Hiller, Philipp Friedrich – Schutzgott, dessen starke Rechte

Hiller, Philipp Friedrich – Schutzgott, dessen starke Rechte

Schutzgott, dessen starke Rechte
Zuflucht, Schirm und Schatten giebt,
Der das menschliche Geschlechte
Wie ein treuer Vater liebt,
Der in dieser großen Welt,
Alles, was er schuf, erhält,
Der als Herr der Engelschaaren
Alles kann und will bewahren.

Viele heil’ge Seraphinen
Singen dir ein Heilig für;
Zehnmal hunderttausend dienen,
Viele tausend jauchzen dir.
Was bekannt und unbekannt,
Ist ein Werk von deiner Hand.
Die Herrschaften und die Thronen
Loben Gott in lichten Kronen.

Herr, was sind wir, daß du Engel
Uns zu unsern Wächtern giebst?
Menschen sind wir vollen Mängel,
Menschen, die du dennoch liebst.
Engel, die dich allzeit seh’n,
sollen uns zu Diensten steh’n;
Engel hüten uns als Kinder,
Heil’ge Engel schützen Sünder.

Engel sind’s, die nach den Proben
Nun beständig Gutes thun,
Die dich unaufhörlich loben,
Die in deinem Himmel ruh’n.
Die gehorsam, keusch und rein,
Die der Menschen Freunde sein,
Die ihr Antlitz ohne Flecken
Doch vor dir in Demuth decken.

Heere, welche die bewachen,
Die dich fürchten, großer Gott,
Die ein schrecklich Lager machen
Gegen aller Feinde Rott;
Diese sehn in deinem Licht,
Vater, stets dein Angesicht;
Diener, die zu deinen Füßen
Dir in Ehrfurcht dienen müssen.

Gott der Engel, Herr der Helden,
Ach, was sind wir Menschen doch,
Daß wir so viel vor dir gelten?
O wie hältst du uns so hoch!
Deine Engel dienen uns,
sind die Zeugen unsers Thuns.
Laß uns auch mit diesen Chören
Ewig dich im Himmel ehren.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Schmolck, Benjamin – Du Herr der Seraphinen

Schmolck, Benjamin – Du Herr der Seraphinen

Du Herr der Seraphinen,
Dem tausend Engel dienen
Und zu Gebote steh’n,
Du übergroßer Meister
Der wunderschönen Geister,
Mein Mund soll deinen Ruhm erhöh’n.

Die engelischen Thronen,
Die in dem Himmel wohnen,
Giebst du zu meiner Wacht;
Sie seh’n dein Angesichte
In höchst vollkommnem Lichte
Doch nehmen sie mich auch in Acht.

Das sind die starken Helden,
Die deinen Rath vermelden,
Du Großfürst Michael;
Das sind die Feuerflammen,
Die schlagen stets zusammen
Um frommer Christen Leib und Seel‘.

Ich preise deine Güte
Mit dankbarem Gemüthe
Für diese Wunderschaar;
Ich rühme deine Rechte
Für diese Gnadenknechte
Bei denen ich ganz sicher war.

Gieb ferner diese Wache,
Daß sie zu einem Dache
Mir wider Alles sei;
Laß sie auf meinen Wegen
Die Hand mir unterlegen,
So ist mein Fuß vor’m Stoßen frei.

Den Feind laß sie erschrecken
Und mich beständig decken,
Wie dort den Gnadenthron;
Es sei mein ganzes Leben
Mit ihnen stet umgeben,
als wie das Bette Salomon.

Doch, sollen sie nicht weichen,
So laß mich ihnen gleichen
In wahrer Heiligkeit;
Wie sich die Kinder lieben
Und sich in Demuth üben,
So mach‘ auch mich dazu bereit.

Sie thun ja deinen Willen
Den laß mich auch erfüllen;
Sie leben keusch und rein,
O laß mich Nichts beflecken
Und mich an allen Ecken
Vor diesen reinen Geistern scheu’n.

