Browsed by
Kategorie: Woltersdorf Ernst Gottlieb

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wer ist der Braut des Lammes gleich?

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wer ist der Braut des Lammes gleich?

Wer ist der Braut des Lammes gleich?
Wer ist so arm und wer so reich,
Wer ist so häßlich und so schön,
Wem kann’s so wohl und übel gehn?
Lamm Gottes, du und deine sel’ge Schaar
Sind Menschen und auch Engeln wunderbar!

Aus Gnaden weiß ich auch davon;
Ich bin ein Theil von deinem Lohn:
So elend, als man’s kaum erblickt,
So herrlich, daß der Feind erschrickt;
So gottlos, daß wohl Alle besser sind,
Und so gerecht, als du, des Vaters Kind.

Ein Wurm, bis in den Staub gebeugt,
Der auf den Thron des Königs steigt;
Bekümmert, trübe, bloß und krank,
Und doch voll lauter Lobgesang;
So schwach, daß meine Kunst in nichts besteht,
So stark, daß Satan aus dem Wege geht.

Verfolgt, verlassen und verflucht,
Doch von dem Herrn hervorgesucht;
Ein Narr vor aller klugen Welt,
Bei dem die Weisheit Lager hält;
Verdrängt, verjagt, besiegt und ausgefegt,
Und doch ein Held, der ew’ge Palmen trägt.

Wer bin ich, wenn es mich betrifft?
Ein Abgrund voller Sündengift.
Wer bin ich, Lamm, in deiner Pracht?
Ein Mensch, der Engel weichen macht,
So rein, so weiß, so schön, so auserwählt,
Daß mirs an Worten zur Beschreibung fehlt.

O Sündenschuld, wie beugst du mich!
O Glaube, wie erhebst du mich!
Wer faßt hier den geheimen Rath?
Nur wer den Geist des Glaubens hat,
Der durch des Lammes Blut zusammenschreibt,
Was sonst wohl himmelweit geschieden bleibt.

Das ist der Gottheit Wunderwerk
Und seines Herzens Augenmerk,
Ein Meisterstück, aus Nichts gemacht;
So weit hats Christi Blut gebracht!
Hier forscht und betet an, ihr Seraphim,
Bewundert uns und jauchzt und danket Ihm!

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wie selig sind die Kleinen

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wie selig sind die Kleinen

Wie selig sind die Kleinen,
die man noch lehren kann!
Ihr Großen, mögt’s beweinen,
die Schul‘ ist zugethan.

Sich nicht mehr weisen lassen,
schon alles selbst verstehn,
Zucht und Bestrafung hassen,
heißt das nicht untergehn?

Kommt, Lämmer! kommt und höret,
von früh bis in die Nacht,
was Gott vom Himmel lehret,
was gut und selig macht!

Die Weisen bleiben Thoren,
wenn sie das nicht verstehn.
Die Großen gehn verloren,
wenn sie den Weg nicht gehn.

Laßt Pharisäer prahlen,
ihr bildet euch nichts ein;
wenn sie gerecht sich mahlen,
spricht Moses Spiegel: nein!

Er weiset euch von ferne
das wund geschlag’ne Lamm;
ihr geht und wascht euch gerne
im Blut vom Sündenschlamm.

Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe
herausgegeben von
Johannes Goßner.
Dritte Auflage.
Leipzig,
bei Karl Tauchnitz.
1825.

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Ach wär‘ ich doch schon droben!
Mein Heiland, wär‘ ich da,
wo dich die Schaaren loben,
und säng‘ Halleluja!

Wo wir dein Antlitz schauen,
da sehn‘ ich mich hinein.
Da will ich Hütten bauen;
denn dort ist gut zu sein.

Da werd‘ ich Alles sehen:
den großen Schöpfungsrath;
was durch dein Blut geschehen,
und deines Geistes That.

Da feiern die Gerechten,
die ungezählte Schaar,
mit allen deinen Knechten
das große Jubeljahr.

Mit göttlichsüßen Weisen
wird mein verklärter Mund
dich ohne Sünde preisen,
du meines Lebens Grund!

Da werden meine Thränen
ein Meer voll Freude seyn.
Ach stille bald mein Sehnen,
und hole mich hinein!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832