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Tersteegen, Gerhard – Wo bleibt die Pracht sonst grüner Bäume

1.) Wo bleibt die Pracht sonst grüner Bäume?
So mancher schönen Blume Zier?
Und wo im Tod der Narren Träume?
Wer will, such seinen Himmel hier.
Mein unverwelklich schöner Garten
Steht schon im blühn, kann ja warten.

2.) Merk, Seel‘, was nackte Bäume lehren,
Und jetzt im Herbst das kahle Feld.
Lass dich kein’n Schein noch Traum betören,
Gar nichts besteht in dieser Welt.
Such nackt ein ewig-himmlisch Leben,
Das Jesu Einfluss nur kann geben.

3.) Dir, Gott, sei Dank, dass wir gesehen
Dein anmutsvolles Frühlingslicht.
Dass du uns auch, zum Leibbestehen,
Gabst reichlich manche Sommerfrücht:
Jetzt fallen alle Blätter nieder,
Und geben dir ihr Schönes wieder.

4.) Mein’s Lebens eitle Frühlingsjahre,
Mein muntrer Sommer ist auch hin:
Ich weiß, ich fühle und erfahre,
Dass ich im Herbst mein’s Lebens bin.
Ich fall auch, wie die Blätter, nieder,
Und geb dir Kraft und Schönheit wieder.

5.) Du gabest meiner Gnadenjugend,
Mein’m Geistessommer, manche Kraft,
Ernst, Gaben, Schönheit, Licht und Tugend,
Worein sich Selbstheit leicht vergafft.
Mein Herbst dir nackt erwartend dienet,
Bis mein Gebeine wieder grünet.

6.) Gott gab’s, Gott nahm’s, ich will ihn ehren,
Du Gott bist nur beständig schön.
Mein g’nugsam’s Heil, mein ganz Begehren,
Mein Nichts, mein Staub, soll dich erhöhn.
Gibst du mir einst die Ehrenkrone,
Leg ich sie freudig dir zum Throne.

Tersteegen, Gerhard – Willkommen, verklärter Gottes Sohn

1.) Willkommen, verklärter Gottes Sohn,
Der im Triumph bist auferstanden!
Im Himmel schallt der Freudenton:
Es sind entzwei des Todes Banden!
Ich jauchze mit, dein Sieg erfreuet mich:
Mein Jesus lebt und herrschet ewiglich!

2.) Es betet dich der Himmel an,
Der Engel Scharen fallen nieder.
Die Jünger haben’s auch getan,
Ich ehre dich durch meine Lieder.
Du bist mein Gott, mein König nur allein,
Ich geb mich dir, mein ganzes Herz ist dein.

3.) Nun steht der andre Adam da,
In’s Paradies auf’s neu versetzet.
Die offne Pfort‘ im Geist ist nah.
Wer mit ihm stirbt, wird mit ergetzet.
Das Haupt ist durch und zieht die Glieder nach,
Durch Kreuz und Tod, zum sel’gen Ostertag.

4.) Das göttlich‘ Leben, das in mir
Und allen durch die Sünd‘ erstorben,
Nun grünet aus dem Tod herfür.
Mein Heiland hat’s so teu’r erworben.
Es leuchtet klar aus seinem Angesicht
Der Gottheit Bild, der Unschuld schönes Licht.

5.) Man kann aus deiner Gegenwart,
Erstandner Held, viel Wunder lesen:
Wie göttlich, herrlich, rein und zart,
Wie liebenswürdig ist dein Wesen!
O Jesu, schau, wie finster bin ich noch,
Verkläre mich nach deinem Bilde doch.

6.) Ich werfe, mit Maria, mich,
Mein Herr und Gott, zu deinen Füßen.
Und wenn ich dürfte, wollt ich dich,
Mit ihr, in Demut innigst küssen:
Sprich auch ein Wort mit Kraft in’s Herze mir,
So schau ich dich, so freu ich mich in dir.

7.) Verklärtes Haupt, nun lebest du.
Ach, lass mich, als dein Glied, auch leben.
Kannst du dem Elend sehen zu?
Willst du dein Kind nicht auch erheben
Aus Not und Tod, aus Sünd‘ und Eigenheit,
Zu leben dir in wahrer Heiligkeit?

8.) Du lebest fremde dieser Erd‘,
Im Paradies, in Gottes Frieden.
Gib, dass ich auch im Geiste werd‘
Also von allem abgeschieden.
Dem Eiteln tot, und dir im Geist gemein,
So leb in mir, o Lebensfürst, allein.

9.) Brich durch, er koste, was es will.
Was du nicht bist, lass in mir sterben,
Dass ich auch mög dies frohe Ziel,
Den Auferstehungsstand, ererben.
Ich kann ja nichts, ich lieg im Tod verhaft‘,
Wirk du in mir durch deines Lebens Kraft.

10.) Wirk du in mir, zieh himmelwärts
Begierden, Sinnen und Gedanken,
Dass, wo du bist, mein ganzes Herz
Von nun an leben mag ohn‘ Wanken:
Du bist nicht fern. Wer dich nur liebet rein,
Der kann im Geist bei dir im Himmel sein.

Tersteegen, Gerhard – Will er nach meinem Zustand fragen

1.) Will er nach meinem Zustand fragen,
Wie es mit mir beschaffen sei?
Ich muss gar heimlich etwas tragen,
Das ich scheu zu entdecken frei.
Doch ich mich nicht enthalten kann,
Etwas davon zu zeigen an.

2.) Ich seh in mir gar tief verborgen
Ein’n Abgrund von Melancholei,
Der ist, wann ich erwach am Morgen,
Als wenn er immer würde neu.
Drin bringt ich jetzt die Tage zu
Und finde nirgends Rast und Ruh.

3.) Dies macht ein unaussprechlich Sehnen,
Dass ich schier wünsche nichts zu sein,
Als länger mich in Schwermut grämen
Und heimlich leiden solche Pein.
Doch endlich wird der kalte Tod
Zerbrechen diese Zentnernot.

Antwort des Autors auf vorige Reime

1.) Du darfst dein Kreuz nicht heimlich tragen,
Du musst dein Herz entdecken frei
Und Gott und treuen Freunden sagen,
Wie es mit dir beschaffen sei!
Ein schwerer Mut wird öfters leicht,
Wenn man die Schwermut andern zeigt.

2.) Melancholie, so heißt der Jammer,
Wovon du mir ein Vers’chen schreibst,
Melancholie, die dunkle Kammer,
Worin du traurig hangen bleibst.
Vielleicht lockt aus dem Trauerhaus
Dich meine Poesie heraus.

3.) Man muss es immer recht entscheiden.
Natur ist noch kein Christentum,
Natur hat Freud, Natur hat Leiden,
Dies macht vor Gott nicht bös noch fromm.
Lass, wie es will, im Äußern gehn,
Du musst dich nach dem Grund ansehn!

4.) So bist du, wie du bist inwendig.
Was liebst du, was begehrest du?
Bei diesem Sinn bleib nur beständig,
Bei diesem Grunde bleib in Ruh!
Vernunft mag denken, was sie kann,
Denk nur: Was geht Vernunft mich an?

5.) Lass dich von Jesu blindlings führen,
Verleugne dich und liebe nur,
Hüt dich vor allem Spekulieren,
Ein Kindersinn trifft leicht die Spur.
Und wenn Vernunft dir Zweifel macht,
So gib nicht auf ihr Zweifeln acht!

6.) Sag, würd’st du weinen oder lachen,
Wenn dich ein Blindgeborner gleich
Wollt an der Sonne zweifeln machen?
So ist Vernunft an Gottes Reich.
Ei, saug die Brust und dich nur nähr
Und forsch nicht, wie die Milch kommt her!

7.) Du musst von Gott nichts Arges denken,
Er ist ganz Liebe, Güt und Treu,
Er hat nicht Lust, dass wir uns kränken
Durch Schwermut und ihm bleiben scheu.
Denk, Gott will in dein Herz hinein,
Drum muss es weit und offen sein!

8.) Gott ist ein wonnesames Wesen,
Ganz freundlich, stille, sanft und froh.
Soll deine Krankheit recht genesen,
So muss dein Grund auch werde so.
Ei, diene Gott mit Freuden doch,
Zeig, dass sein Dienst ein sanftes Joch!

9.) Mit vielem Forschen durchzudringen,
Bringt größern Schaden, als man glaubt,
Gott lässt sich mit Gewalt nicht zwingen,
Brich deinen Willen, nicht das Haupt.
Erwart nur in gelassnem Grund
Der ew’gen Weisheit Zeit und Stund!

10.) Viel besser ist ein Handgeschäfte,
Als traurig sein beim Müßiggang.
Erquicke dann und wann die Kräfte
Durch einen guten Lobgesang,
Vergiss dein Elend und dich freu
In Gottes Herrlichkeit und Treu!

11.) Nimm auf dies Kreuz und alle Leiden
Und trag es Jesu willig nach!
Es folgen wesentliche Freuden
Nach langem, bangem O und Ach.
Der Glaube muss durch Proben gehn
Und glauben lernen ohne Sehn.

12.) Wohl dem, der ganz in Gott kann sterben
Der Kreatur und Eigenheit!
Der wird ein göttlichs Leben erben,
Von Kummer, Angst und Weh befreit.
Es kann fürwahr nur dieser Tod
Zerbrechen deine Zentnernot.

Tersteegen, Gerhard – Wie gut ist’s

1. Wie gut ist’s, wenn man abgespänt
Von allem sich an Gott gewöhnt,
In ihm verborgen lebet!
Wie gut ist’s, wenn man ist erlöst,
Von Sünd‘ und Eigenheit entblößt
An Gott im Grunde klebet!

2. Wie gut ist’s, wenn man nichts lässt ein
In seines Herzens Kämmerlein,
Mit Gott lebt abgeschieden!
Wie gut ist’s, wenn man in der Tat
Gott selbst in sich gefunden hat
Und ist mit ihm zufrieden!

3. Wie gut ist’s, wenn nach Kinder Art
Man lebt in ’s Vaters Gegenwart,
Tracht’t ihm nur zu gefallen!
Wie gut ist’s, wer in dieser Welt
In sanft‘ und stillem Geist sich hält,
Bleibt unverrückt in allen!

4. Wie gut ist’s, wenn man schweigen kann
Und so den Vater beten an
Im Geist und in der Wahrheit!
Wie gut ist’s, wenn das Auge ihn
Beschauet wie ein Cherubin,
Berührt von seiner Klarheit!

5. Wie gut ist’s, wenn der Eigenwill‘
Gebrochen und gelassen, still
In Gottes Händen lieget!
Wie gut ist’s, wenn der stolze Sinn
Vor Gottes Gegenwart sinkt hin
Und sich in Demut bieget!

6. Wie gut ist’s, sich und Kreatur
Verlieren und vergessen nur
Und was sonst könnte stören!
Wie gut ist’s, außer Ort und Zeit
In stiller, süßer Ewigkeit
In ’n Grund des Herzens kehren!

7. Wie gut ist’s, abgeschieden, frei
In dieser Geisteswüstenei
Auf Gottes Reden merken!
Wie gut ist’s, aller Sorgen los
Sanft wie ein Kind in seinem Schoß
Ausruhn von eignen Werken!

8. Wie gut ist’s, wenn der arme Geist,
Der weit und breit herum gereist,
Sein‘ rechte Heimat findet!
Wie gut ist’s, wenn er inniglich
In freier, reiner Liebe sich
Mit Gottes Geist verbindet!

9. O liebe, süße Ewigkeit,
Du Friedensreich, so weit und breit,
Wohl dem, der dich gefunden!
Mein Geist in deinem stillen Nun
Soll stetig im Verborgnen ruhn,
Bis meine Zeit verschwunden.

Tersteegen, Gerhard – Wie bist du mir so innig gut

1. Wie bist du mir so innig gut,
Mein Hohepriester du!
Wir teur und kräftig ist dein Blut,
Es bringt mich stets zur Ruh.

2.) Wenn mein Gewissen zagen will
Vor meiner Sünden Schuld,
So macht dein Blut mich wieder still,
Setzt mich bei Gott in Huld.

3.) Hab ich gestrauchelt hie und da
Und will verzagen fast,
So ist dein sühnend Blut mir nah,
Das nimmt mir meine Last.

4.) Es sänftigt meinen Schmerz so mild
Durch seine Balsamkraft,
Die mein geängstet Herze stillt
Und neuen Glauben fasst.

5.) So senkt sich denn mein schlichter Sinn
In deine Wunden ein,
Da ich dann ganz geborgen bin.
Mein Gott, wie kann es sein?

6.) Wie kann es sein? Ich sag es noch,
Herr, ist es auch Betrug?
Ich großer Sünder hab ja doch
Verdienet deinen Fluch.

7.) Nein, Jesus, du betrügest nicht,
Dein Geist mir Zeugnis gibt.
Dein Blut und Gnad und Fried verspricht,
Ich werd umsonst geliebt.

8.) Umsonst will ich auch lieben dich,
Mein Gott, mein Trost, mein Teil!
Ich will nicht denken mehr an mich,
In dir ist all mein Heil.

9.) Zieh mich in dein versöhnend Herz,
Mein Jesu, tief hinein.
Lass es in aller Not und Schmerz
Mein Schloss und Zuflucht sein.

10.) Kommt groß und kleine Sünder doch,
Die ihr mühselig seid!
Dies liebend Herz steht offen noch,
Das euch von Sünd befreit.

Tersteegen, Gerhard – Wann sich die Sonn‘ erhebet

1. Wann sich die Sonn‘ erhebet,
Die dieses Rund belebet,
Bald grüß‘ ich dich, mein Licht;
Wann sie sich wieder neiget,
Mein Geist vor dir sich beuget
Mit innigster Anbetungspflicht.

2. Die Sonne, Mond und Sterne,
Was in der Näh und Ferne
Hier Schönes wird gesehn,
Was sich auf Erden reget,
Was Luft und Wasser heget,
Soll mit mir deine Macht erhöhn.

3. Mit den viel tausend Chören
Der Sel’gen, die dich ehren
Vor deinem Throne da,
Mit aller Engel Scharen
Will ich mein Liedlein paaren
Und singen mit: Halleluja!

4. Vor dich mit Ehrfurcht treten,
Dich loben, dich anbeten,
O, davon lebet man.
Wohl dem, den du erlesen,
Du seligmachend Wesen,
Dass er zu dir so nahen kann!

5. Die Zeit ist wie verschenket,
Drin man nicht dein gedenket,
Da hat man’s nirgend gut;
Weil du uns Herz und Leben
Allein für dich gegeben,
Das Herz allein in dir auch ruht.

6. Nun sich die Nacht geendet,
Mein Herz zu dir sich wendet
Und danket inniglich.
Dein holdes Angesichte
Zum Segen auf mich richte,
Erleuchte und entzünde mich!

7. Ich schließe mich aufs neue
In deine Vatertreue
Und Schutz und Herze ein.
Die fleischlichen Geschäfte
Und alle finstern Kräfte
Vertreibe durch dein Nahesein!

8. Dass du mich stets umgiebest,
Dass du mich herzlich liebest
Und rufst zu dir hinein,
Dass du vergnügst alleine,
So wesentlich, so reine,
Lass früh und spät mir wichtig sein!

9. Ein Tag, der sagt dem andern,
Mein Leben sei ein Wandern
Zur großen Ewigkeit;
O Ewigkeit, so schöne,
Mein Herz an dich gewöhne,
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit!

Tersteegen, Gerhard – Verborgne Gottesliebe du

1.) Verborgne Gottesliebe du,
O Friedensreich, so schöne.
Ich seh von ferne deine Ruh‘
Und innig dahin sehne.
Ich bin nicht stille, wie ich soll,
Ich fühl, es ist dem Geist nicht wohl,
Weil er in dir nicht stehet.

2.) Es lockt mich zwar dein sanfter Zug
Verborgentlich zur Stille,
Doch kann ich ihm noch nicht genug
Mich lassen, wie mein Wille.
Ich werd durch mancherlei gestört
Und unvermerkt davon gekehrt.
So bleibet meine Plage.

3.) Dass du in mir dich meldest an,
Ich zwar als Gnad‘ bekenne,
Doch weil ich dir nicht folgen kann,
Ich’s billig Plage nenne.
Ich hab von ferne was erblickt.
O Liebe, könnt ich unverrückt
Nur deiner Spur nachgehen!

4.) Mein eignes Wirken nutzet nicht,
Die Liebe davor fliehet.
Ein allzu frei und stark Gesicht
Macht, dass sie sich entziehet.
O Liebe, setze mich in Ruh,
Schließ selber meine Augen zu,
Dass ich dich in mir sehe!

5.) Was ist es mehr, was hindert mich,
Dass ich nicht ein kann gehen
In deine Ruhe wesentlich
Und darin feste stehen?
Es ist dir ja, o Liebe, kund,
Ergründe du den tiefsten Grund
Und zeig die Hindernisse!

6.) Ist etwas, das ich neben dir
In aller Welt sollt lieben,
Ach, nimm es hin, bis nichts in mir
Als du seist überblieben!
Ich weiß, ich muss von allem los,
Eh‘ ich in deinem Friedensschoß
Kann bleiben ohne Wanken.

7.) Entdeck, mein Gott, die Eigenheit,
Die dir stets widerstrebet,
Und was noch von Unlauterkeit
In meiner Seele lebet!
Soll ich erreichen deine Ruh,
So muss mein Aug‘ gerade zu
Dich meinen und ansehen.

8.) O Liebe, mach mein Herze frei
Von Überlegen, Sorgen,
Den eignen Willen brich entzwei
Wie sehr er steckt verborgen!
Ein recht gebeugt, einfältig Kind
Am ersten dich, o Liebe, find’t.
Da ist mein Herz und Wille.

9.) Ach nein, ich halte nichts zurück,
Dir bin ich ganz verschrieben,
Ich weiß, es ist das höchste Glück,
Dich lauterlich zu lieben.
Hilf, dass ich nimmer weiche nur
Von deiner reinen Liebesspur,
Bis ich den Schatz erreiche!

10.) Indessen zieh zu aller Stund,
Lass mich zu dir mich kehren,
Herr, rede du im Seelengrund,
Da lass mich stets dich hören.
Ach, setze mit Maria mich
Zu deinen Füßen inniglich!
Dies Eins will ich erwählen.

Tersteegen, Gerhard – Süßer Schatten, bunte Wiesen,

1. Süßer Schatten, bunte Wiesen,
Wie vergnügt ihr meinen Sinn!
Wenn ich Jesu einsam bin,
Hab‘ ich euch so oft gepriesen.
Süßer Schatten, bunte Wiesen,
Wie vergnügt ihr meinen Sinn!
Ich seh‘ nichts in euch als diesen,
Den ich nenne, des ich bin.
Süßer Schatten, bunte Wiesen,
Wie vergnügt ihr meinen Sinn!
Wenn die Liebeswinde bliesen,
Fiel‘ ich leicht in Ohnmacht hin.

2. Was hier grünet und sich reget,
Hat mein Freund hervorgebracht;
Schönheit, Weisheit, Güte, Macht
Ist im Kleinsten eingepräget.
Was hier grünet und sich reget,
Hat mein Freund hervorgebracht,
Sich nach seinem Wink beweget,
Und ihn lobt mit stiller Pracht.
Was hier grünet und sich reget,
Hat mein Freund hervorgebracht,
Doch was Erd‘ und Himmel heget,
Wird bei seiner Schönheit Nacht.

3. Jesu, dich allein zu finden,
Sitz‘ ich still und einsam hier;
Du allein genügest mir,
Alles andre mag verschwinden.
Jesu, dich allein zu finden,
Sitz‘ ich still und einsam hier;
Dass wir uns aufs neu verbinden,
Reine Lust und Seelenzier.
Jesu, dich allein zu finden,
Sitz‘ ich still und einsam hier;
Willst du nicht mein Herz entzünden,
Dass ich mich in dich verlier‘?

4. Mit dir, Liebster, einsam leben,
Ist auf Erden Seligkeit;
Was die tolle Welt anbeut,
Kann mir nichts als Plage geben.
Mit dir, Liebster, einsam leben,
Ist auf Erden Seligkeit,
Wenn wir dir allein ankleben
Über Sinnen, Ort und Zeit.
Mit dir, Liebster, einsam leben,
Ist auf Erden Seligkeit,
Bis du uns wirst ganz erheben
In die Ruh der Ewigkeit.

Tersteegen, Gerhard – Stilles Gotteswesen, du

1.) Stilles Gotteswesen, du,
Einzig meines Geistes Ruh,
Ach, wann wird mein Geist auf Erden
Recht in dir gestillet werden?
Lass mich nicht so jämmerlich
In der Unruh quälen mich!

2.) O du stille Ewigkeit,
Süßes Reich der Seligkeit,
Nimm mich ein in deinen Frieden,
Mach mich innig abgeschieden!
Ach, ich bin noch so verirrt,
Sammle mich, mein treuer Hirt!

3.) Schau, wie ich in mancherlei
Meinen Sinn so leicht zertreu,
Darum leb ich in Beschwerden.
Lass mich in dir Eines werden!
Einzig, innig, du allein
Musst des Geistes Ruhe sein.

4.) In der Welt und Kreatur
Wird mein Geist geängstet nur.
Könnt ich allem mich verschließen,
Deinen Frieden zu genießen,
Los und bloß und ungestört,
Jesu, ganz in dich gekehrt!

5.) Schließe Herz und Sinne zu,
Und was stört des Geistes Ruh,
Die Vernunft und eignen Willen
Samt Affekten wollst du stillen.
Deine Liebe stille mich
Unverrückt und wesentlich!

6.) Du und ich in Einsamkeit
Innig außer Ort und Zeit,
Da ich an mich selbst nicht denke,
Dich nur schau, in dich mich senke:
Ach, wie ist es da so gut,
Wenn man so im Herzen ruht!

7.) In der Unruh bleibe du
Heimlich meine tiefe Ruh.
Du, Herr, und dein süßer Wille
Sei in allem meine Stille!
Ach, ich achte keinen Schmerz,
Gib mir nur ein stilles Herz!

Tersteegen, Gerhard – Stille doch, mein armes Herz

1.) Stille doch, mein armes Herz
O du stilles Wesen du,
Setze mich in dir zur Ruh!
Schau, ich leid es ja mit Schmerze,
Was mich störet und bewegt,
Was mich hin und wieder schlägt!

2.) Bin ich nicht in dir geblieben,
Ließ ich mich zu weit hinein,
Es sollt nicht geschehen sein.
Dennoch will ich wieder lieben.
Lass den Sturm nur legen sich,
Nimm mich ein und stille mich!

3.) Mein Gemüt ist gar im Treiben,
Zagt und wanket hin und her
Wie ein ungestümes Meer –
Wo soll doch dein Täublein bleiben?
Nirgends kann ich ruhig sein,
Lieber Noah, nimm mich ein!

4.) Nimm mich ein, lass dich erbitten,
Lass es alles fallen hin,
Was da störet meinen Sinn.
Birge mich in deiner Hütten,
Bei dir in der Seele Grund,
Da bedeck mich alle Stund!

5.) Meinen edeln Geist erlöse,
Dass ihn nichts hinfort berühr,
Was auch mag geschehen hier.
Mach ihn von der Welt Getöse,
Von Vernunft und Phantasei
Und vom Reich der Sinne frei!

6.) Still in mir die ganze Erde,
Herr, bewahr dein Heiligtum,
Dass darein nichts Fremdes komm,
Dass es nicht entheiligt werde,
Nicht verbildet, nicht verstört,
Weil es ganz dir zugehört!