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Kategorie: Modersohn Ernst

Ernst Modersohn – Der Herr hat es gegeben

Ernst Modersohn – Der Herr hat es gegeben

Der Herr hat es gegeben, ein reiches Erdenglück,
ich schaue auf mein Leben mit tiefem Dank zurück.
Er hat mir aufgetragen den schönen Dienst am Wort,
ich durft‘ es freudig sagen an manchem, manchem Ort.

Es kam nicht leer zurücke, wie er verheißen hat.
Was war das für ein Glücke, zu säen gute Saat!
Dann hat er mir zu schreiben das teure Wort erlaubt.
Das wird mir teuer bleiben, viel teurer, als man glaubt.

Bis fern zu den Gestaden der Südsee lief das Wort,
es kam, mit Dank beladen, als Echo heim von dort.
Was war das eine Freude, so vielen Helfer sein,
sie auf der besten Weide des Wortes zu erfreun!

Und mehr hat er gegeben: ein Weib, so lieb und gut,
das mir ein langes Leben nur lauter Gutes tut.
Ein treuer Kamerade in gleichem Schritt und Tritt,
so ging durch Gottes Gnade, sie durch mein Leben mit.

Mein Tagwerk ist beendet, es war ein langer Tag,
der Herr hat’s so gewendet, daß ich nun feiern mag.
Erst wollt’ es schwer mir scheinen, zu ruhen vor der Nacht,
nun ist mein Wünschen, Meinen vor Gott zur Ruh’ gebracht.

Das war ein selig Wandern gemeinsam Hand in Hand,
und eines stets im andern erprobte Treue fand.
Und Kinder hat gegeben der treue Gott und Herr.
Was für ein reiches Leben erblühte um uns her!

Er hat ein Haus gegeben, ein liebes, altes Haus.
Dran klettern edle Reben am warmen Schiefer drauß.
Er gab viel frohe Gäste und Freunde ohne Zahl,
und endlich, was das Beste: der Gnade Sonnenstrahl.

Ja, viel hat er gegeben, der liebe, treue Herr,
ein reich gesegnet Leben, wie’s so gibt wen’ge mehr.
Nun hat er das genommen, was mich so reich gemacht.
Der Abend ist gekommen, der Ruhe mir gebracht.

Ich muß mein Schaffen enden, darf nicht mehr schreiben nun,
den nimmermüden Händen erlaubt er nun zu ruh‘n.
Dem Reisen und dem Reden gebietet er nun Schluß.
Ich darf zurück nun treten. Ich will es, weil ich muß.

Nur einen Wunsch ich habe: er werde dir bekannt,
Daß ich bis hin zum Grabe mög‘ wandern Hand in Hand
mit meinem lieben Weibe,Herr, sprich dein Amen drauf!
und dann hol aus dem Leibe zusammen uns hinauf!

Dein Name sei gelobet! Herr, du machst alles recht!
Ich habe dich erprobet als dein geringster Knecht.
Nun leg’ ich meine Hände in deine treue Hand,
ich weiß, du führst am Ende mich heim ins Vaterland.