag,
Darumb so schickt euch alle
und merckt, was ich euch sag:
Es nahet sich gen dem ende,
dauon der HErre seit;
Gott wöl sein gnad her senden,
das wir uns zu jm wenden
durch sein barmhertzigkeit.

Es ist kein fried auff erden,
das sehen wir leider wol,
Dieweil wir darauff werden,
die welt steckt bosheit vol.
Wo ist die lieb des nechsten,
das acht man jetzund klein,
Es möcht wol Gott erbarmen:
es geht nur uber die armen
in aller welt gemein.

O Sünder, du solt dencken,
nicht recht hastu gethan,
Gott wird dirs auch nicht schencken;
last euch zu hertzen gan,
Was Christus hat gesprochen,
wie S. Mattheus schreibt:
Hat jr mein gbot zu brochen,
es bleibt nicht ungerochen
durch sein gerechtigkeit.

Mich frewen die wort des HERren,
bewert uns Abraham,
Denn wir Gottes kinder werden,
den Lazarum zu jm nam:
Kom HERR mit deiner güte,
du weist die rechte zeit,
Du magest uns wol behüten,
des frewet sich mein gemüte,
das wir lebn in ewigkeit!

Ich mein im geist die armen,
jr solt mich recht verston;
Der möcht sich Gott erbarmen,
jr dörfft nicht weiter gan.
Was Jhesus hat verheissen,
das wird der Vater thun.
Darumb so last uns vleissen,
das uns die schlang nicht beisse,
wir wöllen jr widerstan.

Kürtzlich wil ich beschliessen
dis mein gesang mit schal.
Last euch es nicht verdriessen
und gebt den armen bald,
Das jr nicht werd begifftet
mit einem argen wohn:
Seid alle zeit geflissen,
die linck hand sol nicht wissen,
was die rechte hat gethan.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Spangenberg, August Gottlieb – Gute Liebe

Gute Liebe, deine Triebe
Zünden unsre Triebe an.
Dir zu leben, dir zu geben,
Was ein Mensch dir geben kann.
Du hast eben Lust zu geben
Fried und Segen aus der Höh,
Und das Kränken zu versenken
In die ungeheure See.

Herr, wir waren von den Schaaren
Deiner Schäflein abgetrennt,
Und wir liefen zu den Tiefen
Da das Schwefelfeuer brennt.
Da brach’s Herze dir vor Schmerze,
Ueber unsern Jammerstand,
O wie liefst du, o wie riefst du,
Bis wir uns zu dir gewandt.

Als die Klarheit deiner Wahrheit
Unsern ganzen Geist durchgoß,
Und von deinen Liebesscheinen
Unser ganzes Herz zerfloß;
O wie regte und bewegte
Dieses deine Liebesbrust,
Das zu hegen und zu pflegen
Bis zur süßen Himmelslust.

Dein Erbarmen wird uns Armen
Alle Tage wieder neu;
Mit wie süßen Liebesküssen
Zeigst du deine Muttertreu!
O wie heilig, o wie treulich
Leitest du dein Eigenthum!
O der Gnaden, daß wir Maden
Worden deine Kron und Ruhm!

Wir empfehlen unsre Seelen
Deinem Aug und Herz und Hand;
Denn wir werden nur auf Erden
Wallen zu dem Vaterland.
O gieb Gnade auf dem Pfade,
Der zum Reich durch Leiden führt,
Ohn‘ Verweilen fortzueilen,
Bis uns deine Krone ziert.

Unser Wille bleibe stille,
Wenn es noch so widrig geht.
Laß nur brausen, wüthen, sausen,
Wenn’s von Nord und Osten weht;
Laß nur stürmen und sich thürmen
Alle Fluthen aus der See.
Du erblickest und erquickest
deine Kinder aus der Höh!

Das Leben A. G. Spangenberg’s,
Bischoffs der Brüdergemeinde
von
K. Fr. Ledderhose
Heidelberg,
Universitätsbuchhandlung von Karl Winter.
1846

unbekannt – Brennende Liebe

BRünninde lieb, du Süeßer Flam,
du mein Gott vnd herre,
Du hast mich behiet in aller angst
hie vff diser Erden!
Du hilfst auß nott, mein lieber Gott,
du erheltest die bey dir bleiben,
darumb mich auch vf diser weltt
von dir nitz soll abtreiben.

