Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Die dunklen Schatten fliehen

Die dunklen Schatten fliehen,
Der Morgenhimmel glänzt;
Der Berge Spitzen glühen
Vom jungen Licht umkränzt.
Sey uns gegrüßt, du holdes Licht!
Du säumest, doch verläßst uns nicht.

Das Gute kommt von oben;
Da wohnt des Lichtes Quell!
Wo Morgenstern‘ ihn loben,
da ist es ewig hell.
Wir wandeln hier im dunkeln Thal;
Doch leuchtet uns des Himmels Strahl.

O Vater, sende Segen
Auf deiner Kinder Schaar!
Uns leucht‘ auf dunklen Wegen
Dein Antlitz immerdar.
Erhebe du dein Angesicht,
Verlaß uns nicht, verlaß uns nicht!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus allen Jahrhunderten der Kirche

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Heil uns! des Vaters Ebenbild.

Heil uns! des Vaters Ebenbild,
Der droben herrlich thronet,
Hat hier auf Erden hehr und mild
Gewandelt und gewohnet;
Und seine Huld und Herrlichkeit
Umhüllt‘ ein schlichtes Pilgerkleid.

Er kam von seines Himmels Höhn,
Die Erde zu erlösen,
Voll Gnad‘ und Wahrheit, wunderschön
Sein Wort, sein Blick, sein Wesen!
Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht
Umfloß sein menschlich Angesicht.

Er gieng im Land‘ umher, sein Herz
Voll Lieb‘ und voll Erbarmen –
Erheiterte den stummen Schmerz,
Und tröstete die Armen;
Er sah die Unschuld freundlich an,
Und Kindlein durften ihm sich nahn.

Ihm gieng, den Säugling in dem Arm,
Die Mutterlieb‘ entgegen;
Frohlockend hüpft‘ ein bunter Schwarm
Von Kindlein an den Wegen;
Und Jesus stand und sah in Ruh
Dem fröhlichen Gewimmel zu.

Da wies ein Jünger sie zurück,
Da standen sie beklommen –
Er aber sprach mit mildem Blick:
O laßt sie zu mir kommen,
Und seyd auch ihr den Kindlein gleich!
Denn ihrer ist das Himmelreich!

Und sieh! die Kindlein säumten nicht,
Und nahten voll Vertrauen.
Er neigete sein Angesicht,
Sie freundlich anzuschauen,
Hob sie empor auf Arm und Knie,
Und segnete und herzte sie.

Und wenn er nun von dannen gieng,
Da flossen manche Thränen,
Und manches trübe Auge hieng
An ihm mit stillem Sehnen,
Und flehete mit frommem Blick:
Ach, kehre bald zu uns zurück!

O du erhabner Kinderfreund,
Einst kommst du herrlich wieder.
Dann blicke, wenn dein Tag erscheint,
Auch segnend auf uns nieder.
Dann leit‘ auch uns an deiner Hand,
Du treuer Hirt, ins Vaterland!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus allen Jahrhunderten der Kirche

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Lobt den Herrn!

Lobt den Herrn! Er ist die Liebe,
Er verläßt die Seinen nicht.
Blickt auch unser Auge trübe,
Freundlich strahlt sein Angesicht.

Lobt den Herrn! Er ist voll Milde!
Nach des Wetters schwüler Nacht
Glänzen schöner die Gefilde
Und des Regenbogens Pracht!

Lobt den Herrn! Von seinem Regen
Duftet lieblicher die Au,
Und erfüllt von seinem Segen
Steht gebückt die Blum‘ im Thau!

Lobt den Herrn! Auch wenn wir weinen,
Siehet uns sein Angesicht.
Er verlässet nicht die Seinen;
Vater! du verläß’st uns nicht.

Lobt den Herrn! Es fallen Thränen
Auf des Erdenpilgers Pfad!
Aber unter stillem Sehnen
Reift des Himmels ew’ge Saat!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus allen Jahrhunderten der Kirche

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Als Nacht und Todesschatten

Als Nacht und Todesschatten
Uns ganz umgeben hatten
Im dunkeln Pilgerthal;
Da kam in unser Wehe
Der Aufgang aus der Höhe,
Und brachte Freuden ohne Zahl.

Auf Galiläas Hügeln,
Mit Heil auf ihren Flügeln,
Da ging die Sonne auf.
Durch trübe Wolkenhülle
Brach ihres Lichtes Fülle, –
Den Sturm des Fluchs durchbrach ihr Lauf.

Und Allen will sie Leben
Und Vollgenüge geben,
Die ihrem Lichte nah’n. –
O Licht, so hell, so süße,
Komm, richte unsre Füße
Vom Irrweg auf des Friedens Bahn.

Nimm unter Deine Flügel
Die Thäler, Berg‘ und Hügel
Der Erde weit und breit;
Daß sie wie Lämmer springen,
Und Dir Hosianna singen,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere- Behalt mich, Herr, in deiner Pflege

Behalt mich, Herr, in deiner Pflege,
Du, der dem Tode mich entrückt,
Daß nicht der Trug der eignen Wege
Mich nun Erlösten neu umstrickt.
Du kennst mein Herz in seinem Trutze,
Du kenst’s in seiner Kreuzesflucht.
Behalte mich in deinem Schutze,
Behalte mich in deiner Zucht.

Behalte mich in der Bereitung
Des Heil’gen Geistes für und für!
Es würde ohne deine Leitung
Ein unfruchtbarer Baum aus mir.
Die Keime selbst der Lieb‘ und Güte,
Die du mir neu ins Herz gelegt,
Ach, sie verkümmern vor der Blüte,
Wo deine Treue sie nicht pflegt.

Du mußt, was du begannst, vollenden;
Aus mir wächst Heil’ges nicht hervor.
Behalt in deinen Meisterhänden
Mich weiches Wachs, mich schwankes Rohr!
Ob milde Lüfte wehn, ob Stürme,
O laß mich nimmer, nimmer los!
Behalte mich in deinem Schirme
Und deiner Liebe treuem Schoß!

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Eine Herde und ein Hirt

Eine Herde und ein Hirt,
Wie wird dann dir sein, o Erde,
Wenn sein Tag erscheinen wird,
Freue dich, du kleine Herde,
Mach dich auf und werde licht!
Jesus hält, was er verspricht.

Hüter, ist der Tag noch fern,
Schon ergrünt es auf den Weiden,
Und die Herrlichkeit des Herrn,
Nahet dämmernd sich den Heiden;
Blinde Pilger flehn um Licht.
Jesus hält, was er verspricht

Komm, o komm, getreuer Hirt,
Daß die Nacht zum Tage werde.
Ach, wie manches Schäflein irrt
Fern von dir und deiner Herde.
Kleine Herde, zage nicht!
Jesus hält, was er verspricht.

Sieh, das Heer der Nebel flieht
Vor des Morgenrotes Helle,
Und der Sohn der Wüste kniet
Dürstend an der Lebensquelle;
Ihn umleuchtet Morgenlicht.
Jesus hält, was er verspricht.

Gräber harren aufgetan;
Rauscht, verdorrete Gebeine,
Macht dem Bundesengel Bahn,
Großer Tag des Herrn, erscheine!
Jesus ruft: Es werde Licht!
Jesus hält, was er verspricht.

O des Tags der Herrlichkeit!
Jesus Christus, du die Sonne,
Und auf Erden weit und breit
Lich und Wahrheit, Fried und Wonne!
Mach dich auf, es werde Licht!
Jesus hält, was er verspricht!

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere- Empor zu Gott, mein Lobgesang

Empor zu Gott, mein Lobgesang,
Er, dem der Engel Lied erklang,
Der hohe Freudentag ist da,
Lobsinget ihm Halleluja,
Ja singt Halleluja!

2. Er kam, des Vaters Ebenbild,
Von schlichtem Pilgerkleid umhüllt,
Und führet uns mit sanfter Hand,
Ein treuer Hirt, ins Vaterland,
Ein Hirt ins Vaterland

3. Er, der jetzt bei dem Vater thront,
Hat unter uns, ein Mensch, gewohnt,
Damit auch wir ihm werden gleich
Auf Erden und im Himmelreich,
Hier und im Himmelreich.

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Er kommt

1. Er kommt, der Herr, schon ist Er nah!
Froh kommt Er zu den Seinen;
O wär´ Er doch bald sichtbar da!
Wie freut mich sein Erscheinen,
da ich in seiner Herrlichkeit
Ihn werde schau´n –
O, käm Er heut´,
vor Freude würd´ ich weinen.

2. Komm, Jesus, komm!
Ich warte Dein
mit allen Deinen Frommen.
Verzieh nicht, Jesus, komm, erschein!
Ich freu´mich auf Dein Kommen.
Ich freu´ mich auch,
wenn Du zu mir
wirst sagen: „Komm!“ und ich von Dir
zu Dir werd´ aufgenommen.

3. Ja, Amen! Komm!
Ruft Deine Braut
im Geist Dir, Herr, entgegen,
bis sie Dein Angesichte schaut –
schon bist Du unterwegen.
Schon pred´gen´s Erd´ und Himmel laut:
„Er kommt!“ –
„Ja, komm!“ ruft Deine Braut
dir tausendmal entgegen.

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Ja fürwahr, uns führt mit sanfter Hand

Ja fürwahr, uns führt mit sanfter Hand
ein Hirt durchs Pilgerland
der dunklen Erde,
uns, seine kleine Herde.
Halleluja! Halleluja!

Wenn im Dunkeln auch sein Häuflein irrt,
er wacht, der treue Hirt,
und läßt den Seinen
ein freundlich Sternlein scheinen.
Halleluja!

Sicher leitet aus des Todes Graun
er uns zu grünen Aun,
zu frischen Quellen,
zu ewgen Lebenswellen.
Halleluja!

Freundlich blickt sein Aug auf uns herab,
Sein sanfter Hirtenstab
bringt Trost und Friede.
Er wachet sich nicht müde.
Halleluja!

Ja fürwahr, er ist getreu und gut;
auch unsre Heimat ruht
in seinen Armen.
Sein Name ist Erbarmen.
Halleluja!