Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wie selig sind die Kleinen

Wie selig sind die Kleinen,
die man noch lehren kann!
Ihr Großen, mögt’s beweinen,
die Schul‘ ist zugethan.

Sich nicht mehr weisen lassen,
schon alles selbst verstehn,
Zucht und Bestrafung hassen,
heißt das nicht untergehn?

Kommt, Lämmer! kommt und höret,
von früh bis in die Nacht,
was Gott vom Himmel lehret,
was gut und selig macht!

Die Weisen bleiben Thoren,
wenn sie das nicht verstehn.
Die Großen gehn verloren,
wenn sie den Weg nicht gehn.

Laßt Pharisäer prahlen,
ihr bildet euch nichts ein;
wenn sie gerecht sich mahlen,
spricht Moses Spiegel: nein!

Er weiset euch von ferne
das wund geschlag’ne Lamm;
ihr geht und wascht euch gerne
im Blut vom Sündenschlamm.

Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe
herausgegeben von
Johannes Goßner.
Dritte Auflage.
Leipzig,
bei Karl Tauchnitz.
1825.

Woltersdorf, Ernst Gottlieb – Sehnsucht nach dem Himmel

Ach wär‘ ich doch schon droben!
Mein Heiland, wär‘ ich da,
wo dich die Schaaren loben,
und säng‘ Halleluja!

Wo wir dein Antlitz schauen,
da sehn‘ ich mich hinein.
Da will ich Hütten bauen;
denn dort ist gut zu sein.

Da werd‘ ich Alles sehen:
den großen Schöpfungsrath;
was durch dein Blut geschehen,
und deines Geistes That.

Da feiern die Gerechten,
die ungezählte Schaar,
mit allen deinen Knechten
das große Jubeljahr.

Mit göttlichsüßen Weisen
wird mein verklärter Mund
dich ohne Sünde preisen,
du meines Lebens Grund!

Da werden meine Thränen
ein Meer voll Freude seyn.
Ach stille bald mein Sehnen,
und hole mich hinein!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832