Ach du mein Aller liebster Gott,
ich kan dich nit gnug loben!
Du hast mir geholffen vß aller not,
hast mich her reich begabet,
Dan du hast mich ja gnediglich
dein wunder sehen laßen,
darumb ich auch von hertzen sprich:
du bist mein brot vff erden!

Du hast mein herz besessen gar,
nach dir steht mein Verlangen!
Gleich wie die bluemlin vom Mayen thauw
vill eröffen thun vfgangen,
Also empfahet mein herz von dir
groß eren inn aller noth,
du bist meins herzen trost vnd zier,
du mein allerliebster Gott!

Wan ich gleich lebte Tausendt Jahr
vnd redt mitt tausent zungen,
So kundt ich nit erzelen gnug,
was gnatt ich hab von dir bekommen.
Dan es nit zuverzelen ist,
ich kans auch nit gnug sagen,
wie du, mein aller Herr Jesu Christ,
mich so hoch hast begabet!

Darumb o Gott, ich bitte dich,
wellest mich darbey erhaltten!
Dan du mein trost vnd hailandt bist,
dein gnad laß vber mich wallten,
Das nichz böß hersche über mich,
mit deiner gnad welstu mich fueren,
gib mir deine seelige Englin zu,
das sie mein Seel zue dir füeren!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Vespasius, Hermann – Zart schöne Junckfruw, gedenck vnd schow

ZArt schöne Junckfruw, gedenck vnd schow,
dat sick dyn leue in steder öue
na Christo seer do krencken;
Neen row lath dick, so lange dath sick
syne ögelyn syn mit gnaden schyn
jegen dy fründtlick doen wencken;
Alß denn hefft dicch gantz kkrefftichlich
syne leue vnd gunst beseten:
darum schow an, wat he dy ghan,
dyner werdt he nicht vörgheten.

Dyn Roter Mundt tho aller stundt
heb wol in hoedt, denn idt nicht goedt
so alle tydt tho schertzen;
Idt is jo recht, dat Christus secht:
vele goder wordt ghan jümmer vordt
vth einem reinen Harten.
Keer wedder bald, vnde dy endtholvt
veel schertz vnd der glyken:
och, schöne Junckfruw, vp CHRIstum trüw
vnde do van ehm nicht wyken!

Dyn leue, segg ick, an ehm nich brick,
efft dn schön Gewaldt hedst mannichfualdt
vnd kundst vele böses schaffen!
Heb goedt gebeer, bewar dyn Eher,
so heffstu loff in aller proff
vnd werdt dy Nemandt straffen.
Ergryff dyn gern Christ dynem HERR
vnd syner leue geuangen,
tho aller stundt van Harten grundt
drag stetz na ehm vörlangen.

Quelle

Tauler, Johannes – Eyn cantilene der selen, die von lieben gewunt ist.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, halt dich frey,
bezwinge deyn vsser sinne,
Vnd nempt deyns selbs mit fleysse war,
was dir allermeist sy inne:
Dz dreib auß mit aller macht,
als lieb als dir deyn got ye wart,
ob du jn begerst befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, won in dir
vnd halt dich frey mit fleisse,
Wan freyheitt ist so theur schatz,
sie macht den geyst so reiche.
So wer den schatz sol befinden,
der muß frembder mynnen vrlob geben,
so mach ers woll erlingen.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Gots mynne die ist so zart,
sie leest sich dem nit finden,
Dem frembde mynne besessen hat,
der gewint jr nummer kunde.
Got wilt die seel alleine han,
der wilt er auch sich selber gen,
das sie jn sol befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Eya, keert euch in den spegell klar
vnd sehet, wie er euch meynet,
Da solt jr finden offenbar,
wie jr jm syt vereynet,
Ach senckt euch in den diefen grunt
des tages me dan tausent stunt,
so wirt euch seyner kunt.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

So wer den spegel duck ansehett,
der vintt da hertzen wunne,
Vnd wirt ouch menger sorgen quyt,
da gebertt sich ware mynne.
Die wunnigklich dreifelicheit
die luchtet in der inwendigkeyt
vnd senckt sich in zu grunde.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Der grundt, der da ist nameloß
vnd ist auch bloß von beilden,
Da wirt der geist auch formeloß,
ob in der gotheit milde.
Och der minneliche blick,
da wird der geist so inn gestickt,
das er seyns selbst geet vnden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden. Amen.

