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Kategorie: Nicolai Philipp

Nicolai, Philipp – So wünsch ich nun eine gute Nacht

Nicolai, Philipp – So wünsch ich nun eine gute Nacht

So wünsch ich nun eine gute Nacht
Der Welt, und laß sie fahren,
Ob sie mir gleich viel Jammers macht,
Gott wirdt mich wol bewahren,
Ich meynt die Welt wer eytel Gold,
Befind es nun viel anders.

Ein Hirsch von Schlangen angesteckt,
Nach frischem Wasser schreyet,
Also hat mich zum Durst erweckt
Die Welt vermaledeyet,
Auch thät mir bang die alte Schlang,
Daß ich zu Gott muß schreyen.

Wann komm ich in dein Paradeiß,
Da schon viel Christen wohnen?
Und singen dir Lob, Ehr und Preiß,
Bekleidet mit der Sonnen?
Wenn holstu mich ins Himmelreich?
Da ich dein Antlitz schauwe.

Mein Seel hat noht, und leidet Qual,
Daß ich so lang muß harren,
Gespannet auff dem Jammerthal,
Als zög ich schwere Karren.
Da treibt jhrn Spott die falsche Rott
Mit mir in meinen Nöhten.

Sie fragen, Ja wo bleibt dein Gott?
Ja daß er dir erscheine.
Der Hohn kränckt mir mein Hertz und Blut,
Daß ich vor Trübsal weine.
Ey komm doch bald, Mein Auffenthalt,
Und reiß mich von der Erden.

Ey nimm mich in den Frewdensaal,
Von dir bereitet droben,
Da dich die Patriarchen all
Mit den Propheten loben:
Und da die Schar der Engel klar,
Umb deinen Thron herschweben.

Was kränckstu dich mein arme Seel?
Sey still und thue nicht wancken:
Gott ist mein Burg, mein Trost und Heyl,
Deß werd ich jhm noch dancken.
Drück dich, und leid, ein kleine Zeit,
Nach Angst kompt Freuwd und Wonne.

Da Kräutlein patientia
Wächst nicht in allen Garten,
Ach Gott, schaffdu mirs immer dar,
Daß ich könn deiner warten.
Sonst bin ich sehr betrübt und schwer
Von Angst auff dieser Erden.

Ich sehe, daß dein Zorn, wie ein Flut
Dem gantzen Land begegnet:
Und daß es schrecklich brausen thut,
Wo sich dein Grimm erhebet.
Die Wellen gar ich auch erfahr
Sampt deinen Wasserwogen.

Darumb bin ich der Welt so müd,
All Tag und Nacht ich weine:
Und laß nicht ab biß deine Güt,
Verheissen mir, erscheine:
Nun eyl doch fort, mein trawter Hort,
Und nim mich hin in Frieden.

Wie lang soll ich hie trawrig gehn,
Da mich die Feinde plagen?
Es ist ein Mord in meinem Bein,
Daß sie gantz höhnlich fragen,
Sag an, wo ist dein Jesus Christ?
Ja, daß er dich erlöse?

Gedult, Gedult du trawrige Seel,
Gedult ist hie von Nöhten,
Biß uns der lieb Immanuel
Von diesen argen Kröten
Wol zu sich reiß ins Paradeiß.
Da werden wir jhm dancken.

L. Curtze
D. Philipp Micolai’s
Leben und Lieder.
Halle,
Verlag von J. Fricke.
1859

Nicolai, Philipp – Ein Klagelied der Christlichen Kirchen vber die Calvinianer und Rottengeister

Nicolai, Philipp – Ein Klagelied der Christlichen Kirchen vber die Calvinianer und Rottengeister

Mag ich Unglück nicht widerstahn,
Muß Ungnad han,
Der Welt für mein recht Glauben,
So weiß ich doch, und ist mein Kunst,
Gottes Huldt unnd Gunst,
Die muß man mir erlauben,
Gott ist nicht weit
Ein kleine Zeit
Er sich verbirgt,
Biß er erwürgt
Die mich seins Worts berauben.

Geborn wirt doch von Mutterleib
Kein Mann noch Weib,
Das schwehrer Trübsal leide
Als dulden muß nach deinem Wort,
O trewer Hort,
Ein Schäflein deiner Weide.
Viel Backenstreich
Und Naternstich,
Auff mich geschwind
Gerichtet sind,
Von Feinden und von Freunden.

Gott du weist wol, daß mir auff Erdt,
Diß widerfährt
Umb deines Namens willen
Wie kanstu leiden diesen Streit,
So lange Zeit
Und schweigen darzu stille.
Dein Abendmahl
Und ewig Wahl,
Dein Majestätt
Unnd Herrligkeit,
Sind Stein deß Anlauffs worden.

Zu dem muß Christ, dein lieber Sohn
Im höchsten Thron,
Sein Blut verläugnen lassen,
Als wer es nicht am Creutzes Stamm
Recht wundersam
Für aller Welt vergossen.
Auch wirt, o Gott,
Mit Hohn und Spott
Diewehrte Tauff
In diesem Lauff
Sehr grewlich angefochten.

Gleich wie der Flachs noch unformirt
Gebrechetwirdt,
So muß dein Wort herhalten:
Die Zwingler wöllen uber dich
Gantz meisterlich
Mit irem Dunckel walten;
O Gottes Sohn,
Du wehrte Kron,
Daß du solt seyn
Ir Schülerlein,
Ist mir ein Stein am Hertzen.

Und wenn ich bitterlich bewein
Den schweren Stein,
Und uber deim Wort halte,
Dann muß ich mit dem Eyffer mei
Ein Liedlein seyn
Bey Jungen undden Alten.
Schmach, Hohn unnd Gifft,
Was dich betrifft,
Das fält auf mich,
Gantz jämmerlich,
Daß mir die Thränen fließen.

Trauwrig seufftz ich unnd bett im Staub
Dein Turteltaub,
Schaw doch mein Augenbrunnen,
Welch uber dein und meine Feind
Fast beide sind
Von Weinen außgerunnen,
Weil das Gespey,
Und Heucheley,
Mit Trug und List
Weit umb sich frist,
Und wil kein Ende nemmen.

Getrewer Gott mein Seele weiß,
Was du verheist,
Das ist doch alles Amen.
Wie lang wiltu denn spotten lan,
Auff diesen Plan,
Dein Ehrentreichen Namen.
Was birgstu dich,
Und schawest nicht,
Wie zu dir schreyt
Dein Christenheit,
Laß mich dein Hertz doch rühren.

Verlaß mich nicht, es trifft dich an,
O Gottes Lamb,
Ich bin ein Gast auf Erden,
Umb deines Namens willen schon
Ein Jederman
An mir wil Ritter werden:
Der hellsche Drach
Mit Ungemach
Sein grawsam Flut
Außwerffen thut
Nach mir und meinem Samen.

Für wem schristu, mein arme Seel,
Gott ist dein Heyl,
Auff Jesum Christ vertrawe.
Er ist dein Hülff, dein Trost und Stärck,
Sey still und merck,
Groß Wunder wirstu schawen.
Bey Gottes Ehr
Und reiner Lehr
Halt fest und leid
All Schmach und Neid,
Gott wirdt dein Sach außführen.

Zu Gott ruff ich, der wirdt mich doch,
Erretten noch
Auß diesen Marterwochen,
Wer mich angreifft, der kräncket jm
Sein Augelein,
Das bleibt nicht ungerochen,
Mein Augensafft
Steigt auff mit Krafft,
Und läst nicht ab,
Biß er herab
Vom hohen Himmel schawe.

Wer rufft unnd schreyt die Lufft so voll,
Gott kennt sie wol,
Sein Kirch sehr hoch betrübet,
Ich gläub in Gott,
Das ist die Sünd,
Darumb der Feindt
Sein Müthlein an mir kühlet,
Ich muß jetzt seyn,
Das Wayselein,
Doch lieben Herrn
Pocht nicht zu sehr,
Gott wirt mich nicht verlassen.

L. Curtze
D. Philipp Micolai’s
Leben und Lieder.
Halle,
Verlag von J. Fricke.
1859

Nicolai, Philipp – Wie schön leuchtet der Morgenstern

Nicolai, Philipp – Wie schön leuchtet der Morgenstern

Wie schön leuchtet der Morgenstern
Voll Gnad‘ und Wahrheit von dem Herrn,
Die süße Wurzel Jesse!
Du Sohn David zus Jakobs Stamm,
Mein König und mein Bräutigam,
Hast mir mein Herz besessen,
Lieblich, freundlich,
Schön und herrlich, groß und ehrlich,
Reich von Gaben,
Hoch und sehr prächtig erhaben!

2. Ei meine Perl‘, du werte Kron‘,
Wahr’r Gottes- und Mariensohn,
Ein hochgeborner König!
Mein Herz heißt dich ein Lilium,
Dein süßes Evangelium
Ist lauter Milch und Honig.
Ei mein Blümlein,
Hosianna, himmlisch Manna,
Das wir essen,
Deiner kann ich nicht vergessen!

3. Geuss sehr tief in mein Herz hinein,
Du heller Jaspis und Rubin,
Die Flamme deiner Liebe
Und erfreu‘ mich, daß ich doch bleib‘
An deinem auserwählten Leib
Ein‘ lebendige Rippe!
Nach dir ist mir,
Gratiosa coeli rosa,
Krank und glimmet
Mein Herz, durch Liebe verwundet.

4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein,
Wenn du mit deinen Äugelein
Mich freundlich tust anblicken.
O Herr Jesu, mein trautes Gut,
Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut
Mich innerlich erquicken!
Nimm mich freundlich
In dein‘ Arme, daß ich warme
Werd‘ von Gnaden!
Auf dein Wort komm‘ ich geladen.

5. Herr Gott Vater, mein starker Held,
Du hast mich ewig vor der Welt
In deinem Sohn geliebet.
Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut,
Er ist mein Schatz, ich bin sein‘ Braut,
Sehr hoch in ihm erfreuet.
Eia, eia,
Himmlisch Leben wird er geben
Mir dort oben!
Ewig soll mein Herz ihn loben.

6. Zwingt die Saiten in Zithara
Und laßt die süße Musika
Ganz freudenreich erschallen,
Daß ich möge mit Jesulein,
Dem wunderschönen Bräut’gam mein,
In steter Liebe wallen!
Singet, springet,
Jubilieret, triumphieret,
Dankt dem Herren!
Groß ist der König der Ehren!

7. Wie bin ich doch so herzlich froh,
Daß mein Schatz ist das A und O.
Der Anfang und das Ende!
Er wird mich doch zu seinem Preis
Aufnehmen in das Paradeis,
Des klopf‘ ich in die Hände.
Amen! Amen!
Komm, du schöne Freudenkrone,
Bleib nicht lange,
Deiner wart‘ ich mit Verlangen!

Nicolai, Philipp – Wachet auf! ruft uns die Stimme

Nicolai, Philipp – Wachet auf! ruft uns die Stimme

Wachet auf! ruft uns die Stimme
Der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
Wach auf, du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunden,
Sie rufen uns mit hellem Munde:
Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut’gam kömmt,
Steht auf, die Lampen nehmt!
Halleluja!
Macht euch bereit zu der Hochzeit,
Ihr müßet ihm entgegengehn!

2. Zion hört die Wächter singen,
Das Herz tut ihr vor Freuden springen,
Sie wacht und stehet eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,
Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron‘,
Herr Jesu, Gottes Sohn!
Hosianna!
Wir folgen all‘ zum Freudensaal
Und halten mit das Abendmahl.

3. Gloria sei dir gesungen
Mit Menschen- und mit Engelzungen,
Mit Harfen und mit Zimbeln schö;n.
Von zwölf Perlen sind die Pforten
An deiner Stadt, wir sind Konsorten
Der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug, hat je gespürt,
Kein Ohr hat mehr gehört
Solche Freude.
Das sind wir froh, i-o, i-o,
Ewig in dulci jubilo.

Nicolai, Dr. Philipp

Nicolai, Dr. Philipp

geboren zu MEngeringhausen im Waldeckischen, am 10. August 1556; wurde 1576 Prediger in seinem Geburtsorte, dann zu Harbeck, Köln am Rhein, Wildungen und Unna in Westphalen, zuletzt Pastor zu St. Catharina in Hamburg, wo er am 26. Oktober 1608 starb.

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Nachrichten von Liederdichtern des Gesangbuchs
von Immanuel Löffler.
Sulzbach, in des Kommerzienraths J. E. Seidel Kunst- und Buchhandlung.
1819