Kolross, Johann – Der XXV. Psalm.

Kolross, Johann – Der XXV. Psalm.

Ab te Domine leuaui animam.

(Ein new außerlesen Gesangbüchlin für die Kirchen, Strasburg 1568. 8°. Seite XLV.)

HErr, ich erheb mein seel zu dir!
mein Gott, auff deine güte
Hoff ich allein auß hertzen bgir,
vor schand du mich behüte!
Damit nit meine feinde sich
erfröuwend allzeit über mich,
dann keiner wirdt zu schanden,
der auff dich harrt, schendst aber die,
welche on ursach schmähend hie
dein volck in allen landen.

O Herre, dein weg zeig du mir an
unnd laß mich nicht mer jrren!
Weiß mich allzeyt auff deine ban,
und laß mich nit verwirren
Durch menschen gsatz, gebott unnd leer,
auch mich selbs nit verfüren mer,
in dinr warheit mich leite,
unnd leer mich halten dein gebott,
du bist allein mein heil, O Gott,
sthets ich dein wart und beidte!

Gedenck an dein barmhertzigkeit,
auch, Herr, an all dein güte,
Die vor der welt her seind bereit,
vor sünden mich behüte;
Gedenck nit der grossen sünde mein,
die ich hab thon von dem ich bin
geweßt ein kleines kinde,
Sunder nach der erbarmung dein
und güte wölst gedencken mein,
das ich gnad bei dir finde.

Dann du, Herr, bist gerecht und gut,
darumb kanst nicht lassen
Den sünder, der dich bitten thut,
zeigst du die rechten straasse.
Du leitest die ellenden recht,
die von der welt gar seind verschmächt,
dein weg thust du sie weisen;
all deine steig seind gut und trew
denen, die deine zeugnus frey
und pundt zhalten sich fleissen.

Umb deines namens willen, Herr,
laß nach mein grosse schulde!
Dann wer dich förcht und sucht dein ehr,
der bleibt in deiner hulde;
Den weg wirst du jhm zeigen wol,
der dir gfalt, den er wandlen sol,
seinr seel wirt guts zu lohne;
Sein kind, die dir vertrauwet hand,
werden besitzen das globt land
bey dir im himmels throne.

Herr, dein geheimnus ist bey den,
die dich förchten alleine,
Dein pundt gibst ihnen zuuerston,
machst sie von sünden reine.
Mein augen sehend stehts auff dich,
mein füß reiß uß dem strick, bitt ich,
kör dich zu mir mit gnaden!
Dann ich bin einsam, arm und bloß,
angst meines hertzens die ist groß:
für mich auß meinem schaden!

Sich an mein ellend, dürfftigkeit,
verzeich mir all mein sünde!
Sich, das meinr feind vil seind bereit,
mich frefflich hassen gschwinde.
Bewar mein seel, errette mich,
damit nicht kumm zu schanden ich!
auff dich trauw ich alleine.
Gantz schlecht und grecht bhüt mich, o Gott,
ich harr uff dich, uß aller not
erlöß dein Christlich gmeinde!

Dem Herren Gott von himmelreich
lob, ehr und preis ich leiste,
Gott Vatter, Gott dem Son desgleich
und Gott dem heiligen Geiste!
Sein herrligkeit, barmhertzigkeit,
Großmächtigkeit und heiligkeit
seind ewig und on ende;
Heilige dreyheit, einiger Gott,
in aller trübsal, angst und not
den tröster uns zusende!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

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