Krummacher, Friedrich Adolf – Du bist der Weg

Du bist der Weg; an Deiner Hand wir finden
die Bahn zum Licht im dunkeln Tal der Sünden.
O halt‘ uns stets, Du Hort voll Huld und Gnade,
auf rechtem Pfade!

Du bist die Wahrheit; gehn wir gleich im Dunkeln,
doch muß Dein himmlisch Licht uns freundlich funkeln.
O bleibe bei uns, Herr, in Nacht und Schmerzen
in unsern Herzen!

Du bist das Leben; ewig himmlisch Leben
wirst Du, o Lebensfürst, den Deinen geben.
O hilf, daß wir dort mit den Engelschören
ewig Dich ehren!

rummacher, Friedrich Adolf – Morgenrot

Mag auch die Liebe weinen,
es kommt ein Tag des Herrn;
nach dunkler Nacht wird scheinen
ein heller Morgenstern.

Mag auch der Glaube zagen,
ein Tag des Lichtes naht;
aus Dämmrung wird es tagen,
zur Heimat führt der Pfad.

Mag Hoffnung auch erschrecken,
mag jauchzen Grab und Tod,
die Schlummernden wird wecken
dereinst ein Morgenrot.

Krummacher, Friedrich Adolf – Stern, auf den ich schaue

Stern, auf den ich schaue,
Fels, auf dem ich steh‘,
Führer, dem ich traue,
Stab, an dem ich geh‘,
Brot, von dem ich lebe,
Quell, an dem ich ruh‘,
Ziel, das ich erstrebe:
Alles, HErr, bist Du!

Ohne Dich, wo käme
Kraft und Mut mir her?
Ohne Dich, wer nähme
Meine Bürde, wer?
Ohne Dich zerstieben
Würde mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben.
Alles, HErr, bist Du!

Drum, so will ich wallen
Meinen Pfad dahin,
Bis die Glocken schallen
Und daheim ich bin.
Dann mit neuem Singen
Jauchz ich froh Dir zu:
Nichts hab‘ ich zu bringen,
Alles, HErr, bist Du!

Krummacher, Friedrich Adolf – Tod, wo ist Dein Stachel

Tod, wo ist dein Stachel,
Hölle, wo dein Sieg,
seit der Fürst des Lebens
aus dem Grabe stieg?
Nacht, wo ist dein Grauen,
dunkle Sterbensnacht,
seit der Ostermorgen
hell uns angelacht?

Mag auch zitternd brechen
dieses arme Herz –
unsre Seele schwingt sich
jauchzend himmelwärts!
Mag der Leib zerfallen
und im Staub vergehn –
einst verklärt unsterblich
wird er auferstehn.

Vor dem Auferstandnen
flieht der Zweifel Heer,
und es kann uns schrecken
kein Verwesen mehr!
Ja, wir schaun frohlockend
in die Gruft hinein,
gleich als sähn wir aufwärts
in den Sonnenschein!

Großer Ostermorgen,
wenn des Menschen Sohn
einst mit seinen Engeln
kommt vom Himmelsthron;
wenn die Saat, die heil’ge,
die das Grab bedeckt,
zu erneutem Leben
seine Stimme weckt!

Dann mit andern Zungen,
mit erhöhtem Klang,
werden Millionen
singen den Gesang:
Tod, wo ist dein Stachel,
Hölle, wo dein Sieg,
seit der Fürst des Lebens
aus dem Grabe stieg?