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Heermann, Johannes – Um Beßerung des Lebens.

Aus den Worten Augustini.

Im Ton: Was mein Gott will, das gescheh rc.

HIlf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir
von Herzen mich verlange,
Und ich dich suche mit Begier,
wann mir wird angst und bange!
Verleih, daß ich
mit Freuden dich
in meiner Angst bald finde,
Gib mir den Sinn
daß ich forthin
meid alle Schand und Sünde.

2. Hilf, daß ich stets mit Reu und Schmerz
mich deiner Gnad ergebe,
Hab täglich ein zerknirschte Herz,
in wahrer Buße lebe,
Vor dir erschein,
herzlich bewein
all meine Missethaten,
Die Hände fein
laß‘ milde sein,
dem Dürftigen zu rathen.

Die Lust des Fleisches dämpf in mir,
daß sie nicht überwinde;
Rechtschaffne Lieb und Lust zu dir
in meinem Herz’n anzünde;
Daß ich in Noth
bis in den Tod
dich und dein Wort bekenne,
Und mich kein Trutz
noch eigen Nutz
von deiner Wahrheit trenne.

Behüte mich vor Grimm und Zorn,
mein Herz mit Sanftmuth ziere.
Reiß aus den schnöden Hoffartsdorn,
zur Demuth mich anführe.
Was ich noch find
von alter Sünd,
durch deinen Geist ausfege.
Gib, daß allzeit
Trost, Fried und Freud
sich in mir Armen rege.

Den Glauben stärk, die Lieb erhalt,
die Hoffnung mache feste,
Daß ich von dir nicht wanke bald,
Beständigkeit ists beste.
Den Mund bewar,
daß nicht Gefahr
durch ihn mir werd erwecket.
Speis ab den Leib,
doch daß er bleib
von Geilheit unbeflecket.

Gib, daß ich treu und fleißig sei
in dem, was mir gebühret.
Laß durch Ehrgeiz und Heuchelei
mich werden nicht verführet.
Leichtfertigkeit,
Haß, Zank und Neid
laß in mir nicht verbleiben.
Verstockten Sinn
und Diebsgewinn
wollst du von mir abtreiben.

Hilf, daß ich folge treuem Rath,
von falscher Meinung trete:
Den Armen helfe mit der That,
für Freund und Feind stets bete;
Dien jedermann
so viel ich kann,
das Böse haß und meide,
Nach deinem Wort,
an allem Ort,
bis ich von dannen scheid.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Johannes Heermann – Wie ein jeder Mensch seiner Seelen treulich warnehmen soll.

Aus D. Bernhardo.

Im Ton: Ach Gott vom Himmel sieh darein.

WAs willst du armer Erden-Kloß
so sehr mit Hoffart prangen?
Dein Elend ist zu viel und groß:
du bist in Sünd empfangen,
Mit Schmerz geboren auf die Welt,
Schmerz dein ganz Leben überfällt,
mit Schmerz mußt du von dannen.

Was zierest du den Leib, das Haus,
drin alles Siechtum stecket?
Und queichelst ihn so zärtlich aus
mit dem, was ihm wol schmecket?
Weißt du denn nicht, nach wenig Tag
daß er muß sterben mit Wehklag
und ihn die Würmer freßen?

Vielmehr die edle Seele zier
mit Buß und guten Werken,
Das Himmelbrot ihr setze für,
dadurch sie sich kann stärken.
Denn sie ists, die da frei vom Tod
im Himmel schweben soll vor Gott
und allen heilgen Engeln.

Warum pflegst du des Fleisches wol
und läßt die Seel verschmachten?
Ists recht, daß man die Magd jetzt soll
mehr denn die Frau selbst achten?
Der Geist führt sonst das Regiment:
bei dir ist solches umgewendt,
das Fleisch den Geist regieret.

Gott selbst, der größte HERR und Held,
des Menschen Seel hoch schätzet
Und sie weit über alle Welt
und alle Himmel setzet:
Denn für wen hat Er seinen Sohn,
sein höchste Zierde, Freud und Kron,
ins Kreuzes Pein gegeben?

Traun! nicht dem Himmel, nicht der Erd
ist diß zu gut ergangen:
Des Menschen Seel, so teur und werth,
hat diese Gnad empfangen;
Die ist ein solch teur Pfand und Gut,
das ohne seines Sohnes Blut
nicht könnt erlöset werden.

Ist deine Seel so hoch vor Gott,
wie kannst du sie denn haßen
Und wagen hin, als wär es Koth,
den man findt auf der Gaßen?
Gedenk, daß Gottes liebster Sohn,
gestiegen von des Himmels Thron,
sie hat vom Tod errettet.

Denn als Er sie in schwerer Schuld
vom Teufel fand gebunden,
Und sie verdammet werden sollt
zur Höllen alle Stunden:
Vor Jammer ihm zerbrach sein Herz,
er weinte über ihren Schmerz,
davon sie selbst nichts wußte.

Ja, das noch mehr, so ließ er sich
um ihretwillen tödten,
Errettet‘ sie ganz kräftiglich
aus allen ihren Nöthen:
Sein Blutschweiß war das Lösegeld,
das Er, der Heiland aller Welt,
für sie baar ausgezahlet.

An dieses Opfer denke stets,
das für dich ist gegeben.
Nicht mehr so schlecht die Seele schätz,
thu Gott nicht widerstreben:
Schau doch, wie sehr war sie verwundt,
daß sie sonst nichtes heilen konnt,
denn Christi Blut und Striemen.

Wenn sie der Satan nicht zu Grund
der alles Unglück stiftet,
Durch List mit seinem Lügenmund
bis in den Tod vergiftet,
So hätte Gottes Sohn den Tod
und so viel Marter, Hohn und Spott
am Kreuz nicht leiden dürfen.

Darum, o Mensch, verachte nicht
das groß und schwere Leiden,
Das er für dich hat selbst verricht:
thu alle Bosheit meiden.
Schau doch, wie sich so treulich hat
des Sohnes Gottes Majestat
in Noth dein angenommen.

Hilf Gott, daß ich mein Lebenlang
diß alles recht bedenke,
Für deine Treu dir Lob und Dank
in tiefster Demuth schenke,
Daß ich von Sünden trete ab,
mein Herz bei dir im Himmel hab,
nach meinem Heil stets trachte.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Tersteegen, Gerhard – Mein Erlöser, schaue doch

1.) Mein Erlöser, schaue doch,
Wie mein armer Geist verstricket,
Mit geheimen Banden noch
Ganz bedränget und bedrücket.
Will ich los, so sinkt mein Herz
Bald in Ohnmacht niederwärts.

2.) Zwar es hat mich deine Gnad
Groben Sünden längst entrissen.
Ich hab auch nach deinem Rat,
Schon zu wandeln mich beflissen,
Dass vielleicht ein andrer wohl,
Mich für fromm schon halten soll.

3.) Aber dein genaues Licht
Zeigt mir tiefer mein Verderben
Und wie ich nach meiner Pflicht
Muss mir selbst und allem sterben
Und in wahrer Heiligkeit
Vor dir leben allezeit.

4.) Dies ist auch mein Wille wohl,
Aber, ach, es fehlt Vollbringen!
Was ich auch verrichten soll,
Tu ich noch mit Last und Zwingen.
Seh ich dann mein Bestes an,
So ist’s doch nicht Recht getan.

5.) Ach, wo ist der neue Geist,
Den du wollst den Deinen geben,
Der den Sünden uns entreißt
Und uns bringt dein reines Leben,
Der mit Herzenslust und Kraft
Alles in und durch uns schafft.

6.) Ach, wann wird mein Herze frei
Über alles sich erheben
Und in reiner Liebestreu
Nur von dir abhängig leben,
Abgeschieden, willenlos,
Von mir selbst und allem bloß!

7.) Komm, du lang verlangte Stund,
Komm, du Lebensgeist von oben!
Ach, wie soll mein froher Mund,
Jesu, deine Treue loben,
Wenn mich deine Liebesmacht,
Dir zu dienen frei gemacht.

8.) Lass dein Evangelium,
Mir Gefangnem Freiheit schenken.
Ich will als dein Eigentum
Mich in dein Erbarmen senken.
Ich will hoffen, warten, ruhn,
Du wollst alles in mir tun.

9.) Eignes Wirken reicht nicht zu,
Du musst selbst die Hand anlegen.
Ich will still sein, wirke du,
Dämpfe, was sich sonst will regen.
Kehr zu meiner Seele ein,
So wird mir geholfen sein.

Tersteegen, Gerhard – Liebster Heiland, nahe dich

1.) Liebster Heiland, nahe dich,
Meinen Grund berühre.
Und aus allem kräftiglich
Mich in dich einführe.
Dass in dich
Inniglich
Mög‘ in Liebe fassen,
Alles andre lassen!

2.) Sammle den zerstreuten Sinn,
Treuer Hirt der Seelen!
Denn wenn ich in dir nicht bin,
Muss mein Geist sich quälen.
Kreatur
Ängstet nur,
Du allein kannst geben
Ruhe, Freud’ und Leben.

3.) Mache mich von allem frei,
Gründlich abgeschieden,
Dass ich eingekehret sei
Stets in deinem Frieden,
Kindlich, rein,
Sanft und klein,
Dich in Unschuld sehe,
In dir leb’ und stehe!

4.) Menschenfreund, Immanuel,
Dich mit mir vermähle.
O du sanfter Liebesquell,
Salbe Geist und Seele,
Dass mein Will’
Sanft und still
Ohne Widerstreben
Dir sich mag ergeben!

5.) Jedermann hat seine Lust
Und sein Zeitvertreiben.
Mir sei Eines nur bewusst,
Herr, in dir zu bleiben!
Alles soll
Folgen wohl,
Wenn ich mich nur übe,
In dem Weg der Liebe.

6.) Kreaturen, bleibet fern,
Und was sonst kann stören!
Jesu, ich will schweigen gern
Und dich in dir hören.
Schaffe du
Wahre Ruh,
Wirke nach Gefallen,
Ich halt’ still in allen!

7.) Was noch flüchtig, sammle du,
Was noch stolz ist, beuge,
Was verwirret, bring zur Ruh,
Was noch hart, erweiche,
Dass in mir
Nichts hinfür
Lebe noch erscheine
Als mein Freund alleine!

Tersteegen, Gerhard – Ich finde stetig diese zwei

1.) Ich finde stetig diese zwei
In meinem Wandel und Gemüte:
Dass ich ein armer Sünder sei
Und Gott die wesentliche Güte.
Ich leb vor Gott zufrieden so
Und bin bei meinem Elend froh.

2.) Ich bin entblößt von allem Gut,
Von allem Licht und Kraft und Leben.
Gott alles ist und hat und tut,
Er kann und will mir alles geben.
Wenn ich mein tiefes Nichts bedenk,
Ich mich in Gott noch tiefer senk.

3.) Pfui, pfui, mit aller Frömmigkeit,
Wo man sich selbst besieht und liebet!
Dies ist der Tugend Lauterkeit,
Wenn man nur Gott die Ehre giebet.
Das Nichts ist manchem wohl im Mund,
Doch sitzt es wenigen im Grund.

4.) Man nennt sich öfters arm und schwach,
Wer glaubt es aber recht von Herzen?
Und wer es glaubt, dem bringt es Plag,
Man glaubt’s mit Unruh und mit Schmerzen.
Im Nichts bringt Armut keine Pein,
Im Nichts ist man mit Frieden klein.

5.) Dies Nichts soll meine Wohnung sein.
Herr, lass mich nimmer etwas werden,
Sei du mein Ruhm und Freud allein,
Mein Alles droben und auf Erden,
Lass mich verschwinden ganz und gar,
Sei du in mir nur offenbar!

6.) Ich will wohl gerne schöne sein,
Doch nur, damit ich dir gefalle.
Ich such vor Menschen keinen Schein,
Willst du, lass mein vergessen alle!
Ich sei veracht’t und du geehrt,
So hab ich, was ich hab begehrt.

7.) Führ mich zur höchsten Heiligkeit,
Doch lass’s die Eigenheit nicht wissen.
Gib mir des Himmels Herrlichkeit!
Ich leg die Kron zu deinen Füßen,
Mit Freuden seh ich nichts in mir,
Mit Freuden geb ich alles dir.

Tersteegen, Gerhard – Herr Jesu Christe, mein Prophet

1.) Herr Jesu Christe, mein Prophet,
Der aus des Vaters Schoße geht,
Mach mich den Vater offenbar
Und seinen liebsten Willen klar.

2.) Lehr mich in allem, weil ich blind,
Mach mich dir ein gehorsam‘ Kind,
Andächtig und stets eingekehrt,
So werd ich wahrlich gottgelehrt.

3.) Gib, dass ich auch vor jedermann
Von deiner Wahrheit zeugen kann
Und allen zeig mit Wort und Tat
Den schmalen, sel’gen Himmelspfad.

4.) Mein Hoherpriester, der für mich
Am Kreuzesstamm geopfert sich,
Mach mein Gewissen still und frei,
Mein ewiger Erlöser sei.

5.) Gesalbter Heiland! Segne mich
Mit Geist und Gnaden kräftiglich.
Schließ mich in deine Fürbitt‘ ein,
Bis ich werd‘ ganz vollendet sein.

6.) Ich opfre auch, als Priester, dir
Mich selbst und alles für und für.
Schenk mir viel Andacht zum Gebet,
Das stets im Geist zu dir aufgeht.

7.) Mein Himmelskönig, mich regier!
Mein alles unterwerf ich dir.
Rett‘ mich von Sünde, Welt und Feind,
Die mir sonst gar zu mächtig seind.

8.) So kehr du in mein Herz hinein
Und lass es dir zum Throne sein.
Vor allem Übel und Gefahr
Mich als dein Eigentum bewahr‘.

9.) Hilf mir im königlichen Geist,
Mich selbst beherrschen allermeist,
Begierden, Willen, Lust und Sünd‘
Und dass mich nichts Geschaff’nes bind.

10.) Du hoch erhab’ne Majestät,
Mein König, Priester und Prophet.
Sei du mein Ruhm, mein Schatz und Freud‘,
Von nun an bis in Ewigkeit.

Tersteegen, Gerhard – Heiliges Sitzen im Felde oder Kammer

1.) Einmütig saß der Gläub’gen Schar,
Erwartend, was verheißen war,
Den Geist, das neue Leben.
So wart‘ ich auch, bis mir’s geschicht,
Einmütig und auf eins gericht’t
Mit den’n, die dir ergeben.
Ach wann
Soll dann
Leer vom Meinen,
Voll vom Deinen
Alles werden,
Dass ich dir nur leb‘ auf Erden!

2.) Bei deiner Kinder heil’gen Rauch
Leg‘ ich mein Andachtskörnlein auch
Und seufz‘ in Jesu Namen.
Dein‘ heil’ge Glut mein Herz entzünd‘,
Mich innig fest mit dir verbind‘
In dir mit deinem Samen.
Ein Herz,
Ein Schmerz,
Ein Bestreben,
Dir zu leben,
Sei in allen;
Mach uns schön, dir zu gefallen!

3.) Du siehst mein Herze, wie ich bin;
Ich geb‘ dir’s ein, ich geb‘ dir’s hin,
Erwartend dein Beleben.
Die Sonn erwärmet dieses Rund;
Du bist mir näher noch im Grund,
Licht, Kraft und all’s zu geben.
Wälder,
Felder
Schönheit bringen,
Vögel singen;
Lass im Dürren
Denn dein Täublein nicht stets girren!

4.) Mein Inn’res sei dein Paradies,
Das deinen Einfluss stets genieß‘
Und dir zu Ehren grüne,
Das monatlich dir Früchte bring‘,
Drin ich dir schöne Lieder sing‘,
Dich bei mir hab‘, dir diene!
Da ruht
Sich’s gut.
Blumen, Blätter,
Sommerwetter
Bald vergehen;
Himmlisch Schön bleibt ewig stehen.

5.) Wann grünt dein ganzer Erdenkreis,
Wann geben dir die Völker Preis
Und werden untertänig?
Wann wirst du groß in mir und all’n,
Dass, die du schufst, zu Fuß dir fall’n
Und schrein: »Der Herr ist König!«?
Gieße
Süße
Geisteskräfte,
Lebenssäfte
In mich Schwachen,
Bis du alles neu wirst machen!

6.) Bin ich hier ausgewurzelt ganz,
Mich dort ins Paradies verpflanz
Zum eng’lischen Spazieren,
Da man nicht Dorn noch Unkraut sieht,
Da Liebe, Freud‘ und Friede blüht
Und selig’s Jubilieren!
Kinder,
Sünder,
Lernt euch bücken,
Lernt euch schicken,
Wie wir müssen!
Gott und Ewig wird’s versüßen.

unbekannt – Ein gsang zuo Gott umb vil gaaben zun besserung

O Allmächtiger Herre Gott,
wir bittend durch dins kindes tod,
das du verlyhen wöllest
Din Göttlich gnade, huld und gunst,
das wir lernind die rechte kunst,
so du din geist zustellest,
Das wir das irdisch achten ring
und haben lieb himlische ding,
den lastren dapffer widerstan,
den tugenden starck hangen an:
ach Gott, hie müst du selbs uff dhan!

Nun hilff, das wir verwillgen nit
den anfechtungen, und damit
ell eer der wält verachten;
Vermyden des lybs lustbarkeit,
auch unsre sünd unns seyend leid,
beweinen die volbrachten;
Bös ursachen verhüten wol,
was zwyfel hat nit irren sol,
kein fräuel urtheil vun uns hab,
schädlich gewonheit stellen ab:
das ist allein din Göttlich gaab!

Mer bittend wir mit gantzem flyß:
der unuolkommen gebräch und wyß
leer uns mit dild gern tragen,
Was ouch nit bessern können wir,
das selbig alls befelhen dir;
und dann in unsren tagen
Gütlich annemmen zytlich straaff,
ynbrünstigklich uns bessrung schaff
und das din thür erkouffte härd
verharr in gutem hie uff erd
und ewigklich dort sälig werd!

Wirtenberg, Graf Jörg von – DAs ich nit kan sünd lan

Ein klaglied wider fleisch und bluot, das Gott helffen und raaten wöll.

(„Nüw gsangbüchle rc. Getruckt zuo Zürych by Christoffel Froschauer, Im JAr D.M.XL.“ in 8°. Seite CCXXXIIII)

DAs ich nit kan sünd lan,
ist mir ein last, krenckt vast
beid lyb und seel, darumb ich wil
mim Gott die schwachheit klagen,
Als minem Herrn, hilfft gern,
gibt gnad und gunst – – –
daruff ich truw und endlich buw,
wie kü+nd ich dann verzagen?
Der gloub erhelt und stelt
mir Christum dar klar uffs best, gantz vest,
daruff wil ich mich lassen,
uff solcher ban styff stan,
den alten Adam massen.

Sey du nit feer, min Herr!
das werck ist din, nit min!
ich bin zu schwach, du mich starck mach,
mit nicht kan ich sunst enden.
Du mit mir teil din heil
unnd ewigs wort, min hort,
ouch das es läb und widersträb,
was sich von dir wil wenden,
Uff das din pryß mit flyß
in mir din leer, eer groß werd uff erd
und nimmermer thu wancken:
darzu mich leit, bereit,
so wil ich dir, Herr, dancken.

Min Gott, erhalt, tröst bald!
erzeig mir gnad, hilff, raat!
leer mich die wält, jr gut und gält,
umb dint willn übergeben.
Die stund bringts end, behend
volgt bald der tod mit not,
fallt hin wies loub, zergadt wie stoub:
was ist min fleischlich läben?
O JEsu Christ, du bist
des läbens wär, stäg: hilff mir zu dir!
der für mich hast gelitten,
verrert din blut, mir zgut,
tod, tüfel überstritten.

Savonarola, Girolamo – Lebe tief in unsern Seelen

Lebe tief in unsern Seelen,
Die wir, Jesu, dir befehlen.

Euer Sehnen, euer Denken,
Eure Seelen waschet rein,
Lernet heim zur Liebe lenken
Von der Erde eitlem Schein.
In der Buße stillem Weinen
Tretet eurem König bei;
Anders müsset ihr erscheinen
Und im Innern werden neu.

Wollet ihr ihn walten lassen
Gnadenvoll in eurer Brust,
Euer Grollen, euer Hassen
Wandelt um in Lieb und Lust.
Lasset eure Wuth vergehen,
Machet euch an Frieden reich,
Wie ihn Jesus will ersehen,
Wie im Himmel, so in euch.

Selig ist das Kind der Gnade,
Dem die blinde Welt nichts gilt,
Dem auf seinem engen Pfade
Deiner Freude Bronnen quillt.
Wie um Spreu und Rauch und Dornen
Nur ein Herz dich lassen mag,
Dem du immer leuchtest vornen
In den süßen Freudentag!

Vor die Wuth des alten Drachen
Stelle dich, du sanftes Lamm.
Deinen Löwen laß erwachen
Kampfbereit in Juda’s Stamm.
Ein Aegypten ist die Erde,
Und ein Pharao ihr Haß
Ist der Treuen Noth und Fährde,
Seit sie, Herr, dein Blut vergaß.

Aber droben, droben hallet,
Treuer Hirte, noch dein Preis,
Deiner Frommen Liebe schallet
Dir entgegen bang‘ und leis,
Und in ihren Kummernächten
Haben sie dein Licht gesehn.
Zieh herein mit deinen Mächten
In ihr Herz; vernimm ihr Flehn!

Rapp – Die erwecklichen Schriften Savonarolas