Rinckart, Martin – Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
unendlich viel zugut und noch jetzund getan.

Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben
ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort
und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne
und dem, der beiden gleich im höchsten Himmelsthrone:
dem dreimaleinen Gott, als der ursprünglich war
und ist und bleiben wird jetzund und immerdar.

Rinckart, Martin – Hilf uns, Herr, in allen Dingen

1. Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Daß wir unser Amt und Werk
Wohl anfangen und vollbringen,
Gieb uns Weisheit, Kraft und Stärk;
Ohne deine Segenshand
Ist verloren Stadt und Land.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

2. Hilf uns, Herr, an allen Orten,
Wo wir dein bedürftig sein,
Brich der Höllen Macht und Pforten,
Und gieb deinem Häufelein
Und der ganzen Christenheit
Liebe, Fried und Einigkeit.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

3. Hilf uns, Herr, auf allen Seiten
Im Gelück und Ungelück
kämpfen, streiten und arbeiten
Wider Satans List und Tück,
Wider Fleisches Lust und Pracht,
Wider weltlich Ehr und Macht.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

4. Hilf uns, Herr, in allen Nöthen,
Aller Trübsal und Gefahr;
Alles, was uns könnte tödten
Und verderben ganz und gar,
Durch dein Hand und deinen Fuß
Uns zum Besten dienen muß.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

5. Hilf uns, Herr, aus allen Fluthen
Der betrübten Kriegesnoth,
Wirf einmal die Zornesfluthen
In die Gluth, die feuerroth:
Laß uns ohne dieses Joch
Nur im Friede sterben noch.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

6. Hilf uns Herr aus allem Jammer
Der besorgten Hungers-Noth
Die uns führt zur Todes Kammer
Und ist ärger als der Tod.
Unser Mäßlein uns bescher
Überfluß und Mangel wehr.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

7. Hilf uns, Herr, aus allem Leiden
In der letzten Todesnot,
Laß uns fahren hin mit Freuden
Und durch deinen bittern Tod
Kommen in das Paradeis
Uns zur Freude, dir zum Preis.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

8. Hilf uns Herr aus allen Ängsten
Dieser eitel kurzen Zeit
In das Land da wir am längsten
Bleiben in all Ewigkeit:
In das schöne Paradeis
Uns zur Freude, dir zum Preis
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

9. Hilf uns Herr aus allem Zweiffel
In der höchsten Seelen-Angst
Die uns Welt, Vernunft und Teufel
Eingebildet hat vorlangst.
O Herr Jesu, laß dein Wort
Sein und bleiben unser Hort.
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

10. Hilf uns Herr aus allem Grauen
In der größten Sünden-Angst
Daß wir auf die Zahlung bauen
Die du hast gethan vorlangst.
O Herr Jesu laß dein Blut
Mir ja kommen auch zu gut!
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

11. Hilf uns Herr in letzten Zügen
Aus der letzten Höllen-Angst,
Laß uns Ritterlich obsiegen
Wie du obgesieget langst.
O Herr Jesu, deine Hand
Leist uns Beistand und Bestand!
Hilf uns, Herr, in allen Dingen,
Und laß alles wohl gelingen.

Rinckart, Martin – Vater unser der Elenden

Vater unser der Elenden,
Willst du nicht mehr Vater sein?
Willst du gar dein Herz abwenden
Von uns, deinen Kinderlein?
Jesu, Jesu, Gottes Sohn,
Der du bist in’s Himmelthron,
Soll denn nun dein Stuhl auf Erden
Ganz und gar gestürzet werden?

Hörst du nicht, wie dein Name
Und dein theuerwerthes Wort
Und dein rechter Kirchensame
Wird gelästert fort und fort?
Wie Viel unter Christenschein
Heiden und Unchristen sein?
Soll denn nun dein Nam‘ auf Erden
Ganz und gar vertilget werden?

Soll denn nun zu Gut und Frommen
Dein heilwärtig Gnadenreich
Uns und keinem Menschen kommen?
Willst du denn der Erden gleich
Kirchen, Schulen und Altar
All‘ umkehren ganz und gar?
Soll denn nun dein Reich auf Erden
Von uns selbst zerstöret werden?

Alles geht nach Satans Willen;
Welt und Fleisch ihm stimmet zu.
Kannst du sie denn nicht mehr stillen,
Und uns schaffen Fried‘ und Ruh‘?
Aller Himmel Himmels-Heer‘
Dienen willig deiner Ehr‘;
Und dein Wille soll auf Erden
Nimmermehr erfüllet werden?

Willst du uns kein Brod mehr geben,
Oder ist zu kurz dein‘ Hand?
Wovon sollen wir denn leben?
Feind und Freund verheert das Land;
Alles lieget brach und öd‘,
Alles ist voll Krieg und Fehd‘:
Ach soll denn kein Fried‘ auf Erden
Nimmermehr geheget werden?

Willst du uns denn ewig hassen
Und ohn‘ Ende zürnen nun?
Keine Missethat erlassen
Denen auch, die Buße thun?
Jesu, unser Heil und Hort,
Wo ist dein Versöhnungswort?
Ach soll denn dein Blut auf Erden
So umsonst vergossen werden?

Lässest du uns so versuchen
Und hinfallen ganz und gar,
Daß dir auch die Frommen fluchen
In Anfechtung und Gefahr?
Hilf, o Helfer, hilf bei Zeit
Deiner armen Christenheit!
Ach soll nun die Höll‘ auf Erden
Auch von uns erbauet werden?

Alles Uebel hat betroffen
Leib und Seele, Gut und Ehr‘;
Haben wir denn nichts zu hoffen
Und gar kein Erlösung mehr?
Komm, du Himmels-Friedefürst!
Komm! nach dir uns allen dürst’t,
Ehe wir mit dir auf Erden
Gar zu Koth und Nichte werden!

Amen! Herr, in deinem Namen,
Du getreuer Amens-Gott,
Ist ja alles Ja und Amen,
Du hast über Höll‘ und Tod
Reich und Kraft und Herrlichkeit
Vor und in und nach der Zeit.
Amen! Herr, in deinem Namen,
Sei es alles Ja und Amen!

Martin Rinckart – Biographische Notizen

Rinkhard, M. Martin, geboren zu Eilenburg den 22. April 1586, wurde 1619 Cantor zu St. Nikolai in Eisleben, hierauf Diakonus bei St. Anna daselbst, 1613 Pastor zu Erdeborn ohnweit Eisleben, und 1617 Archidiakonus zu Eilenburg, wo er am 8. December 1649 starb.