Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Mein Sterben ist ein Gang zum Leben

1.) Mein Sterben ist ein Gang zum Leben,
Ein Gang dahin, woher ich bin.
Die Welt mag vor dem Tod erbeben:
Mich schreckt er nicht, ich weiß, wohin,
Ich weiß, dass er mich dahin bring,
Wohin mein Heiland sterbend ging.

2.) Ich weiß, dass Gott auch mir zu Liebe
Den Sohn in diese Welt gesandt.
Dass ich auch nicht zurücke bliebe,
Zurücke von dem Vaterland,
Das ohne Jesum nimmermehr
Mein Vaterland geworden wär‘.

3.) Er, weiß ich, hat durch Blut und Wunden,
Durch schweren Todeskampf die Bahn,
Die Wege zu dem Leben funden.
Er ging auch selber mir voran
Und sandte mir den Heil’gen Geist,
Der auch im Tod ein Tröster heißt.

4.) Wer will den Trost im Tod mir rauben,
Den dieses Trösters Mund mir spricht?
er selbst versiegelt meinen Glauben,
So komm ich gar nicht in’s Gericht.
Er zieht mir an das Ehrenkleid
Der Unschuld und Gerechtigkeit.

5.) Des Satans Recht ist ganz vernichtet.
Mein Lebensrecht ist offenbar.
Der Fürst der Welt wird nun gerichtet
und mit ihm, was ihm dienstbar war.
Für mich ist lauter Seligkeit
Von Jesu Christo dort bereit’t.

6.) Was wir davon hienieden wissen,
Ist wenig und doch lässt der Geist
Uns einen Vorschmack oft genießen
Von dem, was noch zukünftig heißt.
Er nimmt’s aus Jesu reicher Füll‘
Und reicht es dar, wie Jesus will.

7.) So lass dir denn an meinem Ende,
Herr, meinen Geist befohlen sein!
Nimm, Jesu, mich in deine Hände!
Sprich, Heil’ger Geist, den Trost mir ein.
Dass ich so wahr zum Vater geh,
Als Jesus ihm zur Rechten steh‘.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Zum Sterben ich bereitet bin

1.) Zum Sterben ich bereitet bin,
Mit Fried‘ und Freud‘ ich fahr dahin,
Gen Himmel in mein Vaterland
Zu dem, der meinen Bund verwandt!

2.) Der du mein Bruder worden bist,
Nimm mich nun auf, Herr Jesu Christ,
Wie du dich in mein Fleisch verhüllt
Und das Gesetz für mich erfüllt.

3.) Du hast mich teu’r und hoch erkauft,
Auf dein Geheiß wurd‘ ich getauft.
Drum kann es auch nicht anders sein,
Herr Christ, ich bin und bleibe dein!

4.) Wie, dass ihr Menschen dieser Zeit
Ob eurem Tod so furchtsam seid?
Ihr seht ihn so gar bitter an,
Dass nichts euch mehr erschrecken kann.

5.) So oft man seines Namens denkt,
Wird euer Herz und Sinn gekränkt
und klopft er nur an eure Tür,
Der ganze Leib euch bebt dafür.

6.) Wie übel sich ein Christ gleich stellt,
Wenn er vom Tod jetzt wird gefällt,
Liegt mit verkehrtem Angesicht,
So kommt’s doch von der Marter nicht.

7.) Für Freudenzeichen nehmt es an,
Weil er sich jetzt nicht hemmen kann.
Im Vorschmack seiner Seligkeit,
Die er erblicket allbereit.

8.) Wohl an, mein Leid ist auch vollbracht,
Die Schuld bezahlt und gut gemacht,
Drum ich zum Tod ganz willig bin,
Mit Fried‘ und Freud‘ ich fahr dahin!

Gellert, Christian Fürchtegott – Wie sicher lebt der Mensch, der Staub!

Wie sicher lebt der Mensch, der Staub!
Sein Leben ist ein fallend Laub;
Und dennoch schmeichelt er sich gern,
Der Tag des Todes sei noch fern.

Der Jüngling hofft des Greises Ziel,
Der Mann noch seiner Jahre viel,
Der Greis zu vielen noch ein Jahr,
Und keiner nimmt den Irrtum wahr.

Sprich nicht: Ich denk in Glück und Not
Im Herzen oft an meinen Tod.
Der, den der Tod nicht weiser macht,
Hat nie mit Ernst an ihn gedacht.

Wir leben hier zur Ewigkeit,
Zu tun, was uns der Herr gebeut,
Und unsers Lebens kleinster Teil
Ist eine Frist zu unserm Heil.

Der Tod rückt Seelen vor Gericht;
Da bringt Gott alles an das Licht,
Und macht, was hier verborgen war,
Den Rat der Herzen offenbar.

Drum da dein Tod dir täglich dräut,
So sei doch wacker und bereit;
Prüf deinen Glauben, als ein Christ,
Ob er durch Liebe tätig ist.

Ein Seufzer in der letzten Not,
Ein Wunsch, durch des Erlösers Tod
Vor Gottes Thron gerecht zu sein,
Dies macht dich nicht von Sünden rein.

Ein Herz, das Gottes Stimme hört,
Ihr folgt, und sich vom Bösen kehrt;
Ein gläubig Herz, von Lieb erfüllt,
Dies ist es, was in Christo gilt.

Die Heiligung erfordert Müh;
Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie.
Du aber ringe stets nach ihr,
Als wäre sie ein Werk von dir.

Der Ruf des Lebens, das du lebst,
Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst,
Und deiner Tage Rechenschaft
Ist Tugend in des Glaubens Kraft.

Ihr alle seine Tage weihn,
Heißt eingedenk des Todes sein:
Und wachsen in der Heiligung,
Ist wahre Todserinnerung.

Wie oft vergeß ich diese Pflicht!
Herr, geh mit mir nicht ins Gericht;
Drück selbst des Todes Bild in mich,
Daß ich dir wandle würdiglich;

Daß ich mein Herz mit jedem Tag
Vor dir, o Gott! erforschen mag,
Ob Liebe, Demut, Fried und Treu,
Die Frucht des Geistes, in ihm sei;

Daß ich zu dir um Gnade fleh,
Stets meiner Schwachheit widersteh,
Und einstens in des Glaubens Macht
Mit Freuden ruf: Es ist vollbracht!

Um Ergebung in den göttlichen Willen
O Herr, mein Gott! durch den ich bin und lebe,
Gib, daß ich mich in deinen Rat ergebe;
Laß ewig deinen Willen mein,
Und was du tust, mir teuer sein!

Du, du regierst, bist Weisheit, Lieb und Stärke.
Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke.
Was zag ich einen Augenblick?
Du bist mein Gott, und willst mein Glück.

Von Ewigkeit hast du mein Los entschieden.
Was du bestimmt, das dient zu meinem Frieden.
Du wogst mein Glück, du wogst mein Leid,
Und was du schickst, ist Seligkeit.

Gefällt es dir: so müsse keine Plage
Sich zu mir nahn; gib mir zufriedne Tage.
Allein verwehrt’s mein ewig Heil:
So bleibe nur dein Trost mein Teil.

Du gibst aus Huld uns dieser Erde Freuden;
Aus gleicher Huld verhängst du unsre Leiden.
Ist nur mein Weh nicht meine Schuld:
So zag ich nicht. Du gibst Geduld.

Soll ich ein Glück, das du mir gabst, verlieren,
Und willst du, Gott! mich rauhe Wege führen:
So wirst du, denn du hörst mein Flehn,
Mir dennoch eine Hülf ersehn.

Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben.
Herr, wie du willst! Soll ich den Himmel erben,
Und dieser ist im Glauben mein,
Wie kann der Tod mir schrecklich sein?

Gellert, Christian Fürchtegott – Meine Lebenszeit verstreicht,

Meine Lebenszeit verstreicht,
Stündlich eil ich zu dem Grabe;
Und was ist’s, das ich vielleicht,
Das ich noch zu leben habe?
Denk, o Mensch! an deinen Tod.
Säume nicht; denn eins ist not.

Lebe, wie du, wenn du stirbst,
Wünschen wirst, gelebt zu haben.
Güter, die du hier erwirbst,
Würden, die dir Menschen gaben;
Nichts wird dich im Tod erfreun;
Diese Güter sind nicht dein.

Nur ein Herz, das Gutes liebt,
Nur ein ruhiges Gewissen,
Das vor Gott dir Zeugnis gibt,
Wird dir deinen Tod versüßen;
Dieses Herz, von Gott erneut,
Ist des Todes Freudigkeit.

