Hecker, Heinrich Cornelius – Ach Herr, dir ist bewußt

Hecker, Heinrich Cornelius – Ach Herr, dir ist bewußt

Ach Herr, dir ist bewußt
Die inn’re böse Lust,
Die Quelle meiner Sünden,
Die niemals zu ergründen,
Der Samen, der stets bleibet
Und böse Früchte treibet.

Des Fleisches Werk wird gar
Auch öfters offenbar;
Der Zunder wird zu Flammen,
Die ewiglich verdammen.
Ich seh an mir und merke
Des alten Adams Werke.

Des bösen Herzens Grund
Regiert den Leib, den Mund,
Die Augen, Füß‘ und Hände,
Daß ich sein Werk vollende.
Das Dichten und das Trachten
Der Seel‘ ist, Gott verachten.

Mein Schöpfer, wider dich,
Den Nächsten und auch mich
Hab‘ ich oft gemißhandelt,
Bin oft den Weg gewandelt,
Der mich von dir gewendet,
Der in der Qual sich endet.

Doch wie will ich die Zahl
Der Sünden allzumal
In meinem Fleisch und Blute
Und das versäumte Gute
Nach jeder Art erzählen?
Wer weiß, wie oft wir fehlen?

Ein jegliches Gebot
Verklaget, flucht und droht,
Dieweil gar oft dawider
Mein Geist und meine Glieder
Gedacht, gethan, gesprochen
Und deinen Bund gebrochen.

Ach Herr, vergieb du mir,
Ich wende mich zu dir.
Ich kann die Schuld nicht zählen,
Doch will ich nichts verhehlen,
Denn du kannst auch erkennen,
Was wir verborgen nennen.

Doch du, mein Jesu, hast
Die mir zu schwere Last
Der Schuld auf dich genommen,
Du bist für mich gekommen.
So komm‘ ich nun beladen
Zur Fülle deiner Gnaden.

Ist denn der Sünden Joch
Gleich mächtig, so ist doch
Die Gnade, die mich liebet,
Und Christi Fülle giebet,
Weit mächtiger, das Leben
Durch Christi Kraft zu geben.

Wie nun des Fleisches Macht
Zuvor ihr Werk vollbracht,
So soll des Geistes Stärke,
In mir die guten Werke
Auch wirklich zu vollbringen,
Des Fleisches Macht bezwingen.

Herr, gieb mir deinen Geist,
Der sich in Früchten weist,
Der niemals müssig bleibet,
Der mich zum Guten treibet,
Den Jesus mir gesendet,
Der anfängt und vollendet.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

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