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Kategorie: Tauler Johannes

Tauler, Johannes – Liebe Gottes

Tauler, Johannes – Liebe Gottes

Hört, Gott liebt mich mit liebe rein,
Drin Er sich selber liebt allein:
Vnd ich lieb Ihn auch widerumb ebn,
Mit seiner lieb, so Er mir gebn,
Ja drinn Er sich selber lieb hat:
Frewt euch mit mir, für solche Gnad,
Dann es ist ein Hitz, ein Gott trieb
Deß heilgen Geists, drin ich Ihn lieb.

Johannes Tauler – Ach Ewigs Wort

Johannes Tauler – Ach Ewigs Wort

Ach Ewigs Wort, wie bist so sehr
Verborgen mir, dort oben fehr
Im Vätterlichen Hertzen?
Wer gibt dich auß der Ewigkeit
Mir gantz vnd gar in dieser zeit?
Nach dem ich wart mit schmertzen.

Auff das du seyst mein Bruder trew
Durch ein gleichheit der Geburt new
Menschlicher Natur eben:
Vnd ich dich küß, ohn Mittel schlecht,
Zur Einigung meins Geistes recht,
Welch mir bringts Ewig Leben.

O hilff, das ich all ding verlaß,
In dieser Welt nur desto baß
Dich ewig zu bewahren:
Das du in mir vnd ich in dir
Bleiben Einig, auch für vnd für
Dich mir thust offenbaren.

Tauler, Johannes – Von Gelassenheit

Tauler, Johannes – Von Gelassenheit

O Jesu Christ, du lieblichs guet,
Du reüchest daß dan Meyen bluet,
Wer dich stetz trägt in seim gemuet,
Der soll sich billich frewen.

Wer Jesum wil im hertzen han,
Der muß sein eigen will verlahn
Und alle Zeit Gotts geheiß than,
Deß glaubens werck, ohn schewen.

Dem Jesus also worden ist,
Der achtet nit was ihm gebrist,
Dan zeitlich ding ist als ein mist,
Darauff sol man nit bewen.

Der Creatur verachtet hatt
Vnd frey in ledigkeit bestaht,
Das Jesus in seim hertzen ghat,
Derselbig darff nit sorgen.

Sein tröster ist der Herre Christ,
Er tröstet nur der trostloß ist,
Wer sein leid in geduld vergist,
Deß creütz bleibt vnuerdorben.

Hab Einigkeit vnd Innern Sinn,
Manchfeltigkeit bilde nicht deinn,
Dein gegenwurff sol Jhesus sein,
So hastu ihn erworben.

Ohn Jhesus ist es alles nicht
Inn lieb vnd leid, wer ihn vergicht
Vnd seine wort nit widerspricht,
Der hat die warheit funden.

Die natur vns betreüget sehr,
Drumb folge nur deß Geiste lehre,
Wirff dein gemüt nicht hin vnd her,
Halt deine Sinn gebunden.

Vil auß vnd ein mag nit bestahn,
Nun merck vnd schaw wie eß sol gahn,
Es leit nur alls – an willen lahn,
Das der noch nicht verschwunden.

Gib dem nit statt, daß dich vermißt
Zu aller zeit bleib wer du bist
Vnd trag nit heim was nit dein ist,
So bleibstu unbehangen.

Biß nit zu schnell mit deim gericht,
Man wiget vil mit falschem gwicht,
Nach Jesus Christ sey dein gedicht
Mit gantzer lieb vmbfangen.

Der sich zuuil darbieten will,
Der verfehlt offt der warheit zill,
Sein Schifflein dz hat wind zu vill
Es mags land kaum erlangen.

Der leiblich trost hat abgelegt,
Gott in sein hertz verborgen tregt
Vnd alle ding zum besten regt,
Deß kümmer nimpt ein ende.

Der in dem streit gesieget hat
Vnd Jesum folgt in alle that,
Auch ihme nur zu dienste staht,
Ein Cron erlangt behende.

Gott helff vns zu der Seligkeit,
Die vns Jhesus nun hat bereit.
Gelobet seyst drey einigkeit,
Ewig dein Hilff vns sende. Amen.

Tauler, Johannes – Lob der Armut

Tauler, Johannes – Lob der Armut

Mein eigen lohn und alles gut
Hab ich willig vffgeben,
Mir leüchtet ein nichts den armut,
Die soll auch mein wol pflegen;
In allen landen ist mein theil,
Mein Reich ist vngemessen,
Armut ist mir vmb dwelt nit feil,
Die mein bald würd vergessen.

Wa ich bin komm ist mir bereit
Mein trincken vnd mein essen,
Mancher mensch gibt mirs in der zeit,
Der sichs nit hät vermessen.
Dauon ich bin gar sofgenfrey,
Mit kömmer vnbeladen,
Vff anders baw, sey wa ich sey,
Dz ist vff Gottes gnaden.

Wir dörffen doch nit Irre gahn,
Der weg ist vns gebawnet;
Christus vff erden hats gethan,
Er vns darzu vermanet.
Sein Apostel vnd lehrer lroß,
Die weisen vns behende
Durch vil geduld in armut bloß,
Auch in ein thieff ellende.

Wöllen wir doch von armut recht
Singen, so müßn wir eben
Betrachten, dz die armut schlecht
Vor Gott nichts gilt im leben.
Sie sey dan auch durch liebe rein,
Allein vmb Christi willen.
Armut des geists, die gilt allein,
Thut liebe werck erfüllen.

Es ist armut ein freyes pfand,
Wöllen wir es nun lösen,
Armut deß geists durch liebe band
Auch meidung alles bösen
Müssen wir han; welches erhelt
In Einigkeit all frommen.
Durch leiden, schmach in dieser welt,
Mögen wir baldt zukommen.

All die armut geliebet han,
Die hat man ser getrücket,
Leiden gehört noch armut ahn,
Damit sie sich wol schm´ücket.
Christus hats vns auch vorgesagt,
Drumb sol Ich nit verzagen,
Armut manchen in himmel tragt
Durch Christi hilff eriagen.

Dieweil armuth den rhume hat,
Wie vns Christus thut leeren,
Ob man die schänd an alle statt,
Zur armut wil mich keeren.
Armut ist mir lieber dan Goldt,
Ich will die nitt verkauffen,
Der mir vmb Reichthumb nemmen wolt,
Von dem wölt ich weg lauffen.

Doch sollen vnuerachtet sein
All gnedig gottes gaben,
Ob ir vil seind reich in gemein,
Hauß, hoff vnd äcker haben,
die sollen drauff sich lassen nitt,
Zergencklich mag nit bleiben,
Ir gut den armen theilen mitt,
Nur Gott seim gut zuschreiben.

Der hie nicht hat, auch nichts begert,
Ist frey von allen sorgen,
Gott ihn alltag so vil beschert,
Daß keiner ihn darff borgen.
Wer voran tracht nach Gottes reich,
Dem wirt alles zufallen,
Er hat mit Gott all ding zugleich,
Christus alles in allen.

Johannes Tauler – Von inwendige bloßheit, vnd gelassenheit vns selbst vnd aller dinge.

Johannes Tauler – Von inwendige bloßheit, vnd gelassenheit vns selbst vnd aller dinge.

ICh wil von bloßheit singen neuwen sanck,
wan rechte lauterkeit ist onn gedanck,
Gedancken mögenn da nit seyn,
so ich verloren hab das mein.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Mich irret nummer mer meyne vngelich,
ich byn so gerne arm vnd reich,
Mit bielden mag ich nit vmmegeen,
meins selbst muß ich ledig steen.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem bielden kam?
do ich rechte eincheyt in mir vernam.
Das ist rechte einicheyt,
so mich entsetzt noch lieb noch leit.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem geiste kam?
doch ich weder diß noch das in mir vernam,
Dan blosse gotheit vngegrundet,
do mogt ich langer schwygen nit: ich möstet kunden.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Synt ich alsus verloren byn in den abgrunde,
do mocht ich langer reden nit, ich was ein stumme.
alsus hat mich die gotheit klar in sich verschlunden.
Ich bin entsetzet,
des hat mich dz finsternisse wol ergetzet.

Sint ich alsus durchkommen bin vor dem vrsprung,
da mag ich langer alden nit, ich muß da jungen.
alsus sint alle die krefte mein zumal verschwunden,
Vnd sein gestorben,
wer alsus entgeistet ist, der mag nitt sorgen.

So wer nu also verschwunden ist
vnd hat befonden ein finsternis,
Ist so rich on allen kummer.
alsus hat mich das lieben feür zumal verbrunnen,
Vnd bin erstorben,
wer alsus entgeistet wird, der mag nit sorgen.

Wer nu alsus erstorben ist vnd auch entworden,
der vatter ist jm offenbar,
Der sunn, der geyst jrer beyde,
in Christo Jesu ist alles guts wunne vnd weyde.
Er ist über alle massen,
wer noch ist vngelassen, den sol man straffen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Tauler, Johannes – Eyn cantilene der selen, die von lieben gewunt ist.

Tauler, Johannes – Eyn cantilene der selen, die von lieben gewunt ist.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, halt dich frey,
bezwinge deyn vsser sinne,
Vnd nempt deyns selbs mit fleysse war,
was dir allermeist sy inne:
Dz dreib auß mit aller macht,
als lieb als dir deyn got ye wart,
ob du jn begerst befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, won in dir
vnd halt dich frey mit fleisse,
Wan freyheitt ist so theur schatz,
sie macht den geyst so reiche.
So wer den schatz sol befinden,
der muß frembder mynnen vrlob geben,
so mach ers woll erlingen.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Gots mynne die ist so zart,
sie leest sich dem nit finden,
Dem frembde mynne besessen hat,
der gewint jr nummer kunde.
Got wilt die seel alleine han,
der wilt er auch sich selber gen,
das sie jn sol befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Eya, keert euch in den spegell klar
vnd sehet, wie er euch meynet,
Da solt jr finden offenbar,
wie jr jm syt vereynet,
Ach senckt euch in den diefen grunt
des tages me dan tausent stunt,
so wirt euch seyner kunt.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

So wer den spegel duck ansehett,
der vintt da hertzen wunne,
Vnd wirt ouch menger sorgen quyt,
da gebertt sich ware mynne.
Die wunnigklich dreifelicheit
die luchtet in der inwendigkeyt
vnd senckt sich in zu grunde.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Der grundt, der da ist nameloß
vnd ist auch bloß von beilden,
Da wirt der geist auch formeloß,
ob in der gotheit milde.
Och der minneliche blick,
da wird der geist so inn gestickt,
das er seyns selbst geet vnden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden. Amen.

Quelle

Tauler, Johannes – Von eyn bloß´entsincken inn der gotheit

Tauler, Johannes – Von eyn bloß´entsincken inn der gotheit

GOtheit, du bist eyn tieff abgrunt,
allen geisten vnbekannt;
Die du in dich verschlundenn hast,
die steent inn freyer minnen bant.

Sonder bende gebunden vast
in das reiche wesen deyn,
Das haben sie in der warheytt rast,
vnd aussen dir ist kein seyn,

Ausser in allen ins aller hochste
da sol des geystes bleiben seyn,
Da wirt man von anderheit gefreiet
vnd geet in das wesen eyn.

I(n der warheit warheit bekennen,
das ewige lebenn sonder waen
Alsus ist die warheit genoch in allen
in jrs selbes lichtes klar.

In dem rechten klaren leychten
sol man wonen on grunt,
Da verliefen sie sich selber,
das verliefen ist eynn sunt.

Das ist allen den verborgen,
die sich halten noch in icht.
Alsus bekent man den hochsten orden,
des eyn gezich die warheitt gib.

Ordenunge onn alle weyse
mag mann sehen in ewigkeyt;
Die genomen seyn in das selbe,
die bekennenn vnderscheit,

Formen vnd beylden bloß,
da sich das beiltlose bildt
In seins selbst bilt grutz,
in dem ingosse vnd außgeflüsse,

Da seint die dinck mit vnderscheit
vnnd in einigkeit,
doch bleyben on alle vßgegangenheit

Ein in al vnd al in eyn
bekennen ist ein richer sunt,
Die dis inn der warheit seyn,
den ist rechte fruede kunt. Amen.

Wackernagel – Kirchenlied

Tauler, Johannes – Fliehen zwingen, binden

Tauler, Johannes – Fliehen zwingen, binden

original

ICh müß die creaturen fliehen
und süchen herczen einikeit,
Sol ich den geist zu gotte ziehen
dz er blibe in reinikeit.

Ich müß die ußren sinne zwingen
sol ich emphahen dz oberste gut,
Und stettes nach der tugent ringen
sol mir werden der minne glut.

Ich müß die schnelle zunge binden,
dz mir krum sy also schleht,
Sol ich von gott ül befinden
und mir immer werden recht.

Übertragung

Ich muß die Creaturen fliehen
und suchen Hertzens Innigkeit,
Soll ich den Geist zu Gotte ziehen,
auff das er bleib in Reineheit.

Ich muß die eüssern Sinne zwingen,
soll ich entpfahn das oberst Guth,
Von stehtigs nach der Tugend ringen,
soll mir werden der Liebe glut.

Ich muß die schnelle Zunge binden
und waß sie krümpt nuhn machen schlecht,
Soll ich von Gott wahr fried befinden,
ja soll mir immer werden recht.

Tauler, Johannes – Es kommt ein Schiff geladen

Tauler, Johannes – Es kommt ein Schiff geladen

Es kommt ein Schiff geladen
Bis an sein’n höchsten Bord;
Es trägt Gott’s Sohn voll’r Gnaden,
Des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
Es trägt ein‘ theure Last;
Der Segel ist die Liebe,
Der heil’ge Geist der Mast.

Der Anker haft’t auf Erden,
Und das Schiff ist am Land;
Gott’s Wort thut uns Fleisch werden,
Der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
Im Stall ein Kindelein,
Giebt sich für uns verloren;
Gelobet muß es seyn.

Und wer dieß Kind mit Freuden
Küssen, umfangen will,
Der muß vor mit ihm leiden
Groß Pein und Marter viel;

Danach mit ihm auch sterben
Und geistlich auferstehn,
Ewigs Leben zu erben,
Wie an ihm ist geschehn.