Verhaue Händ‘ und Füße
Und was zum Aergernisse
Mir hier gereichen kann.
Wer ärgert diese Kleine,
Dem hangen schwere Steine
Zur ewigen Versenkung an.

Und endlich, wenn ich scheide,
So führe mich zur Freude
Auf ihren Armen ein;
Da werd‘ ich dich erst loben,
Und in dem Himmel droben
Dir und den Engeln gleiche sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Gersdorff, Henriette Katharina von – Gott, der an allen Enden

Gersdorff, Henriette Katharina von – Gott, der an allen Enden

Gott der an allen Enden
Viel große Wunder thut,
In dessen treuen Händen
Mein ganzes Leben ruht,
Der meiner Monden Zahl
Und meines Lebens Tage
Mit ihrem Glück und Plage
Verordnet allzumal.

Da ich noch tief verborgen
Im Mutterleibe lag,
Da wachte schon dein Sorgen
Für mich, und wie vermag
Mein menschlicher Verstand
Die Weisheit auszubreiten,
Mit der du zu bereiten
Uns pflegst durch deine Hand.

Du fängst uns an zu lieben,
Noch eh‘ wir sind, und hast
Schon in dein Buch geschrieben
Der Tage Meng‘ und Last.
Dein Herz, das Liebens voll,
Denkt schon, wie du willst lindern
Die Bürde deinen Kindern,
Die sie erst treffen soll.

Läßt du mich Angst empfinden,
So tröst‘ ich dessen mich,
Daß du weißt Rath zu finden,
Und daß ich ja auf dich,
Mein Gott, geworfen bin;
Drum werf‘ ich, was zu tragen
Mir schwer deucht, ohne Zagen
Noch täglich auf dich hin.

Es hat in meinem Leben
Mir diese Zuversicht
Stets neue Kraft gegeben
Und fehlt noch heute nicht.
Wenn ich bekümmer war,
So seufzt‘ ich, und war stille,
Bis mich dein guter Wille
Entriß aus der Gefahr.

Nun hat mein stilles Hoffen,
Das sich auf dich verließ,
Mir reichlich eingetroffen,
Wie mirs dein Wort verhieß.
Du hast mir wohlgethan;
Denn deine Gnad ist größer
Und machts mit mir viel besser,
Als ichs ersinnen kann.

Dein Name sei gepriesen,
Der jederzeit an mir
Sich herrlich hat erwiesen,
Herz, Zung‘ und Mund soll dir,
Du Retter aus Gefahr,
Mein schuldig Opfer bringen,
Von deiner Güte singen
Jetzund und immerdar.

Du hast mir wohl gerathen
Und lauter Gut’s gethan,
Daß deine Liebesthaten
Ich nicht g’nug rühmen kann.
Hilf, daß ich ewig dort,
Verklärt und ganz vollkommen,
Dir danke mit den Frommen
An deinem Freudenort.

Daß ich dahin gelange,
Und daß, mein Jesu, dich
Ich ewig da umfange,
So sieh doch stets auf mich.
Dein Leiden ist ja mein,
Daß laß mich, Herr, genießen,
Denk an dein Blutvergießen,
So muß ich selig sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Schmolck, Benjamin – Weicht, Ihr Berge

Schmolck, Benjamin – Weicht, Ihr Berge

Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel
brechtet alles Felsen ein!
Gottes Gnade hat das Siegel:
Sie will unverändert sein.
Laßt die Welt zu Trümmern geh’n,
Gottes Gnade wird besteh’n.

Gott hat mir ein Wort versprochen,
Gott hat einen Bund gemacht,
Der wird nimmermehr gebrochen,
Bis er alles hat vollbracht.
Er, die Wahrheit, trüget nicht,
Was er saget, das geschicht.

Seine Gnade soll nicht weichen,
Wenn gleich alles bricht und fällt,
Sondern ihren Zweck erreichen,
Bis sie mich zufrieden stellt,
Gott hält immer sein Versprechen,
So fällt aller Zweifel hin,
Als wär‘ er nicht immerdar,
Was er ist und was er war.

