Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Der Glaube hilft

1.) Der Glaube hilft, wenn nichts mehr helfen kann.
Der Glaube dringt zu Christo sich hinan.
Der Glaube sieht durch alle Finsternisse,
Der Glaube bricht durch alle Hindernisse.

2.) Der bloße Glaub‘ ergreifet Christi Kleid.
Der schwache Glaub‘ lehnt sich an Christi Seit‘.
Der kleinste Glaub‘ tut eitel Wundersachen,
Wer Glauben hat, kann alles möglich machen.

Ringwaldt, Bartholomäus – Fides nostra est victoria

1 Johan. 5.

Wer herzlich gläubet an den Christ,
Des Teufels Ueberwinder ist,
Kehrt sich an keine Tyrannei
Und steht nur stracks der Wahrheit bei.

Der Miethling aber und die Thorn,
So nicht rechtschaffen neu geborn,
Die hinken als die lahmen Hund
Und führen Christum nur im Mund.

Christus ist meine Seligkeit,
Schutz, Beistand und Gerechtigkeit,
Auf den mach ich die Augen zu;
Trotz, der mich überwinden thu!

Bartholomäus Ringwaldt’s geistliche Lieder
herausgegeben von Hermann Wendebourg
Halle
Verlag von Julius Fricke.
1858

Harms, Claus – Dennoch

Dennoch ist ein schönes Wort,
Dennoch heißt mein Glaube;
Dennoch sag ich fort und fort,
ob ich lieg im Staube,
ob ich steh‘
auf der Höh‘,
in des Glückes Schimmer:
Dennoch sag‘ ich immer.

Ob ich bleib‘ ein armer Mann
und die andern prangen,
da ich weder will noch kann,
wie sie es verlangen;
ob der Welt
es gefällt,
mich darum zu plagen:
Dennoch will ich sagen!

Dennoch will ich stille sein
und an Gott mich halten:
Dennoch laß ich ihn allein,
meinen Vater, walten;
Dennoch meint
er, mein Freund,
es mit mir aufs beste,
damit ich mich tröste.

Geistliche Lieder

Conrad Hubert – Ein Betlied zu Gott um Glauben, Liebe und Erkenntnis

 

(„Ein New Auserlesen Gesangbüchlein rc. Getruckt zuo Strasburg bey Wolffgang Köphl. M.D.XLVII. in 8°. Blatt 112)

O GOT, du Höchster gnaden hort,
verleih, das uns dein göttlich Wort
Von ohren so zu hertzen dring,
das es sein kraft und schein verbring.

Der einig Glaub ist dise krafft,
der steiff an JEsu Christ behafft;
Die werck der Lieb seind diser schein,
dadurch wir Christi jünger seind.

Verschaff bei uns auch, lieber HERr,
das wir durch deinen Geist je mehr
In deinr erkantnüs nemen zu
und entlich bei Dir finden ruw.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Annwyl, Fritz Jacob von – ES ist umb sunst vernunfft und kunst

ES ist umb sunst vernunfft und kunst,
Göttliche huld zerlangen,
Allein der gloub muß halten drob,
mit gnad von Gott empfangen.
Wär den nit hat, der kumpt zu spaat
mit sinen guten wercken!
Er bätt, er vast, da ist kein rast,
der gloub muß shertz erstercken.

Der gloub ist gneigt, das er erzeigt
mit hilff den nächsten zlieben,
Mit sölchem bscheid im thun kein leid,
all fründschafft gen jm üben.
Diß sind die frücht und edle zücht,
die uß dem glouben springen:
Recht lieben Gott, die zwey gebott
mit gwalt in himmel tringen.

Der gloub allein macht gwüßne rein,
gebiert den rechten friden,
Sunst wie man thu, so ist kein ru
in allen menschen gliden.
O Gott und Herr, den glouben meer
in allen diner hertzen,
Send jnn den geist mit flammens gneist,
bhüt sy vor zwyfels schmertzen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Knaust, Henrich – Es wolt ein Jäger jagen

von dem Glauben, hoffnung und liebe, Christlich verendert.

ES wolt ein Jäger jagen
dort wol vor ienem holtz,
Was begegnet ihm auff der heiden?
drei frewlin hüpsch und stoltz.

Das ein das hieß fraw glaube,
das ander fraw liebe,
Hoffnung des dritten Name,
des jägers wölt es sein.

Er nam sie in der mitte,
sprach: hoffnung, nit von mir laß!
Schwencks hinder sich zurücke
wol auf sein hohes roß.

Er fürt sie gar behende
wol durch das grüne graß,
Behielts biß an sein ende:
nicht hats jn gerewet das.

Hoffnung macht nicht zu schanden,
im glauben vest an Gott,
Dem nechsten geht zu handen
die liebe in der not.

Hoffnung, lieb und glaube,
die schönen schwestern drei:
Wenn ich die lieb anschawe,
die gröst, sag ist, sie sei!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Janssen, Petrus – Der Glaube

Ueber Wolken, ueber Sternen
Führt der Glaube mich empor,
Da, da kann ich alsdann lernen,
Was gehöret hat kein Ohr,
Was kein Auge je gesehn,
Und kein Sterbling mag verstehn,
Was Gott denen, die ihn lieben,
Hat bereitet und verschrieben.

Da sind andere Gerichte,
Als die arme Welt nur schenkt,
Da sind lauter Lebensfrüchte,
Da wir man in Gott versenkt,
Da ist Manna, da ist Freud,
Da ist stete Frühlingszeit,
Da schwebt man in Ehrenkränzen,
Die wie helle Sonnen glänzen.

Wann ich dann von diesen Höhen,
Wo der Glaube mich gestellt,
Meine Augen lasse gehen
Niederwärts auf diese Welt,
So kommt sie nicht anders mir
Als ein kleiner Klumpen für,
Fürsten, Kaiser, Ueberwinder,
Wie die Maden, und noch minder.

Wann der Glaube dies betrachtet,
Ist es dann wohl Wunderns werth,
Daß er diesen Staub verachtet,
Und der Adler aufwärts fährt?
Ach das Leiden dieser Zeit
Ist nicht werth der Herrlichkeit,
Die die Kämpfer wird vergnügen,
Welche diese Welt besiegen!

Klaiber, Karl Friedrich – Evangelische Volksbibliothek

Hubert, Konrad – O Gott, du höchster Gnadenhort

1. O Gott, du höchster Gnadenhort,
verleih, daß uns dein göttlich Wort
von Ohren so zu Herzen dring,
daß es sein Kraft und Schein vollbring.

2. Der einig Glaub ist diese Kraft,
der fest an Jesus Christus haft‘;
die Werk der Lieb sind dieser Schein,
dadurch wir Christi Jünger sein.

3. Verschaff bei uns auch, lieber Herr,
daß wir durch deinen Geist je mehr
in dein’r Erkenntnis nehmen zu
und endlich bei dir finden Ruh.

Weisse, Michael – Christglaubig Mensch

1. Christglaubig Mensch, wach auff! wach auff!
thu dein hertz Gott deim Herren auff,
der dich hat geschaffen!

2. Dich auch erhelt inn seiner macht,
uber dir wachet tag und nacht,
lest dich nicht verderben.

3. Gedenck an seine herrligkeyt
und danck jm der bermhertzigkeyt,
dir biß her beweiset!

4. Sih zu, das du im nicht verachst
und dich vor jm zu schanden machst,
jn also erzörnest!

5. Sonder sey demütig vor jm
und unterwirff jm deinen sihn,
so wird er dein walten,

6. Und als ein Vater seinen Son
dich leyten inn all deinem thun
zum ewigen leben,

7. Durch Jesum Christum, seinen Son,
der uns vertrit vor seinem thron
mit seym steten opffer.

Zwollen, Wilhelm von – Vom Vertrauen zu Gott und seinem Worte.

(„Artickel der Doctorn von Louen, zu welchen Wilhelm von Zwollen, Königs Christiernen Forirer, Christlich hat geantwort, Und da neben eine Christliche bekentnis gethan, dar auff er zu Mechelen ym Niderlande verbrand ist. Anno M.D. xxix. des xx. tags Octobris. Mit einer Vorrege Johannis Bugenhagen Pomern. Witttemberg.“ Am Ende: „Gedruckt zu Wittenberg durch Joseph Klug. Im Jar. M.D.xxx.“ 18 Blätter in 4°. – Das Lied fängt Blatt E. an, mit der Ueberschrift: „Ein Lied von dem selbigen Wilhelm gemacht vor seinem tode, auff die Weise. Nu frewt euch lieben Christen gemein.“)

SO manich heubt, so mannich syn,
er ist mir wohl gefallen,
Fur yhn hör ich kein Keiserin,
er liebt mir uber alle,
Ynn meinem fynn der breudgam mein,
den ich von grundt meins hertzen mein,
nach yhm steht mein verlangen

Er hat mein hertz ynn seiner gewalt,
er hat mein synn gefangen;
Nicht besser war mein mut gestalt,
die welt wil mit mir prangen.
Mein lieb ist mein und ich bin sein,
ich bin erfreut durch sein anschein,
er legt mein hertz zu raste.

All mein zuflucht setz ich zu Gott,
bey yhm so wil ich bleiben;
Gewalt der welt und yhr gebott
sol mich von yhm nicht treyben,
Von yhm mich niemant reissen sol,
widder Teuffel noch sein glieder all
die welt wird mit mir narren.

Was ligt mir an der werlet spot,
ich acht sein nicht ein meydle!
Las faren yhr gunst, ehr und gut,
mein schatz ist Gottes reiche.
Denn ich habe sein göttlich wort,
das die Sophisten von Louen verschmacht,
mit yhrem Antichrist verwerffen.

Darumb wacht uff, yhr Christen fein,
und last euch nicht verfuren
Von menschen leer und flaschem schein,
darinnen sie nu studiren,
Widder zu stehen dem göttlichen wort
wenn sie die warheit haben gehört
so grimmen sie als wolff und beren.

Wenn sie euch nu greiffen an,
die warheit zu verdrucken,
Seyt unerschrocken, yhn widder zu stehn,
die schrifft yhn zu entdecken,
Auff das mug offenbar werden
yhr Gottes lesterung und sunde schwer
fur Keyser, könige und herren.

Kleiner straff sind sie nicht werd,
so sie verhartet bleyben:
Gott scherfft sein wort gleich wie ein schwerd,
yhre bösheit zu vertreyben.
Darumb wacht auff, yhr herren all,
verhyndert yhr lere und falschen schal,
das uns Gott mit seim wort speysse!

Auff das yhr nicht mit yhrem gleich
das verdamnis, die helle, erbet!
Sie suchen nicht der seelen gedige,
sondern yhr selbs ewig verderben.
Auff das gespeyst werde der bauch, yhr Gott,
darumb verdrücken sie Gottes gepot
und menschen lere erheben.

Darumb, yhr leiben Christen all,
last uns bitten Gott den Herren,
Das er aus der sunden gewalt
die fursten wolt bekeren,
Und uns verleyhen sein göttlich wort,
das uberall mug werden gehört,
den rechten weg uns leren!