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Kategorie: Reissner Adam

Reußner, Adam – Das Leiden vnnsers Herrn Jhesu Christi

Reußner, Adam – Das Leiden vnnsers Herrn Jhesu Christi

Im Thon Maria zart.

O Mensch! beklag dein sünd all tag,
vnd fass es wol zu hertzen:
Für dich den todt gelitten hat
Gotts Sun mit großem schmertzen!
Vom Vatterlandt ward er gesandt
zu vnns auf diese erde,
von einer Junckfrawn werde
ward er geporn, das nit verlorn
wurd menschlichs gschlecht, herwider brecht,
was Adam hett verderbet.
wers nit bedenckt, sich nit drein senckt,
kain gnad von Got ererbet.

Vor seinem todt ist Christus spat
mit seinen Jüngern gsessen:
Das Osterlamb inns werck da kam,
zuvor Figürlich gessen.
Das süsse prot er gnommen hat,
gedancket vnd gebrochen,
darauf zu inen gsprochen:
Nemmt hin vnd esst! solchs wol ermesst:
mein leib ist das. Er namms trinckglaß,
dankt, vnnd hats ihnen geben:
Trinckt darauß all: in gleichem fall
trenckt euch mein Blut zum leben.

Mein leib vnd blut ich euch zu gut
wird geben vnd vergiessen,
Das wirdt ewr speiß, gaistlicher weiß:
im glauben werdt jrs niessen.
Dann yetzund wirt gschlagen der Hirt,
die Schaf zerstrewet alle:
jr werdt von mir abfallen.
ich wird vom todt als Herr vnd Got
wider aufston vnd euch vorgon
inns himlisch Vatterlande:
das sey ewr trost, jr werdt erloßt
durch mein Creütz, tod vnd schande.

Inn garten gieng der Herr, anfieng
das hail wider zu pringen,
Das Adam vor gentzlich verlor:
mit tod hüb an zu rinngen;
Blutschwaiß abfloß vor ängsten groß,
er haißt betten vnd wachen,
dann dhell mit jrem rachen
an vns sich richt. Auffs angesicht,
fiel nider Er: O mein Vatter,
nimm hin das bitter trancke!
doch das du willt, das werd erfüllt:
das fleisch ist schwach vnd krancke.

Das war wol schein ann Jüngern sein,
die fand er allzeit schlaffen.
Judas sich rüst zur selben frist,
mit grosser schar kam glauffen:
Sy hetten bschaid der Oberkait
gaistlichs vnd weltlichs Stannde,
mit waffen vnd mit bannde.
Jesus geet hin, entgegen jn:
das götlich Lamb zum schlachten kam.
sprach zum Juda: Gsell, was thust da?
O wie pöß Adams kinder!

Sie giengen hin vnd fiengen jn
wie ainen Dieb, gebunden.
Die Jünger all flohen zu mal.
Jesus sprach zu den stunden:
Ir kumbt daher, als ob ich wer
ain Mörder vnd Verräter,
der gröste vbelthäter!
so jr doch ghört, das ich hab glert
die warhait frey, ewr hail darbey
gesucht als der Hailande:
Ists der welt lon, das Gottes Son
für sein wolthat leidt schannde?

Die Juden dann den gfangen Mann
zum Hohen Priester brachten;
Dahin auch war der glerten schar
versamelt, vnnd betrachtten
wie sy jn möchten tödten,
vil vrsach suchen theten.
Fanden doch nicht, vnd hand erdicht:
er hat gelert, wir habens ghört,
den Tempel wöll zerstören,
annders gebew wöll machen new:
im seine wort verkören.

Der Bischof grim, der sprach zu jm:
willt vnnser Kirch vernichten?
Den Tempeldienst du vns verhönst,
willt newe Sect anrichten!
Das lamb das schwyg zu diser lüg:
zu Hot glitt kein entschulden,
die warhait tregt vnhulde.
Ich bschwör dich hoch! der bischof sprach,
drumb sag mir nun:bist du Gotts Sun,
der Christ, nach dem wir fragen?
Jesus bekannt: Wie du mich genannt!
das zeugen dwerck vor augen.

Der ich hie ston, dess menschen Son,
von eüch verdampt vnd gschmähet,
Wirdt kommen baldt in Götlich gwalt,
nach meim leiden erhöhet!
So sollichs wort der Bischoff hort,
hat er sein Klaid zerrissen
vnd sprach: Wir all yetzt wissen,
das der mensch hat gelestert Got,
verwirckt den todt! Das bstät der rath!
die vrtail sy bald schryen.
Sein schonens nicht: inns angesicht
schlugens jn vnd anspeyen.

Die falschen leüt zu diser zeit
vil falsche zeugknus dichten,
Zu morgens fru eyltens on ru
zum Kaiserlichen Richter:
Nymb hin, Pylat! der vor dir stat,
der ist ain newer Lerer,
den todt verschuldt, dess Kaisers huld
hat er verlorn: ain Küng geporn
nennt er sich vnuerborgen;
die vrtail fell: er ist ain gsell,
der am Creütz soll erworgen.

Pilatus sagt: Hör, was man klag
bist du der Juden König?
Jesus sagt frey, ain Küng er sey,
zur klag antwortt er wenig.
Pilatus pflag auf disen tag
ainn gfanngnen ledig zgeben:
Jesum wolt lassen leben;
da schry der Gwalt vnnds volck gar baldt:
Laß Barraban, den pösen man!
Jesus muß kurtzumb sterben!
ans Creütz jn henck, nit anders denck:
er soll kain huld erwerben!

Pilatus sprach, als er das sah:
ich kan kain schulde finden
An disem Man: was hat er than?
der neid thut euch verblenden!
Sy schryen ser, lennger ye mer:
amm Creutz soll werden gschlachtet
vnd sein Nam gar verachtet!
Pilatus spricht: OOb ich jn richt,
wäcsch ich mein hend, dschuld auff eüch wend:
er ist gerecht, on sünde!
Sy schryen all: Sein blut das fall
auf vnns vnd vnnsre kinder!

Pilatus war beredet gar:
Barraban ließ er lauffen;
Den Herren zart mit gaißlen hart
auf Römisch weiß ließ straffen.
Die vrtail fellt, das Christus söllt,
der Richter aller Erden,
anns Creütz gehencket werden.
das Kriegsvolck kam vnd jn annam,
im Richterhauß zoh es ihn auß,
mit gspött jm gab ain Kron vnd Stab,
mit glächter, schmach vnd schande.

Als nun Kriegsknecht jhn gnug geschmeht,
das klaid abzogen, wider
Anglegt sein Rock, des Creützes block
trucket den Herren nider.
Ann Galgenberg bracht jn der scherg;
der Herr fieng an zu sincken:
da gabens jm zu trincken,
ain bitters tranck. O pöser danck!
sein leibe ploß mit neglen groß
ans holtz ward außgestrecket!
O mensch, nu schaw! die Schlang hangt da,
die dich vom tod erwecket.

Sy hat nit bnügt, habend zugefügt,
zwen Mörder an sein seyten;
Gleich wie ain wurmb lidt er ain sturmb,
veracht von allen leuten.
Bist du der Tempelbrecher,
so bis yetzt selbs dein recher,
bist ud Gots Son? hilff dir davon!
hast annder ghailt vnd hilff mittailt;
es will dich Got nit haben!
Küng Israel, vom Creütz steig schnel,
so wöln wir an dich glauben!

Es ist der Wellt hie fürgestellt,
der vnns mit Got versünet.
Zwen vngerecht seind menschlichs gschlecht,
das ewig straff verdienet:
Der lincke tail verachtt Gotts hail,
der Püsser sein Sünd kennet,
Christum sein Hailand nennet,
spricht: Gedenck mein imm Reiche dein!
dein götlich krafft mach mich tailhafft
deins lebens durch dein sterben
Wer solchs nit sucht, der bleibt verflucht:
inn Sünden muß er sterben.

Die Finsternus war dick vnd groß,
das Liecht thet sich abkören.
Im flaisch gots wort hie leidet mordt,
sein stymm ließ er starck hören:
Alls volbracht hab! Sein gaist aufgab.
der Fürhanng ward zerrissen:
da wirdt gehailt das gwissen,
jm aufgethon dess Himmels Thron;
es hilfft sein todt vnns auß der not,
der recht Priester hat geben,
zum Opffer gstellt für dsünd der welt
sein leib vnd blut zum leben!

Himmel vnd Erd hand klar bewert,
das Got im flaisch gelitten:
Erdbidmen gschicht, manch felß zerbricht,
die greber sich erschütten,
Die fromme Schar, die gstorben war,
ist yetzt wider erstannden,
loß von der Hellen bannden,
vom tod gfürt auß in Gottes hauß;
er ist Gotts Son, wie der Hauptman
sampt seinem volck verjehen:
erschracken gschwind, dz dwelt so blind
Gots wunnder nit soll sehen.

Am Sabbath tag imm grab er lag;
da haufften sich die glerten
Dem Fürsten zu sprachen on ru:
wir dencken dess verkerten,
Das er er gsagt frey, nach tagen drey
wöll er erstan zum leben:
drumb sollt du Hütter geben,
das die letst gferd nit erger werd!
bestellt Kriegswacht, vnds grab vermacht:
Christus nit solt aufkommen:
das gschiht auch heut vnd alle zeyt,
dwelt hasset alle frommen.

O mensch! hab acht vnd wol betracht,
wer der sey, der gelitten,
Vnschuldigklich also für dich
inn bittern tod geschritten!
Solch hohe sach dir fruchtbar mach!
thus in deim hertz bedencken
vnd dich gentzlich drein sencken!
so wirdst erlößt, in Got getröst,
an leib vnd Seel all deinem fel
mit der Artzney magst püssen:
für sünd vnd schad schöpf hail vnd gnad,
im glauben magst dus gniessen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reissner, Adam – Nach dem Essen.

Reissner, Adam – Nach dem Essen.

Psalmus 104. Benedic anima mea Domino.

O Mein seel, Gott den Herren lob,
der mit gezierd hoch leuchtet!
Sein herrligkeit schwebt ewig ob,
sein güt die erd befeuchtet,
Das sie bringt frucht auff berg und thal,
kraut, korn und anders uberal,
zu dienst dem viech und menschen.

Du lesst das brot, Herr, uns zu gut
auffwachsen von der erden,
Den wein, der frölich macht den mut,
das öl lesst uns auch werden;
Dein wunderwerck sind gros und viel,
dein reiche gaben han kein ziel,
die alle erd erfüllen.

All creatur wart auff dich hie,
das du jr gebst jr speise,
Denn gibstu jr, so nimet sie,
thustu jr dein hand weisen,
So werden sie mit gütern sat,
dagegen auch krafftlos und matt,
wenn du dein gnad verbirgest.

Wenn du jnen den geist entwendst,
zu staub sie wieder werden;
Alls lebt, wenn du deinn Geist aussendst,
und wird vernewt die erden.
Den Herren all mein lebenlang
wil loben ich mit meim gestan
und singen Haleluja.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reissner, Adam – Der XLV. Psalm.

Reissner, Adam – Der XLV. Psalm.

Exuctauit cor meum verbum.

(Ein new außerlesen Gesangbüchlin für die Kirchen. Strasburg 1568, in 8°. Seite LXXXVII.)

MEin hertz hat gutes wort betracht
und meine werck ein künig gmacht,
Deshalben sol die zunge mein
eins schnellen schreibers feder sein.

Der schönst ob allen menschen bist,
dein mundt voll gnad unnd lieblich ist,
Darumb hat Gott gesägnet dich
unnd hoch begaabet ewigklich.

Dein schwärdt an deine seiten gürt,
o starcker held, mit schmuck und zierd,
Darinn dir wol gelingen soll,
gerecht bist, milt und warheit voll.

Groß wunder thut dein rechte hand,
sie bringt die feind in gfar und schand,
Dein pfeil seind scharpff, verwundend bald,
die völcker kommen in dein gwalt.

Dein Göttlichs reych bstat ewig frist,
dein stab auffrecht und billich ist,
Gerechtigkeit du liebest zwar,
boßheit und args verhasset gar.

Darumb, mein Christe, Herr und Gott!
mit fröuden voll dich gsalbet hat
Gott Vatter mit der völle sein
mehr dann sunst all verwandten dein.

All kleider dein wolriechend sein,
aus luter helffenbeinem schrein;
die Künigklichen töchtern all
die fröuwend sich in deinem saal.

Die braut stat an deinr rechten hand
in guldin stück und reichem gwand:
Dem küng, o tochter, ghorsam biß,
deins volcks und Vatters hauß vergiß!

So wirt der künig han zu dir
und zu deinr schöne lust und bgyr;
Hast acht auff jn, er ist dein Herr,
fall jm zu fuß, beweiß jm eer!

Auff disem grossen hochzeit fest
vereerend dich die reichen gest,
Gantz kostlich ist die künigin,
keünsch, rein im gwüssen, hertz und sinn.

Sie wirt dem künig zugefürt
mit jhren gspilen wol geziert,
Ind kammer unnd ins künigs sal
kumpt sie mit fröudenreichem schall.

Für die verlaßnen eltern dein
dein kinder werdend fürsten sein.
Den künig wil bekennen ich,
preisen und eeren ewigklich.

Ehr sey dem Vatter und dem Son,
sampt heilgem Geist in einem thun,
Welchs jm auch also sey bereit
von nun an biß in ewigkeit!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reissner, Adam – Psalm XXXI. In dich hab‘ ich gehoffet, Herr

Reissner, Adam – Psalm XXXI. In dich hab‘ ich gehoffet, Herr

In dich hab‘ ich gehoffet, Herr,
Hilf, daß ich nicht zuschanden werd‘
Noch ewiglich zu Spotte!
Das bitt‘ ich dich, erhalte mich
In deiner Treu‘, mein Gotte!

2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir,
Erhör mein‘ Bitt‘, tu dich herfür,
Eil bald, mich zu erretten!
In Angst und Weh ich lieg‘ und steh‘,
Hilf mir in meinen Nöten!

3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei,
Sei mir ein‘ Burg, darin ich frei
Und ritterlich mög‘ streiten
Wider mein‘ Feind‘, der gar viel seind
An mich auf beiden Seiten.

4. Du bist mein‘ Stärk‘, mein Fels, mein Hort,
Mein Schild, mein‘ Kraft (sagt mir dein Wort),
Mein‘ Hilf‘, mein Heil, mein Leben,
Mein starker Gott in aller Not;
Wer mag mir widerstreben?

5. Mir hat die Welt trüglich gericht’t
Mit Lügen und mit falschem G’dicht
Viel‘ Netz‘ und heimlich‘ Stricke;
Herr, nimm mein wahr in dieser G’fahr,
B’hüt‘ mich vor falscher Tücke!

6. Herr, meinen Geist befehl‘ ich dir;
Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir,
Nimm mich in deine Hände!
O wahrer Gott, aus aller Not
Hilf mir am letzten Ende!

7. Glori, Lob, Ehr‘ und Herrlichkeit
Sei Gott Vater und Sohn bereit,
Dem Heil’gen Geist mit Namen.
Die göttlich‘ Kraft mach‘ uns sieghaft
Durch Jesum Christum! Amen.

Adam Reissner – Biographische Notizen

Adam Reissner – Biographische Notizen

Reißner, Adam, geb. 1471, ein Schüler des berühmten Dr. Johann Reuchlin, von dem er besonders die hebräische und griechische Sprache erlernte. Er war Geheimschreiber des berühmten Georg v. Freundsberg, früher Erzieher der Söhne desselben, die sich unter den Kaiserl. Hauptleuten des Fußvolks auszeichneten. Er begleitete 1527 das Kaiserl. Heer unter Karls v. Bouthon und des alten Freundsberg Führung auf dem welthistorischen Zuge nach Rom. Er focht, wie alle Kriegesbeamte, auch im Gliede der Landesknechte, und hinterließ über die Ereignisse der Jahre 1526-30, namentlich über die Einnahme von Rom, wichtige Memoiren, welche er unter dem Titel herausgab: „Historie der Herren Grafen Georg u. Kaspar v. Freundsberg.“ und die im letzten Viertel des 16. Jahhunderts erschienen. Auf seinen Taufnamen machte er sich folgendes Symbolum:

Was lebt, das stirbt, durch Adams Noth;
Was stirbt, das lebt, durch Christi Tod.

Er starb zu Frankfurt a,. M. im hohen Alter