Laßt sein Antlitz sich verstellen,
Ist sein Herz doch treu gesinnt
Und bezeugt in allen Fällen,
Daß ich sein geliebtes Kind,
Dem er beide Hände reicht,
Wenn auch Grund und Boden weicht.

Er will Friede mit mir halten,
Wenn die Welt gleich Lärmen macht;
Ihre Liebe mag erkalten,
Ich bin bei ihm werth geacht’t.
Und wenn Höll‘ und Abgrund brüllt,
Bleibt er mir doch Sonn‘ und Schild.

Er, der Herr, ist mein Erbarmer,
So hat er sich selbst genennt;
Das ist Trost, so werd‘ ich Armer
Nimmermehr von ihm getrennt.
Sein Erbarmen läßt nicht zu,
Daß er mir was Leides thu‘.

Nun, es bleibt mein ganz Vertrauen
Auf ihn ankerfest gericht’t,
Auf ihn will ich Felsen bauen,
Denn ich weiß, daß es geschicht.
Erd und Himmel kann vergeh’n,
Sein Bund bleibet feste steh’n.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Heinrich Cornelius Hecker – Immanuel, der Herr, ist hier

Heinrich Cornelius Hecker – Immanuel, der Herr, ist hier

Immanuel, der Herr, ist hier
Und nimmt mein Fleisch an sich;
Immanuel, ist Gott mit mir,
Wer ist dann wider mich?

2. Also hat Gott die Welt geliebt,
Daß er aus freiem Trieb
Den eingebornen Sohn uns gibt,
Wie hat er uns so lieb!

3. Was sein erbarmungsvoller Rat
Schon in der Ewigkeit
Von Jesu fest beschlossen hat,
Das tut er in der Zeit.

4. Im Fleische wird Gott offenbar;
Geheimniß, du bist groß!
Der in des Vaters Schoße war,
Den trägt der Mutter Schoß.

5. Der Schöpfer wird die Creatur,
Der Ewige wird jung;
Jedoch nach seiner Menschheit nur
In der ERniedrigung.

6. Er, unser Heil und höchstes Gut,
Der alle segnen kann,
Nimmt wie die Kinder Fleisch und Blut,
Doch ohne Sünde an.

7. Du wunderbarer Gottmensch wirst
Auch mir Rat, Kraft und Held,
Mein Retter und mein Friedefürst,
Du Heiland aller Welt.

(Andere Quelle:
Du wunderbarer Gottmensch wirst
Mein Rath und Kraft und Held,
Mein Vater und mein Friedefürst,
Du Heiland aller Welt.)

8. Ich war im Fleisch ein Sündenknecht,
Auch so zur Welt gebracht;
Du aber bringst das Kindschaftsrecht
Uns hast mich losgemacht.

9. Was mir zum Seligsein gebricht,
Das, Herr, erwarbst du mir;
Versöhnung, Leben, Trost und Licht,
Das hab ich nun an dir.

10. Dein Mangel wird mein reiches Teil,
Dein Leiden stillt mein Leid,
Durch deine Knechtsgestalt, mein Heil,
Gewinn ich Herrlichkeit.

(andere Quelle:
Dein Mangel ist mein reiches Theil,
Die Windeln sind mein Kleid,
Die Knechtsgestalt bringt mir mein Heil,
Dein Leiden stillt mein Leid.)

11. Gelobt sei Gott, gelobt sein Sohn
In dieser Freudenzeit;
Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron;
Erheb ihn, Christenheit.

(andere Quelle:
So sei Gott Ehr‘ und Lob gebracht
Und Frieden dieser Welt,
Weil Gott das Fleisch gerecht gemacht,
Daß es ihm wohlgefällt.)

12. Immanuel! der Herr ist da,
So lob‘ ihn, meine Seel‘!
Immanuel! Hallelujah,
Gott Lob, Immanuel!

 

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States
andere Quelle: Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Gerhardt, Paul – Du meine Seele singe

Gerhardt, Paul – Du meine Seele singe

Du meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchen alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.

Ihr Menschen laßt euch lehren,
Es wird sehr nützlich sein:
Laßt euch doch nicht betören
Die Welt mit ihrem Schein.
Verlasse sich ja keiner
Auf Fürstenmacht und -gunst,
Weil sie wie unser einer
Nichts sind, als nur ein Dunst.

Was Mensch ist, muß erblassen
Und sinken in den Tod;
Er muß den Geist auslassen,
Selbst werden Erd und Kot.
Allda ists dann geschehen
Mit seinem klugen Rat
Und ist frei klar zu sehen,
Wie schwach sei Menschentat.

Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.

Hier sind die starken Kräfte,
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte,
die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzählge Herde
im großen wilden Meer.

Hier sind die treuen Sinnen,
die niemand unrecht tun,
all denen Gutes gönnen,
die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden,
und was er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden,
den schützt er im Gericht.

Er weiß viel tausend Weisen,
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen
oft bei geringem Mahl,
und die da sind gefangen,
die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden,
erleuchtet ihr Gesicht,
und die sich schwach befinden,
die stellt er aufgericht.
Er liebet alle Frommen,
und die ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen,
an ihm den besten Freund.

Er ist der Fremden Hütte,
Die Waisen nimmt er an,
Erfüllt der Witwen Bitte,
Wird selbst ihr Trost und Mann;
Die aber, die ihn hassen,
Bezahlet er mit Grimm,
Ihr Haus, und wo sie saßen,
Das wirft er üm und üm.

Ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König,
ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein Zelt,
ists billig, daß ich mehre
sein Lob vor aller Welt.

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

  1. Du bist zwar Mein und bleibest Mein
    (Wer will mir anders sagen?),
    doch bist du nicht nur mein allein;
    Der HErr von ewigen Tagen,
    der hat das meiste Recht an dir,
    der fordert und erhebt von mir
    dich, o mein Sohn, mein Wille,
    mein Herz und Wunsches Fülle.
  2. Ach, gült es Wünschens, wollt ich dich,
    du Sternlein meiner Seelen,
    vor allem Weltgut williglich
    mir wünschen und erwählen;
    Ich wollte sagen: `Bleib bei mir!
    Du sollst sein meines Hauses Zier:
    An dir will ich mein Lieben
    bis in mein Sterben üben.´
  3. So sagt mein Herz und meint es gut,
    GOtt aber meints noch besser.
    Groß ist die Lieb in meinem Mut,
    in GOtt ist sie noch größer.
    Ich bin ein Vater und nichts mehr,
    GOtt ist der Väter Haupt und Ehr,
    ein Quell, da Alt und Jungen
    in aller Welt entsprungen.
  4. Ich sehne mich nach meinem Sohn,
    und der mir ihn gegeben
    will, daß er nah an seinem Thron
    im Himmel solle leben.
    Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt!
    Gott spricht: Willkomm‘n, du liebes Kind,
    dich will ich bei mir haben
    und ewig reichlich laben.’
  5. O süßer Rat o schönes Wort
    und heilger als wir denken!
    Bei GOtt ist ja kein böser Ort,
    kein Unglück und kein Kränken,
    kein Angst, kein Mangel, kein Versehen,
    bei GOtt kann keinem Leid geschehn;
    Wen GOtt versorgt und liebet,
    wird nimmermehr betrübet.
  6. Wir Menschen sind ja auch bedacht,
    die Unsrigen zu zieren;
    Wir gehn und sorgen Tag und Nacht,
    Wie wir sie wollen führen
    in einen seinen sel‘gen Stand,
    und ist doch selten so bewandt
    mit dem, wohin sie kommen,
    als wirs uns vorgenommen.
  7. Wie manches junge fromme Blut
    wird jämmerlich verführet
    durch bös Exempel, daß es tut,
    was Christen nicht gebühret.
    Da hat‘s denn Gottes Zorn zum Lohn,
    auf Erden nichts als Spott und Hohn,
    Der Vater muß mit Grämen
    sich seines Kindes schämen.
  8. Ein solches darf ich ja nun nicht
    an meinem Sohn erwarten;
    Der steht vor Gottes Angesicht
    und geht in Christi Garten,
    hat Freude, die ihn recht erfreut,
    und ruht von allem Herzleid;
    Er sieht und hört die Scharen,
    die uns allhier bewahren.
  9. Er sieht und hört der Engel Mund,
    sein Mündlein hilft selbst singen:
    Weiß alle Weisheit aus dem Grund
    und redt von solchen Dingen,
    Die unser keiner noch nicht weiß,
    die auch durch unsern Fleiß und Schweiß
    Wir, weil wir sind auf Erden,
    nicht ausstudieren werden.
  10. Ach, sollt ich doch von fernen stehn
    und nur ein wenig hören,
    Wenn deine Sinnen sich erhöhn
    und GOttes Namen ehren,
    Der Heilig, Heilig, Heilig ist,
    durch den du auch geheiligt bist:
    Ich weiß, ich würde müssen
    vor Freuden Tränen gießen.
  11. Ich würde sprechen: `Bleib allhier!´
    Nun will ich nicht mehr klagen:
    Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir!
    Nein; sondern: Komm du Wagen
    Eliä, hole mich geschwind
    Und bring mich dahin, da mein Kind
    und so viel liebe Seelen
    so schöne Ding erzählen.
  12. Nun, es sei ja und bleib also,
    ich will dich nicht mehr weinen.
    Du lebst und bist von Herzen froh,
    siehst lauter Sonnen scheinen,
    Die Sonnen ewiger Freud und Ruh;
    hier leb und bleib nun immerzu,
    Ich will, wills GOtt, mit andern
    auch bald hernacher wandern.
Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

  1. Das ist mir lieb, daß GOtt, mein Hort,
    So treulich bei mir stehet;
    Wenn ich bitte, wird kein Wort
    In meiner Bitt verschmähet.
    Des schwarzen Todeshand
    Samt der Höllenband
    Umfingen überall
    Mein Herz mit Angst und Qual;
    Doch hat mir GOtt geholfen.
  2. Ich kam in Jammer und in Not
    Und sank fast gar zugrunde,
    Und da sank, rief ich zu GOtt
    Mit Herzen und mit Munde:
    O HErr, ich weiß, du wirst
    Als des Lebensfürst
    Schon führen meine Sach!
    Und wie ich bat und sprach,
    So ists auch nun geschenket.
  3. Sei wieder froh und gutes Muts.
    Mein Herze, sei zufrieden,
    Der HErr, der tut dir alles Guts,
    durch ihn ist nun geschieden
    Und ferne weggebracht,
    Was mich traurig macht;
    Er hat mich aus dem Lach
    Und schwarzen Todesfach
    Mit seiner Hand gerissen.
  4. Mein Aug ist nun von Tränen frei,
    Mein Fuß von seinem Gleiten;
    Das will ich sagen ohne Scheu
    Und rühmen bei den Leuten.
    Was gar kein Mensch nicht kann,
    Das hat GOtt getan.
    Der Mensch ist Lügen voll,
    GOtt aber weiß gar wohl,
    Wie sein Wort soll halten.
  5. Ich glaube fest in meinem Sinn,
    Und was mein Herze glaubet,
    Das redt mein Mund in Einfalt hin:
    Wer GOtt vertraut, der bleibet.
    Die Welt und böse Rott
    Lacht des, mir zum Spott,
    Ja plagt mich noch dazu;
    Ich aber mein steh und ruh
    Auf dir, mein GOtt und Helfer.
  6. Du stürzest meiner Feinde Rat
    Und segnest, wenn sie schelten,
    Die soll ich doch die große Gnad
    Dir immer mehr vergelten?
    Ich will, HErr, meines Teils
    Den Kelch deines Heils,
    Der voller Bitterkeit,
    Doch mir zu Nutz gedeiht,
    Gehorsamlich annehmen.
  7. Was du mir zugemessen hast,
    Das will ich gerne leiden;
    Wer fröhlich trägt des Kreuzes Last,
    Dem hilft du aus mit Freuden.
    Du weißt der Deinen Not
    Und hältest ihren Tod
    Sehr hoch, sehr lieb und wert,
    Auch läßt du auf der Erd
    Ihr Blut nicht ungerochen.
  8. So zürne nun gleich alle Welt
    Mit mir, HErr, deinen Knechte:
    Du, du deckst mich in deinem Zelt
    Und reichst mir deine Rechte.
    Darüber will ich dich
    Allstets inniglich,
    So gut ich immer kann
    Mit Dank vor jedermann
    In deinem Hause preisen.
Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

  1. GOtt ist mein Licht, der HErr, mein Heil
    Das ich erwählet habe:
    Er ist die Kraft, dahin ich eil
    Und meine Seele labe.
    Was will ich mich doch fürchten nun!
    Und wer kann mir doch Schaden tun
    Auf dieser ganzen Erden?
  2. Wenn mich die böse Rott anfällt
    Und mein Fleisch will verschlingen,
    So kann sie dieser starke Heid
    Gar leicht zu Boden bringen.
    Wann sich auch gleich ein ganzes Heer
    Legt um mich her, was ists denn mehr?
    Mein Gott kann sie bald schlagen.
  3. Eine bitt ich nur, das hätt ich gern,
    Wenn mirs GOtt wollte geben,
    Daß ich bei ihm, als meinem HErrn,
    Stets wohnen sollt und leben
    Und alle meine Tag und Jahr
    In seinem Hause bei der Schar
    Der Heiligen vollbringen.
  4. Da wollt ich meine Herzensfreud
    An seinen Diensten sehen
    Und rühmen, wie zur bösen Zeit
    Mir so viel Gute geschehen,
    Da er mich fleißig hat verdeckt
    In seiner Hütten und versteckt
    In einem starken Felsen.
  5. Und also wird er ferner noch
    Mich wissen zu regieren:
    Er wird mich schützen und sehr hoch
    In sichre Örter führen:
    Mein Haupt wird über meine Feind,
    Ob sie gleich hoch erhaben seind,
    Allzeit erhöhet bleiben.
  6. Dafür will ich denn wiederum
    GOtt auf das best erhöhen:
    Sein Ruhm soll in dem Heiligtum
    Aus meinem Munde gehen:
    Ich will ihm opfern Dank und Preis,
    Ich will sein Lob, so gut ich weiß,
    Vor allem Volke singen.
  7. HErr, mein GOtt höre, wie ich schrei
    Und seufz in meinem Sinne;
    Gib, daß mein Bitten kräftig sei
    Und dein Herz eingewinne.
    Mein Herz hält dir, o treuer Hort,
    Beständig vor dein eigen Wort:
    Ihr sollt mein Antlitz suchen.
  8. Nun such ich jetzt, ach laß mich nicht
    Entgelten meiner Sünden!
    Ich suche, HErr, dein Angesicht,
    Das laß mich gnädig finden.
    Verstoße ja nicht deinen Knecht,
    Denn du biste, der mir hilfst zu recht
    Und bringt aus allen Nöten.
  9. Mein Vater, Mutter und was hier
    Sonst ist von guten Leuten,
    Das ist zu schwach und können mir
    Nicht treten an die Seiten.
    Ich bin entsetzt von aller Welt,
    GOtt aber nimmt mich in sein Zelt,
    Da find ich hohe Gnüge.
  10. HErr, macht mir gerade Bahn,
    Halt mich in deiner Gnade
    Und nimm dich meiner herzlich an,
    Daß mir kein Feind nicht schade;
    Denn viel die reden wider mich
    Und zeugen, das sie ewiglich
    Nicht können überweisen.
  11. Nach dennoch hab ich guten Mut
    Und glaube, daß ich werde
    Im Lebenslande Gottes Gut
    Dort sehn und auf der Erde.
    Frisch auf, getrost und unverzagt!
    Wers nur mit GOtt im Glauben wagt,
    Der wird den Sieg erhalten.
Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

  1. HErr, du erforschest meinen Sinn
    und kennest, was ich hab und bin,
    Ja, was mir selbst verborgen ist,
    das weißt du, der du alles bist.
  2. Ich sitz hier oder stehe auf,
    ich lieg, ich geh auch oder lauf:
    So bist du um und neben mir,
    und ich bin allzeit hart bei dir.
  3. All die Gedanken meiner Seel,
    und was sich in der Herzenshöhl
    Hier reget, hast du schon betracht,
    eh ich einmal daran gedacht.
  4. Auf meiner Zungen ist kein Wort,
    das du nicht hörtest allsofort,
    Du schaffests, was ich red und tu,
    und siehst all meinem Leben zu.
  5. Das ist mir kund. Und bleibet doch
    mir solch Erkenntnis viel zu hoch,
    Es ist die Weisheit, die kein Mann
    recht aus dem Grunde wissen kann.
  6. Wo soll ich, der du alles weißt,
    mich wenden hin vor deiner Geist?
    Wo soll ich deinem Angesicht
    entgehen, daß mich sehe nicht?
  7. Führ ich gleich an des Himmels Dach,
    so bist du da, hältst Hut und Wach,
    Steig ich zur Höll und wollte mir
    da betten, find ich dich auch hier.
  8. Wollt ich der Morgenröten gleich
    geflügelt ziehn, so weit das Reich
    Der wilden Fluten netzt das Land,
    käm ich doch nie aus deiner Hand.
  9. Rief ich zu Hilf die finstre Nacht,
    hätt ich doch damit nichts verbracht;
    Denn laß die Nacht sein wie sie mag,
    so ist sie bei dir heller Tag.
  10. Dich blendt der dunkle Schatten nicht,
    die Finsternis ist dir ein Licht,
    Dein Augenglanz ist klar und rein,
    darf weder Sonn noch Mondenschein.
  11. Mein Eingeweid ist die bekannt,
    es liegt frei da in deiner Hand,
    Der du von Mutterleibe an
    mir lauter Lieb und Guts getan.
  12. Du bists, der Fleisch, Gebein und Haut
    so künstlich in mir aufgebaut;
    All deine Werk sind Wunder voll,
    und das weiß meine Seele wohl.
  13. Du sahest mich, da ich noch gar
    fast nichts und unbereiter war,
    Warst selbst mein Meister über mir
    und zogst mich aus der tief herfür.
  14. Auch meiner Tag und Jahre Zahl,
    Minuten, Stunden allzumal
    Hast du, als meiner Zeitenlauf,
    Vor meiner Zeit geschrieben auf.
  15. Wie köstlich, herrlich, süß und schön
    seh ich, mein GOtt, da vor mir stehn
    Dein weises Denken, was du denkst,
    wenn du uns deine Güter schenkst!
  16. Wie ist doch das so trefflich viel!
    Wenn ich bisweilen zählen will,
    So find ich da bei weitem mehr
    als Staub im Feld und Sand am Meer.
  17. Was macht denn nun die wüste Rott,
    die dich, o großer Wundergott,
    so schändlich lästert und mit Schwach
    Dir so viel Übels redet nach?
  18. Ach, stopfe ihren schnöden Mund!
    Steh auf und stürze sie zu Grund!
    Denn weil sie deine Feinde sind,
    bin ich auch ihnen herzlich Feind.
  19. Ob sie nun gleich hinwieder sehr
    mich hassen, tu ich doch nicht mehr,
    Als daß ich wider ihren Trutz
    mich leg in deinen Schoß und Schutz.
  20. Erforsch, HErr, all mein Herz und Mut,
    sieh, ob mein Weg sei recht und gut,
    Und führe mich bald himmelan
    den ewigen Weg, die Freudenbahn.