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Schlagwort: Ehe

Emil Quandt – Geh‘ nicht allein!

Emil Quandt – Geh‘ nicht allein!

Geh‘ nicht allein durchs Leben,
Das ist dir viel zu schwer;
Es gibt so viel zu heben,
Allein drückt dich’s so sehr.
Es gibt so viel zu klagen,
Du darfst nicht einsam sein;
Es gibt so viel zu tragen –
Geh‘ nicht allein.

Geh‘ nicht allein, das Leben
Ist einem viel zu reich;
Man muß dem andern geben,
Sonst bricht der eigne Zweig.
Man muß die Freude teilen
Und teilen seine Pein
Und miteinander weilen –
Geh‘ nicht allein!

Geh‘ nicht allein, im Leben
Schlägt manches Herz wie dein’s,
Find’st du nicht alle eben,
So findest du doch eins;
Und hast du es gefunden,
So sollst du dich ihm weihn,
Ihm bleiben treu verbunden –
Geh‘ nicht allein!

Freder, Johann – Ein Gesanck vam Ehestande

Freder, Johann – Ein Gesanck vam Ehestande

vnde wo sick Ehelüde dar inne holden schölen.

GOdt Vader, Son vnd hillge Geist,
war Gotdt in drey Personen,
Do he geschapen hed tho erst
all dinck sehr gut vnd schöne,
Hefft ock im anfang dar tho gelick
geschapen tho sym ewigen Ryck
den Minschen na sym bilde.

Idt schold de Minsch nicht syn allein,
ein hülpe em Godt maket
Vth synem egen Fleesch vnd Been,
im slap, eer he vpwaket;
Ein Menlin vnd ein Fröuwlin tzart
schop he, segent se, sprack desse wort:
syt fruchtbar vnd yuw mehret!

Den Ehestandt ock Persönlick hat
Gades Son, Herr aller Heren,
Mit syner ersten wunderdadt
bestedigen willen vnd ehren:
Vth water maket he dar Wyn,
darmit antöget, dat he wold syn
der Ehelüde trost vnd hülpe.

Wol nu in dissen hillgen standt
sick hefft edder wil begeuen,
De merck vnd lehr ytz vort tho hant,
wo he dar schal in leeuen:
Ein Christen schal vnd moth mit tucht
in hillginge vnd in Gades frucht
besitten syn gesethe.

De Frouw schal fürchten eren Man,
en hertzlick leuen vnd ehren,
Gehorsam syn vnd vnderdan,
tho herschen nicht begeren,
Vam Man sick laten gern regern
vnd holden en vor eren Hern,
ock in der stille leren.

Du, Eheman, leuen schalt dyn Wyff
na der Apostel lere,
Wo du leuest dyn egen Lyff,
ja wo Christ vnse Here
Syn Christlike Gemein geleuet hat,
vör welck he sick gaff in den Dodt
vnd schenckt er all syn Güder.

Ock mit vornufft vnd bescheidenheit
by dyner Frowen schalt wanen,
Vnd so dar ys wat gebrecklicheit
des swaken wercktüges schonen;
Ock wilt henfort nicht anders syn:
Vorlaten most de Oldern dyn
vnd dyner Frowen anhangen.

Darneuen schal beide, Man vnd Wyff,
in Gades früchten wandeln,
Vortruwen Godt guth, ehr vnd lyff,
vprichtich ehrlich handelen,
Er Kinder ock vptehen in tucht
tho Gades ehr in Gades frucht,
tho mudt Christliker gemeine.

So in dem Ehestandt nodt vör velt,
so schöle gy nicht vortzagen,
Gy schölen de nodt dem Düren Held,
Christ, Gades Son, vör dragen:
He helpen wil, he ys de Man,
de Wyn vth water maken kan,
vth nöden geweldich helpen.

Ach Godt, behöd vor Sünd vnd schand
vnd help, dat Christlicck leeuen
All, de in dissen hillgen stand
sick na dym wort begeuen;
An Lyff vnd Seel, an gudt vnd ehr
se segene vnd rycklick mehr
dorch Jesum Christum, Amen.

Quelle

Schneegaß, Cyriacus – Ein Hochzeitslied

Schneegaß, Cyriacus – Ein Hochzeitslied

Frisch, frölich wölln wir singen,
mit pfeifn und seiten klingen,
braut, breutigam und gesten
zur er und sie zu trösten!

Zu hochzeit Christ, der here,
daß er den ehestand ere,
mit seinen jüngern gehet;
sein mutter mit aufsehet.

Es wil an weine mangeln,
das ist ein armer handel.
die mutter klagts dem sone,
daß er zu hülfe kome.

Er tut sein erstes zeichen,
trübsal und not muß weichen,
aus waßer wein er machet;
wol dem der sölchs betrachtet!

Der herr die seinen prüfet,
doch wenn man in anrüfet,
er alles leid und klage
wendet noch heut zu tage.

Von rat ist er ser kreftig,
von taten auch ganz mechtig;
er kan uns wol erneren
und allen unfall weren.

Der elich orden heilig
und im ganz wolgefellig
wirt doch von im beschirmet,
obgleich der teufel zürnet.

Des freu sich braut und breutgam,
und alle geste lobsan,
und preisen Christi güte,
die er beweist noch heute.

Seit in dem herren frölich,
untereinander friedlich!
getrost in Gottes namen,
singt, lieben Christen, amen!

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Selneccer, Nikolaus – Ein Täublein klein hat keine Krall

Selneccer, Nikolaus – Ein Täublein klein hat keine Krall

1. Ein Täublein klein hat keine Krall,
kein’ reißend’ Klauen überall,
mit sei’m Schnäblein verletzt es nit,
es seufzet fein, ist lieblich mit,

2. Behält sein Ehe ganz keusch und rein,
ohn’ Neid lebt es, tut niemand Pein,
das gegenwärtig hebt es auf,
im Wasser hat es auch sein Lauf.

3. Zu seinem Nest und Taubenschlag
eilt es behend’, und ist im jach,
zu wohnen sicher bei sei’m G’selln,
tut also sein Leben anstell’n.

4. Also soll sein nun jedermann,
der Zucht und Ehre lieb will han:
Ohn’ Zorn, Geiz, Schad’, Neid, Sicherheit,
Verleumd’, Ungeduld, Unkeuschheit.

5. Ist stets das allerbeste Leben,
dazu will Gott sein Segen geben,
seufzen zu Gott und g’duldig sein,
daheim bleiben, sich halten rein,

6. Für gut nennen was Gott tut geben,
Wasser, Brot, und was sonst daneben:
Das hält den Stich und bleibt bei Ehr’n,
trotz, wer solch’s doch darf widerkehr’n.

7. Das heißt recht Taubens Einfalt klein,
die Christus fordert von den Sein’.
Gott geb’ uns allen seinen Segen,
daß wir recht gehn auf solchen Wegen.

8 Einfältig sein wie Tauben schlecht,
trauen, daß Gott wird machen recht.
Dazu hilf uns durch deine Gnad,
Herr Christe, b’hüt vor allem Schad.

Mathesius, Johann – Wem Gott ein ehlich Weib beschert

Mathesius, Johann – Wem Gott ein ehlich Weib beschert

Wem Gott ein ehlich Weib beschert,
Mit Tugend, Glaub und Zucht verehrt,
Der hat den schönsten Schatz auf Erd,
Ein Weib ist aller Tugend werth.

Sie ist ihr’s Mannes Hilf und Freud,
Die ihn erquickt in Lieb und Leid,
Sie ist sein Säul und Ehrenkranz,
Ohn Weib ist gar kein Freude ganz.

Ihr Mann hat Trost und Ehr von ihr,
Sie ist sein’s Herzens Wunsch und Zier,
Sein’r Augen Lust, Freuden und Hort,
An ihr verknüpft mit Gottes Wort.

Aus Adams Fleisch, Ripp, Blut und Leib
Baut Gott Evam, das schönste Weib,
Gott’s Sohn führt sie dem Menschen zu,
Die schenkt ihm Gott zur Freud und Ruh.

Hang du an ihr und halt sie schön,
Sie ist dein’s Herzens werthe Kron;
Ein Fleisch und Sinn ihr zwei sollt sein,
Mit Treuen eins das andre mein‘.

Gott hat ein Aug auf ehelich Leut,
Und segnet ehrlich Lieb und Bräut,
Ein züchtig’s Bett und keuscher Muth
Ist vor Gott gar ein edles Gut.

Da kann man Christi Lieb erkennen
Und Gott in Wahrheit Vater nennen,
Ihm dienen in Lieb, Zucht und Ehrn,
Und sich redlich im Glauben nährn.

Jesu, unser Bräutigam gut,
Der du durch dein theures Blut
Ein Braut erkauft aus menschlichm G’schlecht
Und machst sie heilig, fromm und g’recht:

Erhalt‘, Herr Christ, dein Fleisch und Bein,
Laß sie dein lieb Hephziba 1) sein;
Bewahr all Fraun- und Jungfraun-Ehr,
Fromm Mann, Weib, Kind und Fried bescher!

Klaiber, Karl Friedrich – Evangelische Volksbibliothek
—-

1) Hephziba ist Jes. 62,4 im Hebräischen der Name der Tochter Zion, zu deutsch: „meine Lust an ihr“.

Hiller, Philipp Friedrich – Weiser Gott, auch für die Ehe

Hiller, Philipp Friedrich – Weiser Gott, auch für die Ehe

Mel.: O Durchbrecher etc.

1.
Weiser Gott, auch für die Ehe Danken Christen Paar und Paar,
O wie thut’s dem Bastard wehe, Daß die Mutter Hure war.
Aus der holden Ordnung sprießen Deiner Kirche Pflanzen auf,
Und Du läß’st sie gleich begießen, Mit dem Wasser in der Tauf’.

2.
Keine Stiftung gleichet dieser, Auch im Paradies war sie.
Da ist selbst die Liebe süßer; Denn die Treue wechselt nie.
Da ist selbst das Leid noch tröstlich; Denn Kein’s darf verlassen sein.
Da wird auch das Loben köstlich; Denn man lobt Gott nicht allein.

3.
Das ist Deine Schöpfersehre, Daß Dein Werk dich nicht gereut.
Dein Wort heißt des Teufels Lehre, Wer, was Du gebeutst, verbeut.
Liebe wolltest Du befehlen, Weil Du selber Liebe bist.
Darum loben Dich die Seelen, Denen Dein Wort heilig ist.

Gerhardt, Paul – Wie schön ist’s doch, Herr Jesu Christ

Gerhardt, Paul – Wie schön ist’s doch, Herr Jesu Christ

Wie schön ist’s doch, Herr Jesu Christ,
Im Stande, da dein Segen ist,
Im Stande heil’ger Ehe!
Wie steigt und neigt sich deine Gab
Und alles Gut so mild herab
Aus deiner heil’gen Höhe,
Wann sich
An dich
Fleißig halten Jung und Alten, die im Orden
Eines Lebens einig worden.

2. Wenn Mann und Weib sich wohl begehn
Und unverrückt beisammen stehn
Im Bande reiner Treue,
Da geht das Glück in vollem Lauf,
Da sieht man, wie der Engel Hauf
Im Himmel selbst sich freue.
Kein Sturm,
Kein Wurm
Kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott gibet
Dem Paar, das in ihm sich liebet.

3. Vor allen gibt er seine Gnad,
In derer Schoß er früh und spat
Sein Hochgeliebten heget.
Da spannt sein Arm sich täglich aus,
Da faßt er uns und unser Haus
Gleich als ein Vater pfleget.
Da muß
Ein Fuß
Nach dem andern gehn und wandern, bis sie kommen
In das Zelt und Sitz der Frommen.

4. Der Mann wird einem Baume gleich,
An Ästen schön, an Zweigen reich;
Das Weib gleich einem Reben,
Der seine Träublein trägt und nährt
Und sich je mehr und mehr vermehrt
Mit Früchten, die da leben.
Wohl dir,
O Zier,
Mannes Sonne, Hauses Wonne, Ehrenkrone!
Gott denkt dein bei seinem Throne.

5. Dich, dich hat er sich auerkorn,
Daß aus dir ward herausgeborn
Das Volk, das sein rEich bauet.
Sein Wunderwerk geht immer fort,
Und seines Mundes starkes Wort
Macht, daß dein Auge schauet
Schöne
Söhne
Und die Tocken, die den Wocken abespinnen
Und mit Kunst die Zeit gewinnen.

6. Sei gutes Muts! Wir sind es nicht,
Die diesen Orden aufgericht‘,
Es ist ein höh’rer Vater,
Der hat uns je und je geliebt
Und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt,
Der beste Freund und Rater.
Anfang.
Ausgang
Aller Sachen, die zu machen, wir gedenken,
Wird er wohl und weislich lenken.

7. Zwar bleibt’s nicht aus, es kommt ja wohl
Ein Stündlein, da man Leides voll
Die Tränen lässet schießen;
Jedennoch wer sich in Geduld
Ergibt, des Leid wird Gottes Huld
In großen Freuden schließen.
Sitze,
Schwitze
Nur ein wenig; unser König wird behende
Machen, daß die Angst sich wende.

8. Wohl her, mein König, nah herzu!
Gib Rat in Kreuz, in Nöten Ruh,
In Ängsten Trost und Freude.
Des sollst du haben Ruhm und Preis,
Wir wollen singen bester Weis
Und danken alle beide,
Bis wir
Bei dir,
Deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen
Ewig loben werden. Amen.

Gerhardt, Paul – Ein Weib, das Gott den Herren liebt

Gerhardt, Paul – Ein Weib, das Gott den Herren liebt

1. Ein Weib, das GOtt den Herren liebt
Und sich stets inder Tugend übt,
Ist viel mehr Lobs und Liebens wert
Als alle Perlen auf der Erd.

2. Ihr Mann darf mit dem Herzen frei
Verlassen sich auf ihre Treu,
Sein Haus sit voller Freud und Licht,
An Nahrung wirds ihm mangeln nicht.

3. Sie tut ihm Liebes und kein Leid,
Durchsüßet seine Lebenszeit,
Sie nimmt sich seines Kummers an
Mit Trost und Rat, so gut sie kann.

4. Die Woll und Flachs sind ihre Lust,
Was hierzu dien, ist ihr bewußt,
Ihr Händlein greifet selber zu,
Hat oftmals Muh und selten Ruh.

5. Sie ist ein Schifflein auf dam Meer,
Wann dieses kommt, so kommets nicht leer:
So schaft auch sie aus allem Ort
Zu ihren Diensten ist gewandt.

6. Sie schläft mit Sorg, ist früh heraus,
Gibt Butter, wo sie soll, im Haus
Und speist die Dirnen, deren Hand
Zu ihren Diensten ist gewandt.

7. Sie gürtet ihre Lenden fest
Und stärket ihre Arm aufs best,
Ist froh, wenns wohl von stratten geht,
Worauf ihr ihr Sinn und Herze steht.

8. Wenn andre löschen Feur und Licht,
Verlöscht doch ihre Leuchte nicht,
Ihr Herze wachet Tag und Nacht
Zu dem, der Tag und Nacht gemacht.

9. Sie nimmt den Rocken, setzt sich hin
Und schämt sich nicht, daß sie ihn spinn,
Ihr Finger faßt die Spindel wohl
Und macht sie schnell mit Garne voll.

10. Sie hört gar leicht der Armen Bitt,
Ist gütig, teilet gerne mit,
Ihr Haus und alles Hausgesind
Ist wohl verwahrt vor Schnee und Wind.

11. Sie sitzt und näht, sie würket mit Fleiß,
Macht decken nach der Künstler Weiß,
Hält sich selbst sauber; weiße Seid
Und Purpur ist ihr schönes Kleid.

12.Ihr Mann ist in der Stadt berühmt,
Bestelit sein Amt, wie sichs geziemet
Er geht, steht und sitzt oben an,
Und was er tut, ist wohl getan.

13. Ihr Schmuck ist, daß sie reinlich ist,
Ihr Ehr ist, daß sie ausgerüst
Mit Fleiße, der gewiß zuletzt
Den, der sie liebet, hoch ergetzt.

14. Sie öffnet ihren weisen Mund,
Tut Kindern und Gesinde kund
Des Höchsten Wort und lehrt sie fein
Fromm, ehrbar und gehorsam sein.

15. Sie schauet, weis im Hause steht
Und wie es hier und dort ergeht,
Sie ißt ihr Brot und sagt dabei,
Wie so groß Unrecht Faulsein sei.

16. die Söhne, die ihr GOtt beschert,
Die halten sie hoch, lieb und wert,
Ihr Mann, der lobt sie spat und früh
Und preiset selig sich und sie.

17. Viel Töchter bringen Geld und Gut,
Sind zart am Lieb und stolz am Mut,
Du aber, meine Kron und Zier,
Gehast wahrlich Ihnen allen für.

18. Was hilft der äußerliche Schein?
Was ists doch, schön und lieblich sein?
Ein Weib, das GOtt liebt, ehrt und scheut,
Das sall man loben weit und breit.

19. Die Werke, die sie hier verricht,
Sind wie ein schönes helles Licht,
Sie dringen bis zur Himmelspfort
Und werden leuchten hier und dort.