Reissner, Adam – Nach dem Essen.

Psalmus 104. Benedic anima mea Domino.

O Mein seel, Gott den Herren lob,
der mit gezierd hoch leuchtet!
Sein herrligkeit schwebt ewig ob,
sein güt die erd befeuchtet,
Das sie bringt frucht auff berg und thal,
kraut, korn und anders uberal,
zu dienst dem viech und menschen.

Du lesst das brot, Herr, uns zu gut
auffwachsen von der erden,
Den wein, der frölich macht den mut,
das öl lesst uns auch werden;
Dein wunderwerck sind gros und viel,
dein reiche gaben han kein ziel,
die alle erd erfüllen.

All creatur wart auff dich hie,
das du jr gebst jr speise,
Denn gibstu jr, so nimet sie,
thustu jr dein hand weisen,
So werden sie mit gütern sat,
dagegen auch krafftlos und matt,
wenn du dein gnad verbirgest.

Wenn du jnen den geist entwendst,
zu staub sie wieder werden;
Alls lebt, wenn du deinn Geist aussendst,
und wird vernewt die erden.
Den Herren all mein lebenlang
wil loben ich mit meim gestan
und singen Haleluja.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reissner, Adam – Der XLV. Psalm.

Exuctauit cor meum verbum.

(Ein new außerlesen Gesangbüchlin für die Kirchen. Strasburg 1568, in 8°. Seite LXXXVII.)

MEin hertz hat gutes wort betracht
und meine werck ein künig gmacht,
Deshalben sol die zunge mein
eins schnellen schreibers feder sein.

Der schönst ob allen menschen bist,
dein mundt voll gnad unnd lieblich ist,
Darumb hat Gott gesägnet dich
unnd hoch begaabet ewigklich.

Dein schwärdt an deine seiten gürt,
o starcker held, mit schmuck und zierd,
Darinn dir wol gelingen soll,
gerecht bist, milt und warheit voll.

Groß wunder thut dein rechte hand,
sie bringt die feind in gfar und schand,
Dein pfeil seind scharpff, verwundend bald,
die völcker kommen in dein gwalt.

Dein Göttlichs reych bstat ewig frist,
dein stab auffrecht und billich ist,
Gerechtigkeit du liebest zwar,
boßheit und args verhasset gar.

Darumb, mein Christe, Herr und Gott!
mit fröuden voll dich gsalbet hat
Gott Vatter mit der völle sein
mehr dann sunst all verwandten dein.

All kleider dein wolriechend sein,
aus luter helffenbeinem schrein;
die Künigklichen töchtern all
die fröuwend sich in deinem saal.

Die braut stat an deinr rechten hand
in guldin stück und reichem gwand:
Dem küng, o tochter, ghorsam biß,
deins volcks und Vatters hauß vergiß!

So wirt der künig han zu dir
und zu deinr schöne lust und bgyr;
Hast acht auff jn, er ist dein Herr,
fall jm zu fuß, beweiß jm eer!

Auff disem grossen hochzeit fest
vereerend dich die reichen gest,
Gantz kostlich ist die künigin,
keünsch, rein im gwüssen, hertz und sinn.

Sie wirt dem künig zugefürt
mit jhren gspilen wol geziert,
Ind kammer unnd ins künigs sal
kumpt sie mit fröudenreichem schall.

Für die verlaßnen eltern dein
dein kinder werdend fürsten sein.
Den künig wil bekennen ich,
preisen und eeren ewigklich.

Ehr sey dem Vatter und dem Son,
sampt heilgem Geist in einem thun,
Welchs jm auch also sey bereit
von nun an biß in ewigkeit!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reissner, Adam – Psalm XXXI. In dich hab‘ ich gehoffet, Herr

In dich hab‘ ich gehoffet, Herr,
Hilf, daß ich nicht zuschanden werd‘
Noch ewiglich zu Spotte!
Das bitt‘ ich dich, erhalte mich
In deiner Treu‘, mein Gotte!

2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir,
Erhör mein‘ Bitt‘, tu dich herfür,
Eil bald, mich zu erretten!
In Angst und Weh ich lieg‘ und steh‘,
Hilf mir in meinen Nöten!

3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei,
Sei mir ein‘ Burg, darin ich frei
Und ritterlich mög‘ streiten
Wider mein‘ Feind‘, der gar viel seind
An mich auf beiden Seiten.

4. Du bist mein‘ Stärk‘, mein Fels, mein Hort,
Mein Schild, mein‘ Kraft (sagt mir dein Wort),
Mein‘ Hilf‘, mein Heil, mein Leben,
Mein starker Gott in aller Not;
Wer mag mir widerstreben?

5. Mir hat die Welt trüglich gericht’t
Mit Lügen und mit falschem G’dicht
Viel‘ Netz‘ und heimlich‘ Stricke;
Herr, nimm mein wahr in dieser G’fahr,
B’hüt‘ mich vor falscher Tücke!

6. Herr, meinen Geist befehl‘ ich dir;
Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir,
Nimm mich in deine Hände!
O wahrer Gott, aus aller Not
Hilf mir am letzten Ende!

7. Glori, Lob, Ehr‘ und Herrlichkeit
Sei Gott Vater und Sohn bereit,
Dem Heil’gen Geist mit Namen.
Die göttlich‘ Kraft mach‘ uns sieghaft
Durch Jesum Christum! Amen.

Adam Reissner – Biographische Notizen

Reißner, Adam, geb. 1471, ein Schüler des berühmten Dr. Johann Reuchlin, von dem er besonders die hebräische und griechische Sprache erlernte. Er war Geheimschreiber des berühmten Georg v. Freundsberg, früher Erzieher der Söhne desselben, die sich unter den Kaiserl. Hauptleuten des Fußvolks auszeichneten. Er begleitete 1527 das Kaiserl. Heer unter Karls v. Bouthon und des alten Freundsberg Führung auf dem welthistorischen Zuge nach Rom. Er focht, wie alle Kriegesbeamte, auch im Gliede der Landesknechte, und hinterließ über die Ereignisse der Jahre 1526-30, namentlich über die Einnahme von Rom, wichtige Memoiren, welche er unter dem Titel herausgab: „Historie der Herren Grafen Georg u. Kaspar v. Freundsberg.“ und die im letzten Viertel des 16. Jahhunderts erschienen. Auf seinen Taufnamen machte er sich folgendes Symbolum:

Was lebt, das stirbt, durch Adams Noth;
Was stirbt, das lebt, durch Christi Tod.

Er starb zu Frankfurt a,. M. im hohen Alter