Wenn in deiner letzten Not
Freunde hülflos um dich beben:
Dann wird über Welt und Tod
Dich dies reine Herz erheben;
Dann erschreckt dich kein Gericht;
Gott ist deine Zuversicht.

Daß du dieses Herz erwirbst,
Fürchte Gott, und bet und wache.
Sorge nicht, wie früh du stirbst;
Deine Zeit ist Gottes Sache.
Lern nicht nur den Tod nicht scheun,
Lern auch seiner dich erfreun.

Überwind ihn durch Vertraun,
Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube,
Und ich weiß, ich werd ihn schaun
Einst in diesem meinem Leibe.
Er, der rief: Es ist vollbracht!
Nahm dem Tode seine Macht.

Tritt im Geist zum Grab oft hin,
Siehe dein Gebein versenken;
Sprich: Herr, daß ich Erde bin,
Lehre du mich selbst bedenken;
Lehre du mich’s jeden Tag,
Daß ich weiser werden mag!

Gellert, Christian Fürchtegott – Was sorgst du ängstlich für dein Leben?

Was sorgst du ängstlich für dein Leben?
Es Gott gelassen übergeben,
Ist wahre Ruh und deine Pflicht.
Du sollst es lieben, weislich nützen,
Es dankbar, als ein Glück, besitzen,
Verlieren, als verlörst du’s nicht.

Der Tod soll dich nicht traurig schrecken:
Doch dich zur Weisheit zu erwecken,
Soll er dir stets vor Augen sein.
Er soll den Wunsch zu leben mindern,
Doch dich in deiner Pflicht nicht hindern,
Vielmehr dir Kraft dazu verleihn.

Ermattest du in deinen Pflichten:
So laß den Tod dich unterrichten,
Wie wenig deiner Tage sind.
Sprich: Sollt ich Gutes wohl verschieben?
Nein, meine Zeit, es auszuüben,
Ist kurz, und sie verfliegt geschwind.

Denk an den Tod, wenn böse Triebe,
Wenn Lust der Welt und ihre Liebe
Dich reizen; und ersticke sie.
Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben?
Und könnt ich auch die Welt erwerben,
Beging ich doch solch Übel nie.

Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren,
Wenn deine Schätze sich vermehren,
Daß du sie nicht zu heftig liebst.
Denk an die Eitelkeit der Erden,
Daß, wenn sie dir entrissen werden,
Du dann dich nicht zu sehr betrübst.

Denk an den Tod bei frohen Tagen.
Kann deine Lust sein Bild vertragen:
So ist sie gut und unschuldsvoll.
Sprich, dein Vergnügen zu versüßen:
Welch Glück werd ich erst dort genießen,
Wo ich unendlich leben soll!

Denk an den Tod, wenn deinem Leben
Das fehlt, wonach die Reichen streben;
Sprich: Bin ich hier, um reich zu sein?
Heil mir! wenn ich in Christo sterbe,
Dann ist ein unbeflecktes Erbe,
Dann ist der Himmel Reichtum mein.

Denk an den Tod, wenn Leiden kommen;
Sprich: Alle Trübsal eines Frommen
Ist zeitlich, und im Glauben leicht.
Ich leide; doch von allem Bösen
Wird mich der Tod bald, bald erlösen;
Er ist’s, der mir die Krone reicht.

Denk an den Tod, wenn freche Rotten
Des Glaubens und der Tugend spotten,
Und Laster stolz ihr Haupt erhöhn.
Sprich bei dir selbst: Gott trägt die Frechen;
Doch endlich kömmt er, sich zu rächen,
Und plötzlich werden sie vergehn.

Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken,
Wenn Pfeile Gottes in dir stecken;
Du rufst, und er antwortet nicht.
Sprich: Sollte Gott mich ewig hassen?
Er wird mich sterbend nicht verlassen;
Dann zeigt er mir sein Angesicht.

So suche dir in allen Fällen
Den Tod oft, lebhaft, vorzustellen;
So wirst du ihn nicht zitternd scheun;
So wird er dir ein Trost in Klagen,
Ein weiser Freund in guten Tagen,
Ein Schild in der Versuchung sein.

Klepper, Jochen – Mein Gott, ich will von hinnen gehen

Mein Gott, ich will von hinnen gehen,
der Erdentag wird mir zu lang,
die Tore deiner Stadt zu sehen,
zu hören himmlischen Gesang.
Vor deinem Angesicht zu stehn,
das ist’s allein, was ich ersehn‘.

Nicht, daß ich nicht zu danken wüßte
für das, was du mir hier beschert.
Nicht, daß ich nicht geduldig büßte,
solang es dein Gericht begehrt.
Doch das, wonach mein Herz so brennt,
ist, daß mich nichts mehr von dir trennt.

Die Städte dieses Erdenrundes
sind fahle Schatten deiner Stadt,
die uns Verheißung deines Mundes
schon längst zuvor begründet hat.
Zu ihren Höhen blick‘ ich auf.
Ach, endete der Jahre Lauf!

Die Brunnen, die hier lieblich rinnen,
sind nur ein blasses, dunkles Bild
des Borns, der unter goldenen Zinnen
vor deinem Stuhle ewig quillt.
Die Stadt, die deine Herrlichkeit
erleuchtet, Herr, – liegt sie noch weit?

Ich denke nur an ihre Mauern,
die der Apostel Namen schmückt.
Was hier ist, kann nur flüchtig dauern,
nachdem ich ihren Saum erblickt.
Ihr Tor steht offen Tag und Nacht:
Wann werd‘ ich, Herr, vor dich gebracht?

Vergehen bald der Berge Firnen,
daß deine Stadt herniederfährt,
darin der Engel reine Stirnen
von deinem Namen sind verklärt?
Die Stadt, geschmückt gleich einer Braut,
aus Jaspis und Saphir erbaut?

Errichtet aus dem Holz des Lebens,
so steigt sie aus der Wolken Meer.
Wir Menschen wandern nicht vergebens:
du nahst uns aus der Ferne her.
Die Hütte Gottes ist bereit,
die Stadt des Heils in Ewigkeit!

Erlöschen mögen Mond und Sonnen.
Dein Glanz herrscht in ihr immerdar.
Das Ziel war da, eh wir begonnen.
Die Worte sind gewiß und wahr.
Wir suchten nicht: Du bist’s, der sucht
und heimruft, die wir dir geflucht.

Speratus, Paul – Nun herre wirst du lassen

1. Nun herre wirst du lassen
deynn knecht yn frid und rhu,
wy du yhm hast verheyssen,
solch heyl kompt ytzt herczu.
Meynn augen czu gesicht,
den völckern czubereytet;
unnd ist der Heyden licht,
eyn preyß deynns volckes Israhel
wy uns deyn wort verspricht.

2. Czu eyner aufferstehung,
unnd fall, der vil verletzt,,
ist uns hy dyser heyland
ynn Israhel gesetzt,
Czu eynem czeychen klar,
dem man thut widersprechen;
eyn schwert durchdringt fürwar
dy sel der heylgen mutter
dyyhn keuschlich gebar.

3. Christe wolst unns erleuchten
du ewigs licht alleyn,
das wir unns nit verletzen
ann dir dem Eckesteyn.
Wy all unglaubig thun,
dy eygen licht anczünden,
bey dir der klaren Sonn;
und du doch eynig leuchtest
yn selge freud und wunn.

Cosack – Paul Speratus

Tersteegen, Gerhard – So geht’s von Schritt zu Schritt

1.) So geht’s von Schritt zu Schritt
Zur großen Ewigkeit,
So unvermerkt verschwindt
Die kurze Lebenszeit.
Wo blieb so mancher Tag
Und wo so manches Jahr?
Was hat ein Sterblicher
Von dem, das gestern war?

2.) Du Gott der Ewigkeit,
Der mir dies Leben gab,
Ich geb‘ es dir zurück,
Und was ich bin und hab.
Ich will nur leben dir,
Dir will ich sterben auch.
Gib, dass ich Zeit und Kraft
Zu deinem Dienst nur brauch.

3.) Ich schließ die Augen jetzt
Und sage gute Nacht.
Der Sichtbarkeit, dem Traum,
Damit ich auf der Wacht
Mit Herzensinnigkeit
Vor deinen Augen leb‘
Und deinem Geiste Raum
In mir zu wirken geb.

4.) Nun, ich verlass die Welt
Und will zum Vater gehn.
Hier bin ich nicht zu Haus,
Hier will ich nichts ansehn.
Der kurze Rest der Zeit
Soll dir gewidmet sein,
Ja, Vater, ich bin hier
Und dort auch ewig dein.

5.) Bereite mich, und wann
Dies Leben ist vorbei,
Mein ewig bleibend Gut
Mein wahres Leben sei!
Verlass mich denn auch nicht
Im letzten Augenblick,
Dass ich mag Jesus sehn
Und nicht auf mich zurück.

6.) Ich leer mich gänzlich aus
Vor dir mit höchstem Recht.
Ich bin ein armer Wurm
Und ein unnützer Knecht.
So ganz entblößt sink ich
In Jesu Wunden ein,
Will auch nur jetzt und dann
In ihm erfunden sein.

7.) Der Feind hat nichts an mir,
Das Herz in Jesu ruht.
Tief in mein Nichts versenkt,
Ist Jesus, all mein Gut.
O wie verdank ich’s dir,
Dass du zu mir gewandt
Dein offnes Vaterherz
Und wurdest mir bekannt!

8.) Dich, Vater, Sohn und Geist,
Ich meinen Gott bekenn,
Den ich als Schöpfer ehr
Und auch Erlöser nenn.
Es ist mir herzlich lieb,
Dass du bist, der du bist,
Und dass mein ganzes Heil
In deinen Händen ist.

9.) Ich zeuge , dass du bist
Das ewig selge Gut,
Worin der Geist allein
Im höchsten Frieden ruht;
Dich, Majestät, verehrn,
Dein Dienst ist Seligkeit,
Und dazu wünsch ich mir
Die ganze Ewigkeit.

10.) Ich lege meinen Geist
In deine treue Hand,
Mein Heiland, du bewahrst
Dies dir vertraute Pfand.
Mein‘ letzten Atemzug
Lass reine Liebe sein,
Ausgehend geh mein Geist
Zu deiner Ruhe ein!

11.) O Ruh der Ewigkeit,
Da wirds denn doch geschehn,
Dass ich dich, höchstes Gut,
So wie du bist, werd sehn
Und ewig bei dir sein
Mit jener sel’gen Schar.
Ich bet‘ gebücket an,
Mein Gott, du bist es gar.

Franck, Salomo – So ruhest du

So ruhest du, oh meine Ruh,
in deiner Grabeshöhle,
und erweckst durch deinen Tod
meine todte Seele.

Man senkt dich ein nach vieler Pein,
du meines Lebens Leben!
Dich hat jetzt ein Felsengrab,
Fels des Heils, umgeben.

Ach, bist du kalt, mein Aufenthalt?
Das macht die heiße Liebe,
die dich in das kalte Grab
durch ihr Feuer triebe.

O Lebensfürst, ich weiß, du wirst
mich wieder auferwecken:
sollte denn mein gläubig Herz
vor der Gruft erschrecken?

Sie wird mir sein ein Kämmerlein,
da ich auf Rosen liege,
weil ich nun durch deinen Tod
Tod und Grab besiege.

Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt;
doch wird er auferstehen,
und in ganz verklärter Zier
aus dem Grabe gehen.

Indes will ich, o Jesu, dich
in meine Seele senken,
und an deinen bittern Tod
bis ins Grab gedenken.

Geistliche Lieder

Hermann, Nikolaus – Ein Geistlich Lied, darin man bitt umb ein seliges Stündlein

//Aus dem Spruch Augustini//

WEnn mein stündlein fürhanden ist
und sol hinfarn mein strasse,
So gleit du mich, HErr Jhesu Christ,
mit hülff mich nicht verlasse,
Mein Seel an meinem letzten end
befehl ich dir in dein Hend,
du wolst sie mir bewahren!

Mein sünd mich werden krencken sehr,
mein Gwissen wird mich nagen,
Denn jr sind viel wie Sandt am Meer,
doch wil ich nicht verzagen,
Gedencken wil ich an dein todt,
HErr Jhesu, und dein Wunden rot
die werden mich erhalten.

Ich bin ein Glied an deinem Leib,
des tröst ich mich von hertzen!
Von dir ich ungescheiden bleib
in todes nöten und schmertzen;
Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir,
ein ewigs Leben hastu mir
mit deinem Tod erworben.

Weil du vom Tod erstanden bist,
werd ich im Grab nicht bleiben;
Mein höchster trost dein Auffart ist,
tods furcht kan sie vertreiben,
Denn wo du bist, da kom ich hin,
das ich stetz bey dir leb und bin,
drumb fahr ich hin meit freuden! Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer