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Schlagwort: Gericht

Ringwaldt, Bartholomäus – Vom Jüngsten Gericht

Ringwaldt, Bartholomäus – Vom Jüngsten Gericht

1. Es ist gewißlich an der Zeit,
daß Gottes-Sohn wird kommen
in seiner großen Herrlichkeit,
zu richten Bös‘ und Frommen.
Dann wird das Lachen werden theu’r
wenn Alles wird vergehn im Feu’r,
wie Petrus davon schreibet.

2. Posaunen wird man hören gehn
an aller Welt ihr Ende,
darauf bald werden auferstehn
all‘ Todten gar behende.
Die aber noch das Leben hab’n,
die wird der Herr von Stunden an
verwandeln und verneuen.

3. Darnach wird man ablesen bald
ein Buch, darin geschrieben,
was alle Menschen, jung und alt,
auf Erden hab’n getrieben.
Da dann gewiß ein Jedermann
wird hören, was er hat gethan
in seinem ganzen Leben.

4. O weh‘ demselben, welcher hat
des Herren Wort verachtet
und nur auf Erden früh und spat
nach großem Gut getrachtet,
der wird, fürwahr! gar kahl bestehn
und mit dem Satan müssen gehn
von Christo in die Hölle.

5. O Jesu, hilf zur selben Zeit
von wegen deiner Wunden,
daß ich im Buch der Seligkeit
werd‘ eingezeichnet funden;
daran ich denn auch zweifle nicht,
denn du hast ja den Feind gericht’t
und meine Schuld bezahlet.

6. Derhalben mein Fürsprecher sey,
wenn du nun wirst erscheinen,
und lies mich aus dem Buche frei,
darinnen stehn die Deinen:
auf daß ich sammt den Brüdern mein
mit dir geh‘ in den Himmel ein,
den du uns hast erworben.

7. O Jesu Christ, du machst es lang‘
mit deinem jüngsten Tage,
den MEnschen wird auf Erden bang‘
von wegen vieler Plage.
Komm doch, komm doch, du Richter groß!
und mach‘ uns in Genaden los
von allem Uebel. Amen!

Geistlicher Liederschatz

Harms, Claus – Übersetzung des „De die Iudicii“

Harms, Claus – Übersetzung des „De die Iudicii“

Übertragung von Celanos „De die iudicii“

1. Zorntag, grösster aller Tage,
Aller Bibeln ernste Sage,
Mit dem Feuer, mit der Waage:

2. Welches Heulen, welches Weinen,
Wenn Du einmal wirst erscheinen
Plötzlich, da wir es nicht meinen!

3. Eine Stimm’ wird sich erheben;
Die dann todt sind, die dann leben,
Sollen Red’ und Antwort geben.

4. Beide fahren sie zusammen,
Sehen sich bei Feuerflammen:
Wird er euch und uns verdammen?

5. Müssen stehn vor einem Buch:
Ach, sind wir auch in der Suche?
Oder angemerkt zum Fluche?

6. Jetzo wird der Richter sprechen,
Alle Siegel wird er brechen,
Die geheimsten Thaten rächen!

7. Ach, wie fürcht’ ich seine Ruthe!
Zeugt nicht Einer mir zu Gute?
Reinen selbst ist bang zu Muthe.

8. O du König solcher Schrecken!
Gnade kann allein mich decken.
Ich will dein Erbarmen wecken!

9. Hattest mich doch einst erkoren,
Bist doch ja für mich geboren.
Und ich wäre jetzt verloren?

10. Hast dich müd’ um mich gegangen,
Bist für mich am Kreuz gehangen,
Und das sollte nichts verfangen?

11. Wärest du denn bloss ein Rächer?
Gar kein, gar kein Gnadensprecher
Ueber reuige Verbrecher?

12. Noch ist nicht mein Spruch gefället;
Eh’ derselbe mich zerschellet,
Hör’ die Bitt’ an dich gestellet!

13. Hast Maria angeblicket,
Hast den Schächer selbst entzücket
Ich soll bleiben unerquicket?

14. O du Guter, Milder, Treuer,
Rette vor dem ew’gen Feuer,
Den du hast erlöst so theuer!

15. Zwar nicht auf mein Bitten steh’ ich,
Nein, zu deiner Gnade fleh’ ich,
Halte sie mich, sonst vergeh’ ich.

16. Du wirst scheiden, bannen, aechten,
Reisse mich noch aus dem Schlechten,
Rechts von dir zu den Gerechten!

17. Wenn die Bösen überwiesen,
Und den Flammen zugewiesen,
Sei ich in die Freud’ gewiesen!

18. Ach, ich schau die Höllenbrände,
Rufe, ringe meine Hände:
Mach es wohl mit mir am Ende!

Liscoo – Dies Irae

Celano, Thomas von – De die Iudicii

Celano, Thomas von – De die Iudicii

Dies irae, dies illa
Solvet seclum in favilla
Teste David cum Sibylla.

Quantus tremor est futurus
Quando index est venturus
Cuncta stricte discussurus!

Tuba mirum spargens sonum
Per sepulcra regionum
Coget omnes ante thronum.

Mors stupebit et natura
Cum resurget creatura
Iudicanti responsura.

Liber scriptus proferetur
In quo totum continetur
Unde mundus iudicetur.

Judex ergo cum sedebit
Quidquid latet, apparebit
Nil inultum remanebit.

Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus
Dum vix iustus sit securus?

Rex tremendae maiestatis
Qui salvandos salvas gratis
Salve me, fons pietatis.

Recordare, Iesu pie
Quod sum causa tuae viae
Ne me perdas illa die.

Quaerens me sedisti lassus
Redemisti erucem passus
Tantus labor not sit cassus.

Iustae iudex ultionis
Donum fac remissionis
Ante diem rationis.

Ingemisco tanquam reus
Culpa rubet vultus meus
Supplicanti parce, Deus!

Que Mariam absolvisti
Et latronem exaudisti
Mihi quoque spem dedisti.

Preces meae non sunt dignae
Sed tu bonus fac benigne
Ne perenni cremer igne!

Inter oves locum praesta
Et ab hoedis me sequestra
Statuens in parte dextra!

Confutatis maledictis
Flammis acribus addictis
Voca me cum benedictis!

Oro supplex et acclini
Cur contritum quasi cinis
Gere curam mei finis.

Lacrymose dies illa,
Qua resurget ex favilla
Judcandus homo reus:

Huis ergo parce, Deus!
Pie Jesu, Domine,
Dona eis requiem!

Amen.

Quelle: Zeitschrift für die historische Theologie Zwölfter Band/ Neue Folge. Sechster Band. Leipzig 1843 Verlag von L. H. Bösenberg.

corrigiert und erweitert 10.11.2019

Behm, Martin – Am andern Sonntage des Advents aus dem Evangelio Luc. 21.

Behm, Martin – Am andern Sonntage des Advents aus dem Evangelio Luc. 21.

Von der Zukunft Christi zum jüngsten Gericht.

Jesu, mein Herz ich zu dir richt,
Weil du zeugst offenbar,
Daß du wollst kommen zum Gericht
Mit großer Engel Schar.
Die Zeichen schon vorhanden sind
An Sonnen, Mond und Stern;
Man spürts am Wasser, Erd und Wind,
Daß dein Tag nicht sein fern.

Ach Herr, schau an die große Noth,
Wie falsche Lehr reißt ein;
Dein Wort ist böser Leute Spott,
Das bringt den Frommen Pein.
Krieg, Theurung, Pest sich mächtig regt,
Die Frommen sind geplagt,
Des Himmels Kräfte sind bewegt, –
Drob manch Herz heftig zagt.

Die ganze Welt jetzt kracht und bricht,
Den Menschen ist sehr bang;
Daß Jedermann mit Kummer spricht:
So kanns bestehn nicht lang.
Drum brich hervor, du himmlisch Sonn,
Die Wolken stracks durchdring,
Und uns herab vons Himmels Thron
Den neuen Sommer bring.

Sieh an die Noth und komm behend,
Uns wie der Blitz erschein;
Ja komm, Herr Jesu, mach ein End,
Weil wir so elend sein.
Erlös uns durch dein Gütigkeit
Aus diesem Jammerthal,
Und zeig uns deine Herrlichkeit
Droben ins Himmels Saal.

Hilf uns, daß wir stets wacker sein,
Die Häupter heben auf,
Und uns von Sünden halten rein
Im ganzen Lebenslauf.
Das Herz bei uns in der Gefahr
Zur Andacht treib und reiz,
Vor Völlerei uns all bewahr,
Dazu vor Sorg und Geiz.

Wenn Erd und Himmel wird vergehn
Im Feuer durch dein Wort:
So hilf, daß wir vor dir bestehn,
Zeig uns des Himmels Pfort.
O Herr, im letzten Augenblick
Behüt vor Herzenleid,
In Wolken uns in Himmel rück,
Gieb uns die ewge Freud.

Amen.

Nöldeke – Martin Behemb’s geistliche Lieder

Blaurock, Jörg – Gott führt ein recht Gericht

Blaurock, Jörg – Gott führt ein recht Gericht

Diß Lied hat gemacht Jörg Blawrock, der ersten Brüder einer, in Echzland verbrandt An. 27. Im Dannheuser Thon.

1. Gott führt ein recht gericht,
Und niemand mags ihm brechen,
Wer hie thut seinen willen nicht,
Deß Urtheil wird er sprechen.

2. Gnädig bist du O HErr und gut,
Gütiglich läßst dich finden.
Wer hie auff Erd dein willen thut,
Erkennst vor deine Kinden.

3. Durch Christum sagn wir lob und danck,
Vor alle seine güten,
Daß er uns unser lebenlang
Vor Sünden wöll behüten.

4. Der Sünder führt ein schwer gericht,
Wird ihn sicher gereuen.
Von Sünden will er lassen nicht,
Gott wahrnet ihn mit treuen.

5. So er kommt in sein Herrlichkeit
Daß ers gericht wird bsitzen,
Dann wird es ihnen werden leid,
Kein außred wird sie schützen.

6. Sein wort laßt er hie zeigen an,
Der Mensch soll sich bekehren,
Glauben dem wort und tauffen lahn,
Und folgen seiner lehren.

7. Nun mercket auff ihr Menschenkind,
Steht ab von euren Sünden.
Seyd nit verrucht, gottloß und blind,
Weil ihr den Arzt mögt finden.

8. Grausam wird es dem Sünder gohn,
Der sich nit läßt bescheiden.
In ewig Pein wird ihn Gott thun,
Da er muß bleiben und leiden.

9. Dann du Herr bist ein gerechter Gott,
Niemand wirstu betriegen,
Bewahrest für dem andern Todt
Die dich von Herzen lieben.

10. Du bist o Herr ein starcker Gott,
Die Höll hast auffgestossen,
Und wirffst darein die gottloß Rott,
Die deine Kinder hassen.

11. Gott dein Barmherzigkeit ist groß
Ob den so sich bekehren.
Machst sie all ihrer Sünden loß
Durch Christum unsern Herren.

12. Gott heißt das ganz menschlich geschlecht
Ihn förchten und auch lieben,
Nachfolgen seinem grechten Knecht,
In seiner Lehr uns üben.

13. Der Sünder achts vor einen spott,
Wenn man ihn Gott heißt lieben,
Welchs ihm wird bringen grosse noht,
Gott läßt sich nit betriegen.

14. Endtchrist lehnt sich mit schärffe auff,
Uber die so Gott förchten.
Ach Herre Gott wöllst sehen drauff,
Dein schwache gschirrlein stärcken.

15. Nun habt gedult ihr lieben Kind,
Um meines Namens willen.
Ob ihr schon hie gehasset sind,
Den kummer will ich stillen.

16. Gott Vatter wollst durch deine treu
Uns nimmermehr verlassen,
Täglich O Herr du uns erneu,
Zu bleiben auff der strassen.

17. Durch Christum ruffen wir zu dir,
Als durch dein leiden zarte
Dein treu und liebe kennen wir,
Auff diser Pilgerfahrte.

18. Verlaß uns nicht als deine kind,
Von jetzt biß an das Ende,
Beut uns dein vätterliche Händ,
Daß wir den Lauff vollenden.

19. So wir den streit vollendet hon,
Dann ist die Kron erlanget,
Die setzt uns auff der Jünglein schon,
So an dem Creutz gehanget.

20. Das leiden ist zwar groß und schwer
Um unsert willen gschehen:
Hilff daß wir dir drum dancken sehr,
Und dich mit freuden sehen.

21. Vatter auß gnad hast uns erwehlt,
Und uns nit thun verschmahen,
Gib daß wir, wenns zum scheiden fellt,
Den lohn mit freud entpfahen.

22. Zum Abendtmal mach uns bereyt
Durch Christ dein liebes Kinde,
Mit deinem Geist du uns bekleydt,
Vom Tod und leyd uns binde.

23. So wir dasselbig essen wend,
Wer wird uns zu Tisch dienen?
Das thut der alle Herzen kendt,
Thät unser Sünd versöhnen.

24. Selig sind, die geladen seind
Zu disem Abendmale,
Bey Christo harren biß ans endt,
In allerley trübsale.

25. Wie er dann selbst gelitten hat,
Als er am Creutz gehangen,
Also es jetzt den frommen gaht,
Sie leiden grossen zwangen.

26. Allen, die ihr hoczeitlich kleydt
In keinen weg verletzen,
Den hat der Herr ein Kron bereyt,
Die will er ihn auffsetzen.

27. Welcher das kleyd nit an wird hon,
So der König wird kommen,
Derselbig muß zur lincken stohn,
Die Kron wird ihm genommen.

28. Man wird ihn binden händ und füß,
Weil sie nit seyn bekleyden,
Und werffen in die finsternüß
Von disen grossen freuden.

29. Ach Herr so gib uns liebe reyn,
Zu wandlen unverdrossen,
So wir von hinnen scheiden seyn,
Die Thür nit sey verschlossen.

30. Wie es den thörechten ergieng:
Herr Herr thäten sie rüffen.
Kein öl ihr Ampel in entpfieng,
Sonder alle entschlieffen.

31. Selig ist der da wachen thut
Mit den klugen Jungfrauen,
Der wird einnemmen ewigs gut,
Und Gottes klarheit schauen.

32. Wann der König auffbrechen wird
Mit der Posaunen schalle,
Alsdann werden mit ihm geführt
Die auserwehlten alle.

33. Darum Zion du heilge Gmeyn,
Schau was du hast entpfangen,
Das halt und bleib von Sünden reyn,
So wirst die kron erlangen. Amen.

Ausbund
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Arndt, Ernst Moritz – Gottes Gericht

Arndt, Ernst Moritz – Gottes Gericht

„Ich will das Schwert lassen klingen,
Die Herzen sollen verzagen.
Wie Blitz auf feurigen Schwingen
Herbrausen Reiter und Wagen,
Es schallen Donnergeschosse,
Blut dürsten Männer und Rosse.“

So hat der Herr es gesprochen,
Der Schaffer, Helfer in Nöten.
In Blut wird Sünde gebrochen,
Die Schmach das Eisen muß töten:
So tilgt er Weibergebärde,
Und heilt die Welt mit dem Schwerte.

Dann wollen Männer nicht sterben,
Und Weiber Kindlein nicht wiegen,
Dann nahet Mord und Verderben,
Und Völker müssen erliegen,
Und Schlachten mähen das Alte,
Damit sich Neues gestalte.

Dann fahren durch die Verruchten,
Gott hat die Macht ihnen gegeben;
Und flehen lernen, die fluchten,
Und Toren Hände erheben;
Wild schnauben Räuber und Henker,
Sie meinen´s, Er ist der Lenker.

Drum laß es donnern und blitzen,
Du, Herr, bleibst ewig derselbe,
Du rollst in leuchtenden Sitzen
Das hohe Himmelsgewölbe,
Du trägst die Erde, die kleine,
Und nennst sie freundlich die deine.

Du hebest hoch vom Getümmel
Die Guten auf von der Erde,
Du hebst sie selbst in den Himmel,
Daß unten herrlich sie werde.
Das Leid es muß ja vergehen,
Das Glück muß wieder erstehen.

O laß den himmlischen Glauben,
Die süße Liebe uns halten!
Dann laß Tyrannen nur schnauben,
Wir stehen in höhern Gewalten;
Wir lachen der bübischen Wichte,
Denn Gottes sind die Gerichte.

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Alber, Erasmus – Von der Welt Bosheit, so zur Buße vermahnet

Alber, Erasmus – Von der Welt Bosheit, so zur Buße vermahnet

Ach Gott, thu dich erbarmen
durch Christum, deinen Sohn,
Uebr Reich und über Armen,
Hilf, daß sie Buße thun,
Und sich ein jeder erkennen thut.
Ich fürcht Gott hat gebunden ein Ruth,
Er will uns damit strafen,
Den Hirten mit den Schafen.
Es wird ihm keinr entlaufen.

Gott hat uns lang gerufen
Durch seine treue Knecht,
Unsr Ohren sind aber nicht offen,
Darum geschieht uns recht.
Sein Straf han wir jetzt in dem Land.
Ich fürcht, ihr sind mehr vor der Hand;
Gott wöll sie von uns wenden
Und seine Gnad uns senden;
Es steht in seinen Händen.

Es geschehn groß Wunderzeichen,
Noch schlan wir Alls in Wind,
Die uns sollten erweichen.
So gar sind wir verblindt.
Daß wir erkennen die Wahrheit nicht,
Wie uns jetzt Gottes Wort bericht,
Daß wir uns daran kehrten
Und seiner Gnaden begehrten,
Nicht so gar dawider sperrten.

Aerger ists nie gewesen
Von Anbeginn der Welt.
Ein jeder mags wohl lesen,
Was Christus hat gemeldt.
Kein Lieb noch Glaub auf Erden ist,
Ein jeder braucht sein Tück und List.
Der Reich den Armen zwinget
Und ihm sein Schweiß abdringet,
Daß nur sein Groschen klinget.

Wer kann’s Alles ermessen,
Was treibt die welt mit Macht,
Mit ihrem Saufen und Fressen,
Hochmuth und großen Pracht?
Gott wirds die Länge leiden nicht,
Schau, daß dich nicht erhasch sein Gricht,
So bist ewig verloren,
Dem Teufel auserkoren,
Wär besser nie geboren.

Gott eilt gewiß zum Ende,
Das zeugt all Creatur,
Er wird kommen behende,
Deß han wir schön Figur.
Das glaubet der Gottlose nicht,
Der wohl in seinem Herzen spricht:
Es kann noch lang Zeit währen,
Wir wollen schlemmen und zehren.
Der Teufel thut sie’s lehren.

Die Welt läßt nun nicht abe,
Das wild vielköpfig Thier,
Man werf sie denn ins Grabe;
Es wird geschehen schier.
Der Teufel hats dahin gebracht,
Daß man Gott und sein Wort veracht,
Fragt nicht nach seim Gebote,
Treibet daraus den Spotte,
Sagt wohl, es sein kein Gotte.

Die Axt ist schon geleget
Dem Baum an seine Wurz,
Als uns Johannes zeiget,
Ins Feuer muß er kurz.
Wohl dem, der es zu Herzen nimmt,
Und wacht, wann sein Erlöser kömmt,
Liebt alle Zeit das Gute,
Der wird sein wohl behute
Ja für der Höllen Glute.

Christus sein Prophezeye
Ist nun erfüllet zwar,
Ein jeder merk dabeie
Und nehm sein eben wahr,
Daß er sein Leben anders schick
Und Christum in sein Herz verstrick.
Niemand weiß, welche Stunde,
Spricht Gott aus seinem Munde,
Die Welt wird gehn zu Grunde.

Solchs Alles ist verborgen
In der Gottlosen Sinn.
Das sieht man alle Morgen,
Wie lauft die Welt dahin,
Daß sie nur kriegt das zeitlich Gut,
Das ewig sie vergessen thut;
Daran will Niemand denken,
Thut Leib und Seel versenken;
Manch Christen thut es kränken.

Gott hat in seiner Hute
All, die er hat erweckt,
Erkauf durch Christi Blute
Am Kreuz hoch ausgestreckt,
Da er uns all erlöset hat
Vom Teufel, Sünd und ewigm Tod,
Ist selbst für uns gestorben,
Des Vatern Huld erworben,
Sonst wären wir all verdorben.

12. Das Lied sei jetzt gesungen
Zu Trost der Christenheit,
Den Alten und den Jungen;
Und dem sein Sünd ist leid,
Der bitt Gott allzeit um Genad,
Daß er nimmer in Sünden bad.
Das helf er uns allsammen
Zu Lobe seinem Namen
Durch Jesum Christum, Amen.

Stromberger – Erasmus Alberus geistliche Lieder

Aberlin, Joachim – Der XCIII. Psalm.

Aberlin, Joachim – Der XCIII. Psalm.

Bey den Hebreern der xciiij.

Deus ultionum Dominus.

(„Bibel oder heilige geschrifft gsangsweyß in dru lieder uffs kürtzest zuosamen verfasset und gestellt durch herr Joachim Aberlin. Getruckt zuo Zürych by Christoffel Froschouer. M.D.LI.“ 49 Blätter in 8°. Blatt E. vij. – Das Lied steht bereits in dem „Psalter rc. Straßburg M.D.XXXIX,“ Blatt CIIII.)

YEtzund erscheyn zu diser frist,
Herr Gott, erscheyn uns sichtbar!
Dann dein allein die rache ist,
deß ist die welt nit gychtbar.
Erheb dich, richt der menschen ticht
auff erd frey unuerzagte!
du straffest recht das stoltze gschlecht,
der frumb wirt yetz verjagte.

O Herr, wie lang soll der gottloß,
wie lang soll er sich brumen?
Die stoltzen fröuwend sich on maß,
der frumb muß sich yetz schämen.
Wie redt der öd mit lust und fröud,
wie lang soll er nun reden?
da sagt man böß mit gschrey und töß,
ungrechtigkeit mit fröuden.

Ach Herr, sy hand dein volck so werd
tyrannisch gar zerschlagen,
Dein erb truckend sy hie auff erd,
keinr darff sich schier mer klagen,
Der gut und frumb wirt triben umb,
man tödt witwen und weisen,
erwürgt auch ring hie die frömbdling,
so hin und wider reisen.

Zu einem schirm sagend die wicht:
der Herr wirt es nit sähen
Und der Gott Jacob merckets nicht!
sy dürffend Gott auch schmähen.
Ir unweisen und närrischen,
die wonend hie auff erden,
mit sampt dem thorn: es ist verlorn!
wenn wölt jr witzig werden?

Hört! der gepflantzet hat das or
solt der nit mügen hören?
Meint jr, er sey so gar ein thor,
er wöll sich eüch lon leeren?
Der staub und flug mit sampt dem aug
hat gmacht, solt er nit sehen?
sein gwalt und hand regierts allß sand,
wie dürfft jr söllichs jehen?

Yetz züchtiget auch Gott der Herr
all Heiden auff ein Hauffen:
Meint jr, er sey von uns als ferr,
er künd eüch nit auch straaffen?
Der auch zu hand gibt den verstand,
glaubt jr, er künd nit mercken?
Gott weiß es gar ja bey eim haar!
thund eüch nit also stercken!

Mit eüwer weyß fällt jr fürwar,
es ist jm nichts verborgen,
Der weyßheit ists alls offenbar,
Gott weißt der menschen sorgen,
Und all jrn danck, das er ist stanck,
eytel, unnüth, vergebens:
löscht auß die hitz ja eüwer witz
und hand nit souil läbens.

Ach Herr, wie sälig ist der man,
den du thust weysen, leeren,
Das er des wegs nit fälen kan,
thust jn durch sein gsatz keeren
Und gibst gedult auch unuerschuldt
in disen bösen tagen,
bis grub mit fug wirt gmacht tieff gnug
dem sünder, der wirt klagen.

Bey frummen leuten ist das gwüß:
Gott wirt nit gar verstossen
Die yetzund leydend list und bschissz,
sein erb wirt nit verlassen
Wenn es geschicht, das sein gericht
wirt wider zu recht kummen,
so wirt bereit die grechtigkeit
den heilgen und den frummen.

Ey, wär wil doch nun bey mir ston
gegen den bösen gmütern,
Die mich nit wöllend zfriden lon?
Gott bhüt mich vor den hütern,
Die habend acht auff jrer wacht
mit lugner und verrätern!
wenn ich lang bitt, keinr zu mir tritt
wider die übelthäter.

Reyß dich für mich, o Herre Gott,
das ist mein höchster wille.
Wenn du nit hulffest in der not,
mein seel blib in der stille.
Die red ich brucht, mein füß hat gstrucht:
barmhertzigkeit, o Herre,
und sterck von dir ward geben mir,
du bist von uns nit ferre.

Leyd ich in mit bekümmernuß,
so kanst mein seel ergetzen
‚Und füren mit deinr hand hinauß,
darzu in tröstung setzen.
Der schalckstul irrt, bey dir er wirt
kein gmeinschaft mit dir haben,
der im gsatz breit mu und arbeit,
bleybt bei den nassen knaben.

Yetz rüstend sy sich mit einr hut
wider die seel des grechten,
Verdammend das unschuldig blut,
da kan man streyten, fechten;
Mein schutz ist Gott in diser not,
ein zuuersicht und horte:
zu diesem zil ich schiessen wil
und volgen seinem worte.

Nun wird der Herr jn jr unrecht
gar bald vast wol vergelten,
Er last nit ungestraaffet schlecht
die seine heilgen schelten:
Er wirt sy breit in jr boßheit
außtilcken und verstören.
Herr unser Gott, tilck ab die rott,
die dein wort nit mag hören.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer