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Kategorie: Gerhardt Paul

Gerhardt, Paul – Die Zeit ist nunmehr da

Gerhardt, Paul – Die Zeit ist nunmehr da

Die Zeit ist nunmehr nah‘,
Herr Jesu! du bist da.
Die Zeichen, die den Leuten
Dein‘ Ankunft sollen deuten,
Die sind, wie wir gesehen,
In großer Zahl geschehen.

Was soll ich denn nun thun?
Ich soll auf dem beruhn,
Was du mir hast verheißen:
Daß du mich wollest reißen
Aus meines Grabes Kammer
Und allem andern Jammer.

Ach, Jesu! wie so schön
Wird mir’s alsdann ergeh’n?
Du wirst mit tausend Blichen
Mich durch und durch erquicken,
Wann ich hier von der Erde
Zu dir mich schwingen werde.

Ach! was wird doch dein Wort,
O süßer Seelenhort,
Was wird doch sein dein Sprechen,
Wenn dein Herz aus wird brechen,
Zu mir und meinen Brüdern,
Als deines Leibes Gliedern?

Werd‘ ich dann auch vor Freud‘
In solcher Gnadenzeit
Den Augen ihre Zähren
Und Thränen können wehren,
Daß sie mir nicht mit Haufen
Auf meine Wangen laufen?

Was für ein schönes Licht
Wird mir dein Angesicht,
Das ich in jenem Leben
Werd‘ erstmal sehen, geben?
Wie wird mir deine Güte
Entzücken mein Gemüthe!

Dein‘ Augen, deinen Mund,
Den Leib, der noch verwund’t,
Da wir so fest auf trauen,
Das werd‘ ich alles schauen;
Auch innig, herzlich grüßen
Die Mahl‘ an Händ‘ und Füßen.

Dir ist allein bewußt
Die ungefälschte Lust
Und edle Seelenspeise
In deinem Paradeise;
Die kannst du wohl beschreiben,
Ich kann nicht mehr als gläuben.

Doch, was ich hier gegläubt,
Das steht gewiß, und bleibt
Mein Theil, dem gar nicht gleichen
Die Güter aller Reichen:
All and’res Gut vergehet,
Mein Erbtheil, das bestehet.

Ach, Herr! mein schönstes Gut,
Wie wird sich all mein Blut
In allen Adern freuen,
Und auf das Neu‘ erneuen,
Wenn du mir wirst mit Lachen
Dein‘ Himmelsthür‘ aufmachen?

Komm her, komm und empfind‘,
O auserwähltes Kind!
Komm,. schmecke, was für Gaben
Ich und mein Vater haben!
Komm, wirst du sagen, weide
Dein Herz in ew’ger Freude!

Ach du so arme Welt!
Was ist dein Gold und Geld,
Hier gegen diesen Kronen
Und mehr als gold’nen Thronen,
Die Christus hingestellet
Dem Volk, das ihm gefället?

Hier ist der Engel Land,
Der sel’gen Seelen Stand,
Hier hör‘ ich nichts als singen,
Hier seh‘ ich nichts als springen,
Hier ist kein Kreuz, kein Leiden,
Kein Tod, kein bittres Scheiden.

Halt‘ ein, mein schwacher Sinn,
Halt‘ ein, wo denkst du hin?
Willst du, was grundlos, gründen?
Was unbegreiflich, finden?
Hier muß der Witz sich neigen
Und alle Redner schweigen.

Dich aber, meine Zier,
Dich laß ich nicht von mir,
Dein will ich stets gedenken,
Herr, der du mir wirst schenken
Mehr, als mit meiner Seelen
Ich wünschen kann und zählen.

Ach! wie ist mir so weh‘,
Eh‘ ich dich aus der Höh‘
Her sehe zu uns kommen:
Ach, daß zum Heil der Frommen,
Du meinen Wunsch und Willen
Noch möchtest heut‘ erfüllen!

Doch, du weißt deine Zeit;
Mir ziemt nur, stets bereit
Und fertig da zu stehen,
Und so einher zu gehen,
Daß alle Stund‘ und Tage
Mein Herz mich zu dir trage.

Dieß gib, Herr, und verleih‘,
Auf daß dein‘ Huld und Treu‘
Ohn‘ Unterlaß mich wecke;
Daß mich dein Tag nicht schrecke,
Da unser Schreck auf Erden
Soll Fried‘ und Freude werden.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich hab oft bei mir selbst gedacht

Gerhardt, Paul – Ich hab oft bei mir selbst gedacht

Ich hab‘ oft bei mir selbst gedacht,
Wenn ich den Lauf der Welt betracht’t,
Ob auch das Leben dieser ERd‘
Uns gut sei und des wünschens werth?
`Und ob nicht der viel besser thu‘,
Der sich fein zeitlich legt zur Ruh‘?

Denn, Lieber, denk‘ und sage mir:
Was für ein Stand ist wohl allhier,
Dem nicht sein‘ Angst, sein Schmerz und Weh‘
Alltäglich über’m Haupte steh‘?
Ist auch ein Ort, der Kummers frei
Und ohne Klag‘ und Thränen sei?

Sieh unsers ganzen Lebens Lauf:
Ist auch ein Tag von Jugend auf,
Der nicht sein‘ eig’ne Qual und Plag‘
Auf seinem Rücken mit sich trag‘?
Ist nicht die Freude, die uns stillt,
Auch selbst mit Jammer angefüllt?

Hat einer Glück und gute Zeit,
Hilf Gott! wie tobt und zürnt der Neid!
Hat einer Ehr‘ und große Würd‘,
Ist, der vor andern ist geehrt,
Vor andern auch dabei beschwert!

Ist einer heute gutes Muth’s,
Ergötzt und freut sich seines Gut’s,
Eh‘ er’s vermeint, fährt sein Gewinn
Zusammt dem guten Muthe hin:
Wie plötzlich kommt ein Ungestüm
Und wirft die großen Güter üm?

Bist du dann fromm und fliehst die Welt
Und liebst Gott mehr als Gold und Geld,
So wird dein Ruhm, dein Schmuck und Kron‘
In aller Welt zu Spott und Hohn.
Denn wer der Welt nicht heucheln kann,
Den sieht die Welt für albern an.

Nun es ist wahr, es steht uns hier
Die Trübsal täglich vor der Thür,
Und find’t ein jeder überall
Des Kreuzes Noth und bitt’re Gall:
Sollt‘ aber drum der Christen Licht
Ganz nichts mehr sein? Das glaub‘ ich nicht.

Ein Christe, der an Christo klebt
Und stets im Geist und Glauben lebt,
Dem kann kein Unglück, keine Pein
Im ganzen Leben schädlich sein:
Geht’s ihm nicht all’zeit, wie es soll,
So ist ihm dennoch all’zeit wohl.

Hat er nicht Gold, so hat er Gott,
Fragt nichts nach böser Leute Spott,
Verwirft mit Freuden und verlacht,
Der Weolt verkehrten Stolz und Pracht.
Sein‘ Ehr‘ ist Hoffnung und Geduld,
Sein‘ Hoheit ist des Höchsten Huld.

Es weiß ein Christ und bleibt dabei,
Daß Gott sein Freund und Vater sei;
Er hau‘, er brenn‘, er stech‘, er schneid‘,
Hier ist nichts, das uns von ihm scheid‘,
Je mehr er schlägt, je mehr er liebt,
Bleibt fromm, ob er uns gleich betrübt.

Laß alles fallen, wie es fällt,
Wer Christi Lieb‘ im Herzen hält,
Der ist ein Held und bleibt besteh’n,
Wenn Erd‘ und Himmel untergeh’n,
Und wenn ihn alle Welt verläßt,
Hält Gottes Wort ihn steif und fest.

Des Höchsten Wort dämpft alles Leid
Und kehrt’s in lauter Lust und Freud‘,
Es nimmt dem Unglück alles Gift,
Daß, ob’s uns gleich verfolgt und trifft,
Es dennoch unser Herze nie
In allzu großes Trauren zieh.

Ei nun! so mäß’ge deine Klag‘!
Ist dieses Leben voller Plag‘,
Ist’s dennoch, an der Christentheil,
Auch voller Gottes Schutz und Heil.
Wer Gott vertraut und Christum ehrt,
Der bleibt im Kreuz auch unversehrt.

Gleich wie das Gold durch’s Feuer geht
Und in dem Ofen wohl besteht,
So bleibt ein Christ durch Gottesgnad‘
Im Elendsofen ohne Schad‘.
Ein Kind bleibt seines Vaters Kind,
Ob’s gleich des Vaters Zucht empfind’t.

Drum, liebes Herz, sei ohne Scheu,
Und sieh auf deines Vaters Treu‘.
Empfind’st du auch hier seine Ruth‘,
Er meint’s nicht bös‘, er ist dir gut;
Gib dich getrost in seine Händ‘,
Es nimmt zuletzt ein gutes End‘.

Leb‘ immerhin, so lang‘ Er will!
Ist’s Leben schwer, so sei du still,
Es geht zuletzt in Freuden aus:
Im Himmel ist ein schönes Haus,
Da, wer nach Christo hier gestrebt,
Mit Christi Engeln ewig lebt.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Am 22. Sonntage nach Trinitatis.

Ich danke dir demüthiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von  deinem Zorn gewendet,
Und deinen Sohn zur Freud‘ und Kron‘
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All‘ uns’re Sünd‘ ersticket.
Wer ihn nun faßt, wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an,
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug‘ und Hand
Ergreifen dieses werthe Pfand
Und nimmermehr verlieren,
Laß dieses Licht mein Angesicht
Zum ew’gen Lichte führen.

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Koth und Unflath aus,
Bau“ in mir deine Hütte,
Daß deine Güt‘ in mein Gemüth
All ihre Lieb‘ ausschütte.

Wenn ich dich hab‘, ist alles mein,
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg‘ und Weisen,
Dein‘ arme Heerd‘ auf dieser Erd‘
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht‘ in deinem Wort,
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub‘ und Treu‘ stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere.

Gib‘ mir ein g’nügsam Herz und Sinn,
Denn das ist ja ein groß Gewinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt, was ihm beliebt,
Ihm lassen gerne g’nügen.

Das Wen’ge, das durch Gottes Gnad‘
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret,
Als alles Geld, davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr‘, und sie deine Lust
Und werden nicht zu Schanden;
Kommt theure Zeit, find’t sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt, steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
Die auf ihn hoffen spät und früh,
Daß er sie schütz‘ und rette
Aus aller Noth, wenn sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als gütig sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all‘ denen gönnen,
Die sich mit Mund und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen.

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unser’s Landes Krone:
Laß immerzu sein Fried‘ und Ruh‘
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt‘ unser liebes Vaterland
In deinem Schooß und starker Hand,
Behüt‘ uns allzusammen
Vor falscher Lehr‘ und Feindesheer‘
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all die Meinen eben war,
Treib‘, Herr, die böse Höllenschaar
Von Jungen und von Alten,
Das deine Heerd‘ hier zeitlich werd‘
Und ewig dort erhalten.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Alle, die ihr, Gott zu ehren

Gerhardt, Paul – Alle, die ihr, Gott zu ehren

1. Alle, die ihr, Gott zu ehren,
unsre Christlust wollt vermehren,
eya, eya,
Seht und hört vor allen Dingen
Gottes Mutter fröhlich singen
bei dem Kripplein ihres Sohnes:
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, liebes Jesulein!

2. Schlaf, du großer Weltberater,
Bräutigam, Sohn und selbst auch Vater,
eya, eya,
Bett und Lager, das dich trägt,
und hab ich dir zurecht gelegt,
schlaf, du schönes Kindlein!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, trautes Herzelein!

3. Schlaf, mein Krönlein! Licht und Leben,
was dir lieb, willl ich dir geben,
eya, eya,
Schlaf, du Ausbund aller Gaben,
laß dich speilen, laß dich loben
bei der armen Krippen hier!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, du mein Ehr und Ruhm!

4. Schlaf, o bestes aller Güter,
schlaf, o Perle der Gemüter,
eya, eya,
Schlaf, mein Trost, dem nichts zu gleichen,
Milch und Honig muß dir weichen,
schlaf, du edler Herzensgast!
Eya, eya,
Schaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, werte Lilienblum!

5. Schlaf, o Kind, den Gott erkoren,
schlaf o Schatz, den ich geboren,
eya,eya,
Schlaf, du frommer Seelen Weide,
schlaf, du frommer Herzen Freude,
schlaf, du meines Leibes Frucht!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, allersüßstes Lieb!

6. Ich will dir dein Bettlein zieren,
ganz mit Blumen überführen,
eya, eya,
Schlaf, du Luft, die wir erwählen,
schlaf, du Paradeis der Seelen,
schlaf, du wahres Himmelsbrot!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, Heiland aller Welt!

Gerhardt, Paul – Tapfre Leute soll man loben

Gerhardt, Paul – Tapfre Leute soll man loben

1. Tapfre Leute soll man loben,
Und was Tugend hat erhoben,
Hebt auch billig unser Fleiß.
Laß, was schnöd ist, unten liegen,
Was die Welt hat überstiegen,
Deme bleibt sein Ruhm und Preis.

2. Also wer, was andre haben
Von des edlen Himmels Gaben,
Weiß gebührlich anzuziehen,
Dem gebührt vor andern allen,
Daß zu seinem Wohlgefallen
Harf und Sotten sich bemühn.

3. Er, Herr Sturm, pflanzt Palmenbäume;
Billig, daß hier keiner Säume,
Ihm ein Ehr und Dank zu tun.
Ich kann nichts mehr als nur bitten,
Daß er stets mög in der Mitten
Aller Tugendpalmen ruhn.

Gerhardt, Paul – Unter allen, die da leben

Gerhardt, Paul – Unter allen, die da leben


1. Unter allen, die da leben,
Hat ein jeder seinen Fleiß
Und weiß dessen Frucht zu geben;
Doch hat der den größten Preis,
Der dem Höchsten Ehre bringt
Und von Gottes Namen singt.

2. Unter allen, die da singen
Und mit wohlgefaßter Kunst
Ihrem Schöpfer Opfer bringen,
Hat ein jeder seine Gunst;
Doch ist der am besten dran,
Der mit Andacht singen kann.

Gerhardt, Paul – Ich weiß, daß mein Erlöser lebt

Gerhardt, Paul – Ich weiß, daß mein Erlöser lebt

Melodie: Herr, straf‘ mich nicht in deinem Zorn.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
Das soll mir niemand nehmen.
Er lebt, und was ihm widerstrebt,
Das muß sich endlich schämen.
Er lebt fürwahr, der starke Held,
Sein Arm, der alle Feine fällt,
Hat auch den Tod bezwungen.

Des bin ich herzlich hoch erfreut,
Und habe gar kein Scheuen,
Vor dem, der alles Fleisch zerstreut
Gleichwie der Wind die Spreuen:
Nimmt er gleich mich und mein Gebein
Und scharrt uns in die Gruft hinein,
Was kann er damit schaden?

Mein Heiland lebt, ob ich nun werd‘
In’s Todes Staub mich strecken,
So wird er mich doch aus der Erd‘
Hernachmals auferwecken;
Er wird mich reißen aus dem Grab,
Und aus dem Lager, da ich hab‘
Ein kleines ausgeschlafen.

Da werd‘ ich eben diese Haut,
Und eben diese Glieder,
Die jeder itzo an mir schaut,
Auch was sich hin und wieder
Von Adern und Gelenken find’t
Und meinen Leib zusammen bind’t,
Ganz richtig wieder haben.

Zwar alles, was der Mensche trägt,
Das Fleisch und seine Knochen,
Wird, wenn er hin sich sterben legt,
Zermalmet und zerbrochen
Von Maden, Motten und was mehr
Gehöret zu der Würmer Heer,
Doch soll’s nicht stets so bleiben.

Es soll doch alles wieder steh’n
In seinem vor’gen Wesen;
Was niederlag, wird Gott erhöh’n,
Was umkam, wird genesen,
Was die Verfaulung hat verheert
Und die Verwesung ausgezehrt,
Wird alles wiederkommen.

Das hab‘ ich je und je gegläubt
Und faß ein fest Vertrauen:
Ich werde den, der ewig bleibt,
In meinem Fleische schauen,
Ja, in dem Fleische, das hier stirbt
Und in dem Stank und Koth verdirbt,
Da werd‘ ich Gott in sehen.

Ich selber werd‘ in seinem Licht
Ihn seh’n und mich erquicken,
Mein Auge wird sein Angesicht
Mit großer Lust erblicken,
Ich werd‘ ihn mir seh’n, mir zur Freud‘
Und werd‘ ihm dienen ohne Zeit,
Ich selber und kein Fremder.

Trotz sei nun allem, was mir will
Mein Herze blöde machen;
Wär’s noch so mächtig, groß und viel,
Kann ich doch fröhlich lachen:
Man treib‘ und spanne noch so hoch
Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch
Gott, mein Erlöser, leben.

Gerhardt, Paul – Also hat Gott die Welt geliebt

Gerhardt, Paul – Also hat Gott die Welt geliebt

Am andern Pfingsttage.

Melodie: Ermunt’re dich, mein schwacher Geist.

Also hat Gott die Welt geliebt,
Das merke, wer es höret!
Die Welt, die Gott so hoch betrübt,
Hat Gott so hoch geehret,
Daß er den eingebornen Sohn,
Den ein’gen Schatz, die ein’ge Kron‘,
Das ein’ge Herz und Leben
Mit Willen hingegeben.

Ach! wie muß doch ein ein’ges Kind
Bei uns hier auf der Erden,
Wo man doch nichts als Bosheit find’t,
So hoch geschonet werden;
Wie hitzt, wie brennt der Vatersinn,
Wie gibt und schenkt er alles hin,
Eh‘ als er an das Schenken
Des ein’gen nur will denken.

Gott aber schenkt aus freiem Muth
Und mildem, treuem Herzen
Sein ein’ges Kind, sein schönstes Gut
In mehr als tausend Schmerzen.
Er gibt ihn in den Tod hinein,
Ja in die Höll‘ und deren Pein;
Zu unerhörtem Leide
Stößt Gott sein‘ ein’ge Freude.

Warum doch das? Daß du, o Welt,
Frei wider möchtest stehen,
Und durch ein theures Lösegeld
Aus deinem Kerker gehen.
Denn du weißt wohl, du schnöde Braut,
Wie, da dich Gott ihm anvertraut,
Du wider deinen Orden
Ihm allzu untreu worden.

Darüber hat dich Sünd‘ und Tod
und Satanas Gesellen
Zu bittrer Angst und harter Noth
Beschlossen in der Höllen.
Und hier ist gar kein and’rer Rath,
Als der, den Gott gegeben hat,
Wer den hat, wird dem Haufen
Der höll’schen Feind‘ entlaufen.

Gott hat uns seinen Sohn verehrt,
Daß aller Menschen Wesen,
So mit dem ew’gen Fluch beschwert,
Durch diesen soll genesen.
Wen die Verdammniß hat umschränkt,
Der soll durch den, den Gott geschenkt,
Erlösung, Trost und Gaben
Des ew’gen Lebens haben.

Ach! mein Gott, meines Lebens Grund!
Wo soll ich Worte finden?
Mit was für Lobe soll mein Mund
Dein treues Herz ergründen?
Wie ist dir immermehr geschehn?
Was hast du an der Welt ersehn,
Daß, die so hoch dich höhnet,
Du so gar hoch gekrönet?

Warum behieltst du nicht dein Recht,
Und ließest ewig pressen
Diejen’ge, die dein Recht geschwächt,
Und freventlich vergessen?
Was hattest du an der für Lust,
Von welcher dir doch war bewußt,
Daß sie, für dein Verschonen
Dir schändlich würde lohnen?

Das Herz im Leibe weinet mir,
Vor großem Leid und Grämen,
Wenn ich bedenke, wie wir dir
So gar schlecht uns bequemen.
Die meisten wollen deiner nicht,
Und was du ihnen zugericht’t
Durch deines Sohnes Büßen,
Das treten sie mit Füßen.

Du, frommer Vater, meinst es gut
Mit allen Menschenkindern,
Du ordnest deines Sohnes Blut,
Und reichst es allen Sündern,
Willst, daß sie mit der Glaubenshand
Das, was zu ihnen zugewandt,
Sich völlig zu erquicken,
Fest in ihr Herze drücken.

Sieh‘ aber, ist nicht immerfort
Dir alle Welt zuwider?
Du bauest hier, du bauest dort,
Die Welt schlägt alles nieder;
Darum erlangt sie auch kein Heil,
Sie bleibt im Tod und hat kein Theil
Am Reiche, da die Frommen,
Die Gott gefolgt, hinkommen.

An dir, o Gott! ist keine Schuld,
Du, du hast nichts verschlafen.
Der Feind und Hasser deiner Huld
Ist Ursach‘ seiner Strafen.
Weil er den Sohn, der ihm so klar
Und nah‘ an’s Herz gestellet war,
Auch einig helfen sollte,
Durchaus nicht haben wollte.

So fahre hin, du tolle Schaar!
Ich bleibe bei dem Sohne,
Dem geb‘ ich mich, des bin ich gar,
Und er ist meine Krone.
Hab‘ ich den Sohn, so hab‘ ich g’nug,
Sein Kreuz und Leiden ist mein Schmuck,
Sein‘ Angst ist meine Freude,
Sein Sterben meine Weide.

Ich freue mich, so oft und viel
Ich dieses Sohn’s gedenke;
Dieß ist mein Lied und Saitenspiel,
Wenn ich mich heimlich kränke,
Wenn meine Sünd‘ und Missethat
Will größer sein als Gottes Gnad‘,
Und wenn mir meinen Glauben
Mein eigen Herz will rauben.

Ei, sprech ich, war mir Gott geneigt!
Da wir noch Feinde waren,
So wird er ja, der kein Recht beugt,
Nicht feindlich mit mir fahren
Anjetzo, da ich ihm versühnt,
Da, wo ich Böses je verdient,
Sein Sohn, der nichts verschuldet,
So wohl für mich erduldet.

Fehlts hier und da? Ei, unverzagt,
Laß Sorg‘ und Kummer schwinden!
Der mir das Größte nicht versagt,
Wird Rath zum Kleinen finden.
Hat Gott mir seinen Sohn geschenkt,
Und für mich in den Tod gesenkt,
Wie sollt er (laßt und denken)
Mit ihm nicht alles schenken?

Ich bin’s gewiß, und sterbe drauf
Nach meines Gottes Willen:
Mein Kreuz und ganzer Lebenslauf
Wird sich noch fröhlich stillen.
Hier hab‘ ich Gott und Gottes Sohn,
Und dort, bei Gottes Stuhl und Thron,
Da wird fürwahr mein Leben
In ew’gen Freuden schweben.

Gerhardt, Paul – Wohlauf, mein Herze, sing und spring

Gerhardt, Paul – Wohlauf, mein Herze, sing und spring

1. Wohlauf, mein Herze, sing und spring
Und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding‘,
Ist selbst und bleibt dein Gut.

2. Er ist dein Schatz, dein Erb‘ und Teil,
Dein Glanz und Freundenlicht,
Dein Schirm und Schild, dein‘ Hilf‘ und Heil,
Schafft Rat und laesst dich nicht.

3. Was kränkst du dich in deinem Sinn
Und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg‘ und wirf sie hin
Auf den, der dich gemacht!

4. Hat er dich nicht von Jugend auf
Versorget und ernährt?
Wie manchen schweren Unglückslauf
Hat er zurückgekehrt!

5. Du strafst uns Sünder mit Geduld
Und schlägst nicht allzusehr,
Ja endlich nimmst du unsre Schuld
Und wirfst sie in das Meer.

6. Wenn unser Herze seufzt und schreit,
Wirst du gar leicht erweicht
Und gibst uns, was uns hoch erfreut
Und dir zur Ehr‘ gereicht.

7. Du zählst, wie oft ein Christe wein‘
Und was sein Kummer sei;
Kein Zähr- und Tränlein ist so klein,
Du hebst und legst es bei.

8. Er hat noch niemals was versehn
In seinem Regiment;
Nein, was er tut und läßt geschehn,
Das nimmt ein gutes End‘.

9. Ei nin, so lass ihn ferner tun
Und red‘ ihm nichts darein,
So wirst du hier in Frieden ruhn
Und ewig fröhlich sein.

Gerhardt, Paul – Wir singen dir, Immanuel

Gerhardt, Paul – Wir singen dir, Immanuel

Wir singen dir, Immanuel,
du Lebensfürst und Gnadenquell,
du Himmelsblum und Morgenstern,
du Jungfrausohn, Herr aller Herrn.

Wir singen dir in deinem Heer
aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr,
daß du, o lang gewünschter Gast,
dich nunmehr eingestellet hast.

Von Anfang, da die Welt gemacht,
hat so manch Herz nach dir gewacht,
dich hat gehofft so lange Jahr
der Väter und Propheten Schar.

„Ach, daß der Herr aus Zion käm
und unsre Bande von uns nähm!
Ach, daß die Hülfe bräch herein,
so würde Jakob fröhlich sein!“

Nun, du bist hier, da liegest du,
hältst in dem Kripplein deine Ruh,
bist klein und machst doch alles groß,
bekleidst die Welt und kommst doch bloß.

Du kehrst in fremder Hausung ein,
und sind doch alle Himmel dein;
du liegst an deiner Mutter Brust
und bist doch selbst der Engel Lust.

Du bist der größte Menschenfreund,
doch sind dir so viel Menschen feind;
Herodes achtet dich für Greul
und bist doch nichts als lauter Heil.

Ich aber, dein geringster Knecht,
ich sag es frei und mein es recht:
ich liebe dich, doch nicht so viel,
als ich dich gerne lieben will.

Der Will ist da, die Kraft ist klein,
doch wird dir nicht zuwider sein
mein armes Herz, und was es kann,
wirst du in Gnaden nehmen an.

Und bin ich gleich der Sünde voll,
hab ich gelebt nicht, wie ich soll:
ei, kommst du doch deswegen her,
daß sich der Sünder zu dir kehr.

So faß ich dich nun ohne Scheu,
du machst mich alles Jammers frei,
du trägst den Zorn, du würgst den Tod,
verkehrst in Freud all Angst und Not.

Du bist mein Haupt, hinwiederum
bin ich dein Glied und Eigentum
und will, so viel dein Geist mir gibt,
stets dienen dir, wie dirs beliebt.

Ich will dein Halleluja hier
mit Freuden singen für und für
und dort in deinem Ehrensaal
solls schallen ohne Zeit und Zahl.