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Schlagwort: Buße

Hecker, Heinrich Cornelius – Ach Herr, dir ist bewußt

Hecker, Heinrich Cornelius – Ach Herr, dir ist bewußt

Ach Herr, dir ist bewußt
Die inn’re böse Lust,
Die Quelle meiner Sünden,
Die niemals zu ergründen,
Der Samen, der stets bleibet
Und böse Früchte treibet.

Des Fleisches Werk wird gar
Auch öfters offenbar;
Der Zunder wird zu Flammen,
Die ewiglich verdammen.
Ich seh an mir und merke
Des alten Adams Werke.

Des bösen Herzens Grund
Regiert den Leib, den Mund,
Die Augen, Füß‘ und Hände,
Daß ich sein Werk vollende.
Das Dichten und das Trachten
Der Seel‘ ist, Gott verachten.

Mein Schöpfer, wider dich,
Den Nächsten und auch mich
Hab‘ ich oft gemißhandelt,
Bin oft den Weg gewandelt,
Der mich von dir gewendet,
Der in der Qual sich endet.

Doch wie will ich die Zahl
Der Sünden allzumal
In meinem Fleisch und Blute
Und das versäumte Gute
Nach jeder Art erzählen?
Wer weiß, wie oft wir fehlen?

Ein jegliches Gebot
Verklaget, flucht und droht,
Dieweil gar oft dawider
Mein Geist und meine Glieder
Gedacht, gethan, gesprochen
Und deinen Bund gebrochen.

Ach Herr, vergieb du mir,
Ich wende mich zu dir.
Ich kann die Schuld nicht zählen,
Doch will ich nichts verhehlen,
Denn du kannst auch erkennen,
Was wir verborgen nennen.

Doch du, mein Jesu, hast
Die mir zu schwere Last
Der Schuld auf dich genommen,
Du bist für mich gekommen.
So komm‘ ich nun beladen
Zur Fülle deiner Gnaden.

Ist denn der Sünden Joch
Gleich mächtig, so ist doch
Die Gnade, die mich liebet,
Und Christi Fülle giebet,
Weit mächtiger, das Leben
Durch Christi Kraft zu geben.

Wie nun des Fleisches Macht
Zuvor ihr Werk vollbracht,
So soll des Geistes Stärke,
In mir die guten Werke
Auch wirklich zu vollbringen,
Des Fleisches Macht bezwingen.

Herr, gieb mir deinen Geist,
Der sich in Früchten weist,
Der niemals müssig bleibet,
Der mich zum Guten treibet,
Den Jesus mir gesendet,
Der anfängt und vollendet.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Freylinghausen, Johann Anastasius – O du majestätisch Wesen

Freylinghausen, Johann Anastasius – O du majestätisch Wesen

O du majestätisch Wesen,
Das ein unzugänglich Licht
Sich zum Sitz und Thron erlesen,
O wie schnöde bin ich nicht,
Wenn ich mich, mich Kind der Hölle,
Neben deine Klarheit stelle!
Ach, wie finster, arm und klein
Schein‘ ich mir dann selbst zu sein!

Du hast niemals angefangen,
Du bist Gott von Ewigkeit;
Ich bin gestern aufgegangen
Und vergeh‘ vielleicht schon heut‘.
Deine Macht hat keine Schranken,
Meine Kraft will immer wanken;
Du bist selbst die Quell‘ des Lichts,
Ich bin ein lebendig Nichts.

Nichts von Wahrheit, Nichts von Güte
Wohnet in mir von Natur,
Wo ist jetzt in dem Gemüthe
Jener ersten Schönheit Spur?
Ach, dein Bild ist ganz verblichen,
Alle Kräfte sind entwichen,
Und mein Körpber fällt dahin
Wie die Blumen, die verblüh’n.

Fluch und Elend, Zorn und Sünde
Ist nunmehr mein Element,
Wo ich meine Nahrung finde,
Wo mein Fuß zur Hölle rennt.
Tausend Wunden, tausend Flecken
Schänden mich an allen Enden,
Und in der verderbten Brust
Grünt die Wurzel böser Lust.

