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Schlagwort: Bewahrung

Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

  1. Das ist mir lieb, daß GOtt, mein Hort,
    So treulich bei mir stehet;
    Wenn ich bitte, wird kein Wort
    In meiner Bitt verschmähet.
    Des schwarzen Todeshand
    Samt der Höllenband
    Umfingen überall
    Mein Herz mit Angst und Qual;
    Doch hat mir GOtt geholfen.
  2. Ich kam in Jammer und in Not
    Und sank fast gar zugrunde,
    Und da sank, rief ich zu GOtt
    Mit Herzen und mit Munde:
    O HErr, ich weiß, du wirst
    Als des Lebensfürst
    Schon führen meine Sach!
    Und wie ich bat und sprach,
    So ists auch nun geschenket.
  3. Sei wieder froh und gutes Muts.
    Mein Herze, sei zufrieden,
    Der HErr, der tut dir alles Guts,
    durch ihn ist nun geschieden
    Und ferne weggebracht,
    Was mich traurig macht;
    Er hat mich aus dem Lach
    Und schwarzen Todesfach
    Mit seiner Hand gerissen.
  4. Mein Aug ist nun von Tränen frei,
    Mein Fuß von seinem Gleiten;
    Das will ich sagen ohne Scheu
    Und rühmen bei den Leuten.
    Was gar kein Mensch nicht kann,
    Das hat GOtt getan.
    Der Mensch ist Lügen voll,
    GOtt aber weiß gar wohl,
    Wie sein Wort soll halten.
  5. Ich glaube fest in meinem Sinn,
    Und was mein Herze glaubet,
    Das redt mein Mund in Einfalt hin:
    Wer GOtt vertraut, der bleibet.
    Die Welt und böse Rott
    Lacht des, mir zum Spott,
    Ja plagt mich noch dazu;
    Ich aber mein steh und ruh
    Auf dir, mein GOtt und Helfer.
  6. Du stürzest meiner Feinde Rat
    Und segnest, wenn sie schelten,
    Die soll ich doch die große Gnad
    Dir immer mehr vergelten?
    Ich will, HErr, meines Teils
    Den Kelch deines Heils,
    Der voller Bitterkeit,
    Doch mir zu Nutz gedeiht,
    Gehorsamlich annehmen.
  7. Was du mir zugemessen hast,
    Das will ich gerne leiden;
    Wer fröhlich trägt des Kreuzes Last,
    Dem hilft du aus mit Freuden.
    Du weißt der Deinen Not
    Und hältest ihren Tod
    Sehr hoch, sehr lieb und wert,
    Auch läßt du auf der Erd
    Ihr Blut nicht ungerochen.
  8. So zürne nun gleich alle Welt
    Mit mir, HErr, deinen Knechte:
    Du, du deckst mich in deinem Zelt
    Und reichst mir deine Rechte.
    Darüber will ich dich
    Allstets inniglich,
    So gut ich immer kann
    Mit Dank vor jedermann
    In deinem Hause preisen.
Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

  1. GOtt ist mein Licht, der HErr, mein Heil
    Das ich erwählet habe:
    Er ist die Kraft, dahin ich eil
    Und meine Seele labe.
    Was will ich mich doch fürchten nun!
    Und wer kann mir doch Schaden tun
    Auf dieser ganzen Erden?
  2. Wenn mich die böse Rott anfällt
    Und mein Fleisch will verschlingen,
    So kann sie dieser starke Heid
    Gar leicht zu Boden bringen.
    Wann sich auch gleich ein ganzes Heer
    Legt um mich her, was ists denn mehr?
    Mein Gott kann sie bald schlagen.
  3. Eine bitt ich nur, das hätt ich gern,
    Wenn mirs GOtt wollte geben,
    Daß ich bei ihm, als meinem HErrn,
    Stets wohnen sollt und leben
    Und alle meine Tag und Jahr
    In seinem Hause bei der Schar
    Der Heiligen vollbringen.
  4. Da wollt ich meine Herzensfreud
    An seinen Diensten sehen
    Und rühmen, wie zur bösen Zeit
    Mir so viel Gute geschehen,
    Da er mich fleißig hat verdeckt
    In seiner Hütten und versteckt
    In einem starken Felsen.
  5. Und also wird er ferner noch
    Mich wissen zu regieren:
    Er wird mich schützen und sehr hoch
    In sichre Örter führen:
    Mein Haupt wird über meine Feind,
    Ob sie gleich hoch erhaben seind,
    Allzeit erhöhet bleiben.
  6. Dafür will ich denn wiederum
    GOtt auf das best erhöhen:
    Sein Ruhm soll in dem Heiligtum
    Aus meinem Munde gehen:
    Ich will ihm opfern Dank und Preis,
    Ich will sein Lob, so gut ich weiß,
    Vor allem Volke singen.
  7. HErr, mein GOtt höre, wie ich schrei
    Und seufz in meinem Sinne;
    Gib, daß mein Bitten kräftig sei
    Und dein Herz eingewinne.
    Mein Herz hält dir, o treuer Hort,
    Beständig vor dein eigen Wort:
    Ihr sollt mein Antlitz suchen.
  8. Nun such ich jetzt, ach laß mich nicht
    Entgelten meiner Sünden!
    Ich suche, HErr, dein Angesicht,
    Das laß mich gnädig finden.
    Verstoße ja nicht deinen Knecht,
    Denn du biste, der mir hilfst zu recht
    Und bringt aus allen Nöten.
  9. Mein Vater, Mutter und was hier
    Sonst ist von guten Leuten,
    Das ist zu schwach und können mir
    Nicht treten an die Seiten.
    Ich bin entsetzt von aller Welt,
    GOtt aber nimmt mich in sein Zelt,
    Da find ich hohe Gnüge.
  10. HErr, macht mir gerade Bahn,
    Halt mich in deiner Gnade
    Und nimm dich meiner herzlich an,
    Daß mir kein Feind nicht schade;
    Denn viel die reden wider mich
    Und zeugen, das sie ewiglich
    Nicht können überweisen.
  11. Nach dennoch hab ich guten Mut
    Und glaube, daß ich werde
    Im Lebenslande Gottes Gut
    Dort sehn und auf der Erde.
    Frisch auf, getrost und unverzagt!
    Wers nur mit GOtt im Glauben wagt,
    Der wird den Sieg erhalten.
Gerhardt, Paul – Was trotzest du, stolzer Tyrann

Gerhardt, Paul – Was trotzest du, stolzer Tyrann

  1. Was trotzest du, stolzer Tyrann,
    Daß deine verkehrte Gewalt
    Den Armen viel Schaden tun kann?
    Verkreuch dich und schweige nur bald!
    Denn Gottes, des Ewigen Güte
    Bleibt immer in völliger Blüte
    Und währet noch täglich und stehet,
    Ob alles gleich sonsten vergehet.
  2. Die Zunge, dein schädliches Glied,
    Du falscher verlogener Mund,
    Tut manchen gefährlichen Schnitt,
    Schlägt alles zu Schanden und wund:
    Was unrecht, das sprichst du mit Freuden,
    Was recht ist, das kannst du, die Lügen
    Muß Oberhand haben und siegen.
  3. Dein Dichten, dein Trachten, dein Tun
    Ist einzig auf Schaden bedacht;
    Da ist dir unmöglich zu ruhn,
    Du habest denn Böses verbracht;
    Dein Rachen sucht lauter Verderben,
    Und wenn nur viel Fromme ersterben
    Von deiner vergälleten Zungen,
    So meinst du, es sei dir gelungen.
  4. Drum wird dich auch Gottes Gericht
    Zerstörten, verheeren im Grimm;
    Die rechte, die alles zerbricht
    Mit Donner und blitzender Stimm,
    Die wird dich zugrunde schlagen
    Und wird dich mit schrecklichen Plagen
    Aus deinem bisherigen Bleiben
    Samt allen den Deinen vertreiben.
  5. Das werden mit Freuden und Lust
    Die Frommen, Gerechten ersehn,
    Die anderes bisher nicht gewußt,
    Als ob es nun gänzlich geschehn:
    Die werden mit Schrecken da stehen,
    Wenn jene zugrunde vergehen,
    Und endlich mit heiligem Lachen
    Sich wiederum lustig bei machen.
  6. Ei siehe! Wirds heißen, da liegt
    Der prächtige, mächtige Mann,
    Der stetig mit Erden vergnügt,
    Den Himmel beiseite getan;
    Vom Reichtum war immer sein Prangen,
    Und wann er die Unschuld gefangen,
    So hielt ers für treffliche Taten;
    Ei siehe, wie ists ihm geraten!
  7. Ich hoffe mit freudigem Geist
    Ein anderes und besseres Glück,
    Denn was mir mein Vater verheißt,
    Das bleibet doch nimmer zurück.
    Ich werde des Friedens genießen,
    Auch wird sich der Segen ergießen
    Und mich mit erwünschtem Gedeihen
    Samt allen den meinen erfreuen.
  8. Ich werde nach Weise des Baums,
    Der Öle trägt, grünen und blühn,
    Mich freuen des seligen Raums,
    Den ohne mein eignes Bemühn
    Mein Herrscher, Mein Helfer, mein Leben
    Mir selber zu eigen gegeben
    Im Hause, da täglich mit Loben
    Sein Name wird herrlich erhaben.
  9. Trotz sei dir, du trotzender Kot!
    Ich habe den Höchsten bei mir;
    Wo der ist, da hat es nicht Not,
    Und fürcht ich mich gar nicht vor dir.
    Du, mein Gott, kannst alles wohl machen,
    Dich setz ich zum Richter der Sachen,
    Und weißt es: Es wird sich mein Leiden
    Bald enden in Jauchzen und Freuden.
Gerhardt, Paul – Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus

Gerhardt, Paul – Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus

  1. Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus,
    Ihr Röslein, regt die Bein;
    Ich will dem, der uns ein und aus
    Begleitet, dankbar sein.
  2. Ich will ihm singen Lob und Preis,
    So viel ich singen kann,
    Ich will sein Werk, so gut ichs weiß,
    Mit Freuden zeigen an.
  3. Es ist fürwahr nicht Menschenkunst,
    Auf sichern Wegen gehn,
    Führt uns nicht Gott und Gottes Gunst,
    Würds oftmals seltsam stehn.
  4. Wie manches Leid, wie manche Not,
    Wie manches Jammerheer
    Brächt uns in Angst, tät uns den Tod,
    Wo Gott nicht bei uns wär.
  5. Wie mancher Feind, wie mancher Dieb,
    Wo ihn nicht Gott gerührt,
    Hätt uns das Unsre, das uns lieb,
    Genommen und entführt.
  6. Wie mancher böser schwarzer Geist
    Hätt unser Leib und Seel,
    Wo uns der Herr nicht Gnad erweist,
    Erschreckt aus seiner Höhl.
  7. Es ist der alte große Drach
    Doch allzeit ohne Ruh,
    Wohin wir gehn, da geht er nach
    Und setzt uns heftig zu.
  8. Er sucht zu Haus, er sucht zu Feld,
    Er sucht zur See und Land,
    Er sucht uns in der ganzen Welt
    Mit unverdroßner Hand.
  9. Noch dennoch trifft er uns nicht an,
    Sein Anschlag geht zurück,
    Denn Gottes Schutz hegt unsre Bahn
    Für unsres Feindes Tück.
  10. Es zeucht der heilgen Engel Schar,
    Mit Waffen ausgerüst,
    Und wehren fleißig hier und dar
    Des Tausendkünstlers List.
  11. Es müssen ja noch immerfort
    Die Mahanaim gehn
    Und Gottes Volk auf Gottes Wort
    Zu Dienst und Willen stehn.
  12. Wenn Gott mir meiner Augen Licht
    Mit Licht erfüllen wollt,
    Als wie dem Jacob, der sich nicht
    Für Esau fürchten sollt:
  13. Ach, was für Wunder würd ich hier
    Auf meinen Reisen sehn,
    Wie schön, wie lieblich würde mir
    In falschem Sehn geschehn.
  14. Nun, was den Augen nicht vergunnt,
    Das sieht mein Herz und Geist,
    Dem Gott der heilgen Weisheit Grund
    In seinem Geiste weist.
  15. Es ist sein Wort, er hats gesagt:
    Sein Heervolk sei bereit,
    Uns zu umlagern, wenn uns plagt
    Des Satans Neid und Streit.
  16. Was Gott geredt, das ist vollbracht,
    Mein Herz, sei wohlgemut
    Und laß ja nimmer aus der Acht,
    Was dein Gott an dir tut.
  17. Du sieht und greifst, wie gut er sei
    Dem, der ihn ehrt und liebt,
    Er ziert mit Lieb, er ziert mit Treu
    Ein Herz, das ihm sich gibt.
  18. Er trägt uns, wie (wenn einher schlägt
    Blitz, Hagel, Sturm, und Wind)
    Ein treuer frommer Vater trägt
    Sein kleines zartes Kind.
  19. Er deckt uns zu mit seiner Hand,
    Wie eine Mutter tut,
    In deren Schoß das süße Pfand
    Der keuschen Liebe ruht.
  20. Er räumt aus unsern Wegen weg
    Des Unglücks scharfen Stein
    Und schafft, daß unsre Bahn und Steg
    Fein schlicht und eben sein.
  21. Er führt uns über Berg und Tal,
    Und wenns nun rechte Zeit,
    So führt er uns in seinen Saal
    Zur ewgen Himmelsfreud.
  22. Alsdann werd ich die letzte Reis
    Und schönste Heimfahrt tun
    Und nach dem sauren Erdenschweiß
    In süßer Stille ruhn.
Gerhardt, Paul – O Jesu Christ, mein schönstes Licht

Gerhardt, Paul – O Jesu Christ, mein schönstes Licht

  1. O Jesu Christ, mein schönstes Licht,
    Der du in deiner Seelen
    So hoch mich liebst, daß ich es nicht
    Aussprechen kann noch zählen:
    Gib, daß mein Herz dich wiederum
    Mit Lieben und Verlangen
    Mög’ umfangen
    Und als dein Eigentum
    Nur einzig an dir hangen!
  2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel’
    Als deine Liebe wohne;
    Gib, daß ich deine Lieb’ erwähl’
    Als meinen Schatz und Krone!
    Stoß alles aus, nimm alles hin,
    Was dich und mich will trennen
    Und nicht gönnen,
    Daß all mein Mut und Sinn
    In deiner Liebe brennen!
  3. Wie freundlich, selig, süß und schön
    Ist, Jesu, deine Liebe!
    Wo diese steht, kann nichts bestehn,
    Das meinen Geist betrübe;
    Drum laß nicht andres denken mich,
    Nichts sehen, fühlen, hören,
    Lieben, ehren
    Als deine Lieb’ und dich,
    Der du sie kannst vermehren!
  4. O, daß ich dieses hohe Gut
    Möchte ewiglich besitzen!
    Gebet und christlichs Leben
    O, daß in mir dies‘ edle Glut
    Ohn Ende möchte hitzen!
    Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht
    Und diesen Schatz bewahren
    Vor den Scharen,
    Die wider uns mit Macht
    Aus Satans Reiche fahren.
  5. Mein Heiland, du bist mir zulieb
    In Not und Tod gegangen
    Und hast am Kreuz als wie ein Dieb
    Und Mörder da gehangen,
    Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt;
    Ach laß mich deine Wunden
    Alle Stunden
    Mit Lieb im Herzensgrund
    Auch ritzen und verwunden.
  6. Dein Blut, daß dir vergossen ward,
    ist köstlich, gut und reine,
    Mein Herz hingegen böser Art
    Und hart gleich einem Steine.
    O laß doch deines Blutes Kraft
    Mein hartes Herze zwingen,
    Wohl durchdringen
    Und diesen Lebenssaft
    Mir deine Liebe bringen!
  7. O daß mein Herze offen stünd
    Und fleißig möchte auffangen
    Die Tröpflein Bluts, die meine Sünd
    Im Garten dir abdrangen!
    Ach daß sich meiner Augen Brunn
    Auftät und mit Stöhnen
    Heiße Tränen
    Vergösse, wie die tun,
    Die sich in Liebe sehnen.
  8. O daß ich wie ein kleines Kind
    Mit Weinen dir nachginge
    So lange, bis dein Herz, entzünd’t,
    Mit Armen mich umfinge
    Und deine Seel’ in mein Gemüt
    In voller, süßer Liebe
    Sich erhübe
    Und also deiner Güt’
    Ich stets vereinigt bliebe!
  9. Ach zeuch, mein Liebster, mich nach dir,
    So lauf’ ich mit den Füssen,
    Ich lauf’ und will dich mit Begier
    In meinem Herzen küssen!
    Ich will aus deines Mundes Zier
    Den süßen Trost empfinden,
    Der die Sünden
    Und alles Unglück hier
    Kann leichtlich überwinden.
  10. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht und Heil,
    Mein höchstes Gut und Leben,
    Ach nimm mich auf zu deinem Teil,
    Dir hab ich mich ergeben.
    Denn außer dir ist lauter Pein,
    Ich find hier überalle
    Nichts denn Galle;
    Nichts kann mir tröstlich sein,
    Nichts ist, das mir gefalle.
  11. Du aber bist die rechte Ruh,
    In dir ist Fried und Freude,
    Gib, Jesu, gib, daß immerzu,
    Mein Herz in dir sich weide!
    Sei meine Flamm und brenn in mir,
    Mein Balsam, wollest eilen,
    Lindern, heilen
    Den Schmerzen, der allhier
    Mich seufzen macht und heulen.
  12. Was ists, o Schönster, das ich nicht
    In deiner Liebe habe?
    Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht,
    Mein Quell, da ich mich labe,
    Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,
    Mein Kleid vor Gottes Throne
    Meine Krone,
    Mein Schutz in aller Not,
    Mein Haus, darin ich wohne.
  13. Ach, liebstes Lieb, wann du entweichst,
    Was hilft mir sein geboren?
    Wann du mir deine Lieb entzeuchst,
    Ist all mein Gut verloren.
    So gib, daß ich dich, meinen Gast,
    Wohl such und bester Maßen
    Möge fassen
    Und, wenn ich dich gefaßt,
    In Ewigkeit nicht lassen!
  14. Du hast mich je und je geliebt
    Und auch nach dir gezogen;
    Eh ich noch etwas Guts geübt,
    Warst du mir schon gewogen.
    Ach, laß doch ferner, edler Hort,
    Mich diese Liebe leiten
    Und begleiten,
    Daß sie mir immerfort
    Beisteh auf allen Seiten!
  15. Laß meinen Stand, darin ich steh’.
    Herr, deine Liebe zieren
    Und, wo ich etwa irregeh’,
    Alsbald zurechteführen;
    Laß sie mich allzeit guten Rat
    Und weise Werke lehren,
    Steuern, wehren
    Der Sünd’ und nach der Tat
    Bald wieder mich bekehren!
  16. Laß sie sein meine Freud’ in Leid,
    In Schwachheit mein Vermögen,
    Und wenn ich nach vollbrachter Zeit
    Mich soll zur Ruhe legen,
    Alsdann laß deine Liebestreu’,
    Herr Jesu, bei mir stehen,
    Luft zuwehen,
    Daß ich getrost und frei
    Mög’ in dein Reich eingehen!
Paul Gerhardt – O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst

Paul Gerhardt – O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst

  1. O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst
    und Vater meines Lebens,
    Wo du mein Leben nicht regierst,
    so leb ich hier vergebens.
    Ja lebendig bin ich auch tot,
    der Sünden ganz ergeben,
    Wer sich wälzt im Sündenkot,
    der hat das rechte Leben
    noch niemals recht gesehen.
  2. Darum so wende deine Gnad
    zu deinem armen Kinde
    und gib mir allzeit guten Rat:
    Behüte meines Mundes Tür,
    Daß mir ja nicht entfahre
    ein solches Wort, dadurch ich dir
    und deiner frommen Schare
    verdrießlich sei und schade.
  3. Bewahr, o Vater mein Gehör
    auf dieser schönen Erde
    vor allem, dadurch deine Ehr
    und Reich beschimpfet werde;
    Laß mich der Lästrer Gall und Gift
    ja nimmermehr berühren,
    Denn wen ein solcher Unflat trifft,
    den pflegt er zu verführen,
    auch wohl gar umzukehren.
  4. Regier meiner Augenlicht,
    daß sie nichts Arges treiben,
    ein unverschämtes Angesicht
    laß ferne von mir bleiben:
    Was ehrbar ist, was Zucht erhält,
    Wonach die Englein trachten,
    was dir beliebt und wohlgefällt,
    das laß auch mich hochachten,
    all Üppigkeit verlachen.
  5. Gib, daß ich mich nicht lasse ein
    zum Schlemmen und zum Prassen,
    laß deine Lust mein eigen sein,
    die andere fliehn und hassen.
    Die Lust, die unser Fleisch ergetzt,
    Die zeucht uns nach der Höllen,
    und was die Welt für Freude schätzt,
    pflegt Seel und Geist zu fällen
    und ewiglich zu quälen.
  6. O selig ist, der stets sich nährt
    mit Himmels Speis und Tränken,
    Der nichts mehr schmeckt, nichts sieht und hört,
    auch nichts begehrt zu denken,
    Als nur was zu dem Leben bringt,
    da man bei Gotte lebet
    Und bei der Schar, die fröhlich singt
    und in der Wollust schwebet,
    die keine Zeit aufhebet.
Gerhardt, Paul – Nun laßt uns gehn und treten

Gerhardt, Paul – Nun laßt uns gehn und treten

Nun laßt uns gehn und treten
mit Singen und mit Beten
zum Herrn, der unserm Leben
bis hieher Kraft gegeben.

Wir gehn dahin und wandern
von einem Jahr zum andern,
wir leben und gedeihen
vom alten zu dem neuen;

Durch soviel Angst und Plagen,
durch Zittern und durch Zagen,
durch Krieg und große Schrecken,
Die alle Welt bedecken.

Denn wie von treuen Müttern
in schweren Ungewittern
die Kindlein hier auf Erden
mit Fleiß bewahret werden.

Also auch und nicht minder
läßt Gott uns, seine Kinder,
wenn Not und Trübsal blitzen,
in seinem Schoße sitzen.

Ach, Hüter unsers Lebens,
fürwahr, es ist vergebens
mit unserm Tun und Machen,
wo nicht dein Augen wachen.

Gelobt sei deine Treue,
die alle Morgen neue,
Lob sei den starken Händen,
die alles Herzleid wenden.

Laß ferner dich erbitten,
o Vater, und bleib mitten
in unserm Kreuz und Leiden
ein Brunnen unsrer Freuden.

Gib mir und allen denen,
die sich von Herzen sehnen
nach dir und deiner Hulde,
ein Herz, das sich gedulde.

Schleuß zu die Jammerpforten
Und laß an allen Orten
Auf so viel Blutvergießen
Die Freudenströme fließen.

Sprich deinen milden Segen
zu allen unsern Wegen,
laß Großen und auch Kleinen
die Gnadensonne scheinen.

Sei der Verlassnen Vater,
der Irrenden Berater,
der Unversorgten Gabe,
der Armen Gut und Habe.

Hilf gnädig allen Kranken,
gib fröhliche Gedanken
den hochbetrübten Seelen,
die sich mit Schwermut quälen.

Und endlich, was das Meiste,
füll uns mit deinem Geiste,
der uns hier herrlich ziere
und dort zum Himmel führe.

Das alles wollst du geben,
o meines Lebens Leben,
mir und der Christenschare
zum selgen neuen Jahre.

Philipp Spitta – O Vaterhand, die mich so treu geführet;

Philipp Spitta – O Vaterhand, die mich so treu geführet;

O Vaterhand, die mich so treu geführet;
o Vaterauge, das mich treu bewacht;
o Vaterherz, das meine Bitte rühret,
und das mit ew’ger Liebe mein gedacht!

Du wollest mich denn ferner treulich leiten,
daß ich den graden Weg zum Himmel geh’,
und mich zum ew’gen Leben zubereiten,
es sei durch Lieb’ und Leid, durch Wohl und Weh.

O mein Erlöser, der für mich gestorben,
und der mich Gott erkauft mit seinem Blut,
der mir Vergebung aller Schuld erworben,
daß nun mein Herz im Frieden Gottes ruht!

Du wollest mich denn immer mehr erlösen,
von allen Banden völliger befrein,
bei aller List und aller Macht des Bösen
der Held, durch den ich endlich siege, sein.

0 Heil’ger Geist, der du mit sanftem Triebe
mich strafest, tröstest, treibst und beten lehrst,
der du den Gottesfrieden und die Liebe,
die Hoffnung und den Glauben mir bescherst!

Regiere mich und drücke mir den Stempel
der Gotteskindschaft in die Seele ein,
und laß mich meines Gottes heil’ger Tempel
voll Stille, voll Gebet und Andacht sein!

Johann Heermann – Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden

Johann Heermann – Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden

Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden
die, so in ihren Nöten und Beschwerden
bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen
und zu dir rufen!

Mache zuschanden alle, die dich hassen,
die sich allein auf ihre Madit verlassen!
Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen;
laß dich’s erbarmen!

Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde!
Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde;
sie müssen Wehr und Waffen niederlegen,
kein Glied mehr regen.

Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen;
vergebens ist’s, auf Menschenhilfe bauen;
mit dir wir wollen Taten tun und kämpfen,
die Feinde dämpfen.

Du bist der Held, der sie kann untertreten
und das bedrängte, kleine Häuflein retten.
Wir traun auf dich, wir Schrein in Jesu Namen:
Hilf, Helfer! Amen.

Johann Heermann – Treuer Wächter Israel.

Johann Heermann – Treuer Wächter Israel.

Treuer Wächter Israel.
des sich freuet meine Seel’,
der du weißt um alles Leid
deiner armen Christenheit:
o du Wächter, der du nicht
schläfst noch schlummerst, zu uns richt
dein hilfreiches Angesicht!

Schau, wie große Not und Qual
trifft dein Volk jetzt überall;
täglich wird der Trübsal mehr.
Hilf, ach hilf, schütz deine Lehr’!
Wir verderben, wir vergehn,
nichts wir sonst vor Augen sehn,
wo du nicht bei uns wirst stehn.

Andre traun auf ihre Kraft,
auf ihr Glück und Ritterschaft;
deine Christen traun auf dich,
auf dich traun sie festiglich.
Laß sie werden nicht zuschand,
bleib ihr Helfer und Beistand,
sind sie dir doch all’ bekannt!