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Schlagwort: Ewigkeit

Könneritz, Carl von – Dies irae, dies illa

Könneritz, Carl von – Dies irae, dies illa

Furchtbar geht vom Zornestage,
Der zu Staub die Welt zerschlage,
Davids und Sibyllens Sage.

Welche schreckensbange Stunde
Harrt ihr aus des Richters Munde
Auf gerechten Spruches Kunde!

Der Posaune Wunderschalle
Folgen aus der Gräberhalle
Zu des Thrones Stufen Alle.

Staunend sehen Tod und Leben,
Was einst war, der Gruft entschweben,
Rechenschaft dem Herrn zu geben.

Und ein Buch zeigt die Geschichte
Alles Thuns im wahren Lichte,
Legt den Grund zum Weltgerichte.

Sitzt der Richter mit der Waage:
Kommt Verhülltes klar zu Tage,
Ohne Spruch bleibt keine Klage.

Wehe meinem armen Leben!
Wird kein Heil’ger Schutz mir geben,
Wo selbst reine Herzen beben?

König furchtumhüllter Mächte,
Huldvoll gleichvertheilter Rechte,
Gieb sein Theil auch deinem Knechte!

Hast du, Jesu, mir zum Frommen
Deine Sendung übernommen:
Hilf, wird jener Tag einst kommen!

Der du mir zum Heil geboren,
Für mich hast das Kreuz erkoren,
Gieb dies Opfer nicht verloren!

Richter der gerechten Rache,
Schenke Nachsicht meiner Sache,
Eh‘ ich zum Gericht erwache!

Seufzend harr‘ ich des Gerichtes,
Schuldgerötheten Gesichtes:
Schone meiner, Herr des Lichtes!

Der Mariens sünd’gem Leben,
Der dem Schächer du vergeben,
Lass auch Hoffnung mich umschweben!

Unwerth fühlt sich mein Gemüthe,
Betend, dass mich deine Güte
Vor dem ew’gen Feuer hüte.

Zu den Schafen mich geselle,
Fern mich von den Böcken stell,
Rechts an deines Thrones Schwelle!

Und wenn der Verdammten Schaaren
Zu der Hölle Gluthen fahren,
Wolle mich dein Ruf bewahren!

Staub zerknirschten Herzen wende
Ich zu dir mich, betend: Sende
Mir dereinst ein selig Ende!

Tag der Thränen, wird zum Leben
Einst der Mensch dem Staub entschweben
Und zu deinem Richtstuhl kommen:

Gnade, Gott, für deine Frommen!
Herr, mein Heiland, mache du
Theilhaft sie der ew’gen Ruh!

Quelle: Zeitschrift für die historische Theologie Zwölfter Band/ Neue Folge. Sechster Band. Leipzig 1843 Verlag von L. H. Bösenberg.

Gerhardt, Paul – Johannes sahe durch Gesicht

Gerhardt, Paul – Johannes sahe durch Gesicht

  1. Johannes sahe durch Gesicht
    Ein edles Licht
    Und liebliches Gemälde:
    Er sah ein Haufen Völker stehen,
    Sehr hell und schön,
    Im güldnen Himmelsfelde.
    Ihr Herz und Mut
    Schwebt in dem Gut,
    Das hier kein Mann
    Bezahlen kann
    Mit allem Gut und Gelde.
  2. Sie trugen Palmen in der Hand;
    Ihr Ort und Stand
    War vor des Lammes Throne,
    Ihr Mund war voller Lob und Preis,
    Sie Kleider weiß,
    Ihr Leid, im höhren Tone,
    Klang süß und sang
    Des Höchsten Dank,
    Und dieser Stimm
    Half üm und üm
    Der Engel heilge Krone.
  3. Wer, sprach Johannes, sind doch die,
    Die ich allhier
    In weißem Schmuck seh halten?
    Es sind, antwortet aus der Schar,
    Die um ihn war,
    Der eine von den Alten:
    Es sind, mein Sohn,
    Dich sich den Hohn
    Und Spott der Welt
    Von Gottes Zelt
    Nicht lassen abehalten.
  4. Es sind die, so vor dieser Zeit
    In großem Leid
    Auf Erden sich befunden,
    Die bei des Herren Jesu Ehr
    Und seiner Lehr
    All Angst und Trübsalswunden,
    Zwar ohne Schuld,
    Doch mit Geduld,
    Durch Gott gekühlt,
    Recht wohl gefühlt
    Und fröhlich überwunden.
  5. Dieselben haben all ihr Kleid,
    Als treue Leute,
    Im Glaubensbad erkläret,
    Sie haben sich der Höllen List,
    So viel der ist,
    Mit starkem Mut erwehret
    Und nicht geacht
    Der Erden Pracht,
    Des Lammes Blut
    Zu ihrem Gut
    Erwählet und begehret.
  6. Darum so stehen sie auch nun
    Und all ihr Tun
    Wo Gottes Tempel stehet;
    Der Tempel, da man Tag und Nacht
    Dem Höchsten wacht
    Und seinen Ruhm erhöhet;
    Da leben sie
    Ohn alle Müh,
    Ohn alle Qual
    Im Freudensaal,
    Der nimmermehr vergehet.
  7. Daselbst sitzt Gott in seinem Haus
    Und breit aus
    Die Hütte seiner Güte
    Und deckt mit sanfter Wollust zu
    In stiller Ruh
    Manch trauriges Gemüte.
    Was Freude gibt,
    Dem Herzen liebt,
    Die Augen füllt,
    Das Sehnen stillt,
    Steht da in voller Blüte.
  8. Da ist kein Durst, kein Hungersnot,
    Das Himmelsbrot
    Läßt keinen Mangel leiden,
    Zu heiß und sehr,
    Ihr Glanz bringt lauter Freuden.
    Die Himmelssonn
    Und Herzenswonn
    Ist unser Hirt,
    Der große Wirt
    Und Herr der ewgen Weiden.
  9. Das Lamm wird weiden seine Herd,
    Als sies begehrt,
    Auf Auen, die schön prangen;
    Es wird sie leiten zu dem Quell,
    Der frisch und hell,
    Das Heil draus zu erlangen;
    Und wird gewiß
    Nicht ruhen, bis
    Er uns erfrischt
    Und abgewischt
    Die Tränen unsrer Wangen.
Gerhardt, Paul – Nun sei getrost und unbetrübt

Gerhardt, Paul – Nun sei getrost und unbetrübt

  1. Nun sei getrost und unbetrübt,
    du mein Geist und Gemüte!
    Dein Jesus lebt, der dich geliebt
    eh, als dir dein Geblüte
    und Fleisch und Haut werd zugericht;
    Der wird dich auch gewißlich nicht
    an deinem Ende hassen.
  2. Erschrecke nicht vor deinem End,
    es ist nichts Böses drinnen;
    Dein lieber Herr streckt seine Händ
    und fordert dich von hinnen
    aus soviel tausend Angst und Qual,
    die du in diesem Jammertal
    bisher hast ausstanden.
  3. Zwar heißts ja Tod und Sterbensnot,
    doch ist da gar kein Sterben;
    Denn Jesus ist des Todes Tod
    und nimmt ihm das Verderben,
    daß alle seine Stärk und Kraft
    mir, wenn ich jetzt werd hingerafft,
    nicht auf ein Härlein schade.
  4. Des Todes Kraft steht in der Sünd
    und schnöden Missetaten,
    darin ich armes Adamskind
    so oft und viel geraten;
    Nun ist die Sünd in Jesu Blut
    ersäuft, erstickt, getilgt und tut
    fort gar nichts mehr zur Sachen.
  5. Die Sünd ist hin und ich bin rein;
    trotz dem, der mir das nehme!
    Hinfüro ist das Leben mein,
    darf nicht, daß ich mich gräme
    um einger Sündenlohn und -Sold;
    Wer ausgesöhnt, dem ist man hold
    und tut ihm nichts zuwider.
  6. Ei nun, so nehm ich Gottes Gnad
    und alle seine Freude
    mit mir auf meinen letzten Pfad
    und weiß von keinem Leide.
    Der wilde Feind muß nun ein Schaf,
    sein Ungestüm ein süßer Schlaf
    und sanfte Ruhe werden.
  7. Du, Jesu, allerliebster Freund,
    bist selbst mein Licht und Leben:
    Du hältst mich fest, und kann kein Feind,
    Dich, wo du stehest, heben.
    In dir steh ich, und du in mir;
    und wie wir stehn, so bleiben wir
    hier und dort ungeschieden.
  8. Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh,
    als der fast müde worden;
    Die Seele fährt dem Himmel zu
    und mischt sich in den Orden
    der auserwählten Gottesschar
    und hält das ewige Jubeljahr
    mit allen heilgen Engeln.
  9. Kommt dann der Tag, o höchster Fürst
    der Kleinen und der Großen,
    da du zum allerletzuten wirst
    In die Posaunen stoßen,
    So soll denn Seel und Leid zugleich
    mit dir in deines Vaters Reich
    zu deiner Freud eingehen.
  10. Ists nun dein Will, so stell dich ein,
    mich selig zu versetzen.
    Ach, ewig bei und mit dir sein,
    wie hoch muß das ergetzen!
    Eröffn dich, du Todespfort,
    auf daß an solchen schönen Ort
    ich durch möge fahren!
unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

Einst sing’ ich nicht mehr, wie ich sang;
die Saite springt, es naht die Nacht.
Doch sel’ge Lust, es währt nicht lang,
dann bin beim König ich erwacht.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Einst wankt mein Leib hier und zerfällt.
Ich weiß nicht Ort, ich weiß nicht Zeit.
Doch ist’s gewiß, mein Jesus hält schon
Wohnung droben mir bereit.

Ja einst, vielleicht im Abendschein,
wird sanft der Ruf an mich ergehn:
Komm, Kindlein, stell die Arbeit ein,
du darfst jetzt ruhn und Jesum sehn!

Ja einst; bis dahin wart’ ich still,
die Lampe brennt, und unverweilt,
wenn mir mein König auftun will,
die Seele jubelnd zu ihm eilt.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Julius Köbner – Harre, Herz

Julius Köbner – Harre, Herz

Harre, Herz, bis sich verwandelt
diese Welt von Sünd’ und Tod,
wo der Fürst der Bosheit handelt,
schafft millionenfache Not;
harre, bis die Welt voll Tod
in ein Eden sich verwandelt,
schöner als das erste war,
welches Gottes Wort gebar!

Harre, bis sein Reich erschienen,
bis erlosch des Fluches Spur,
bis verklärt die Bäume grünen,
himmlisch prangen Berg und Flur,
nicht mehr seufzt die Kreatur —
bis die Freiheit ist erschienen
und der Schöpfer sichtbar geht,
wo jetzt nur sein Odem weht!

Nach der Woche Schreckenstagen
kommt des Sabbats goldne Zeit,
kommt der Tag, nach dem wir fragen,
da der Leib aus Staub erneut
sich des großen Gottes freut,
da das Auge es darf wagen,
den im Glanze anzusehn,
der so unaussprechlich schön.

Dann wird er auf Erden thronen,
König in der heil’gen Stadt,
wird bei seinem Volke wohnen,
das die Welt verhöhnet hat.
In der goldnen Gottesstadt
herrscht er über alle Zonen.
Es verstummt der Stolzen Spott,
und wir jauchzen unserm Gott.

Armes Herz voll Klagen, sehne
nach dem Reiche Gottes dich!
Auge, blick empor und träne,
bis herabkommt königlich
Jesus, der am Kreuz erblich,
bis in seiner Pracht und Schöne
Jakobs Fürst die Welt regiert,
Davids Sohn das Zepter führt!

Gellert, Christian Fürchtegott – Nach einer Prüfung kurzer Tage

Gellert, Christian Fürchtegott – Nach einer Prüfung kurzer Tage

Nach einer Prüfung kurzer Tage
Erwartet uns die Ewigkeit.
Dort, dort verwandelt sich die Klage
In göttliche Zufriedenheit.
Hier übt die Tugend ihren Fleiß;
Und jene Welt reicht ihr den Preis.

Wahr ist’s, der Fromme schmeckt auf Erden
Schon manchen selgen Augenblick;
Doch alle Freuden, die ihm werden,
Sind ihm ein unvollkommnes Glück.
Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh
Nimmt in der Seele ab und zu.

Bald stören ihn des Körpers Schmerzen,
Bald das Geräusche dieser Welt;
Bald kämpft in seinem eignen Herzen
Ein Feind, der öfter siegt, als fällt;
Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld
In Kummer und in Ungeduld.

Hier, wo die Tugend öfters leidet,
Das Laster öfters glücklich ist,
Wo man den Glücklichen beneidet,
Und des Bekümmerten vergißt;
Hier kann der Mensch nie frei von Pein,
Nie frei von eigner Schwachheit sein.

Hier such ich’s nur, dort werd ich’s finden;
Dort werd ich, heilig und verklärt,
Der Tugend ganzen Wert empfinden,
Den unaussprechlich großen Wert;
Den Gott der Liebe werd ich sehn,
Ihn lieben, ewig ihn erhöhn.

Da wird der Vorsicht heilger Wille
Mein Will und meine Wohlfahrt sein;
Und lieblich Wesen, Heil die Fülle
Am Throne Gottes mich erfreun.
Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn
Mich fühlen, daß ich ewig bin.

Da werd ich das im Licht erkennen,
Was ich auf Erden dunkel sah;
Das wunderbar und heilig nennen,
Was unerforschlich hier geschah;
Da denkt mein Geist mit Preis und Dank
Die Schickung im Zusammenhang.

Da werd ich zu dem Throne dringen,
Wo Gott, mein Heil, sich offenbart;
Ein Heilig, Heilig, Heilig singen
Dem Lamme, das erwürget ward;
Und Cherubim und Seraphim
Und alle Himmel jauchzen ihm.

Da werd ich in der Engel Scharen
Mich ihnen gleich und heilig sehn,
Das nie gestörte Glück erfahren,
Mit Frommen stets fromm umzugehn.
Da wird durch jeden Augenblick
Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück.

Da werd ich dem den Dank bezahlen,
Der Gottes Weg mich gehen hieß,
Und ihn zu millionen Malen
Noch segnen, daß er mir ihn wies;
Da find ich in des Höchsten Hand
Den Freund, den ich auf Erden fand.

Da ruft, o möchte Gott es geben!
Vielleicht auch mir ein Selger zu:
Heil sei dir! denn du hast mein Leben,
Die Seele mir gerettet; du!
O Gott, wie muß dies Glück erfreun,
Der Retter einer Seele sein!

Was seid ihr, Leiden dieser Erden,
Doch gegen jene Herrlichkeit,
Die offenbart an uns soll werden,
Von Ewigkeit zu Ewigkeit?
Wie nichts, wie gar nichts gegen sie,
Ist doch ein Augenblick voll Müh!

Friedrich Adolf Lampe – Pilgerlied

Friedrich Adolf Lampe – Pilgerlied

Mein Leben ist ein pilgrimstand.
Ich reise nach dem Vaterland
Nach dem Jerusalem, das droben
Gott selbst als eine feste Stadt
Auf Bundesblut gegründet hat.
Da werd‘ ich Jakobs Hirten loben.
Mein Leben ist ein Pilgrimstand,
Ich reise nach dem Vaterland.

So schnell ich Land und Sand verlaß,
So schnell lauft meines Lebens Glas,
Und was vorbei ist, kommt nicht wieder.
Ich eile zu der Ewigkeit.
Herr Jesu, mach‘ mich nur bereit,
Eröffne meine augenlider,
Daß ich, was zeitlich ist, veracht,
Und nur nach dem was ewig, tracht.

Kein Reisen ist ohn‘ Ungemach.
Der Lebensweg hat auch sein Ach.
Man wandelt nicht auf weichen Rosen.
Der Steg ist eng, der Feinde viel,
Die mich abreißen von dem Ziel.
Ich muß mich oft in Dornen stoßen,
Ich muß durch dürre Wüsten geh’n,
Und kann selbst keinen Ausweg seh’n.

Der Sonne Glanz mir oft entbricht,
Der Sonne, die mit Gnadenlicht
In unverfälschte Herzen strahlet.
Wind, Regen stürmen auf mich zu;
Mein matter Geist find‘ nirgend ruh.
Doch alle Müh‘ ist schon bezahlet,
Wann ich die güld’ne Himmelsthür
Mir stell‘ im Glaub’n und Hoffnung für.

Israels Hüter, Jesu Christ,
Der du ein Pilgrim worden bist,
Da du mein Fleisch hast angenommen,
Zeig‘ mir im Worte deine Tritt.
Laß mich bei einem jeden Schritt
Zu deinem Heil stets näher kommen.
Mein Leben fleucht, ach eile du,
Und fleuch, gleichwie ein Hirsch, herzu.

Durch deinen Geist mich heilig leit‘,
Gib in Geduld Beständigkeit.
Für Straucheln meinen Fuß beschütze.
Ich falle stündlich: hilf mir auf,
Zeuch mich, damit ich dir nachlauf‘.
Sei mir ein Schirm in trübsalshitze.
Laß deinen süßen Gnadenschein
In Finsterniß nie ferne sein.

Wann mir mein Herz, o Gnadenfüll‘!
Vor Durst nach dir verschmachten will,
So laß mich dich zum Ladsal finden.
Und wann ich schließ die Augen zu,
So bring‘ mich zu der stolzen Ruh,
Da Streit und alle Müh verschwinden:
Laß mich da sein in Abrah’ms Schooß
Dein Liebling und dein Hausgenoß.

Bin ich in diesem Mesechsland
Der blinden Welt schon unbekannt,
Dort sind die Freunde, die mich kennen,
Dort werd‘ ich mit der Himmelsschaar
Dir jauchzend dienen immerdar,
Und in der reinsten Liebe brennen.
Mein Bräutigam, komm, bleib‘ nicht lang,
In Kedars Hütten wird mir bang.

Die evangelische Volksbibliothek
Fünfter Band
Die geistliche Dichtung von Luther bis Klopstock
ausgewählt und eingeleitet
von Paul Pressel
Stuttgart
Adolph Bechers Verlag (Gustav Hoffmann)
1863

Klepper, Jochen – Mein Gott, ich will von hinnen gehen

Klepper, Jochen – Mein Gott, ich will von hinnen gehen

Mein Gott, ich will von hinnen gehen,
der Erdentag wird mir zu lang,
die Tore deiner Stadt zu sehen,
zu hören himmlischen Gesang.
Vor deinem Angesicht zu stehn,
das ist’s allein, was ich ersehn‘.

Nicht, daß ich nicht zu danken wüßte
für das, was du mir hier beschert.
Nicht, daß ich nicht geduldig büßte,
solang es dein Gericht begehrt.
Doch das, wonach mein Herz so brennt,
ist, daß mich nichts mehr von dir trennt.

Die Städte dieses Erdenrundes
sind fahle Schatten deiner Stadt,
die uns Verheißung deines Mundes
schon längst zuvor begründet hat.
Zu ihren Höhen blick‘ ich auf.
Ach, endete der Jahre Lauf!

Die Brunnen, die hier lieblich rinnen,
sind nur ein blasses, dunkles Bild
des Borns, der unter goldenen Zinnen
vor deinem Stuhle ewig quillt.
Die Stadt, die deine Herrlichkeit
erleuchtet, Herr, – liegt sie noch weit?

Ich denke nur an ihre Mauern,
die der Apostel Namen schmückt.
Was hier ist, kann nur flüchtig dauern,
nachdem ich ihren Saum erblickt.
Ihr Tor steht offen Tag und Nacht:
Wann werd‘ ich, Herr, vor dich gebracht?

Vergehen bald der Berge Firnen,
daß deine Stadt herniederfährt,
darin der Engel reine Stirnen
von deinem Namen sind verklärt?
Die Stadt, geschmückt gleich einer Braut,
aus Jaspis und Saphir erbaut?

Errichtet aus dem Holz des Lebens,
so steigt sie aus der Wolken Meer.
Wir Menschen wandern nicht vergebens:
du nahst uns aus der Ferne her.
Die Hütte Gottes ist bereit,
die Stadt des Heils in Ewigkeit!

Erlöschen mögen Mond und Sonnen.
Dein Glanz herrscht in ihr immerdar.
Das Ziel war da, eh wir begonnen.
Die Worte sind gewiß und wahr.
Wir suchten nicht: Du bist’s, der sucht
und heimruft, die wir dir geflucht.

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Ach wär‘ ich doch schon droben!
Mein Heiland, wär‘ ich da,
wo dich die Schaaren loben,
und säng‘ Halleluja!

Wo wir dein Antlitz schauen,
da sehn‘ ich mich hinein.
Da will ich Hütten bauen;
denn dort ist gut zu sein.

Da werd‘ ich Alles sehen:
den großen Schöpfungsrath;
was durch dein Blut geschehen,
und deines Geistes That.

Da feiern die Gerechten,
die ungezählte Schaar,
mit allen deinen Knechten
das große Jubeljahr.

Mit göttlichsüßen Weisen
wird mein verklärter Mund
dich ohne Sünde preisen,
du meines Lebens Grund!

Da werden meine Thränen
ein Meer voll Freude seyn.
Ach stille bald mein Sehnen,
und hole mich hinein!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Fritz Fliedner – Amen! Halleluja!

Fritz Fliedner – Amen! Halleluja!

Amen! Halleluja!
Off. 19, 4.

Dort am Meere von Krystall
Und vor Gottes Throne
Schallt das Lied der heil’gen all
Laut im Jubeltone.
Weit es durch die Himmel dringt
Und auf Erden wiederklingt:
Amen! Halleluja!

Worte ewig benedeit,
Hier im Erdentale,
Wie am Thron der Herrlichkeit
In des Himmels Saale
Gottesharfen tun dort kund,
Was hier stammelte der Mund:
Amen! Halleluja!

Wenn wir hier auf steilem Pfad
Näher heimwärts kamen,
Sprach das Herz durch Gottes Gnad
Auch zum Leid sein: „Amen.“
Aber wenn wir ausgekämpft,
Keine Klag den Dankruf dämpft:
Amen! Halleluja!

Als in Kampf und Todesweh
Ihm das Herz wollt’ zagen,
Lerne in Gethsemane
Christ sein „Amen“ sagen.
Selig, wer in Gottes Zucht
Aslobald sein Amen sucht:
Amen! Halleluja!

Auf demselben Oelberg dann
Ward gekrönt der Steiter;
Dort harrt’ auf den Schmerzensmann
Schon die Himmelsleiter,
Hebt zum Thron ihn aus der Gruft,
Und der ganze Himmel ruft:
Amen! Halleluja!

Wer zu Gottes Will und Wort
Lernt das Amen sprechen,
Wird das Halleluja dort
Nimmer unterbrechen.
Leis verschwistert klingt es hier;
Dort tönt’s mächtig für und für:
Amen! Halleluja!

Lehr uns, Meister, immerdar
Dir das Amen bringen,
Dir mit deiner Sel’gen Schar
Halleluja singen!
Jesus Christus, gestern, heut
Und in alle Ewigkeit,
Amen! Halleluja!

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit