Schmolck, Benjamin – Liebe zu Gott

Ach! wenn ich dich, mein Gott, nur habe,
nach Erd‘ und Himmel frag‘ ich nicht.
Nichts ist, das meine Seele labe,
als du, mein Gott, mein Trost und Licht!
Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust,
ohn‘ dich ist mir kein Trost bewußt.

Soll Leib und Seele mir verschmachten,
ich hoffe doch getrost auf dich;
nichts will ich alle Plagen achten,
an dir allein erquick‘ ich mich,
regt sich auch alles wider mich,
es bleibt dabei, ich liebe dich.

Hab‘ ich nur dich, so hab‘ ich Alles,
was meine Seele wünschen kann;
acuh fürcht‘ ich mich gar keines Falles,
liebst du mich nur, was ficht mich an?
drum spricht mein Herz: du bist mein Theil,
in dir ist meiner Seelen Heil.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Ach Jesu, nimm mein Herz von mir

Ach Jesu, nimm mein Herz von mir,
nur deine soll es seyn;
nichts mehr begehr‘ ich sonst von dir,
als deinen Gnadenschein.

Umfasse mich mit deiner Huld,
reich‘ mir so Herz als Hand,
so bleib‘ ich ewig in der Schuld
und du mein Unterpfand.

Laß mir nichts Angenehmers seyn
als deine Liebesgluth,
vor dieser weichet alle Pein,
denn sie macht alles gut.

Nimm mich der Welt und gieb mich dir,
schreib‘ dich in meine Brust,
ein himmlisch Herze sey in mir,
ergötzt durch deine Lust.

Hab‘ ich dich nur, so kann mein Geist
recht wohl vergnüget seyn;
ich suche nichts was irdisch heißt,
nur, Jesu, dich allein.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Ach! daß wir Friede sollten hören,

Ach! daß wir Friede sollten hören,
in unsers Gottes Heiligthum,
so wird uns keine Furcht bethören,
denn Gott ist unser Sieg und Ruhm.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

Laß Güt‘ und Treue sich begegnen,
es küsse Fried‘ und Recht sich hier,
laß Sieg und Glück vom Himmel regnen,
auf Erden wachse Treu‘ herfür.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

So singt man in gerechten Hütten,
so klingt, was deinen Ruhm erhöht;
du wirst mit Gutem uns beschütten,
daß unser Land im Wachsthum steht.
Wir stimmen ein mit unserm Liede:
du Friedefürst, gieb Friede, Friede!

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Schmolck, Benjamin – Komm, du Heiden Heiland, an

Komm, du Heiden Heiland, an,
der den Himmel aufgethan
und auf Erden Friede bringt,
daß man Hosianna singt.

Komm und kehre bei uns ein,
dui sollst unser König seyn.
Unsre Herzen sind dein Thron,
Gottes und Maria’s Sohn.

Gott im Fleisch geoffenbart,
doch nicht nach des Fleisches Art,
sondern über die Vernunft,
durch des Geistes Ueberkunft.

Mensch, zu aller Menschen Heil,
an dir nehmen Alle Theil,
denn du bist der ganzen Welt
als der Heiland vorgestellt.

Gott mit uns, Immanuel,
den ich innig mir erwähl‘,
du kommst in dies Thränenthal,
sey willkommen tausendmal.

Herz und Kirche steh’n bereit
und wir werfen Zweig und Kleid
unter deine Füße hin;
eile, bei uns einzuzieh’n.

Wir empfangen deinen Gruß
durch der Liebe heißen Kuß
und wir schwören, dir allein
im Gehorsam treu zu seyn.

Glaube, Lieb‘ und Hoffnung sind
dir zu Ehren angezünd’t,
diese Fackeln tragen wir
deiner hohen Ankunft für.

Nimm uns auf in deinen Schooß,
mach‘ uns von den Banden los,
welche das Gewissen trägt
und uns Satan angelegt.

Baue unter uns dein Reich,
mach‘ uns dir im Wandel gleich,
tödt‘ in uns des Fleisches Kraft,
daß der Geist viel Früchte schafft.

Pflanz‘ uns deine Demuth ein,
laß uns voller Sanftmuth seyn.
Legst du eine Last uns auf,
leg‘ auch deinen Segen drauf.

Endlich, o du Lebensfürst!
wenn du wiederkommen wirst,
will ich Hosianna schrei’n,
das wird Hallelujah seyn.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832

Benjamin Schmolck – Hosianna Davids Sohn

1.) Hosianna Davids Sohn,
Meinem teuren Gnadenthron!
Er, der Helfer in der Not,
Hilft auch mir in Not und Tod.

2.) Hoch gelobet sei nun Gott,
Er macht unsern Feind zu Spott.
Hochgelobet sei der Held,
Der sich bei uns eingestellt.

3.) Er stellt sich, uns zu erfreun
Auf des Herren Namen ein.
Bei uns, die wir Sünder sein,
Tritt der Sünder Heiland ein.

4.) Hosianna in der Höh‘!
Gott reißt uns aus allem Weh.
Ihm sing alle Christenheit:
Hosianna, weit und breit.

Schmolck, Benjamin – Du Gesegneter des Herrn

Mel. Liebster Jesu, wir sind hier.

Du Gesegneter des Herrn,
Warum willst du draußen stehen?
Komme doch, o Jakobsstern,
In uns allen aufzugehen,
Eile doch, o werther Gast,
Nimm in unsern Herzen Rast.

Glaub und Liebe gehen dir,
O Immanuel, entgegen.
Was wir haben, wollen wir
Dir zu deinen Füßen legen.
Du bist unser Fleisch und Blut,
Darum sind wir wohlgemuth.

Du bist kommen und kömmst noch
In dem Wort und Sacramente,
Und dein Zion freut sich hoch
Unter deinem Kirchadvente.
Ihre Töchter singen dir
Lauter Hosianna für.

Hochgelobter Davidssohn,
Laß dich auf dem Wege küssen,
Hier steht noch dein Gnadenthron.
Wo wir diese Zeit vermissen,
Ach so kommt dein Richterstuhl
Und zeigt uns den Höllenpfuhl.

Kehrst du noch in Gnaden ein,
Ach so laß dich feste halten,
Und uns immer munter sein,
Auch im Glauben nicht erkalten;
Denn die erste Zukunft macht,
Daß man bei der letzten lacht.

Ach, da gehn wir aus dem Kerker,
Heben unser Haupt empor,
Zions schöner Sternenerker
Oeffnet uns alsdann das Thor,
In die Stadt, wo man erfreut
Ewig Hosianna schreit.

Ledderhose – Benjamin Schmolcks geistliche Lieder

Schmolck, Benjamin – Hochgeborner Gottessohn

Am ersten Tage des heiligen Christfestes.

Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.

Hochgeborner Gottessohn,
Sei willkommen auf der Erden!
Du verläßt den Himmelsthron
Und willst unser Bruder werden.
Der du bist das höchste Gut,
Kleidest dich mit Fleisch und Blut.

Da man schätzt die ganze Welt,
Kommst du, unser Schatz, hernieder;
Da August das Scepter hält,
Singt man dir die Wiegenlieder,
Weil du, hochgelobter Christ,
Deines Reichs Vermehrer bist.

Unbeflecket ist die Brust,
Die dich unterm Herzen träget,
Bis man dich, du Engellust,
In die harte Krippe leget.
Weil kein Raum ist sonst für dich,
Lege, Jesu, dich in mich.

Prächtiges Jerusalem,
Du bist nicht so hoch erkoren,
Als mein armes Bethlehem,
Wo das Heil der Welt geboten.
Ich will gerne niedrig sein,
Kehr nur, Jesu, bei mir ein.

Dunkle Nacht, verwandle dich
In die schönste Morgenröthe;
Denn die Sonne zeiget sich,
Hier ist unsers Lichts Prophete.
Selbst den Stall macht dieser Gast
Zum gestirnten Lustpallast.

Ach die englische Musik
Dringet durch der Hirten Ohren,
Und das Echo schallt zurück:
Gottes Sohn ist Mensch geboren.
Sucht die Wiege, sucht das Kind,
Wo ihr es in Windeln findt.

Nun ich trete ganz entzückt
Mit den Hirten zu der Krippen,
Und was ich allhier erblickt,
Küß ich mit entbrannten Lippen.
Was der Engel Mund bemüht,
Das ist auch mein Wiegenlied.

Ehre sei Gott in der Höh,
Und sein Frieden auf der Erde.
Das hinförder alles Weh
Lauter Wohlgefallen werde.
Also freut sich Leib und Seel:
Gott mit uns, Immanuel.

Ledderhose – Benjamin Schmolcks geistliche Lieder

Schmolck, Benjamin – Mein Jesus stirbt, was soll ich leben?

Mel. Wohlan, es geht nunmehr zu Ende.

Mein Jesus stirbt, was soll ich leben?
Mein Haupt erblaßt, wo bleibt sein Glied?
Ach soll ich ihm den Geist nicht geben,
Da jetzt sein Geist von dannen zieht?
Ach ja, ich sterbe nun mit dir,
Mein Jesu, stirb du auch in mir.

Mein Jesus stirbt, die Augen brechen,
Ach nimm den letzten Blick von mir.
Sein Mund verschmacht, was soll ich sprechen?
Mein letztes Wort ist Jesus hier.
Ach Jesu, Jesu, laß mich nicht,
Wenn mir der Tod das Herze bricht.

Mein Jesus neigt sein Haupt zur Erden,
Welt, gute Nacht, ich scheide mit.
Soll Jesus eine Leiche werden,
Was scheu ich denn den letzten Tritt?
Ich küsse seinen blossen Mund,
Er stirbt, so sterb ich auch jetzund.

Mein Jesus wird ins Grab versenket;
O legt ihn in mein Herze hin.
Und daß man immer dran gedenket,
Daß ich mit ihm gestorben bin,
So setzt mir diese Grabschrift bei:
Daß Jesu Tod auch mein Tod sei.

Ledderhose – Benjamin Schmolcks geistliche Lieder

Schmolck, Benjamin – Jakobs Stern, du Licht der Erden

Mel. Gott des Himmels und der Erden,

Jakobs Stern, du Licht der Erden,
Sonne der Gerechtigkeit,
Laß die Nacht zum Tage werden,
Wirf die Strahlen weit und breit
Auf die, so bei dieser Wiegen
In entzückter Demuth liegen.

Finsterniß bedeckt die Erde
Und der Völker Dunkelheit,
Aber über deine Heerde
Strahlt des Glanzes Herrlichkeit,
Die den Hirten sich gewiesen,
Dein Geburtsfest hat gepriesen.

Wunderkind, wir deine Kinder
Sammeln uns in deinem Stall.
Du bist ja das Heil der Sünder
Und die Stütze für den Fall,
Laß von keinen Finsternissen
Uns bei deiner Krippe wissen.

Ist es in dem Herzen dunkel,
So erleucht uns durch dein Licht,
Daß uns dein GEburtsstern funkel,
Der durch alle Nebel bricht;
Denn die Nacht ist nun vergangen,
Da der Tag sich angefangen.

Nun wir warten auf die Bürden,
Die du eingebunden hast.
Wie die Schäfer bei den Hürden
Haben wir nicht eher Rast,
Bis daß unser Herz erfährt,
Was der heilge Christ beschert.

Ach was sinds für schöne Sachen,
Die hier eingebunden sind?
Daß du uns recht reich willst machen,
Bindest du dich selber ein.
Das ist wahrlich eine Bürde,
Die kein Mensch beschreiben würde.

Denn in dieser Bürde lieget
Vaters Gnad und Sohnes Huld.
Alles, was das Herz vergnüget,
Die Erlassung unsrer Schuld,
Gottes Kindschaft, Heil und Segen,
Ja der Himmel ist zugegen.

Welt, behalte deine Schätze,
Hier ist unser größter Schatz.
Hier ist Freiheit vom Gesetze,
Hier der Armen Ruheplatz,
Hier das Labsal aller Schmerzen.,
Hier das Herze aller Herzen.

Zwar es ist auch eine Ruthe
Diesem Zucker beigelegt,
Doch es ist uns wohl zu Muthe,
Weil sie uns zum Besten schlägt.
Sonsten würden wir von Sünden
Allzuschwere Bürden binden.

Laß die Christnacht so begehen,
Daß kein Kind der Finsterniß
Deine Huld mag widerstehen,
Und mach unser Herz gewiß,
Daß wir dort auf Zions Höhn
Christtag mögen einst begehn.

Ledderhose – Benjamin Schmolcks geistliche Lieder

Schmolck, Benjamin – Seht, welch ein Mensch ist das!

Ecce Homo

Mel. Ach wein, du Engelschar.

Seht, welch ein Mensch ist das!
Ihr Menschen, kommt zusammen.
Ihr Ungerechten, seht
Die Unschuld hier verdammen.
Ihr Sünder, merket auf,
Hier lebt die Heiligkeit.
Ihr Höllenkinder, weint,
Der Sohn des Höchsten schreit.

Seht, welch ein Mensch ist das!
O Blicke voller Thränen,
O Antlitz voller Schmach,
O Lippen voller Sehnen!
O Haupt voll Todesschweiß,
O Herze voller Blut,
O Backen voller Koth,
O Leib voll Noth und Tod!

Seht, welch ein Mensch ist das!
O seht in seine Wunden.
Habt ihr, ihr Sünder, nicht
Den Heiligen gebunden?
Sind eure Lüste nicht
Die Dornen, die er trägt?
Ists eure Bosheit nicht,
Die ihn ans Kreuze schlägt?

Seht, welch ein Mensch ist das!
Ach opfert Thränenfluthen;
Denn eure Blutschuld macht
Das Herze Jesu bluten.
Geht nicht vorüber hier,
Wo Schmerzen über Schmerz,
Seht durch die offne Brust
In euers Jesu Herz.

Seht, welch ein Mensch ist das!
Ach ja, wir wollen sehen,
Was dir, du Menschenfreund,
Durch Menschen ist geschehen.
So lang ein Auge blickt,
So lange soll die Pein,
Die du für uns erträgst,
Auch unvergessen sein.

Seht, welch ein Mensch ist das!
Ach sieh uns auch in Gnaden,
Wenn wir uns voller Buß
In Jammerthränen baden,
So laß den Blick vom Kreuz
In unsre Seele gehn,
Und dein vergossnes Blut
Für uns im Mittel stehn.

Seht, welch ein Mensch ist das
So werden wir dich schauen
Und unsern ganzen Trost
In deine Wunden bauen;
Wenn sich dein Haupt nun neigt,
So sterben wir mit dir,
Wenn unser Auge bricht,
So leben wir dafür.

Ledderhose – Benjamin Schmolcks geistliche Lieder