Quelle

Silberrad, Marie Clara von – Mein König, den die Liebe

1.) Mein König, den die Liebe
Herab zu mir in’s Elend zieht.
Mit wundervollem Triebe
Bist du stets um mein Heil bemüht.
Du willst nicht, dass ich sterbe,
Dich jammert meine Not.
Damit ich nicht verderbe,
Erwählst du Schmach und Tod,
Verlässt des Himmels Freuden,
Nimmst an dich Fleisch und Blut,
Nur um recht viel zu leiden
Der Welt und mir zu gut.

2.) O segensvolle Zeiten,
Wo ich mich dran erinnern kann.
Du kommst, mit tausend Freuden
Stimm ich mein Hosianna an!
Dir sing ich meine Psalmen.
Mit frohem Geist und Sinn
Streu ich dir auch die Palmen
Des Glaubens freudig hin.
Herr, höre nur mein Lallen,
Du wollst es nicht verschmähn.
Eil, lass es dir gefallen,
Mich gnädig anzusehn!

3.) Erhabner Ehrenkönig!
Komm, zieh in meinem Herzen ein.
Die ganze Welt, wie wenig
Wird sie in meinen Augen sein,
Wenn du mit deinem Segen,
Mein Helfer, zu mir eilst.
Von deiner Liebe wegen
Mir Rat und Trost erteilst,
Wenn die erfreute Seele
In deiner Liebe ruht,
Und du, den ich erwähle,
Stärkst mir dazu den Mut!

4.) Ganz sei es dir ergeben,
Dies Herz, das stets nach dir sich sehnt.
Für dich nur soll es leben.
Und immer mehr der Welt entwöhnt,
Sei dies nur sein Vergnügen,
Recht still, o Seelenfreund,
In deinem Schoß zu liegen
Und, fest mit dir vereint,
Im Glauben nie zu wanken.
Auch, wenn dies Herz einst bricht,
Halt ich dich in Gedanken
Und lass dich ewig nicht.

5.) Wohl mir! Du kommst gegangen.
Sieh her, ich öffne Tor und Tür.
Mit brünstigem Verlangen
Erwartet dich mein Geist allhier.
Es wallt dir schon entgegen
Die Seele, die dich liebt
Und dir in deinen Wegen
Sich gern und kindlich übt.
Vor dir werf ich mich nieder
Und bete gläubig an,
Weil ich durch dich nun wieder
Voll Freuden jauchzen kann.

6.) O wenn ich dich nur habe,
Immanuel, was fehlt mir dann?
Dann acht‘ ich keine Gabe,
Die Erd‘ und Himmel geben kann.
Dann bin ich hoch erhoben,
Zugleich geehrt und reich,
Kind Gottes hier und droben,
Den reinen Engeln gleich.
Dann ist des Himmels Wonne
Und jene Krone mein.
Ein Strahl von dieser Sonne
Verdunkelt jeden Schein.

7.) Hilf, Herr, lass wohl gelingen.
Hilf, Helfer, meiner Schwachheit auf.
Gib Wollen und Vollbringen,
Und fördre selbsten meinen Lauf.
Dass ich nur dir gefalle,
O meiner Seelen Glück!
Und kindlich vor dir walle
In jedem Augenblick,
Dass ich dir untertänig
Und stets gehorsam sei.
Ja, Herr, mein Gott, mein König!
Dir schwör ich ew’ge Treu.

8.) Wenn du dereinst erscheinest,
Umgeben mit der Engel-Schar
Und dann dein Volk vereinest,
Das dir schon hier ergeben war.
Dann blick ich voller Freuden
Auf dich, mein König, hin.
Mich kann nichts von dir scheiden,
Weil ich der Deine bin.
Nichts ist, dass mich erschrecket,
Weil dein Verdienst mich schützt:
Der Herr ist’s, der mich decket,
Der auf den Wolken sitzt!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Liebe zu Gott

Ach! wenn ich dich, mein Gott, nur habe,
nach Erd‘ und Himmel frag‘ ich nicht.
Nichts ist, das meine Seele labe,
als du, mein Gott, mein Trost und Licht!
Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust,
ohn‘ dich ist mir kein Trost bewußt.

Soll Leib und Seele mir verschmachten,
ich hoffe doch getrost auf dich;
nichts will ich alle Plagen achten,
an dir allein erquick‘ ich mich,
regt sich auch alles wider mich,
es bleibt dabei, ich liebe dich.

Hab‘ ich nur dich, so hab‘ ich Alles,
was meine Seele wünschen kann;
acuh fürcht‘ ich mich gar keines Falles,
liebst du mich nur, was ficht mich an?
drum spricht mein Herz: du bist mein Theil,
in dir ist meiner Seelen Heil.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Eva von Thiele-Winkler – Lieben und Leiden

Das Leiden ist vom Lieben
Auf Erden nicht zu trennen,
Willst du das Lieben üben,
Lernst du das Leiden kennen.
Willst du das Leiden meiden,
So wird die Lieb vergehen,
Das Lieben und das Leiden
Muss hier zusammenstehen.

Es ist das Opferleben
Der Liebe wahres Wesen.
Wer sich nicht selbst will geben,
Wird nie den andern lösen.
Die Liebe fühlt die Schmerzen,
Sieht sie den andern leiden,
Sie kann aus ihrem Herzen
Des Nächsten Not nicht scheiden.

Die Liebe muss beim Wandern
Die Last der Brüder tragen,
Sie duldet für den Andern,
Lässt sich für andre schlagen.
Sie sieht mit tiefen Qualen
Rings um sich das Verderben.
Sie stirbt zu vielen Malen,
Sieht sie die andern sterben.

Nach Samariter Weise
Beugt sie sich tief hernieder,
Und findet auf der Reise
Des Herrn verlor’ne Brüder.
Sie trägt mit Liebesarmen
Sie in des Heilands Hürde,
Und legt in sein Erbarmen
Die schmerzhafte Bürde.

Mag auch das arme Leben
An fremdem Weh verbluten,
Ertrinkende zu heben,
Selbst sinken in den Fluten, —-
Was tut’s? Wenn nur die Liebe
Bis in den Tod kann lieben!
Wenn man dem heil’gen Triebe
Nur immer treu geblieben!

Dann werden grosse Fluten
Doch nimmer löschen können
Die heissen Flammengluten,
Die in der Seele brennen,
Die sich am Opferherde
Von Golgatha entzünden,
Und diese arme Erde
Mit Gottes Herz verbinden.

Darum lieber solche Schmerzen
Als alles Glück der Erden,
Und lieber Weh im Herzen
Als lieb- und leidlos werden.
Einst wird die Stunde kommen,
Da trennt sich Lieb vom Leide
Und, alles Weh entnommen,
Liebt sie in ew’ger Freude.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

unbekannt – Gott ist mein Heil

HErtzlich lieb hab ich dich, mein Gott,
mein Hort, auff den ich trawe,
Vnd mein Erretter in der not,
mein Fels, darauff ich bawe:
Mein Sterck vnd Burg allein du bist,
darauff ich mich verlasse,
Mein Schild und Schutz dein Wort mir ist,
welchs ich im glauben fasse.

Gott ist mein Heil und Lebens krafft,
mein Horn, darauff ich trotze,
Sein Gnaden wort mein sterck vnd safft,
mein hoffnung ich drauf setze.
Gott ist mein Schatz vnd Glaubens liecht,
mein hülff vnd trost alleine,
Meins hertzen freud vnd zuuersicht,
der Welt gunst acht ich kleine.

HErr Gott hilff mir, das ich dich kan
von hertzen Vater nennen,
Vnd Christum, deinen lieben Son,
im glauben recht erkennen,
Das sein Blut mich vom Tod erlost,
mir bracht das ewig Leben.
HErr Jhesu Christ, dein hülff vnd trost
mir allzeit wollest geben.

Gott heilger Geist, dein gnad verley,
das ich dis wort behalte,
Das mein glaub nicht sey Heucheley,
die lieb auch nicht erkalte.
Gott, du heilge Dreyfaltigkeit,
dein krafft mich wöll bewaren,
Vnd sterck meins Fleisches blödigkeit,
wenn ich von hinn sol fahren.

Wackernagel – Kirchenlied