Liscovius, Salomon – Jesu, Mensch geboren

Weise: Jesu, meine Freude.

Jesu, Mensch geboren,
Heiland, auserkoren,
O mein Gnadenthron!
Sei, ach sei willkommen
Mir und allen Frommen,
Gottes theurer Sohn!
Der du dich
So williglich
Aus dem Himmel hast begeben,
Daß ich möchte leben.

Schöpfer aller Dinge,
Daß du so geringe
Schlecht und niedrig wirst,
Kommt aus lauter Liebe,
Die dich brünstig triebe,
Daß du, Lebensfürst,
Meine Noth
Und auch den Tod
Durch Menschwerden und durch Büßen
Möchtest übersüßen.

Du kommst her auf Erden,
Ich soll himmlisch werden;
Du wirst hier ein Gast,
Führst ein dürftig Leben,
Willst in Armuth schweben
Und erwählst die Last,
Daß ich dort
Soll immerfort
In dem reichen Lebenslande
Sein in gutem Stande.

Du kommst her, zu weinen,
Daß ich mit den Deinen
Ewig lachen soll.
Daß du dich so schmiegest,
In der Krippen liegest,
Macht mich ehrenvoll.
Du wirst klein,
Groß soll ich sein,
Läßt dich auch, mich zu entbinden,
In die Windeln winden.

Du kommst mir zu gute,
Mich mit deinem Blute,
Liebstes Jesulein,
Völlig zu erlösen
Und in allem Bösen
Mir ein Trost zu sein.
Ja, mein Kind,
Du bist gesinnt,
Meinen Bruder dich zu heißen,
Mich aus Noth zu reißen.

O mein Seligmacher,
Meiner Widersacher
Starker Widerstand!
Satan’s Ueberwinder,
Heil der armen Sünder,
Weg in’s Vaterland!
Jesulein,
Mein Freudenschein,
Sei willkommen und gebeten,
Auch zu mir zu treten.

Komm mein Sündenbüßer
Himmelreichs Aufschließer,
Komm herein zu mir;
Komm du Lebenskerze
In mein armes Herze,
Ich will für und für
Lebenslang
Mit Lob und Dank
Deiner, Jesulein, gedenken
Und mich dir verschenken.

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Liscovius, Salomon – Sei willkommen tausendmal

Weise: Nun komm der Heiden Heiland

Sei willkommen tausendmal
Hier in diesem Jammerthal,
Jesu, du mein gütiger
König, Helfer, Gott und Herr.

O der süßen Gnadenzeit!
In so tiefer Niedrigkeit
Stellst du dich, mein Jesu, ein
Das soll meine Freude sein.

Du begiebst dich deiner Macht
Und kommst ohne Schmuck und Pracht,
Voller Demuth und Geduld,
Zu verbüßen unsre Schuld.

Unser krankes Fleisch und Blut
Nimmst du für dein höchstes Gut,
Und verlässest deinen Thron,
Wirst ein armer Menschensohn.

Wenn du dich mit uns vermählt,
Hast du dir zugleich erwählt
Armuth, Schmach, Verfolgungsnoth
Und den schweren Kreuzestod.

So beweisest du nun frei,
Daß dein Reich nicht irdisch sei,
Und daß dir, o Wunderheld,
Nichts beliebet auf der Welt.

Dieses nur ist dein Begehr,
Daß dich Alle, die so schwer
Mit der Schuld beladen sein,
In ihr Herze nehmen ein.

Nun so komm herein zu mir,
Komm, mein König, mache dir
Hier im Herzen deine Ruh,
Wirf mir deinen Segen zu.

Laß an dir, du wahres Heil,
Meine Seele finden Theil,
Daß bis an den letzten Tag
Ich dein Gliedmaß bleiben mag.

Und wenn du, mein Lebensfürst,
Deine Braut heimholen wirst,
Sprich zu mir im Himmelssaal:
Sei willkommen tausendmal!

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Liscovius, Salomon – Christus hat mit Freuden

Weise: Christus ist erstanden.

Christus hat mit Freuden
Auf seinen Tod und Leiden
Als Ueberwinder obgesiegt,
Daß Tod und Teufel ganz geschmiegt
Niederliegt.

Zum Beweis des Sieges
Und beigelegten Krieges
Führt der gerechte Siegesheld
Hinauf in Gottes Himmelszelt,
Aus der Welt.

Uns läßt er zurücke
Der Seelen Friedensglücke,
Und ist, uns auch zu seiner Zeit
Zu führen in die Ewigkeit,
Ganz bereit.

Gott sei Lob gesungen
Von allen Christenzungen,
Daß uns durch Jesu Himmelfahrt
Der Himmelsweg wird vorgespart
Und bewahrt.

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Liscovius, Salomon – Ein neues Licht, ein heller Schein

Auf das Fest der Erscheinung Christi.

Weise: Vom Himmel hoch da komm.
oder: Was fürcht’st du Feind Herodes.

Ein neues Licht, ein heller Schein
Bricht aller Welt von Gott herein,
Denn Jesus, Herr der Herrlichkeit,
Wird Mensch in dieser letzten Zeit.

Er ist geboren arm und klein
Und will doch Allen nützlich sein.
Wer Leben, Heil und Trost begehrt,
Dem solls bei Jesu sein gewährt.

Drum macht er sich auch offenbar
Den Juden und der Heiden Schaar,
Und ruft die Völker alle gleich
Zu sich und in sein Gnadenreich.

Er ist ein allgemeines Heil,
Der Blinden Licht, der Armen Theil;
Und wer bei Jesu wünscht zu sein,
Den führt er selbst durch seinen Schein.

Ist Jemand irrend und verflucht,
Der wird durch dieses Licht gesucht,
Und aus der finstern Todesnacht
Auf Gottes Lebensbahn gebracht.

Gott, dir sei Dank für dieses Licht,
Daß du den Heiden aufgericht’t,
Und daß zu dir ein Jedermann
Durch Jesum sicher kommen kann.

Wir ehren dich von Herzen hier
Und opfern uns im Glauben dir,
Nimm uns, dein Volk in Gnaden an,
Wie du den Weisen hast gethan.

Erhalt uns auch durch deinen Glanz
Im Wandel rein, im Glauben ganz,
Und laß den Himmel offen stehn,
Wenn wir von hinnen sollen gehn.

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Liscovius, Salomon – Nun ist der Tag der Seligkeit

Auf Mariä Verkündigung.

Weise: Durch Adams Fall ist ganz.

Nun ist der Tag der Seligkeit
Den Sündern angebrochen,
Nun ist des Teufels Mord und Neid
Gedämpfet und gerochen1).
Denn Gottes Sohn,
Der Gnadenthron,
Ist selbst in’s Mittel kommen,
Das höchste Gut
Hat Fleisch und Blut
Von Menschen angenommen.

Nun ist des Vaters Wort erfüllt
Der Gläubigen Verlangen
Ist nun nach Herzenswunsch gestillt,
Denn Jesus ist empfangen.
Der uns erhält,
Hat sich gesellt
Zu den verlornen Sündern.
War er gleich reich,
Wird er doch gleich
Den armen Menschenkindern.

O süßer Trost, o großes Glück,
Das aller Welt entstehet,
Gott giebt uns einen Gnadenblick
Und hat uns hoch erhöhet,
Daß unser Stand
Ist nah verwandt
Mit Gott uns seinem Worte.
Nun haben wir
Durch Jesum hier
Zum Himmel eine Pforte.

Gott hat sich unser Fleisch vermählt
Und unter uns auf Erden
Sich seinen Himmel auserwählt,
Auf daß wir himmlisch werden.
Zu seiner Braut
Hat er vertraut
Das menschliche Geschlechte,
Und uns bedacht
Aus Liebesmacht
Mit seinem Kindesrechte.

Trotz sei nun dir, du Seelenfeind,
Trotz allen deinen Pfeilen!
Denn unter uns wohnt unser Freund,
Der Heiland, uns zu heilen.
Hier ist der Mann,
Der helfen kann,
Und deinen Kopf zertreten;
Hier ist ein Kind,
Das sich verbind’t,
Uns ewig zu verbeten.

O Jesu, trauter Gottessohn,
Der du zwar Mensch geboren,
Und doch von deinem Ehrenthron
Und Gottheit nichts verloren:
Hilf, daß wir dich
Nun ewiglich
In unsern Herzen tragen
Durch Kreuz und Leid
Zur Herrlichkeit
Mit dir uns durchzuschlagen.

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Liscovius, Salomon – In süßem Freudenton

Das alte Weihnachtslied: In dulci jubile Verdeutscht.

In süßem Freudenton
Besinget Gottes Sohn,
Der als des Herzens Wonne
Liegt in der Krippen blos,
Und leuchtet wie die Sonne
In seiner Mutter Schooß,
Gott unvergleichlich groß.

O liebstes Jesulein,
Wie sehr begehr ich dein!
Komm, tröste mein Gemüthe.
Ach Kind, erscheine mir
Mit deiner Himmelsgüte;
Du königliche Zier,
Zeuch mich bald hin zu dir.

Gott Vaters liebster Sohn.
O frommer Gnadenthron,
Wir wären ganz verdorben
In unsrer Sündenqual.
Durch dich ist uns erworben
Des Himmels Freudensaal.
O wohl uns allzumal!

Heil, Leben, Seligkeit
Ist uns nun dort bereit,
Wo Gottes Engel singen
Den neuen Lobgesang.
Da, dahin laß uns bringen,
Zu mehren deinen Dank.
O Jesu, mach’s nicht lang!

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Liscovius, Salomon – Herr JEsu, sei von mir gepreist.

Weise: O Jesu Christ, mein’s Lebens

Herr JEsu, sei von mir gepreist,
Daß mich dein Leib so wohl gespeist,
Und auch dein Blut hat mich getränkt,
Hiermit bist du mir gar geschenkt.

Du bist in mir und ich in dir,
Dein rothes Blut ist meine Zier,
Dein heilig Fleisch ist meine Kraft,
Das mir ein ewig Leben schafft.

Nun Jesu, nimm mich wieder hin
Und leite meinen Geist und Sinn,
Daß ich nach deinen Willen thu,
Nimm an mein Herz zu deiner Ruh.

Ich bleibe dein in Lieb und Leid,
Steh du mir bei in aller Zeit
Und hilf, daß durch dein Fleisch und Blut
Ich erbe deines Himmels Gut.

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Liscovius, Salomon – Nun freue dich, o Christenheit.

Weise: Ich dank dir schon durch.

Nun freue dich, o Christenheit,
Mit Gott beliebten Weisen,
Jetzt ist die gnadenreiche Zeit,
Da wir Gott billig preisen.

Die ganze Welt ist angefüllt
Mit lauter Himmelsgütern,
Daß süßer Trost und Freude quillt
Den traurigen Gemüthern.

Denn Gott der Herr hat seinen Sohn
In unser Fleisch gesendet,
Und uns durch diesen Gnadenthron
Den Himmel zugewendet.

Hier lässet sich das fromme Kind
Für alle Welt beschneiden,
Daß alle, die wir Sünder sind,
Den Fluch nicht dürfen leiden.

Da wird für uns sein zartes Blut
Zur Ranzion entrichtet,
Dadurch ist uns der Vater gut
Und unsre Schuld geschlichtet.

Es wird ihm auch mit Wohlbedacht
Der Name Jesus geben,
Weil er die Sünder selig macht
Und ist ihr Heil und Leben.

Da blüht uns alle Seligkeit,
Da wächst uns eitel Segen,
Denn dieser Jesus ist bereit,
Uns herzlich zu verpflegen.

Was unser Herze Gut’s begehrt,
Wird uns vollauf geschenket,
Hingegen das, was uns beschwert,
Durch Christum abgelenket.

Drum darf uns auch ein ganzes Jahr
Kein Ungemach erschrecken,
Denn Jesus weiß uns vor Gefahr,
Aufs beste zuzudecken.

Er wacht für uns zu Tag und Nacht;
Wenn Noth und Unglück drauen,
So schützt er uns vor ihrer Macht
Und läßt uns Hülfe schauen.

Nun, Jesu, wir lobsingen dir
Für alle deine Treue;
Gieb, daß uns ferner für und für
Dein Trost und Schutz erfreue.

Nimm an in deine Liebeshand
Uns Große mit den Kleinen.
Hilf uns, und laß auf Stadt und Land
Dein gnädig Antlitz scheinen.

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Liscovius, Salomon – Da Jesus an dem Kreuze stund

Die heiligen sieben Worte unsers Herrn.

Nach Anleitung und Wiese des Liedes von Johann Böschenstein: Da Jesus an dem Kreuze stund.

Da Jesus an dem Kreuze stund
Und war bis auf den Tod verwund’t
Von Dornen und von Schlägen,
So lehrt und tröstet doch sein Mund,
Verspricht auch Heil und Segne.

Erst fleht er um der Feinde Schuld:
Vergieb doch, Vater, aus Geduld,
Was sie sich unterfangen!
Dadurch soll Gottes Gnad und Huld
Ein Sünder noch erlangen.

Zum Andern sagt er mit Bedacht:
Johannes, nimm das Weib in Acht,
Weib, pflege deines Sohnes!
So sind auch wir von Gott gemacht
Zu Kindern seines Thrones.

Zum dritten tröstet er gar schön:
Fürwahr, du sollst mit mir eingehn
Zu meinem Paradeise!
So werden wir auch bei hm stehn
Nach unsrer Todesreise.

Zum Vierten klagt er seine Noth:
Warum hast du bis in den Tod,
Mein Vater, mich verlassen?
Hiervor soll uns der treue Gott
Mit süßem Trost umfassen.

Zum Fünften darbt und sehnt er sich:
Mich dürstet sehr, o Mensch, um dich!
Dafür wird uns Gott schenken
Der Seelen Heil, und ewiglich
Mit Wollustströmen tränken.

Zum Sechsten nimmt er guten Nacht,
Läßt uns den Trost: Es ist vollbracht,
Was zur Erlösung dienet!
Nun ist der Mensch mit Gottes Macht
Durch Christum ausgesühnet.

Zum Letzten ruft er mit Begier:
Herr, meinen Geist befehl ich dir
In deine Vaterhände!
Nun bleibet uns gewiß dafür
Ein selig Todesende.

O Jesu, deine Leidensnoth,
Dein Blut und deinen Schmerzenstod
Und deine sieben Worte
Laß sein mein Heil und Lebensbrot,
Mein Licht und Himmelspforte!

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Liscovius, Salomon – Weihnachtslied.

Weise: Wir Christenleut hab’n jetzund.

O Fröhlichkeit,
O süße Zeit!
Uns ist ein Kind,
Ein theurer Schatz geboren.
Vom Himmelsthron
Ist Gottes Sohn
Der ganzen Welt
Zum Trost und Heil erkoren.

O schöner Blick!
Ein großes Glück
Ist hoch erwünscht
Den Sündern aufgesprossen;
Uns allzumal
Ist ohne Zahl
Der Seelen Heil
Und Segen zugeflossen.

Mensch, freue dich,
Gott selbst hat sich
In dein Geschlecht
Und Fleisch und Blut verkleidet.
Gott ist allhier
Bei mir und dir,
Daß uns kein Tod
Und auch kein Teufel scheidet.

Die Gotteskraft
Macht Brüderschaft
Ganz wohlgemeint
Mit allen armen Sündern:
Die Traurigkeit
Und alles Leid
Kann dieser Freund
Und treue Bruder lindern.

Die Sündennacht
Und Todesmacht
Ist weit von uns
Durch Jesum abgetrieben.
Durch dieses Kind
Sind wir geschwind
Ins Lebensbuch
Und Gottes Hand geschrieben.

Der Wunderheld
Hat aller Welt
Das Paradies
Erfreulich aufgeschlossen;
Und uns gemacht
In einer Nacht
Zu seinem Volk
Und Himmelreichsgenossen.

O Jesulein,
Laß meine sein
Den süßen Trost
Und deine Lebensgaben.
Du sollst dafür
Nun fort bei mir
Dein Krippelein
In meinem Herzen haben.

So komm, mein Gast,
Nimm deine Rast
Und stete Ruh
Bei mir, als deinem Kinde,
Und hilf, daß ich
Nun ewiglich
Bei dir mein Heil,
Mein Haus und Wohnung finde.

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder