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Kategorie: Gerhardt Paul

Gerhardt, Paul – Du meine Seele singe

Gerhardt, Paul – Du meine Seele singe

Du meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchen alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.

Ihr Menschen laßt euch lehren,
Es wird sehr nützlich sein:
Laßt euch doch nicht betören
Die Welt mit ihrem Schein.
Verlasse sich ja keiner
Auf Fürstenmacht und -gunst,
Weil sie wie unser einer
Nichts sind, als nur ein Dunst.

Was Mensch ist, muß erblassen
Und sinken in den Tod;
Er muß den Geist auslassen,
Selbst werden Erd und Kot.
Allda ists dann geschehen
Mit seinem klugen Rat
Und ist frei klar zu sehen,
Wie schwach sei Menschentat.

Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.

Hier sind die starken Kräfte,
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte,
die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzählge Herde
im großen wilden Meer.

Hier sind die treuen Sinnen,
die niemand unrecht tun,
all denen Gutes gönnen,
die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden,
und was er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden,
den schützt er im Gericht.

Er weiß viel tausend Weisen,
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen
oft bei geringem Mahl,
und die da sind gefangen,
die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden,
erleuchtet ihr Gesicht,
und die sich schwach befinden,
die stellt er aufgericht.
Er liebet alle Frommen,
und die ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen,
an ihm den besten Freund.

Er ist der Fremden Hütte,
Die Waisen nimmt er an,
Erfüllt der Witwen Bitte,
Wird selbst ihr Trost und Mann;
Die aber, die ihn hassen,
Bezahlet er mit Grimm,
Ihr Haus, und wo sie saßen,
Das wirft er üm und üm.

Ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König,
ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein Zelt,
ists billig, daß ich mehre
sein Lob vor aller Welt.

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

Gerhardt, Paul – Du bist zwar Mein und bleibest Mein

  1. Du bist zwar Mein und bleibest Mein
    (Wer will mir anders sagen?),
    doch bist du nicht nur mein allein;
    Der HErr von ewigen Tagen,
    der hat das meiste Recht an dir,
    der fordert und erhebt von mir
    dich, o mein Sohn, mein Wille,
    mein Herz und Wunsches Fülle.
  2. Ach, gült es Wünschens, wollt ich dich,
    du Sternlein meiner Seelen,
    vor allem Weltgut williglich
    mir wünschen und erwählen;
    Ich wollte sagen: `Bleib bei mir!
    Du sollst sein meines Hauses Zier:
    An dir will ich mein Lieben
    bis in mein Sterben üben.´
  3. So sagt mein Herz und meint es gut,
    GOtt aber meints noch besser.
    Groß ist die Lieb in meinem Mut,
    in GOtt ist sie noch größer.
    Ich bin ein Vater und nichts mehr,
    GOtt ist der Väter Haupt und Ehr,
    ein Quell, da Alt und Jungen
    in aller Welt entsprungen.
  4. Ich sehne mich nach meinem Sohn,
    und der mir ihn gegeben
    will, daß er nah an seinem Thron
    im Himmel solle leben.
    Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt!
    Gott spricht: Willkomm‘n, du liebes Kind,
    dich will ich bei mir haben
    und ewig reichlich laben.’
  5. O süßer Rat o schönes Wort
    und heilger als wir denken!
    Bei GOtt ist ja kein böser Ort,
    kein Unglück und kein Kränken,
    kein Angst, kein Mangel, kein Versehen,
    bei GOtt kann keinem Leid geschehn;
    Wen GOtt versorgt und liebet,
    wird nimmermehr betrübet.
  6. Wir Menschen sind ja auch bedacht,
    die Unsrigen zu zieren;
    Wir gehn und sorgen Tag und Nacht,
    Wie wir sie wollen führen
    in einen seinen sel‘gen Stand,
    und ist doch selten so bewandt
    mit dem, wohin sie kommen,
    als wirs uns vorgenommen.
  7. Wie manches junge fromme Blut
    wird jämmerlich verführet
    durch bös Exempel, daß es tut,
    was Christen nicht gebühret.
    Da hat‘s denn Gottes Zorn zum Lohn,
    auf Erden nichts als Spott und Hohn,
    Der Vater muß mit Grämen
    sich seines Kindes schämen.
  8. Ein solches darf ich ja nun nicht
    an meinem Sohn erwarten;
    Der steht vor Gottes Angesicht
    und geht in Christi Garten,
    hat Freude, die ihn recht erfreut,
    und ruht von allem Herzleid;
    Er sieht und hört die Scharen,
    die uns allhier bewahren.
  9. Er sieht und hört der Engel Mund,
    sein Mündlein hilft selbst singen:
    Weiß alle Weisheit aus dem Grund
    und redt von solchen Dingen,
    Die unser keiner noch nicht weiß,
    die auch durch unsern Fleiß und Schweiß
    Wir, weil wir sind auf Erden,
    nicht ausstudieren werden.
  10. Ach, sollt ich doch von fernen stehn
    und nur ein wenig hören,
    Wenn deine Sinnen sich erhöhn
    und GOttes Namen ehren,
    Der Heilig, Heilig, Heilig ist,
    durch den du auch geheiligt bist:
    Ich weiß, ich würde müssen
    vor Freuden Tränen gießen.
  11. Ich würde sprechen: `Bleib allhier!´
    Nun will ich nicht mehr klagen:
    Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir!
    Nein; sondern: Komm du Wagen
    Eliä, hole mich geschwind
    Und bring mich dahin, da mein Kind
    und so viel liebe Seelen
    so schöne Ding erzählen.
  12. Nun, es sei ja und bleib also,
    ich will dich nicht mehr weinen.
    Du lebst und bist von Herzen froh,
    siehst lauter Sonnen scheinen,
    Die Sonnen ewiger Freud und Ruh;
    hier leb und bleib nun immerzu,
    Ich will, wills GOtt, mit andern
    auch bald hernacher wandern.
Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

Gerhardt, Paul – Das ist mir lieb, daß Gott mein Hort

  1. Das ist mir lieb, daß GOtt, mein Hort,
    So treulich bei mir stehet;
    Wenn ich bitte, wird kein Wort
    In meiner Bitt verschmähet.
    Des schwarzen Todeshand
    Samt der Höllenband
    Umfingen überall
    Mein Herz mit Angst und Qual;
    Doch hat mir GOtt geholfen.
  2. Ich kam in Jammer und in Not
    Und sank fast gar zugrunde,
    Und da sank, rief ich zu GOtt
    Mit Herzen und mit Munde:
    O HErr, ich weiß, du wirst
    Als des Lebensfürst
    Schon führen meine Sach!
    Und wie ich bat und sprach,
    So ists auch nun geschenket.
  3. Sei wieder froh und gutes Muts.
    Mein Herze, sei zufrieden,
    Der HErr, der tut dir alles Guts,
    durch ihn ist nun geschieden
    Und ferne weggebracht,
    Was mich traurig macht;
    Er hat mich aus dem Lach
    Und schwarzen Todesfach
    Mit seiner Hand gerissen.
  4. Mein Aug ist nun von Tränen frei,
    Mein Fuß von seinem Gleiten;
    Das will ich sagen ohne Scheu
    Und rühmen bei den Leuten.
    Was gar kein Mensch nicht kann,
    Das hat GOtt getan.
    Der Mensch ist Lügen voll,
    GOtt aber weiß gar wohl,
    Wie sein Wort soll halten.
  5. Ich glaube fest in meinem Sinn,
    Und was mein Herze glaubet,
    Das redt mein Mund in Einfalt hin:
    Wer GOtt vertraut, der bleibet.
    Die Welt und böse Rott
    Lacht des, mir zum Spott,
    Ja plagt mich noch dazu;
    Ich aber mein steh und ruh
    Auf dir, mein GOtt und Helfer.
  6. Du stürzest meiner Feinde Rat
    Und segnest, wenn sie schelten,
    Die soll ich doch die große Gnad
    Dir immer mehr vergelten?
    Ich will, HErr, meines Teils
    Den Kelch deines Heils,
    Der voller Bitterkeit,
    Doch mir zu Nutz gedeiht,
    Gehorsamlich annehmen.
  7. Was du mir zugemessen hast,
    Das will ich gerne leiden;
    Wer fröhlich trägt des Kreuzes Last,
    Dem hilft du aus mit Freuden.
    Du weißt der Deinen Not
    Und hältest ihren Tod
    Sehr hoch, sehr lieb und wert,
    Auch läßt du auf der Erd
    Ihr Blut nicht ungerochen.
  8. So zürne nun gleich alle Welt
    Mit mir, HErr, deinen Knechte:
    Du, du deckst mich in deinem Zelt
    Und reichst mir deine Rechte.
    Darüber will ich dich
    Allstets inniglich,
    So gut ich immer kann
    Mit Dank vor jedermann
    In deinem Hause preisen.
Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

Gerhardt, Paul – Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil

  1. GOtt ist mein Licht, der HErr, mein Heil
    Das ich erwählet habe:
    Er ist die Kraft, dahin ich eil
    Und meine Seele labe.
    Was will ich mich doch fürchten nun!
    Und wer kann mir doch Schaden tun
    Auf dieser ganzen Erden?
  2. Wenn mich die böse Rott anfällt
    Und mein Fleisch will verschlingen,
    So kann sie dieser starke Heid
    Gar leicht zu Boden bringen.
    Wann sich auch gleich ein ganzes Heer
    Legt um mich her, was ists denn mehr?
    Mein Gott kann sie bald schlagen.
  3. Eine bitt ich nur, das hätt ich gern,
    Wenn mirs GOtt wollte geben,
    Daß ich bei ihm, als meinem HErrn,
    Stets wohnen sollt und leben
    Und alle meine Tag und Jahr
    In seinem Hause bei der Schar
    Der Heiligen vollbringen.
  4. Da wollt ich meine Herzensfreud
    An seinen Diensten sehen
    Und rühmen, wie zur bösen Zeit
    Mir so viel Gute geschehen,
    Da er mich fleißig hat verdeckt
    In seiner Hütten und versteckt
    In einem starken Felsen.
  5. Und also wird er ferner noch
    Mich wissen zu regieren:
    Er wird mich schützen und sehr hoch
    In sichre Örter führen:
    Mein Haupt wird über meine Feind,
    Ob sie gleich hoch erhaben seind,
    Allzeit erhöhet bleiben.
  6. Dafür will ich denn wiederum
    GOtt auf das best erhöhen:
    Sein Ruhm soll in dem Heiligtum
    Aus meinem Munde gehen:
    Ich will ihm opfern Dank und Preis,
    Ich will sein Lob, so gut ich weiß,
    Vor allem Volke singen.
  7. HErr, mein GOtt höre, wie ich schrei
    Und seufz in meinem Sinne;
    Gib, daß mein Bitten kräftig sei
    Und dein Herz eingewinne.
    Mein Herz hält dir, o treuer Hort,
    Beständig vor dein eigen Wort:
    Ihr sollt mein Antlitz suchen.
  8. Nun such ich jetzt, ach laß mich nicht
    Entgelten meiner Sünden!
    Ich suche, HErr, dein Angesicht,
    Das laß mich gnädig finden.
    Verstoße ja nicht deinen Knecht,
    Denn du biste, der mir hilfst zu recht
    Und bringt aus allen Nöten.
  9. Mein Vater, Mutter und was hier
    Sonst ist von guten Leuten,
    Das ist zu schwach und können mir
    Nicht treten an die Seiten.
    Ich bin entsetzt von aller Welt,
    GOtt aber nimmt mich in sein Zelt,
    Da find ich hohe Gnüge.
  10. HErr, macht mir gerade Bahn,
    Halt mich in deiner Gnade
    Und nimm dich meiner herzlich an,
    Daß mir kein Feind nicht schade;
    Denn viel die reden wider mich
    Und zeugen, das sie ewiglich
    Nicht können überweisen.
  11. Nach dennoch hab ich guten Mut
    Und glaube, daß ich werde
    Im Lebenslande Gottes Gut
    Dort sehn und auf der Erde.
    Frisch auf, getrost und unverzagt!
    Wers nur mit GOtt im Glauben wagt,
    Der wird den Sieg erhalten.
Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