Was ich Gutes an mir habe,
Ist ein Denkmal deiner Hand,
Deine Wirkung, deine Gabe,
Die du, Herr, mir zugewandt.
Deine freie milde Gnade
Schmückt mich armen Wurm und Made;
Nähmest du zurück, was dein,
Ach, was würde übrig sein?

Doch auch deiner Gaben Menge
Klaget meinen Undank an;
Seel‘ und Herz kommt ins Gedränge,
Weil ich gar nicht leugnen kann,
Daß dein Eifer billig rauchet,
Weil ich sie nicht recht gebrauchet.
Ach, wie häuf ich meine Schuld
Durch Verachtung der Geduld.

Herr, die Wunder deiner Liebe
Machen mich beschämt vor dir;
Ach, wie zart sind deine Triebe,
Wenn dein Herz sich neigt zu mir!
Daß sich so ein herrlich Wesen
Einen Wurm zur Lust erlesen,
Der so nackend und so klein,
Das mag, das mag Gnade sein!

Herr, hier lieg‘ ich in dem Staube,
Unter deinen Fuß gekrümmt;
Doch mein demuthsvoller Glaube,
Der im Staub und Asche glimmt,
Freut sich heimlich deiner Güte,
Und mein tiefgebeugt Gemüthe
Hebt sich aus des Todes Thor
Voller Zuversicht empor.

Meine Kräfte, meine Glieder
Stehn zu deinem Dienst bereit;
Sieh‘ hier sink‘ ich vor dir nieder
Voller Ehrerbietigkeit.
Deinen Willen thun und leiden,
Sei der Gipfel meiner Freuden.
Du Beherrscher aller Welt,
Thu‘ mit mir, was dir gefällt.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

  1. HErr, du erforschest meinen Sinn
    und kennest, was ich hab und bin,
    Ja, was mir selbst verborgen ist,
    das weißt du, der du alles bist.
  2. Ich sitz hier oder stehe auf,
    ich lieg, ich geh auch oder lauf:
    So bist du um und neben mir,
    und ich bin allzeit hart bei dir.
  3. All die Gedanken meiner Seel,
    und was sich in der Herzenshöhl
    Hier reget, hast du schon betracht,
    eh ich einmal daran gedacht.
  4. Auf meiner Zungen ist kein Wort,
    das du nicht hörtest allsofort,
    Du schaffests, was ich red und tu,
    und siehst all meinem Leben zu.
  5. Das ist mir kund. Und bleibet doch
    mir solch Erkenntnis viel zu hoch,
    Es ist die Weisheit, die kein Mann
    recht aus dem Grunde wissen kann.
  6. Wo soll ich, der du alles weißt,
    mich wenden hin vor deiner Geist?
    Wo soll ich deinem Angesicht
    entgehen, daß mich sehe nicht?
  7. Führ ich gleich an des Himmels Dach,
    so bist du da, hältst Hut und Wach,
    Steig ich zur Höll und wollte mir
    da betten, find ich dich auch hier.
  8. Wollt ich der Morgenröten gleich
    geflügelt ziehn, so weit das Reich
    Der wilden Fluten netzt das Land,
    käm ich doch nie aus deiner Hand.
  9. Rief ich zu Hilf die finstre Nacht,
    hätt ich doch damit nichts verbracht;
    Denn laß die Nacht sein wie sie mag,
    so ist sie bei dir heller Tag.
  10. Dich blendt der dunkle Schatten nicht,
    die Finsternis ist dir ein Licht,
    Dein Augenglanz ist klar und rein,
    darf weder Sonn noch Mondenschein.
  11. Mein Eingeweid ist die bekannt,
    es liegt frei da in deiner Hand,
    Der du von Mutterleibe an
    mir lauter Lieb und Guts getan.
  12. Du bists, der Fleisch, Gebein und Haut
    so künstlich in mir aufgebaut;
    All deine Werk sind Wunder voll,
    und das weiß meine Seele wohl.
  13. Du sahest mich, da ich noch gar
    fast nichts und unbereiter war,
    Warst selbst mein Meister über mir
    und zogst mich aus der tief herfür.
  14. Auch meiner Tag und Jahre Zahl,
    Minuten, Stunden allzumal
    Hast du, als meiner Zeitenlauf,
    Vor meiner Zeit geschrieben auf.
  15. Wie köstlich, herrlich, süß und schön
    seh ich, mein GOtt, da vor mir stehn
    Dein weises Denken, was du denkst,
    wenn du uns deine Güter schenkst!
  16. Wie ist doch das so trefflich viel!
    Wenn ich bisweilen zählen will,
    So find ich da bei weitem mehr
    als Staub im Feld und Sand am Meer.
  17. Was macht denn nun die wüste Rott,
    die dich, o großer Wundergott,
    so schändlich lästert und mit Schwach
    Dir so viel Übels redet nach?
  18. Ach, stopfe ihren schnöden Mund!
    Steh auf und stürze sie zu Grund!
    Denn weil sie deine Feinde sind,
    bin ich auch ihnen herzlich Feind.
  19. Ob sie nun gleich hinwieder sehr
    mich hassen, tu ich doch nicht mehr,
    Als daß ich wider ihren Trutz
    mich leg in deinen Schoß und Schutz.
  20. Erforsch, HErr, all mein Herz und Mut,
    sieh, ob mein Weg sei recht und gut,
    Und führe mich bald himmelan
    den ewigen Weg, die Freudenbahn.
Johann Heermann – Es gingen zween Menschen hin,

Johann Heermann – Es gingen zween Menschen hin,

Es gingen zween Menschen hin,
die hatten beide einen Sinn,
im Tempel anzubeten.

Der erste war ein Ordensmann,
der fing für Gott zu prahlen an
und kam mit Stolz getreten.
Ich danke dir, sprach er zu Gott,
daß ich mein Herz durch Sündennot
gleich andern nicht beflecket.
Dort steht ein Zöllner bei der Tür,
er darf wie ich nicht gehn herfür,
sein’ eigne Sünd’ ihn schrecket.
ln Ehbruch hab ich nicht gelebt,
dem Raub und Unrecht widerstrebt,
ganz rein ist mein Gewissen.
Was dein Gesetze schreibet für,
hab’ ich getan: drum kannst du mir
den Himmel nicht zuschließen.

Der ander’ aus der Zöllner Schar
im Herzen sehr betrübet war,
mit lauter Angst umgeben.
Er fürcht’te Gottes Zorngericht,
darum wollt’ er die Augen nicht
hinauf gen Himmel heben.
Er schlug mit Reu’ an seine Brust
und sprach: O Gott, dir ist bewußt
der Greuel meiner Sünden!
Es ist mir alles herzlich leid:
erzeige mir Barmherzigkeit,
laß deinen Zorn bald schwinden!

Ist gleich des Zöllners Bosheit groß,
spricht ihn doch Christus frei und los.
Der Pharisäer bleibet
in seinen Sünden, weil er sich
vor Gott aufbläst so trotziglich
und alles ihm zuschreibet.
Denn wer sich selbst hoch setzen will,
mit seinen Werken prangen viel,
der muß zugrunde gehen.
Wer aber sich fein niedrig setzt
und schlecht mit Gottes Gnad’ ergetzt,
den will Gott selbst erhöhen.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Besser ist kein Tag zur Buße

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Besser ist kein Tag zur Buße

1.) Besser ist kein Tag zur Buße,
Mensch, für dich, als eben heut‘.
Kehre wieder auf dem Fuße,
Heut‘ ist noch die Gnadenzeit.
Morgen kommt vielleicht der Tod.
Heut‘ ist dir die Buße Not.
Heute lass‘ dich noch erretten!
Wirf von dir dein Übertreten.

2.) Heute bietet Gottes Güte
Dir und mir und Jedermann
Ein neu‘ Herz und neu‘ Gemüte,
Einen neuen Geist uns an.
Mache, dass der heut’ge Tag
Dein Geburtsfest werden mag!
‚Wie soll ich dies Machen fassen?‘
Du sollst Gott nur machen lassen!

unbekannt – Ermahnung, Buße zu thun und Liebe zu üben

unbekannt – Ermahnung, Buße zu thun und Liebe zu üben

O Reicher Gott im throne,
mitteil uns dein genad
Wol durch dein menscheit frone,
das unser seel nicht schad.
Die welt die ist umbfangen
so gar mit schwerer not,
Vergifft ist durch die schlangen,
ein lange zeit vergangen,
das noch kein end nicht hat.

Das Göttlich wort mit schalle
ligt warlich an dem tag,
Darumb so schickt euch alle
und merckt, was ich euch sag:
Es nahet sich gen dem ende,
dauon der HErre seit;
Gott wöl sein gnad her senden,
das wir uns zu jm wenden
durch sein barmhertzigkeit.

Es ist kein fried auff erden,
das sehen wir leider wol,
Dieweil wir darauff werden,
die welt steckt bosheit vol.
Wo ist die lieb des nechsten,
das acht man jetzund klein,
Es möcht wol Gott erbarmen:
es geht nur uber die armen
in aller welt gemein.

O Sünder, du solt dencken,
nicht recht hastu gethan,
Gott wird dirs auch nicht schencken;
last euch zu hertzen gan,
Was Christus hat gesprochen,
wie S. Mattheus schreibt:
Hat jr mein gbot zu brochen,
es bleibt nicht ungerochen
durch sein gerechtigkeit.

Mich frewen die wort des HERren,
bewert uns Abraham,
Denn wir Gottes kinder werden,
den Lazarum zu jm nam:
Kom HERR mit deiner güte,
du weist die rechte zeit,
Du magest uns wol behüten,
des frewet sich mein gemüte,
das wir lebn in ewigkeit!

Ich mein im geist die armen,
jr solt mich recht verston;
Der möcht sich Gott erbarmen,
jr dörfft nicht weiter gan.
Was Jhesus hat verheissen,
das wird der Vater thun.
Darumb so last uns vleissen,
das uns die schlang nicht beisse,
wir wöllen jr widerstan.

Kürtzlich wil ich beschliessen
dis mein gesang mit schal.
Last euch es nicht verdriessen
und gebt den armen bald,
Das jr nicht werd begifftet
mit einem argen wohn:
Seid alle zeit geflissen,
die linck hand sol nicht wissen,
was die rechte hat gethan.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Sachs, Hans – Das lied: Ach Jupiter hetst duß gewalt, Christlich verendert.

Sachs, Hans – Das lied: Ach Jupiter hetst duß gewalt, Christlich verendert.

Sünder.

O Got vater! du hast gewalt
on end gezalt
im Hymel vnd auf erden kreyß.
MEnschlich geschlecht wurdt gefalt,
von dir gespalt
durch vnghorsam im Paradeyß:
Dein güt würdt nüt von jn gewendt,
behendt verhiestu jn den trost,
da du sprachst zu Eua, Adam:
der sam des weybes euch erlost!
Ach herr, vernymm mein kläglich stymm,
straff mich auch nicht in deinem grymm!

Das hertz in mir ist hardt versert
vnd gar beschwert
mit aygner lieb vnd flaysches lust;
Gmüt, syn, vernunfft ist gantz verkert,
das marck verzert
Gottes gesetz, das üben ist;
Kain lab ich hab, die mich enthalt,
erkalt ist das gewissen mir:
vmb hilff ich gilff zu dir, Christe,
hilff, ee das ich verzweyffel schir,
seyt du bist der ist kummen her,
zu erquicken von ängsten schwer!

Christus.

Sünder, dein wort erhör ich nicht!
du thust mitt icht
Gottes willen nacht vnde tag!
Dein hertz ist gantz in sünd verpflicht:
bey böser frücht
ain faulen baum man kennen mag.
Die welt gefelt dir mit jr lust,
vmb sust, so bistu nit auß Gott!
dein lieb vnd trieb ist flaisch, verston:
der lon der sünde ist der todt:
der gerecht, herr, wirdt bhalten schwer,
wa will erscheynen der sünder?

Sünder.

Ainiger herr, ich hof, dein gut
vrtail mich nüt
so streng nach der gerechtigkait,
Seyt du kamest völler senft mit,
du sun Dauid,
zu seligen vns sündig leüt,
Sprachst vnd: der gsund kains Artztes darff!
wie scharpff halffst am Creütz dem schächer!
on dich warlich kain fürsprech ist,
du bist ye der ainig mittler,
du Gottes lam, das zu vns kam
vnd der gantzen welt sünd hin nam!

Christus.

Sünder, des hertzen ich beger,
sunst nichtzen mer,
kain süsse wort oder person!
Wann warlich ye nicht ain yeder,
der spricht Herr herr,
wirdt in das Reych der hymel gan:
Ir mundt all stundt mich eren ist,
doch rist jr hertz von mir gar weyt!
Judas der was mit worten gut,
sein mut vnd hertz vol haß vnd neydt,
des lyt er ach vnd vngemach,
als auch Simon dem zaubrer gschach.

Sünder.

Ob ist, mein herr, dich weytter bitt
vnd laß ab nitt,
als dz Cananisch weyblin thet,
Seyt dein hertz ist voller senfft mit,
dau du halffst mit
Paulum, der dich veruolget het!
Ach herr, beker mein hertz zu dir,
kumm schir, in dir steet all mein hayl!
on dich kan ich nit keren vmb:
herr kumb, ich wirdt dem todt zu tayl!
in sünden not ließ Caim Got
vnd Künig Saul, die storben todt!

Christus.

Sünder, dich truckt der sünden last
vnd hast kain rast,
ain rauschent plat dich jagen thut!
Mit Gott du nit zurechten hast,
ob er dich stost
mit dem teüfel in helle glut!
Der web vnd steg zur hell ist weyt,
vil leüt geent jn gantz vngezelt;
on zil jr vil beruffen seind,
am end jr weng sind außerwelt,
wann Got spricht: ich erbarme mich,
wes ich mich erbarm ewigklich.

Sünder.

Freündtlicher hort: Gott spricht, der herr,
bald der sünder
seüfftzt, er sein sündt nit dencken wöl!
Wann Got will nit den tode schwer
des sünders mer,
sonder sich ker vnd leben sol:
Sich nun: der sun verloren war,
kumbt her, bekent sein missethat;
sich: hie ist die Eebrecherin:
tryb hin jr freynd vnnd sy begnad!
du sprachst: klopfft an, euch wirdt auffthan:
auff dein selbs wort ich mich verlan!

Christus.

Sünder, meyn gnad wer dir geneygt,
wenn sich ereygt
ain gantzer Glaub auff meine wortt;
Mein güttig gnad wirdt dir erzygt,
dann wirdt geschwaygt
das gwissen vnd der selen mort.
Sünder, noch leer dein lampen ist,
dir brist noch des gelaubens öl;
glaubstu mir nu, das ich dir kund
gesund machen dein arme seel,
so mag es sein, Got wirckt allain,
durch den glauben das hertz wirdt rain.

Sünder.

Ach herr, ich glaub auff dein zusag,
yedoch ich klag:
hilf meinem vnglauben schwer!
Ain brochen ror nit gar zerschlag,
von tag zu tag
mir meinen schwachen glauben mer!
Herr nu, wiltu, so wird ich heyl,
die weyl sunst nyemant helfen kund!
Herr, sprich in mich ain gnedigs wort,
wirdt fort mein krancke seel gesundt!
erbarm dich mein, mein seel leyt pein,
wirdt quelt von ainem gayst vnreyn!

Christus.

O Christ, groß ist deins glaubens krafft
auß gnaden safft,
dir gschech nach deinem glauben frey!
Acht nicht, was menschen leer stets klafft,
sy ist lüghaft,
voller betrug vnd gleyßnerey!
Ker vmb, ich kumb! leb nach meim wort,
lieb fort vor all ding Gottes gut,
vnd yeb die lieb des nächsten dein,
sey rein von sündt! gee hyn im frid,
vnd sündt nit mer, sunst wirt erger
deyn letstes dann das erste wer!

Sünder.

Lob sey Got in der höch ewich,
das er hat mich
erlöset vom ewigen todt!
Mein gayst der ist gantz willigklich,
das flaisch ist sich
vnnd widerstreyttet deim gebot:
Ich bitt, nymm nitt dein gayst von mir,
sunst wird dein senffte joch mir schwer!
O Christ, all frist im wort verhar,
meyd gar all menschen gsetz vnd leer!
herr vnd Got mein, das worte dein
soll meiner füsse lucern sein!

Quelle: Quellangabe Glaubensstimme

Klepper, Jochen – Wir taten Unrecht, fielen tief

Klepper, Jochen – Wir taten Unrecht, fielen tief

Wir taten Unrecht, fielen tief
und haben uns von dir gewandt.
Wir hörten dich nicht, der uns rief,
und rissen uns von deiner Hand.
Gott, wirst du uns die Gnade nehmen?
Herr, Herr, wes müssen wir uns schämen!
Ach, wo ist noch ein treuer Knecht?
Du aber, Höchster, bist gerecht!
Herr, erbarme dich unser!

Wir hörten nicht auf dein Gebot,
das die Propheten offenbart.
Du fragtest nur nach unsrer Not,
als unsre Schuld untilgbar ward.
Den Heiland hast du selbst erkoren.
0 Jesus Christ, der uns geboren:
du hast uns Gott als den gezeigt,
der sich barmherzig zu uns neigt!
Christe, erbarme dich unser!

Wir liegen vor dir im Gebet.
Herr, sieh nicht auf Gerechtigkeit!
Wir wissen, unser Heil besteht
in dir, Gott der Barmherzigkeit!
Ach, höre, Herr! Ach Herr, sei gnädig!
Herr, merke auf! Sprich du uns ledig!
Herr, tue es! Verziehe nicht!
Sei du der Retter im Gericht!
Herr, erbarme dich unser!

Böhmische Brüder – Lehrgesang

Böhmische Brüder – Lehrgesang

SIng heut vnd frew dich, Christenheyt,
lob Gott mit grosser innigkeyt,
Denn ein Heylandt ist dir gesandt,
der Jesus Christus wird genannt.

Der nimbt sich deines kommers an
vnd waget sein leben daran,
Nimpt auff sich deine missethat
das er dir hülff aus aller not.

Ey nimm jn auch mit freuden an
vnd trit frölich auf seine ban,
Würff all deine gerechtigkeyt
zun füssen seiner heyligkeyt.

Erkenn vor jm dein sünd vnd schuld
vnd bitt jn, das er dir auch wolt
Als ein heylandt vnd milter Gott
ableschen deine missethat.

Ergieb dich jm mit seel vnd leyb,
auff das er dir inn dein hertz schreyb
Sein new gesetz, da durch du jn
erkenst vnd habst inn deinem sihn.

Nim an sein wort vnd trewe leer:
das ist die recht vnd höchste ehr,
Die Gott der Herr von vns begert:
o selig, wer inn der gewert!

Der mag getrost vnd wol gemut
trotzen wider der Hellen glut
Vnd dancken Gott on vnterlaß
für seine gab vnd wolthat groß.

Ey, sintemal wir Christen sein,
so last vns nu alle gemeyn
Regieren hie nach dieser leer,
Gott vnsrem Herrn zu lob vnd ehr.

O Herre Gott, nu steh vns bey
mit deiner genad, vnd verley,
Das wir durch dich werden regiert,
dich loben in Heyliger zierd!

Quelle

Heermann, Johannes – Buß- und Sterbegesänglein.

Heermann, Johannes – Buß- und Sterbegesänglein.

Aus S. Bernhardi Vermahnung.

Im Ton: Hie lieg ich armes Würmelein.

O Mensch, bedenke stets dein End,
der Tod doch Leib und Seele trennt.
Gehorche Gott und dich bekehr,
mit Sünden nicht dein Herz beschwer.
Hier bleibst du nicht, du mußt davon,
wie du hier lebst, ist dort der Lohn.

Wo sind die Kinder dieser Welt
mit ihrer Wollust, Pracht und Geld?
Wo sind die noch vor wenig Zeit
bei uns stolzierten voller Freud?
Sie sind dahin, all ihre Hab
ist nichts denn Stank und Staub im Grab.

Hieran gedenk, o Menschenkind,
bedenke, was sie worden sind.
Sie waren Menschen, gleich wie du,
die meiste Zeit sie brachten zu
In Wollust, aber ach, wie schnell
sind sie gefahren zu der Höll.

Hier wird ihr Leib der Würmer Kost,
die Seel dort leidet Hitz und Frost,
Bis sie der HERR am jüngsten Tag
zusammen bringen wird mit Klag
Und stürzen in das Schwefelfeur
zu allen Teufeln ungeheur.

Denn weil sie hier mit Üppigkeit
gedient dem Satan haben beid,
An ihre Buße nie gedacht
und an die finstre Todes-Nacht,
So ists auch recht, daß sie zugleich
dort leiden Qual ins Teufels Reich.

Was hilft sie nun ihr Ehr und Gut,
ihr Wollust, Macht und Uebermuth?
Wo ist ihr Lachen, Spiel und Scherz,
wo ist ihr Stolz und freches Herz?
Diß alles ist in lauter Pein
verwandelt, der kein End wird sein.

Was Gott an ihnen hat gethan,
bezeugt, daß er auch solches kann
An dir erweisen. Du bist Erd,
trittst Erd und wirst von Erd genährt,
zu Erden wirst du nach dem Tod
auch werden, gleichwie Mott und Koth.

Merk und behalt diß, was ich sag,
vergiß nicht deinen Todestag,
Wie schnell er brechen wird herein:
vielleicht möcht es noch heute sein.
Der Tod mit dir macht keinen Bund:
wie, wann er käm jetzt diese Stund?

Gewis ists, daß du sterben mußt:
wann, wie und wo ist unbewußt.
An allem Ort, all Augenblick
wirft aus der Tod sein Netz und Strick:
Bist du nun klug, so sei bereit
und warte sein zu jeder Zeit.

Trau nicht auf deinen stolzen Leib,
das Sündenrad nicht weiter treib:
Wirst du in Bosheit fahren fort,
so fährest du zur Höllen Pfort.
Gott ist gerecht: Er straft die Sünd,
er straft dort, wie er dich hier findt.

Denn wer die Welt mehr liebt als Gott,
mit Frömmigkeit nur treibt ein’n Spott,
Lebt täglich, wie der reiche Mann,
in Völlerei, aufs best er kann:
Dem Teufel dienet er auf Erd,
wird mit ihm gleicher Straf gewährt.

O Jesu Christe, der du mich
aus Finsternis so gnädiglich
Berufen hast zu deinem Licht,
hilf, daß ich mich gleich stelle nicht
Dem Wesen dieser argen Welt,
die ganz mit Bosheit ist vergällt.

Verleih, daß ich aus aller Macht
die Welt mit ihrer Lust veracht,
Und trachte stets nach deinem Reich,
da ich werd sein den Engeln gleich,
Da man dein auserwählten Kind
in höchster Freud beisammen sindt.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder