Hedwig von Redern – Weiß ich den Weg auch nicht

Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl;
das macht die Seele still und friedevoll.
Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,
dass ängstlich schlägt das Herz, sei’s spät, sei’s früh.

Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit,
dein Plan ist fertig schon und liegt bereit.
Ich preise dich für deiner Liebe Macht,
ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht,
und du bebietest ihm, kommst nie zu spät.
Drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug;
du weißt den Weg für mich – das ist genug.

Hedwig von Redern – Näher, noch näher, fest an dein Herz

Näher, noch näher, fest an dein Herz
ziehe mich, Jesu, durch Freude und Schmerz!
Birg mich aus Gnaden in deinem Zelt,
schirme und schütze mich, Heiland der Welt,
schirme und schütze mich, Heiland der Welt.

Näher, noch näher! Nichts hab ich hier,
nichts was als Opfer, Herr, tauget vor dir;
ach, nur ein sündges Herze ist mein,
Jesus, mein König, o wasche mich rein!
Jesus, mein König, o wasche mich rein!

Näher, noch näher! Ganz in den Tod
gebe ich willig, mein Heiland und Gott,
was deinen Segen hemmte in mir:
weltliche Freuden und irdische Zier,
weltliche Freuden und irdische Zier.

Näher, noch näher, völliger frei,
bis alles eigene Rühmen vorbei,
bis all mein Leben dein Abglanz ist und du,
Herr Jesu, mein alles mir bist!
Und du, Herr Jesu, mein alles mir bist!

Hedwig von Redern – Herr, führe Du die Sache

Herr, führe du die Sache meiner Seele,
dann ist um nichts mehr bange deinem Kind,
wenn du mich auch in Mara rasten ließest
und mich vor bittern Wassern stehen hießest,
ich weiß, dass deine Wege Liebe sind,
ich weiß, dass deine Wege Liebe sind.

Ja, führe du die Sache meiner Seele,
sträubt sich mein Ich auch gegen deine Hand,
ach lass es endlich doch am Kreuze sterben,
und jeden Anspruch, jeden Wunsch verderben,
der sich nicht voll und ganz dir zugewandt,
der sich nicht voll und ganz dir zugewandt.

Ich danke dir, dass du auf halbem Wege,
nicht stehen bleibst, nein, dass dein Plan gemacht,
durch wüste Strecken und durch dürre Zeiten
willst du die Seele doch nur zubereiten
fürs Heimatland, wo ihr die Sonne lacht,
fürs Heimatland, wo ihr die Sonne lacht.

O, wie viel Mühe mach ich meinem Hirten
und meinem eignen Herzen wie viel Pein!
Und doch hast nie du die Geduld verloren,
hast solch Geschöpf zum Eigentum erkoren,
ich darf bei dir zu Haus, Herr Jesu, sein,
ich darf bei dir zu Haus, Herr Jesu, sein.

Drum führe du die Sache meiner Seele,
ich lege alles, alles vor dich hin,
ich traue deinem heil’gen, treuen Walten,
ich warte auf dein Wirken und Gestalten
und weiß: wie du es fügst, ist’s mir Gewinn,
und weiß: wie du es fügst, ist’s mir Gewinn.

Redern, Hedwig von – Der Herr, dem nichts unmöglich

Der Herr, dem nichts unmöglich,
grüßt dich zum neuen Jahr.
Er bietet sich dir selber
zum Schild und Schutze dar.

Er wird dir alles schenken,
was nutz dir ist und gut,
und deine Schritte lenken,
ging’s auch durch Wasserflut.

Du brauchst dich nicht zu fürchten,
du bleibst ja nicht allein,
er selbst will alle Tage
bei seinem Kinde sein.

Er deckt’s mit seinen Flügeln,
er trägt’s in seiner Macht.
Glaub’ du nur ohne Klügeln:
Er sorgt, er liebt, er wacht!

Was dir dann auch begegne
in dieses Jahres Lauf,
es muß zum Besten dienen,
drum nimm es still in Kauf!

Und er will dir begegnen!
O Seele, sage an,
was unter Jesu Segnen
dir je wohl mangeln kann?

Redern, Hedwig von – Fülle in Christus

Fülle der Liebe und Fülle der Freuden,
Fülle des Segens hat Jesus für dich.
Nichts darf vom Strom seiner Gnade dich scheiden.
Tauch in die Fülle, die niemals entwich.

Fülle in ihm! Für die Kraftlosen Stärke,
volles Genüge! Nichts mangelt uns mehr,
wenn wir uns bergen im fertigen Werke
seiner Erlösung, und das ist nicht schwer.

Glaub’ es, glaub’ es, er nimmt die Hülle
von deinen Augen, bis daß du’s erkannt:
Dir zur Verfügung steht all seine Fülle.
Nimm sie aus Jesu geöffneter Hand!

Redern, Hedwig von – Kein Sterben

Ach nein, das ist kein Sterben,
Wenn Christen heimwärts gehn,
Es ist nur ein Verwandeln
Vom Glauben in das Sehn.

Es ist ein Aufwärtsschwingen
Dahin, wo sie zu Haus,
Von Fremdlingschaft zur Freiheit,
Zur Ruh vom Weltgebraus.

Sie gehn vom Erdendunkel
Ins helle, schöne Licht;
Sie tauschen Kreuz mit Krone
Vor Jesu Angesicht.

Ach nein, das ist kein Sterben,
Es ist Triumph und Glück!
Drum laßt sie uns nicht halten,
Nicht sehnen sie zurück.

Sie sind vorangegangen,
Wir bleiben draußen stehn,
Es ist nur um ein Kleines,
Dann kommt ein Wiedersehen.

Es ist nur um ein Kleines,
Ein Stückchen Weges hier,
Ein kurzes Einsamwandern,
Ein Tag – dann folgen wir!

Das Perlentor bleibt offen,
Bis Gott spricht: Nun ist’s Zeit!
Und unser harrend Hoffen,
Wird Schau’n und Seligkeit.

Rappard – Durch Leid zur Herrlichkeit

Redern, Hedwig von – Soll ich dir’s sagen, was dir fehlt?

Soll ich dir’s sagen, was dir fehlt?
Dir fehlt ein Arzt für deine Wunden,
damit die Seele kann gesunden,
die tief verborgner Schaden quält.

Du brauchst ihn nötig, ihn allein.
Die Brunnen, die die Welt gegraben,
sind löchrig, können dich nicht laben,
ihr trübes Wasser macht nicht rein.

Du gingst auf eignen Wegen hier
und suchtest deine eigne Ehre,
und dennoch griffst du nur ins Leere,
und neue Not war dein Gewinn.

Doch wenn du dich zur Quelle kehrst,
wenn du dich Jesu übergeben,
durchströmt er dich mit neuem Leben,
du hast, was immer du begehrst.

Statt Kampf und Unrast wird dir Ruh,
und statt der Sorge tiefer Frieden,
und neue Kraft wird dir beschieden,
er deckt all deinen Mangel zu.

Der Reichtum, der verborgen liegt
im Herrn, soll ja dein eigen werden,
du wanderst durch den Streit der Erden
als einer, der schon obgesiegt.

Dies alles und noch mehr ist dein.
Willst du nicht kommen und es fassen,
um nie es wieder loszulassen?
Willst du nicht endlich glücklich sein?

Redern, Hedwig von – Wenn die wir liebten scheiden

Wenn die wir liebten scheiden,
So geht von unserm Herz,
Es läßt sich nimmer meiden,
Ein Stück mit himmelwärts.

Wenn wir solch Heimwärtsgehen
Zu Jesu oft geschaut,
Wird die Gemeinde droben
Uns mehr und mehr vertraut.

Bis endlich uns die Erde
Nur noch ein fremdes Land,
Weil droben wir viel besser
Als drunten sind bekannt.

Und unser Herzverlangen
Nur immer aufwärts steigt,
Bis wir die Kron‘ empfangen
Und sich die Stadt uns zeigt.

Rappard – Durch Leid zur Herrlichkeit

Redern, Hedwig von – Will mir die Kraft versagen

Will mir die Kraft versagen,
blick ich auf dich,
Du wirst mich heben, tragen,
und rettest mich.

Du hast Dein Wort verpfändet,
Du wirst es tun,
Dein Leben dran gewendet,
drauf kann ich ruhn.

Ich laß in Deinen Händen,
was mir zu schwer;
Du wirst’s zum Segen wenden –
was will ich mehr?

Du hüllst mein ganzes Leben
in Liebe ein,
wovor sollt‘ ich noch leben
und bange sein?