Gerhardt, Paul – Herr, du erforschest meinen Sinn

  1. HErr, du erforschest meinen Sinn
    und kennest, was ich hab und bin,
    Ja, was mir selbst verborgen ist,
    das weißt du, der du alles bist.
  2. Ich sitz hier oder stehe auf,
    ich lieg, ich geh auch oder lauf:
    So bist du um und neben mir,
    und ich bin allzeit hart bei dir.
  3. All die Gedanken meiner Seel,
    und was sich in der Herzenshöhl
    Hier reget, hast du schon betracht,
    eh ich einmal daran gedacht.
  4. Auf meiner Zungen ist kein Wort,
    das du nicht hörtest allsofort,
    Du schaffests, was ich red und tu,
    und siehst all meinem Leben zu.
  5. Das ist mir kund. Und bleibet doch
    mir solch Erkenntnis viel zu hoch,
    Es ist die Weisheit, die kein Mann
    recht aus dem Grunde wissen kann.
  6. Wo soll ich, der du alles weißt,
    mich wenden hin vor deiner Geist?
    Wo soll ich deinem Angesicht
    entgehen, daß mich sehe nicht?
  7. Führ ich gleich an des Himmels Dach,
    so bist du da, hältst Hut und Wach,
    Steig ich zur Höll und wollte mir
    da betten, find ich dich auch hier.
  8. Wollt ich der Morgenröten gleich
    geflügelt ziehn, so weit das Reich
    Der wilden Fluten netzt das Land,
    käm ich doch nie aus deiner Hand.
  9. Rief ich zu Hilf die finstre Nacht,
    hätt ich doch damit nichts verbracht;
    Denn laß die Nacht sein wie sie mag,
    so ist sie bei dir heller Tag.
  10. Dich blendt der dunkle Schatten nicht,
    die Finsternis ist dir ein Licht,
    Dein Augenglanz ist klar und rein,
    darf weder Sonn noch Mondenschein.
  11. Mein Eingeweid ist die bekannt,
    es liegt frei da in deiner Hand,
    Der du von Mutterleibe an
    mir lauter Lieb und Guts getan.
  12. Du bists, der Fleisch, Gebein und Haut
    so künstlich in mir aufgebaut;
    All deine Werk sind Wunder voll,
    und das weiß meine Seele wohl.
  13. Du sahest mich, da ich noch gar
    fast nichts und unbereiter war,
    Warst selbst mein Meister über mir
    und zogst mich aus der tief herfür.
  14. Auch meiner Tag und Jahre Zahl,
    Minuten, Stunden allzumal
    Hast du, als meiner Zeitenlauf,
    Vor meiner Zeit geschrieben auf.
  15. Wie köstlich, herrlich, süß und schön
    seh ich, mein GOtt, da vor mir stehn
    Dein weises Denken, was du denkst,
    wenn du uns deine Güter schenkst!
  16. Wie ist doch das so trefflich viel!
    Wenn ich bisweilen zählen will,
    So find ich da bei weitem mehr
    als Staub im Feld und Sand am Meer.
  17. Was macht denn nun die wüste Rott,
    die dich, o großer Wundergott,
    so schändlich lästert und mit Schwach
    Dir so viel Übels redet nach?
  18. Ach, stopfe ihren schnöden Mund!
    Steh auf und stürze sie zu Grund!
    Denn weil sie deine Feinde sind,
    bin ich auch ihnen herzlich Feind.
  19. Ob sie nun gleich hinwieder sehr
    mich hassen, tu ich doch nicht mehr,
    Als daß ich wider ihren Trutz
    mich leg in deinen Schoß und Schutz.
  20. Erforsch, HErr, all mein Herz und Mut,
    sieh, ob mein Weg sei recht und gut,
    Und führe mich bald himmelan
    den ewigen Weg, die Freudenbahn.
Gerhardt, Paul – Herr, dir trau ich all mein Tage

Gerhardt, Paul – Herr, dir trau ich all mein Tage

  1. HErr, dir trau ich all mein Tage,
    Laß mich nicht mit Schimpf bestehn.
    Wie ich von dir glaub und sage,
    Also laß mirs auch ergehn.
    Rette mich, laß deine Güte
    Mir erfrischen mein Gemüte,
    Neige deiner Ohren Treu
    Und vernimm mein Angstgeschrei!
  2. Sei mein Aufhalt, laß mich sitzen
    Bei dir, o mein starker Hort!
    Laß mich deinen Schutz beschützen
    Und erfülle mir dein Wort,
    Da du selbsten meinem Leben
    Dich zum Fels und Berg gegeben.
    Hilf mir aus des Heuchlers Band
    Und des Ungerechten Hand!
  3. Denn dich hab ich auserlesen
    Von der zarten Jugend an;
    Dein Arm ist mein Trost gewesen,
    HErr, so lang ich denken kann:
    Auf dich hab ich mich erwogen,
    Alsbald du mich der entzogen,
    Der ich, ehe Nacht und Tag
    Mich erblickt, im Liebe lag.
  4. Von dir ist mein Ruhm, mein Sagen,
    Dein erwähn ich immerzu:
    Viel, die spotten meiner Plagen,
    Höhnen, was ich red und tu.
    Aber du bist meine Stärke:
    Wann ich Angst und Trübsal merke,
    Lauf ich dich an. Gönne mir,
    Fröhlich stets zu sein in dir!
  5. Stoß mich nicht von deiner Seiten,
    Wenn mein hohes Alter kommt,
    Da die schwachen Tritte gleiten
    Und man Trost vom Strecken nimmt
    Aber du bist meine Stärke:
    Wann ich Angst und Trübsal merke,
    Lauf ich dich an. Gönne mir,
    Fröhlich stets zu sein in dir!
  6. Mach es nicht, wie mirs die gönnen,
    Die mein abgesagte Feind,
    Auch mir, wo sie immer können,
    Mit Gewalt zuwider seind;
    Sprechen: Auf, laßt uns ihn fassen,
    Sein GOtt hat ihn ganz verlassen,
    Jagd und schlagt ihn immerhin,
    Niemand schützt und rettet ihn!
  7. Ach, mein Helfer, sei nicht ferne,
    Komm und eile doch zu mir,
    Hilf mir, mein GOtt, bald und gerne,
    Zeuch mich aus der Not herfür,
    Daß sich meine Feinde schämen
    Und vor Hohn und Schande grämen,
    Ich hingegen lustig sei
    Über mir erwiesne Treu.
  8. Mein Herz soll dir allzeit bringen
    Deines Ruhms gebührlich Teil,
    Auch soll meine Zunge singen
    Täglich dein unzählig Heil.
    Ich bin stark, hereinzugehen,
    Unerschrocken dazustehen
    Durch des großen Herrschers Kraft,
    Der die Erd und alles schafft.
  9. HErr, ich preise deine Tugend,
    Wahrheit und Gerechtigkeit,
    Die mich schon in meiner Jugend
    Hoch ergetzet und erfreut;
    Hast mich als ein Kind ernähret,
    Deine Furcht dabei gelehret,
    Oftmals wunderlich bedeckt,
    Daß mein Feind mich nicht erschreckt.
  10. Fahre fort, o mein Erhalter,
    Fahre fort und laß mich nicht
    In dem hohen grauen Alter,
    Wenn mir Lebenskraft gebricht;
    Laß mein Leben in dir leben,
    Bis ich Unterricht gegeben
    Kindeskindern, daß dein Hand
    Ihnen gleichfalls sei bekannt.
  11. GOtt, du bist sehr hoch zu loben,
    Dir ist nirgend etwas gleich,
    Weder hier bei uns noch droben
    In dem Stern- und Engelreich.
    Dein Tun ist nicht auszusprechen,
    Deinen Rat kann niemand brechen,
    Alles liegt dir in dem Schoß,
    Und dein Werk ist alles groß.
  12. Du ergibst mich großen Nöten,
    Gibst auch wieder große Freud,
    Heute läßt du mich ertöten,
    Morgen ist die Lebenszeit,
    Da ermunterest du mich wieder
    Und erneuerst meine Glieder,
    Holst sie aus der Erdenkluft,
    Gibst dem Herzen wieder Luft.
  13. Such ich Trost und finde keinen?
    Balde werd ich wieder groß,
    Dein Trost trocknet mir mein Weinen,
    Das mir aus den Augen floß.
    Ich selbst werde wie ganz neue,
    Sing und klinge deine Treue,
    Meines Lebens einzges Ziel,
    Auf der Hort und Psalterspiel.
  14. Ich bin durch und durch entzündet,
    Fröhlich ist, was in mir ist,
    Alle mein Geblüt empfindet
    Dein Heil, das du selber bist.
    Ich steh im gewünschten Stande,
    Mein Feind ist voll Scham und Schande;
    Der mein Unglück hat gesucht,
    Leidet, was er mir geflucht.
Gerhardt, Paul – Herr, der du vormals hast dein Land

Gerhardt, Paul – Herr, der du vormals hast dein Land

  1. Herr, der du vormals hast dein Land
    mit Gnaden angeblicket
    und des gefangnen Volkes Band
    gelöst und es erquicket,
    der du die Sünd und Missetat,
    die es zuvor begangen hat,
    hast väterlich verziehen:
  2. Herr, der du deines Eifers Glut
    Zuvor oft abgewendet
    Und nach dem Zorn das süße Gut
    Der Lieb und Huld gesendet.
    Ach, frommes Herz, ach unser Heil,
    Nimm weg und heb auf in der Eil,
    Was uns betrübt und kränket!
  3. Lösch aus, Herr, deinen großen Grimm
    Im Brunnen deiner Gnaden,
    Erfreu und tröst uns wiederüm
    Nach ausgestandnem Schaden!
    Willst du denn zürnen ewiglich,
    Und sollen deine Fluten sich
    Ohn alles End ergießen?
  4. Willst du, o Vater, uns denn nicht
    nun einmal wieder laben?
    Und sollen wir an deinem Licht
    nicht wieder Freude haben?
    Ach gieß aus deines Himmels Haus,
    Herr, deine Güt und Segen aus
    auf uns und unsre Häuser.
  5. Ach, daß ich hören sollt das Wort
    erschallen bald auf Erden,
    daß Friede sollt an allem Ort,
    wo Christen wohnen, werden!
    Ach daß uns doch Gott sagte zu
    des Krieges Schluß, der Waffen Ruh
    und alles Unglücks Ende!
  6. Ach daß doch diese böse Zeit
    bald wiche guten Tagen,
    damit wir in dem großen Leid
    nicht möchten ganz verzagen.
    Doch ist ja Gottes Hilfe nah,
    und seine Gnade stehet da
    all denen, die ihn fürchten.
  7. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott
    schon wieder zu uns wenden,
    den Krieg und alle andre Not
    nach Wunsch und also enden,
    daß seine Ehr in unserm Land
    und allenthalben werd erkannt,
    ja stetig bei uns wohne.
  8. Die Güt und Treue werden schön
    einander grüßen müssen;
    Gerechtigkeit wird einhergehn,
    und Friede wird sie küssen;
    die Treue wird mit Lust und Freud
    auf Erden blühn, Gerechtigkeit
    wird von dem Himmel schauen.
  9. Der Herr wird uns viel Gutes tun,
    das Land wird Früchte geben,
    und die in seinem Schoße ruhn,
    die werden davon leben;
    Gerechtigkeit wird dennoch stehn
    und stets in vollem Schwange gehn
    zur Ehre seines Namens.
Gerhardt, Paul – Herr, aller Weisheit Quell und Grund

Gerhardt, Paul – Herr, aller Weisheit Quell und Grund

  1. HErr, aller Weisheit Quell und Grund,
    dir ist mein Vermögen kund,
    Wo du nicht hilfst und deine Gunst,
    ist all mein Tun und Werk umsunst.
  2. Ich leider als ein Sündenkind
    bin von Natur zum Guten blind,
    Mein Herze, wann dirs dienen soll,
    ist ungeschickt und Torheit voll.
  3. Ja, HErr, ich bin gar viel zu schlecht,
    zu handeln dein Gesetz und Recht,
    Was meinem Nächsten nütz im Land,
    ist mir verdeckt und unbekannt.
  4. Mein Leben ist sehr kurz und schwach,
    ein Lüftlein, das bald lasset nach ;
    Was in der Welt zu prangen pflegt,
    das ist mir wenig beigelegt.
  5. Wann ich auch gleich vollkommen wär,
    hätt aller Gaben Ruhm und Ehr
    Und sollt entraten deines Lichts,
    so wär ich doch ein lauter Nichts.
  6. Was hilfts, wann einer gleich viel Weiß,
    und hat zuvörderst nicht mit Fleiß
    Gelernet deine Furcht und Dienst,
    Der hat mehr Schaden als Gewinnst.
  7. Das Wissen, das ein Mensche führt,
    wird leichtlich ihm selbst verirrt;
    Wann unsre Kunst am meisten kann,
    so stößt sie aller Enden an.
  8. Wie mancher stürzet seine Seel
    durch Klugheit, wie Ahitophel,
    Und nimmt, weil er dich nicht recht kennt,
    durch seinen Witz ein schlechtes End!
  9. O GOtt, mein Vater, kehre dich
    zu meiner Bitt und höre mich:
    Nimm solche Torheit von mir hin
    und gib mir einen bessern Sinn!
  10. Gib mir die Weisheit, die du liebst
    und denen, die dich lieben, gibst,
    Die Weisheit, die vor deinem Thron
    allstets erscheint in ihrer Kron.
  11. Ich lieb ihr liebes Angesicht,
    sie ist meins Herzensfreud und -Licht,
    Sie ist der hellen Sonnen gleich,
    an Tugend und an Gabenreich.

12 Sie ist hochedel, auserkorn,
von dir, o Höchster, selbst geborn,
Sie ist der hellen Sonnen gleich,
an Tugend und an Gaben reich.

  1. Ihr Mund ist süß und tröstet schön,
    wenn uns die Augen übergehn;
    Wenn uns Kummer niederdrückt,
    So ist lies, die das Herz erquickt.
  2. Sie ist voll Ehr und Herrlichkeit,
    bewehrt vorm Tod und großem Leid,
    Wer fleißig um sie kämpft und wirbt,
    der bleibet lebend, wenn er stirbt.
  3. Sie ist des Schöpfers nächster Rat,
    von Worten mächtig und von Tat;
    Durch sie erfährt die blinde Welt,
    der bleibet lebend, wenn er sterbt.
  4. Denn welcher Mensch weiß Gottes Rat?
    Wer ists, der je erfunden hat
    den Schluß, den er im Himmel schleußt,
    den Weg, den er uns laufen heißt?
  5. Die Seele wohnet in der Erd
    und wird durch ihre Last beschwert,
    Die Sinnen, hin und her zerstreut,
    sind ja von Irrtum nicht befreit.
  6. Wer will erforschen, was GOtt setzt,
    und sagen, `Was sein Herz ergetzt?´
    Es sei denn, der du ewig lebst,
    Daß du uns deine Weisheit gebst.
  7. Drum sende sie von deinem Thron
    und gib sie deinem Kind und Sohn!
    Ach, schütt und geuß sie reichlich aus
    in meines Herzens armes Haus!
  8. Befiehl ihr, daß sie mit mir sei
    und, wo ich gehe, stehe bei;
    Bin ich in Arbeit, helfe sie
    Mir tragen meine schwere Müh!
  9. Gib mir durch ihre weise Hand
    die recht Erkenntnis und Verstand,
    Daß ich an dir alleine Kleb
    und nur nach deinem Willen leb!
  10. Gib mir durch sie Geschicklichkeit,
    zur Wahrheit laß mich sein bereit,
    Daß ich nicht mach aus sauer Fuß,
    noch aus dem Lichte Finsternis!
  11. Gib Lieb und Luft zu deinem Wort,
    hilf, daß ich bleib an meinem Ort
    Und mich zur frommen Schar gesell,
    in ihrem Rat mein Wesen stell!
  12. Gib auch, daß ich gern jedermann
    mit Rat und Tat, so gut ich kann,
    Aus rechter unverfälschter Treu
    zu helfen allzeit willig sei!
  13. Auf daß in allem, was ich tu,
    in deiner Lieb ich nehme zu;
    Denn wer sich nicht der Weisheit gibt,
    der bleibt von dir auch ungeliebt.
Gerhardt, Paul – Ich danke dir mit Freuden

Gerhardt, Paul – Ich danke dir mit Freuden

  1. Ich danke dir mit Freuden,
    Mein König und mein Heil,
    Daß du manch schweres Leiden,
    So mir zu meinem Teil
    Oft häufig zugedrungen,
    Durch deine Wunderhand
    Gewaltig hast bezwungen
    Und von mir abgewandt.
  2. Du hast in harten Zeiten
    Mir diese Gnad erteilt,
    Daß meiner Feinde Streiten
    Mein Leben nicht erteilt,
    Wenn sie an hohen Orten
    Mich, der ichs nicht gedacht,
    Mit bösen falschen Worten
    Sehr übel angebracht.
  3. Wenn sie wie wilde Leuen
    Die Zungen ausgestreckt
    Und mich mit ihrem Schreien
    Bis auf den Tod erschreckt,
    So hat denn dein Erbarmen,
    Das alles lindern kann,
    Gewaltet und mir Armen
    Den treusten Dienst getan.
  4. Sie haben oft zusammen
    Sich wider mich gelegt
    Und wie die Feuerflammen
    Gefahr und Brand erregt:
    Da hab ich denn gesessen
    Und Blut vor Angst geschwitzt,
    Als ob du mein vergessen,
    Und hast mich doch geschützt.
  5. Du hast mich aus dem Brande
    Und aus dem Feur gerückt,
    Und wenn der Höllen Bande
    Mich um und um bestrickt,
    So hast du auf mein Bitten
    Dich, Herr, zu mir gesellt
    Und aus des Unglücks Mitten
    Mich frei ins Feld gestellt.
  6. Den Kläffer, der mit Lügen
    Gleich als mit Waffen kämpft
    Und nichts kann als betrügen,
    Den hast du oft gedämpft;
    Wenn er, gleich einem Drachen,
    Das Maul hoch aufgezerrt,
    So hast du ihm den Rachen
    Durch deine Kraft gesperrt.
  7. Ich war nah am Verderben,
    Du nahmst mich in den Schoß;
    Es kam mit mir zum Sterben,
    Du aber sprachst mich los
    Und hieltest mich beim Leben
    Und gabst mir Rat und Tat,
    Die sanft kein Mensch zu geben
    In seinen Mächten hat.
  8. Es war in allen Landen,
    So weit die Wolken gehn,
    Kein einzger Freund vorhanden,
    Der bei mir wollte stehn:
    Da dacht ich an die Güte,
    Die du, Herr, täglich tust,
    Und hub Herz und Gemüte
    Zur Höhe, da du ruhst.
  9. Ich rief mit vollem Munde,
    Du nahmest alles an
    Uns halfst recht aus dem Grunde
    So, daß ichs nimmer kann
    Nach Würden gnugsam loben:
    Doch will ich Tag und Nacht
    Dich in dem Himmel droben
    Zu preisen sein bedacht.
Gerhardt, Paul – Ich singe dir mit Herz und Mund

Gerhardt, Paul – Ich singe dir mit Herz und Mund

Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewußt.

Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.

Was sind wir doch? Was haben wir
auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir
allein gegeben werd?

Wer hat das schöne Himmelszelt
hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld
mit Tau und Regen netzt?

Wer wärmet uns in Kält und Frost
wer schützt uns vor dem Wind?
Wer macht es, daß man Öl und Most
zu seinen Zeiten findt?

Wer gibt uns Leben und Geblüt?
Wer hält mit seiner Hand
den güldnen, werten, edlen Fried
in unserm Vaterland?

Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir!
Du, du mußt alles tun,
du hältst die Wacht an unsrer Tür
und läßt uns sicher ruhn.

Du nährest uns von Jahr zu Jahr,
bleibst immer fromm und treu
und stehst uns, wenn wir in Gefahr
geraten, treulich bei.

Du strafst uns Sünder mit Geduld
und schlägst nicht allzusehr;
ja, endlich nimmst du unsre Schuld
und wirfst sie in das Meer.

Wann unser Herze seufzt und schreit,
wirst du gar leicht erweicht,
und gibst uns, was uns hoch erfreut
und dir zu Ehren reicht.

Du zählst, wie oft ein Christe wein
und was sein Kummer sei;
kein Zähr- und Tränlein ist so klein,
du hebst und legst es bei.

Du füllst des Lebens Mangel aus
mit dem, was ewig steht,
und führst uns in des Himmels Haus,
wenn uns die Erd entgeht.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring
und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,
dein Glanz und Freudenlicht,
dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,
schafft Rat und läßt dich nicht.

Was kränkst du dich in deinem Sinn
und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin
auf den, der dich gemacht.

Hat er dich nicht von Jugend auf
versorget und ernährt?
Wie manchen schweren Unglückslauf
hat er zurückgekehrt?

Er hat noch niemals was versehn
in seinem Regiment;
Nein, was er tut und läßt geschehn,
das nimmt ein gutes End.

Ei nun, so laß ihn ferner tun
und red ihm nicht darein,
so wirst du hier in Frieden ruhn
und ewig fröhlich sein.