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Schlagwort: Bekehrung

Philipp Spitta – Kehre wieder!

Philipp Spitta – Kehre wieder!

Kehre wieder, kehre wieder,
der du dich verloren hast;
sinke reuig bittend nieder
vor dem Herrn mit deiner Last!
Wie du bist, so darfst du kommen
und wirst gnädig angenommen.

Sieh, der Herr kommt dir entgegen,
und sein heil’ges Wort verspricht
dir Vergebung, Heil und Segen;
kehre wieder, zaudre nicht!
Kehre aus der Welt Zerstreuung
in die Einsamkeit zurück,
wo in geistiger Erneurung
deiner harrt ein neues Glück,
wo sich bald die Stürme legen,
die das Herz so wild bewegen;
wo des Heil’gen Geistes Mahnen
du mit stillem Beben hörst
und von neuem zu den Fahnen
Jesu Christi heilig schwörst!

Kehre wieder, irre Seele!
Deines Gottes treues Herz
beut Vergebung deinem Fehle,
Balsam für den Sündenschmerz.

Sieh auf den, der voll Erbarmen
dir mit ausgestreckten Armen
winket von dem Kreuzesstamme;
kehre wieder, fürchte nicht,
daß der Gnäd’ge dich verdamme,
dem sein Herz voll Liebe bricht!

Kehre wieder; neues Leben
trink in seiner Liebeshuld!
Bei dem Herrn ist viel Vergeben,
große Langmut und Geduld.

Faß ein Herz zu seinem Herzen,
er hat Trost für alle Schmerzen,
er kann alle Wunden heilen,
macht von allem Aussatz rein;
darum kehre ohne Weilen
zu ihm um und bei ihm ein!

Kehre wieder, endlich kehre
in der Liebe Heimat ein,
in die Fülle aus der Leere,
in das Wesen aus dem Schein,
aus der Lüge in die Wahrheit,
aus dem Dunkel in die Klarheit,
aus dem Tode in das Leben,
aus der Welt ins Himmelreich!
Doch was Gott dir heut will geben,
nimm auch heute — kehre gleich!

Philipp Spitta – Du reicher Gott und Herr

Philipp Spitta – Du reicher Gott und Herr

Du reicher Gott und Herr, von dem ich alles habe,
du ew’ger Lebensquell, draus ich mich täglich labe,
ich brächte gern einmal auch eine Gabe dir;
nur weiß ich selbst nicht, was. Drum bitt’ ich: sag es mir!

„Gib mir, o Sohn, dein Herz!“ So sprichst du; ach, das meine,
mein Herz, das willst du, Herr? Mein Herz, das ich beweine,
mein armes, schwaches Herz, von Sünd’ und Lust der Welt,
von Zagheit und von Trotz so unrein, so entstellt?

Das forderst du von mir vor allen andern Gaben?
Hier ist es, wie es ist, mein Herz, du sollst es haben.
O mache du es rein, o mache du es neu,
o mach es dir zur Ehr’ bis in den Tod getreu!

Gellert, Christian Fürchtegott – Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben:

Gellert, Christian Fürchtegott – Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben:

Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben:
So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben.
Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück?
Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick?

Allein wie schwer ist’s nicht, sein eigen Herz bekämpfen,
Begierden widerstehn, und seine Lüste dämpfen?
Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh
Ist dies der einzge Weg. Und dem entsagest du?

Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen?
Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen.
Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann,
Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann?

Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene,
Und, seiner wert zu sein, im Glauben mich erkühne?
Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr gebeut,
Wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit?

Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen?
Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen.
Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu sein?
Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein.

Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen.
Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen?
Er gab dir die Vernunft; und du verleugnest sie?
Er sendet dir sein Wort; und du gehorchst ihm nie?

Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen,
Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen;
Itzt ist dies Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit,
Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit?

Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen,
Je stärker wird der Hang, die Tat zu wiederholen.
Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein:
Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun!

Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken?
Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken?
Ist ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung,
Und Angst und Missetat, die wahre Heiligung?

Ist’s gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten,
Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten;
Ist das Bekenntnis gnug, daß uns die Sünde reut:
So ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit.

Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen;
Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen;
Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst:
So zittre vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst.

Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte?
Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte?
Erschreckt dich nicht sein Wort? Gibt in verkehrtem Sinn
Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin?

Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben,
Und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben?
Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht:
So ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht.

Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest,
Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest.
Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein
Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun.

Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen;
Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen.
Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort:
Sei wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort.

Ruf ihn in Demut an; er tilget deine Sünden.
Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden:
So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit
Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut.

So süß ein Laster ist, so gibt’s doch keinen Frieden.
Der Tugend nur allein hat Gott dies Glück beschieden.
Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Teil;
Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil.

Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Leiden;
Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu deinen Freuden;
Macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht,
Gibt Weisheit und Verstand, und Mut zu deiner Pflicht.

Sprich selbst: Ist dies kein Glück, mit ruhigem Gewissen
Die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen,
Und mäßig und gerecht in dem Genusse sein,
Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?

Sachs, Hans – Das lied: Ach Jupiter hetst duß gewalt, Christlich verendert.

Sachs, Hans – Das lied: Ach Jupiter hetst duß gewalt, Christlich verendert.

Sünder.

O Got vater! du hast gewalt
on end gezalt
im Hymel vnd auf erden kreyß.
MEnschlich geschlecht wurdt gefalt,
von dir gespalt
durch vnghorsam im Paradeyß:
Dein güt würdt nüt von jn gewendt,
behendt verhiestu jn den trost,
da du sprachst zu Eua, Adam:
der sam des weybes euch erlost!
Ach herr, vernymm mein kläglich stymm,
straff mich auch nicht in deinem grymm!

Das hertz in mir ist hardt versert
vnd gar beschwert
mit aygner lieb vnd flaysches lust;
Gmüt, syn, vernunfft ist gantz verkert,
das marck verzert
Gottes gesetz, das üben ist;
Kain lab ich hab, die mich enthalt,
erkalt ist das gewissen mir:
vmb hilff ich gilff zu dir, Christe,
hilff, ee das ich verzweyffel schir,
seyt du bist der ist kummen her,
zu erquicken von ängsten schwer!

Christus.

Sünder, dein wort erhör ich nicht!
du thust mitt icht
Gottes willen nacht vnde tag!
Dein hertz ist gantz in sünd verpflicht:
bey böser frücht
ain faulen baum man kennen mag.
Die welt gefelt dir mit jr lust,
vmb sust, so bistu nit auß Gott!
dein lieb vnd trieb ist flaisch, verston:
der lon der sünde ist der todt:
der gerecht, herr, wirdt bhalten schwer,
wa will erscheynen der sünder?

Sünder.

Ainiger herr, ich hof, dein gut
vrtail mich nüt
so streng nach der gerechtigkait,
Seyt du kamest völler senft mit,
du sun Dauid,
zu seligen vns sündig leüt,
Sprachst vnd: der gsund kains Artztes darff!
wie scharpff halffst am Creütz dem schächer!
on dich warlich kain fürsprech ist,
du bist ye der ainig mittler,
du Gottes lam, das zu vns kam
vnd der gantzen welt sünd hin nam!

Christus.

Sünder, des hertzen ich beger,
sunst nichtzen mer,
kain süsse wort oder person!
Wann warlich ye nicht ain yeder,
der spricht Herr herr,
wirdt in das Reych der hymel gan:
Ir mundt all stundt mich eren ist,
doch rist jr hertz von mir gar weyt!
Judas der was mit worten gut,
sein mut vnd hertz vol haß vnd neydt,
des lyt er ach vnd vngemach,
als auch Simon dem zaubrer gschach.

Sünder.

Ob ist, mein herr, dich weytter bitt
vnd laß ab nitt,
als dz Cananisch weyblin thet,
Seyt dein hertz ist voller senfft mit,
dau du halffst mit
Paulum, der dich veruolget het!
Ach herr, beker mein hertz zu dir,
kumm schir, in dir steet all mein hayl!
on dich kan ich nit keren vmb:
herr kumb, ich wirdt dem todt zu tayl!
in sünden not ließ Caim Got
vnd Künig Saul, die storben todt!

Christus.

Sünder, dich truckt der sünden last
vnd hast kain rast,
ain rauschent plat dich jagen thut!
Mit Gott du nit zurechten hast,
ob er dich stost
mit dem teüfel in helle glut!
Der web vnd steg zur hell ist weyt,
vil leüt geent jn gantz vngezelt;
on zil jr vil beruffen seind,
am end jr weng sind außerwelt,
wann Got spricht: ich erbarme mich,
wes ich mich erbarm ewigklich.

Sünder.

Freündtlicher hort: Gott spricht, der herr,
bald der sünder
seüfftzt, er sein sündt nit dencken wöl!
Wann Got will nit den tode schwer
des sünders mer,
sonder sich ker vnd leben sol:
Sich nun: der sun verloren war,
kumbt her, bekent sein missethat;
sich: hie ist die Eebrecherin:
tryb hin jr freynd vnnd sy begnad!
du sprachst: klopfft an, euch wirdt auffthan:
auff dein selbs wort ich mich verlan!

Christus.

Sünder, meyn gnad wer dir geneygt,
wenn sich ereygt
ain gantzer Glaub auff meine wortt;
Mein güttig gnad wirdt dir erzygt,
dann wirdt geschwaygt
das gwissen vnd der selen mort.
Sünder, noch leer dein lampen ist,
dir brist noch des gelaubens öl;
glaubstu mir nu, das ich dir kund
gesund machen dein arme seel,
so mag es sein, Got wirckt allain,
durch den glauben das hertz wirdt rain.

Sünder.

Ach herr, ich glaub auff dein zusag,
yedoch ich klag:
hilf meinem vnglauben schwer!
Ain brochen ror nit gar zerschlag,
von tag zu tag
mir meinen schwachen glauben mer!
Herr nu, wiltu, so wird ich heyl,
die weyl sunst nyemant helfen kund!
Herr, sprich in mich ain gnedigs wort,
wirdt fort mein krancke seel gesundt!
erbarm dich mein, mein seel leyt pein,
wirdt quelt von ainem gayst vnreyn!

Christus.

O Christ, groß ist deins glaubens krafft
auß gnaden safft,
dir gschech nach deinem glauben frey!
Acht nicht, was menschen leer stets klafft,
sy ist lüghaft,
voller betrug vnd gleyßnerey!
Ker vmb, ich kumb! leb nach meim wort,
lieb fort vor all ding Gottes gut,
vnd yeb die lieb des nächsten dein,
sey rein von sündt! gee hyn im frid,
vnd sündt nit mer, sunst wirt erger
deyn letstes dann das erste wer!

Sünder.

Lob sey Got in der höch ewich,
das er hat mich
erlöset vom ewigen todt!
Mein gayst der ist gantz willigklich,
das flaisch ist sich
vnnd widerstreyttet deim gebot:
Ich bitt, nymm nitt dein gayst von mir,
sunst wird dein senffte joch mir schwer!
O Christ, all frist im wort verhar,
meyd gar all menschen gsetz vnd leer!
herr vnd Got mein, das worte dein
soll meiner füsse lucern sein!

Quelle: Quellangabe Glaubensstimme

Weiße, Michael – Menschenkind, merk eben, was da sei dein Leben

Weiße, Michael – Menschenkind, merk eben, was da sei dein Leben

1.) Menschenkind, merk eben,
Was da sei dein Leben.
Warum Gott hat seinen Sohn
Gesandt von dem höchsten Thron,
Hat lassen Mensch werden
Hier auf dieser Erden.

2.) Nämlich, dass er lehre,
Dich zu sich bekehre,
Für deine Schuld sterbe,
Gnade dir erwerbe,
Dich vor Gott vertrete
Und stets für dich bete.

3.) Und dass er durch sein‘ Geist,
Den er ein‘ Tröster heißt
Und durch sein Wort ‚kommen,
Dir zu Trost und Frommen,
Möcht‘ in deinem Herzen
Wohnen ohne Schmerzen.

4.) Ei, gib statt dem Geist
Und tu, was dich Gott heißt,
Öffne dein’s Herzens Pfort,
Dass Christus durch sein Wort
In dich möge kommen
Und stets in dir wohnen!

5.) Alsdann sieh nur eben,
Dass du dich ergeben
In gottselig‘ Leben,
Ihm nicht widerstreben,
Sondern seinen Willen
Allzeit mögst erfüllen.

6.) Seine Lieb‘ beweisen,
Mit der Tat ihn preisen,
Stets in allen Sachen
Munter sein und wachen,
Dass du ihm in allem
Mögest wohl gefallen.

7.) Wirst du dich recht halten,
So wird er dein‘ walten,
Dich lassen genießen
Friedsames Gewissen,
Dir auch Zeugnis geben
Zum ewigen Leben.

8.) Jetzt musst du viel leiden,
Deinen Willen meiden,
Und auf allen Seiten
Mit dem Satan streiten.
Doch es wird dir wohlgehn,
So du dies wirst ausstehn.

9.) Denn der Herre wird dir
Durch den Tod kommer schier,
Deine Seel‘ abscheiden
Zur ewigen Freuden,
Bis die Posaun‘ angeht
Und alles Fleisch aufsteht.

10.) Denn er wird leibhaftig,
Sehr herrlich und kräftig
Von dem Himmel steigen,
Reden und nicht schweigen,
Dir und allen sagen,
Die jetzt sein Joch tragen:

11.) ‚Kommt, ihr G’benedeiten,
Zu der rechten Seiten,
Kommt, ihr Auserkornen,
In mir Neugebornen,
In meines Vaters Reich.
Es wartet längst auf euch.

12.) Alsdann wirst du froh sein
Und ledig von aller Pein
Im verklärten Leben
Mit dem Herren schweben.
Voller Freud‘ und Wonne,
Leuchten wie die Sonne.

13.) Wohl nun dem, den Gott zeucht,
Und durch seinen Geist erleucht,
Dass er Christum annimmt,
Wenn er durch sein Wort kömmt,
Und bei ihm sein Fleiß tut,
Denn sein‘ Sach‘ ist gut.

14.) Wer aber nichts achtet,
Nach Christo nicht trachtet,
Sein hier zu genießen,
Der soll diesmal wissen,
Dass er dort wird müssen
In der Hölle büßen.

15.) O, komm, Herr Jesu!
Schick dein armes Volk zu,
Dass es deinen Willen tu,
Und danach in deiner Ruh‘
Lobe deinen Namen
In Ewigkeit, Amen!

Walter, Johann – Wach auf, wach auf, du deutsches Land!

Walter, Johann – Wach auf, wach auf, du deutsches Land!

1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.

2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
ein großes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.

3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.

4. Für solche Gnad und Güte groß
sollst du Gott billig danken,
nicht laufen aus seim Gnadenschoß,
von seinem Wort nicht wanken,
dich halten, wie sein Wort dich lehrt,
dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.

5. Du solltest bringen gute Frucht,
so du recht gläubig wärest,
in Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solchs selbst begehrest,
in Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
daß du niemand beschwerest.

6. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht‘,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

7. Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst übereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.

8. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der Tür;
Deutschland, laß dich erweichen,
tu rechte Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.

9. Das helfe Gott uns allen gleich,
daß wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
daß wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu‘
und gib uns deinen Geist dazu,
daß wir dein Warnung fassen.

Weisse, Michael – O Vater der barmhertzigkeyt,

Weisse, Michael – O Vater der barmhertzigkeyt,

O Vater der barmhertzigkeyt,
wir bitten dich mit innigkeit,
Du wollest dich erbarmen
der schwachen und armen.

Die sich hertzlich zu dir keren,
gnad und hülff von dir begeren,
Auff das sie deinen willen
stets möchten erfüllen.

Hilff, das sie dir warheyt finden
zur vergebung aller sünden,
Innheyliger gemeynschafft
enden jr Bilgerschafft.

Christe, aller welt Heylandt,
hilff allen, die dich han erkannt,
Das sie in dir
zu nemen für und für.

Laß sie nicht krafftlos werden
unter deinem joch auff erden,
Auß deim Gesetz
fallen ins Teuffels netz.

Hilff durch dein Blutvergiessen,
das sie dein hie wol geniessen
Und benedeyt
dich loben alle zeyt.

O Heyliger Geyst, warer Gott,
sih heut an der glaubigen not
Und erleucht durch dein güt
der irrenden gemüt.

O komm, du verheyßner tröster,
und mach und geystliche Priester,
Das wir Gott unsern schöpffer
preysen mit danckopffer.

O hilff, das wir die Priesterschafft
inn recht heiliger gemeynschafft
Alles in Christi namen
wol volenden, Amen.

Mathesius, Johann – O Jesu Christ, wahr Gottes Sohn

Mathesius, Johann – O Jesu Christ, wahr Gottes Sohn

O Jesu Christ, wahr Gottes Sohn,
Mein Heiland, Mittler und Patron,
Ich armer Sünder flieh zu Dir,
Weil Du sprichst: Kommt all her zu mir,
Die ihr jetzt steckt in Angst und Noth,
Ich rett allein aus Sünd und Tod.
Ich will eur Trost und Beistand sein
Bei eurem Gott, dem Vater mein;
Will durch mein Wort und Geist euch geben
Gerechtigkeit und ewiges Leben.
Ich glaub, Herr, durch dein Wort an Dich;
Ach, Freud und Trost in mein Herz sprich.
Wenn du mich laßt, so steh ich bloß.
Ich bitt Dich durch dein Güte groß,
Durch dein Opfer und theures Blut,
Welchs all mein Sünde tilgen thut,
Denk mein in deines Vaters Thron;
Du bist allein der liebe Sohn.
Ins Teufels Sieb ich sitz jetzund,
Laß du mich nicht, ich geh zu Grund.
In dieser Noth von mir nicht setz,
An dir mich alles Leids ergetz.
Aus Lieb und Treu mir Beistand thu,
In dir allein ist Rast und Ruh.
Du bist mein Fels, Vest, Schild und Hort;
Beim Vater red mir heut mein Wort.
Du bist der einig Priester rein,
Leg für mich ein Collecten ein.
Wenn mein Glaube sinket und zagt,
Und mich mein große Sünde plagt,
Kein Trost will in mein Herze nicht,
Und es vor Aengsten gar erschrickt,
All Creatur setzt von mir ab,
Alsdenn erquick und mein Herz lab.
Wenn Leib und Seel sich scheiden thut,
Bespreng mich, Herr, mit Deinem Blut.
Der Würger hab an mir kein Theil,
Auf dir allein steht all mein Heil.
Ein traurig Herz, von Reu gekränkt,
Mit Deinem theuern Blut besprengt,
Solch Opfer gfallen Gott allein.
Laß dir mein Seel befohlen sein.
Bescher mir, Herr, ein selig End,
Mein Geist nimm, Herr, in deine Händ.
Die arme Christenheit bewahr,
Halt sie in Fried und reiner Lahr.
Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Luise Henriette von Brandenburg – Ich will von meiner Missethat

Luise Henriette von Brandenburg – Ich will von meiner Missethat

1) Ich will von meiner Missethat
Zum Herren mich bekehren;
Du wollest selbst mir Hülf und Rath,
Hierzu, o Gott, bescheeren,
Und Deines guten Geistes Kraft,
Der neue Herzen in uns schafft,
Aus Gnaden mir gewähren!

2) Natürlich kann ein Mensch doch nicht
Sein Elend selbst empfinden:
Er ist ohn‘ Deines Geistes Licht
Blind, taub und todt in Sünden.
Verkehrt ist Will‘, Verstand und Thun:
Des großen Jammers komm‘ mich nun,
O Vater, zu entbinden!

3) Klopf‘ durch Erkenntniß bei mir an,
Und führ‘ mir wohl zu Sinnen,
Was Böses ich für dir gethan, –
Du kannst mein Herz gewinnen, –
Daß ich aus Kummer und Beschwer‘
Laß über meine Wange her
Viel heiße Thränen rinnen!

4) Wie hast Du doch auf mich gewandt
Dein Reichthum Deiner Gnaden!
Mein Leben dank ich Deiner Hand;
Du hast mich überladen
Mit Ruh‘, Gesundheit, Ehr‘ und Brod, –
Du machst, daß mir noch keine Noth
Bis hierher können schaden.

5) Hast auch in Christo mich erwählt
Tief aus der Höllen Fluthen,
Daß niemals mir es hat gefehlt
An irgend einem Guten.
Und daß ich ja Dein eigen sey,
Hast Du mich auch aus großer Treu
Gestäubt mit Vater-Ruthen.

6) Gegeben zu genießen?
Schenk aber ich Gehorsam dir?
Das zeuget mein Gewissen,
Mein Herz, in welchem Nichts gesund,
Das tausend Sünden-Würmer wund
Bis auf den Tod gebissen.

7) Die Thorheit meiner jungen Jahr,
Und alle schnöden Sachen
Verklagen mich so offenbar:
Was soll ich Armer machen?
Sie stellen, Herr, mir für’s Gesicht
Dein unerträglich Zorngericht
Und Deiner Höllen Rachen.

8) Ich habe meiner Gräuel Qual,
Und schäm‘, sie zu bekennen;
Es ist weder Maaß noch Zahl,
Ich weiß sie nicht zu nennen.
Und ist keiner doch so klein,
Um welchen Willen nicht allein
Ich ewig müsse brennen.

9) Bisher hab ich in Sicherheit
Fein unbesorgt geschlafen,
Gesagt: es hat noch lange Zeit,
Gott pflegt nicht bald zu strafen,
Er fähret nicht mit unsrer Schuld
So strenge fort; es hat Geduld
Der Herr mit seinen Schafen.

10) Dies Alles jetzt zugleich erwacht,
Mein Herz will mir zerspringen,
Ich sehe Deines Zornes Macht,
Dein Feuer auf mich dringen.
Du regest wider mich zugleich
Des Todes und der Höllen Reich,
Die wollen mich verschlingen.

11) Die mich verfolgt, die große Noth,
Fährt schnell ohn‘ Zaum und Zügel.
Wo flieh ich hin? Du Morgenroth,
Ertheil mir deine Flügel!
Verbirg mich wo, du fernes Meer,
Stürzt hoch herab, fallt auf mich her,
Ihr Klippen, Thürm‘ und Hügel!

12) Ach nur umsonst! und könnt ich auch
Bis in den Himmel steigen,
Und wieder in der Höllen Bauch
Mich zu verkriechen neigen:
Dein Auge dringt durch Alles sich,
Du wirst da meine Schand‘ und mich
Der lichten Sonnen zeigen!

13) Herr Jesu, nimm mich zu dir ein,
Ich flieh in Deine Wunden,
Die Du, o Heiland, wegen mein
Am Kreuze hast empfunden,
Als unter Aller Sünden Müh‘,
Dir o Du Gotteslamm, ward sie
Zu tragen aufgebunden.

14) Wasch mich durch Deinen Todesschweiß
Und purpurrothes Leiden,
Und laß mich sauber seyn und weiß,
Durch Deiner Unschuld Leiden!
Von wegen Deines Kreuzes Last
Erquick‘, was du zermalmet hast,
Mit Deines Trostes Freuden.

15) So angethan, will ich mich hin
Vor Deinen Vater machen;
Ich weiß, er lenket seinen Sinn,
Und schaffet Rath mir Schwachen.
Er weiß, was Fleisches Lust und Welt
Und Satan uns für Netze stellt,
Die uns zu stürzen, wachen.

16) Wie werd‘ ich mich mein Lebenlang
Für solcher Plage scheuen?
Durch Deines guten Geistes Zwang,
Den Du mir wollst verleihen;
Der mir vor aller Sünden List,
Und dem, was Dir zuwider ist,
Helf ewig mich befreien.

Lavater, Johann Caspar – Fortgekämpft und fortgerungen

Lavater, Johann Caspar – Fortgekämpft und fortgerungen

Fortgekämpft und fortgerungen,
bis zum Lichte durchgedrungen
muß es, bange Seele, sein.
Durch die tiefsten Dunkelheiten
kann dich Jesus hinbegleiten;
Mut spricht er den Schwachen ein.

Bei der Hand will er dich fassen;
scheinst du gleich von ihm verlassen,
glaube nur und zweifle nicht!
Bete, kämpfe ohne Wanken;
bald wirst du voll Freude danken,
bald umgibt dich Kraft und Licht.

Bald wird dir sein Antlitz funkeln;
hoffe, harre, glaub im Dunkeln!
Nie gereut ihn seine Wahl.
Er will dich im Glauben üben;
Gott, die Liebe, kann nur lieben,
Wonne wird bald deine Qual.

Weg von aller Welt die Blicke!
Schau nicht seitwärts, nicht zurücke,
nur auf Gott und Ewigkeit;
nur zu deinem Jesus wende
Aug‘ und Herz und Sinn und Hände,
bis er himmlisch dich erfreut.

Aus des Jammers wilden Wogen
hat dich oft herausgezogen
seiner Allmacht treue Hand.
Nie zu kurz ist seine Rechte;
wo ist einer seiner Knechte,
der bei ihm nicht Rettung fand!

Schließ dich ein in deine Kammer,
geh und schütte deinen Jammer
aus in Gottes Vaterherz.
Kannst du gleich ihn nicht empfinden,
Worte nicht, nicht Tränen finden:
klage schweigend deinen Schmerz.

Kräftig ist dein tiefes Schweigen:
Gott wird sich als Vater zeigen;
glaube nur, daß er dich hört.
Glaub, daß Jesus dich vertreten,
glaube, daß, was er gebeten,
Gott, sein Vater, ihm gewährt.

Drum so will ich nicht verzagen,
mich vor Gottes Antlitz wagen;
Komm ich um, so komm ich um!
Doch mit ihm werd überwinden;
ich, wer sucht, der wird ihn finden:
das ist seiner Gnade Ruhm.