Browsed by
Schlagwort: Ewigkeit

unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

Einst sing’ ich nicht mehr, wie ich sang;
die Saite springt, es naht die Nacht.
Doch sel’ge Lust, es währt nicht lang,
dann bin beim König ich erwacht.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Einst wankt mein Leib hier und zerfällt.
Ich weiß nicht Ort, ich weiß nicht Zeit.
Doch ist’s gewiß, mein Jesus hält schon
Wohnung droben mir bereit.

Ja einst, vielleicht im Abendschein,
wird sanft der Ruf an mich ergehn:
Komm, Kindlein, stell die Arbeit ein,
du darfst jetzt ruhn und Jesum sehn!

Ja einst; bis dahin wart’ ich still,
die Lampe brennt, und unverweilt,
wenn mir mein König auftun will,
die Seele jubelnd zu ihm eilt.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Julius Köbner – Harre, Herz

Julius Köbner – Harre, Herz

Harre, Herz, bis sich verwandelt
diese Welt von Sünd’ und Tod,
wo der Fürst der Bosheit handelt,
schafft millionenfache Not;
harre, bis die Welt voll Tod
in ein Eden sich verwandelt,
schöner als das erste war,
welches Gottes Wort gebar!

Harre, bis sein Reich erschienen,
bis erlosch des Fluches Spur,
bis verklärt die Bäume grünen,
himmlisch prangen Berg und Flur,
nicht mehr seufzt die Kreatur —
bis die Freiheit ist erschienen
und der Schöpfer sichtbar geht,
wo jetzt nur sein Odem weht!

Nach der Woche Schreckenstagen
kommt des Sabbats goldne Zeit,
kommt der Tag, nach dem wir fragen,
da der Leib aus Staub erneut
sich des großen Gottes freut,
da das Auge es darf wagen,
den im Glanze anzusehn,
der so unaussprechlich schön.

Dann wird er auf Erden thronen,
König in der heil’gen Stadt,
wird bei seinem Volke wohnen,
das die Welt verhöhnet hat.
In der goldnen Gottesstadt
herrscht er über alle Zonen.
Es verstummt der Stolzen Spott,
und wir jauchzen unserm Gott.

Armes Herz voll Klagen, sehne
nach dem Reiche Gottes dich!
Auge, blick empor und träne,
bis herabkommt königlich
Jesus, der am Kreuz erblich,
bis in seiner Pracht und Schöne
Jakobs Fürst die Welt regiert,
Davids Sohn das Zepter führt!

Gellert, Christian Fürchtegott – Nach einer Prüfung kurzer Tage

Gellert, Christian Fürchtegott – Nach einer Prüfung kurzer Tage

Nach einer Prüfung kurzer Tage
Erwartet uns die Ewigkeit.
Dort, dort verwandelt sich die Klage
In göttliche Zufriedenheit.
Hier übt die Tugend ihren Fleiß;
Und jene Welt reicht ihr den Preis.

Wahr ist’s, der Fromme schmeckt auf Erden
Schon manchen selgen Augenblick;
Doch alle Freuden, die ihm werden,
Sind ihm ein unvollkommnes Glück.
Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh
Nimmt in der Seele ab und zu.

Bald stören ihn des Körpers Schmerzen,
Bald das Geräusche dieser Welt;
Bald kämpft in seinem eignen Herzen
Ein Feind, der öfter siegt, als fällt;
Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld
In Kummer und in Ungeduld.

Hier, wo die Tugend öfters leidet,
Das Laster öfters glücklich ist,
Wo man den Glücklichen beneidet,
Und des Bekümmerten vergißt;
Hier kann der Mensch nie frei von Pein,
Nie frei von eigner Schwachheit sein.

Hier such ich’s nur, dort werd ich’s finden;
Dort werd ich, heilig und verklärt,
Der Tugend ganzen Wert empfinden,
Den unaussprechlich großen Wert;
Den Gott der Liebe werd ich sehn,
Ihn lieben, ewig ihn erhöhn.

Da wird der Vorsicht heilger Wille
Mein Will und meine Wohlfahrt sein;
Und lieblich Wesen, Heil die Fülle
Am Throne Gottes mich erfreun.
Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn
Mich fühlen, daß ich ewig bin.

Da werd ich das im Licht erkennen,
Was ich auf Erden dunkel sah;
Das wunderbar und heilig nennen,
Was unerforschlich hier geschah;
Da denkt mein Geist mit Preis und Dank
Die Schickung im Zusammenhang.

Da werd ich zu dem Throne dringen,
Wo Gott, mein Heil, sich offenbart;
Ein Heilig, Heilig, Heilig singen
Dem Lamme, das erwürget ward;
Und Cherubim und Seraphim
Und alle Himmel jauchzen ihm.

Da werd ich in der Engel Scharen
Mich ihnen gleich und heilig sehn,
Das nie gestörte Glück erfahren,
Mit Frommen stets fromm umzugehn.
Da wird durch jeden Augenblick
Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück.

Da werd ich dem den Dank bezahlen,
Der Gottes Weg mich gehen hieß,
Und ihn zu millionen Malen
Noch segnen, daß er mir ihn wies;
Da find ich in des Höchsten Hand
Den Freund, den ich auf Erden fand.

Da ruft, o möchte Gott es geben!
Vielleicht auch mir ein Selger zu:
Heil sei dir! denn du hast mein Leben,
Die Seele mir gerettet; du!
O Gott, wie muß dies Glück erfreun,
Der Retter einer Seele sein!

Was seid ihr, Leiden dieser Erden,
Doch gegen jene Herrlichkeit,
Die offenbart an uns soll werden,
Von Ewigkeit zu Ewigkeit?
Wie nichts, wie gar nichts gegen sie,
Ist doch ein Augenblick voll Müh!

Friedrich Adolf Lampe – Pilgerlied

Friedrich Adolf Lampe – Pilgerlied

Mein Leben ist ein pilgrimstand.
Ich reise nach dem Vaterland
Nach dem Jerusalem, das droben
Gott selbst als eine feste Stadt
Auf Bundesblut gegründet hat.
Da werd‘ ich Jakobs Hirten loben.
Mein Leben ist ein Pilgrimstand,
Ich reise nach dem Vaterland.

So schnell ich Land und Sand verlaß,
So schnell lauft meines Lebens Glas,
Und was vorbei ist, kommt nicht wieder.
Ich eile zu der Ewigkeit.
Herr Jesu, mach‘ mich nur bereit,
Eröffne meine augenlider,
Daß ich, was zeitlich ist, veracht,
Und nur nach dem was ewig, tracht.

Kein Reisen ist ohn‘ Ungemach.
Der Lebensweg hat auch sein Ach.
Man wandelt nicht auf weichen Rosen.
Der Steg ist eng, der Feinde viel,
Die mich abreißen von dem Ziel.
Ich muß mich oft in Dornen stoßen,
Ich muß durch dürre Wüsten geh’n,
Und kann selbst keinen Ausweg seh’n.

Der Sonne Glanz mir oft entbricht,
Der Sonne, die mit Gnadenlicht
In unverfälschte Herzen strahlet.
Wind, Regen stürmen auf mich zu;
Mein matter Geist find‘ nirgend ruh.
Doch alle Müh‘ ist schon bezahlet,
Wann ich die güld’ne Himmelsthür
Mir stell‘ im Glaub’n und Hoffnung für.

Israels Hüter, Jesu Christ,
Der du ein Pilgrim worden bist,
Da du mein Fleisch hast angenommen,
Zeig‘ mir im Worte deine Tritt.
Laß mich bei einem jeden Schritt
Zu deinem Heil stets näher kommen.
Mein Leben fleucht, ach eile du,
Und fleuch, gleichwie ein Hirsch, herzu.

Durch deinen Geist mich heilig leit‘,
Gib in Geduld Beständigkeit.
Für Straucheln meinen Fuß beschütze.
Ich falle stündlich: hilf mir auf,
Zeuch mich, damit ich dir nachlauf‘.
Sei mir ein Schirm in trübsalshitze.
Laß deinen süßen Gnadenschein
In Finsterniß nie ferne sein.

Wann mir mein Herz, o Gnadenfüll‘!
Vor Durst nach dir verschmachten will,
So laß mich dich zum Ladsal finden.
Und wann ich schließ die Augen zu,
So bring‘ mich zu der stolzen Ruh,
Da Streit und alle Müh verschwinden:
Laß mich da sein in Abrah’ms Schooß
Dein Liebling und dein Hausgenoß.

Bin ich in diesem Mesechsland
Der blinden Welt schon unbekannt,
Dort sind die Freunde, die mich kennen,
Dort werd‘ ich mit der Himmelsschaar
Dir jauchzend dienen immerdar,
Und in der reinsten Liebe brennen.
Mein Bräutigam, komm, bleib‘ nicht lang,
In Kedars Hütten wird mir bang.

Die evangelische Volksbibliothek
Fünfter Band
Die geistliche Dichtung von Luther bis Klopstock
ausgewählt und eingeleitet
von Paul Pressel
Stuttgart
Adolph Bechers Verlag (Gustav Hoffmann)
1863

Klepper, Jochen – Mein Gott, ich will von hinnen gehen

Klepper, Jochen – Mein Gott, ich will von hinnen gehen

Mein Gott, ich will von hinnen gehen,
der Erdentag wird mir zu lang,
die Tore deiner Stadt zu sehen,
zu hören himmlischen Gesang.
Vor deinem Angesicht zu stehn,
das ist’s allein, was ich ersehn‘.

Nicht, daß ich nicht zu danken wüßte
für das, was du mir hier beschert.
Nicht, daß ich nicht geduldig büßte,
solang es dein Gericht begehrt.
Doch das, wonach mein Herz so brennt,
ist, daß mich nichts mehr von dir trennt.

Die Städte dieses Erdenrundes
sind fahle Schatten deiner Stadt,
die uns Verheißung deines Mundes
schon längst zuvor begründet hat.
Zu ihren Höhen blick‘ ich auf.
Ach, endete der Jahre Lauf!

Die Brunnen, die hier lieblich rinnen,
sind nur ein blasses, dunkles Bild
des Borns, der unter goldenen Zinnen
vor deinem Stuhle ewig quillt.
Die Stadt, die deine Herrlichkeit
erleuchtet, Herr, – liegt sie noch weit?

Ich denke nur an ihre Mauern,
die der Apostel Namen schmückt.
Was hier ist, kann nur flüchtig dauern,
nachdem ich ihren Saum erblickt.
Ihr Tor steht offen Tag und Nacht:
Wann werd‘ ich, Herr, vor dich gebracht?

Vergehen bald der Berge Firnen,
daß deine Stadt herniederfährt,
darin der Engel reine Stirnen
von deinem Namen sind verklärt?
Die Stadt, geschmückt gleich einer Braut,
aus Jaspis und Saphir erbaut?

Errichtet aus dem Holz des Lebens,
so steigt sie aus der Wolken Meer.
Wir Menschen wandern nicht vergebens:
du nahst uns aus der Ferne her.
Die Hütte Gottes ist bereit,
die Stadt des Heils in Ewigkeit!

Erlöschen mögen Mond und Sonnen.
Dein Glanz herrscht in ihr immerdar.
Das Ziel war da, eh wir begonnen.
Die Worte sind gewiß und wahr.
Wir suchten nicht: Du bist’s, der sucht
und heimruft, die wir dir geflucht.

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Ach wär‘ ich doch schon droben!
Mein Heiland, wär‘ ich da,
wo dich die Schaaren loben,
und säng‘ Halleluja!

Wo wir dein Antlitz schauen,
da sehn‘ ich mich hinein.
Da will ich Hütten bauen;
denn dort ist gut zu sein.

Da werd‘ ich Alles sehen:
den großen Schöpfungsrath;
was durch dein Blut geschehen,
und deines Geistes That.

Da feiern die Gerechten,
die ungezählte Schaar,
mit allen deinen Knechten
das große Jubeljahr.

Mit göttlichsüßen Weisen
wird mein verklärter Mund
dich ohne Sünde preisen,
du meines Lebens Grund!

Da werden meine Thränen
ein Meer voll Freude seyn.
Ach stille bald mein Sehnen,
und hole mich hinein!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Fritz Fliedner – Amen! Halleluja!

Fritz Fliedner – Amen! Halleluja!

Amen! Halleluja!
Off. 19, 4.

Dort am Meere von Krystall
Und vor Gottes Throne
Schallt das Lied der heil’gen all
Laut im Jubeltone.
Weit es durch die Himmel dringt
Und auf Erden wiederklingt:
Amen! Halleluja!

Worte ewig benedeit,
Hier im Erdentale,
Wie am Thron der Herrlichkeit
In des Himmels Saale
Gottesharfen tun dort kund,
Was hier stammelte der Mund:
Amen! Halleluja!

Wenn wir hier auf steilem Pfad
Näher heimwärts kamen,
Sprach das Herz durch Gottes Gnad
Auch zum Leid sein: „Amen.“
Aber wenn wir ausgekämpft,
Keine Klag den Dankruf dämpft:
Amen! Halleluja!

Als in Kampf und Todesweh
Ihm das Herz wollt’ zagen,
Lerne in Gethsemane
Christ sein „Amen“ sagen.
Selig, wer in Gottes Zucht
Aslobald sein Amen sucht:
Amen! Halleluja!

Auf demselben Oelberg dann
Ward gekrönt der Steiter;
Dort harrt’ auf den Schmerzensmann
Schon die Himmelsleiter,
Hebt zum Thron ihn aus der Gruft,
Und der ganze Himmel ruft:
Amen! Halleluja!

Wer zu Gottes Will und Wort
Lernt das Amen sprechen,
Wird das Halleluja dort
Nimmer unterbrechen.
Leis verschwistert klingt es hier;
Dort tönt’s mächtig für und für:
Amen! Halleluja!

Lehr uns, Meister, immerdar
Dir das Amen bringen,
Dir mit deiner Sel’gen Schar
Halleluja singen!
Jesus Christus, gestern, heut
Und in alle Ewigkeit,
Amen! Halleluja!

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Tersteegen, Gerhard – So geht’s von Schritt zu Schritt

Tersteegen, Gerhard – So geht’s von Schritt zu Schritt

1.) So geht’s von Schritt zu Schritt
Zur großen Ewigkeit,
So unvermerkt verschwindt
Die kurze Lebenszeit.
Wo blieb so mancher Tag
Und wo so manches Jahr?
Was hat ein Sterblicher
Von dem, das gestern war?

2.) Du Gott der Ewigkeit,
Der mir dies Leben gab,
Ich geb‘ es dir zurück,
Und was ich bin und hab.
Ich will nur leben dir,
Dir will ich sterben auch.
Gib, dass ich Zeit und Kraft
Zu deinem Dienst nur brauch.

3.) Ich schließ die Augen jetzt
Und sage gute Nacht.
Der Sichtbarkeit, dem Traum,
Damit ich auf der Wacht
Mit Herzensinnigkeit
Vor deinen Augen leb‘
Und deinem Geiste Raum
In mir zu wirken geb.

4.) Nun, ich verlass die Welt
Und will zum Vater gehn.
Hier bin ich nicht zu Haus,
Hier will ich nichts ansehn.
Der kurze Rest der Zeit
Soll dir gewidmet sein,
Ja, Vater, ich bin hier
Und dort auch ewig dein.

5.) Bereite mich, und wann
Dies Leben ist vorbei,
Mein ewig bleibend Gut
Mein wahres Leben sei!
Verlass mich denn auch nicht
Im letzten Augenblick,
Dass ich mag Jesus sehn
Und nicht auf mich zurück.

6.) Ich leer mich gänzlich aus
Vor dir mit höchstem Recht.
Ich bin ein armer Wurm
Und ein unnützer Knecht.
So ganz entblößt sink ich
In Jesu Wunden ein,
Will auch nur jetzt und dann
In ihm erfunden sein.

7.) Der Feind hat nichts an mir,
Das Herz in Jesu ruht.
Tief in mein Nichts versenkt,
Ist Jesus, all mein Gut.
O wie verdank ich’s dir,
Dass du zu mir gewandt
Dein offnes Vaterherz
Und wurdest mir bekannt!

8.) Dich, Vater, Sohn und Geist,
Ich meinen Gott bekenn,
Den ich als Schöpfer ehr
Und auch Erlöser nenn.
Es ist mir herzlich lieb,
Dass du bist, der du bist,
Und dass mein ganzes Heil
In deinen Händen ist.

9.) Ich zeuge , dass du bist
Das ewig selge Gut,
Worin der Geist allein
Im höchsten Frieden ruht;
Dich, Majestät, verehrn,
Dein Dienst ist Seligkeit,
Und dazu wünsch ich mir
Die ganze Ewigkeit.

10.) Ich lege meinen Geist
In deine treue Hand,
Mein Heiland, du bewahrst
Dies dir vertraute Pfand.
Mein‘ letzten Atemzug
Lass reine Liebe sein,
Ausgehend geh mein Geist
Zu deiner Ruhe ein!

11.) O Ruh der Ewigkeit,
Da wirds denn doch geschehn,
Dass ich dich, höchstes Gut,
So wie du bist, werd sehn
Und ewig bei dir sein
Mit jener sel’gen Schar.
Ich bet‘ gebücket an,
Mein Gott, du bist es gar.

Freder, Johann – Van der Thokumpst unses Herrn Jesu Christi.

Freder, Johann – Van der Thokumpst unses Herrn Jesu Christi.

CHristus thokumpst ys vorhanden,
dat gelöuet alle fry;
Teken ghan in allen Landen
mit einem groten geschrey;
He wert hernedder vallen
op einer Wolcken klar,
mit der Bassunen schallen,
rundt in der Engel schar.

Godts thorn ys gruwsam und sware
all dar he auerkümpt,
Im Helschen vür möten se ydt betalen,
ewich ahn dach und stundt,
Unde möthen alle tydt bernen
und doch nicht seruen dodt,
und alltydt ropen und kamen
all in der Hellen glodt.

Jesu, du bist myn Vortreder,
van Godt dem Vader gesandt,
Du heffst vor my geleden,
an ein swar Crütz gehangt:
Darup wil ick löuen und truwen,
du heffst vorgaten dyn Blodt,
und wil darümme nicht schuwen
vor Düuel, Helle und dodt.

Du trost der bedröueden hepten,
du eddele glantz und schyn,
Nim van my angst und smerten
dorch Jesum, das Lemmelin,
So wil ick frölick steruen
uth rechtem herten grunt,
uth gnad dat Ryke eruen
allhyr tho desser stundt. Amen.

Tersteegen, Gerhard – Du, Gott, bist selbst Dir Ort und Zeit

Tersteegen, Gerhard – Du, Gott, bist selbst Dir Ort und Zeit

Du, Gott, bist selbst Dir Ort und Zeit,
Der Ewige in Ewigkeit,
Ohn‘ Anfang, ohne End und Schranken.
Dein prächtig Heiligthum bist Du,
Besitz’st Dich ganz in einem Nu
Ohn alle Aend’rung, ohne Wanken.
Verlaß ich Zeit und Ort und mich,
Gott, Ewigkeit, dann find‘ ich Dich.
Hallelujah, Hallelujah!

Du bist, Du warst, wirst immer sein,
Unsterblichkeit hast Du allein;
Mein Geist, Dein Hauch, hat’s durch Dein Geben.
Es mag vergehn die ganze Welt,
Ob auch mein Leibesbau zerfällt,
Du, Ew’ger, schenkst mir ew’ges Leben.
Die arme Saat, der Leib, soll schön
Durch Deinen Hauch einst auferstehn.
Hallelujah, Hallelujah.

Mein anfang und mein End bist Du,
Der wahre Zielpunkt meiner Ruh,
Mein Herzensschatz, des Geistes Speise.
Mein Wollen, Lieben, richt auf Dich,
Daß ich nach Dir nur lauterlich,
Du, meine Heimath, richt die Reise;
Und durch Dich lebe allezeit,
Du Ew’ger in der Ewigkeit.
Hallelujah! Hallelujah!