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Kategorie: Freylinghausen Johann Anastasius

Freylinghausen, Johann Anastasius – O du majestätisch Wesen

Freylinghausen, Johann Anastasius – O du majestätisch Wesen

O du majestätisch Wesen,
Das ein unzugänglich Licht
Sich zum Sitz und Thron erlesen,
O wie schnöde bin ich nicht,
Wenn ich mich, mich Kind der Hölle,
Neben deine Klarheit stelle!
Ach, wie finster, arm und klein
Schein‘ ich mir dann selbst zu sein!

Du hast niemals angefangen,
Du bist Gott von Ewigkeit;
Ich bin gestern aufgegangen
Und vergeh‘ vielleicht schon heut‘.
Deine Macht hat keine Schranken,
Meine Kraft will immer wanken;
Du bist selbst die Quell‘ des Lichts,
Ich bin ein lebendig Nichts.

Nichts von Wahrheit, Nichts von Güte
Wohnet in mir von Natur,
Wo ist jetzt in dem Gemüthe
Jener ersten Schönheit Spur?
Ach, dein Bild ist ganz verblichen,
Alle Kräfte sind entwichen,
Und mein Körpber fällt dahin
Wie die Blumen, die verblüh’n.

Fluch und Elend, Zorn und Sünde
Ist nunmehr mein Element,
Wo ich meine Nahrung finde,
Wo mein Fuß zur Hölle rennt.
Tausend Wunden, tausend Flecken
Schänden mich an allen Enden,
Und in der verderbten Brust
Grünt die Wurzel böser Lust.

Was ich Gutes an mir habe,
Ist ein Denkmal deiner Hand,
Deine Wirkung, deine Gabe,
Die du, Herr, mir zugewandt.
Deine freie milde Gnade
Schmückt mich armen Wurm und Made;
Nähmest du zurück, was dein,
Ach, was würde übrig sein?

Doch auch deiner Gaben Menge
Klaget meinen Undank an;
Seel‘ und Herz kommt ins Gedränge,
Weil ich gar nicht leugnen kann,
Daß dein Eifer billig rauchet,
Weil ich sie nicht recht gebrauchet.
Ach, wie häuf ich meine Schuld
Durch Verachtung der Geduld.

Herr, die Wunder deiner Liebe
Machen mich beschämt vor dir;
Ach, wie zart sind deine Triebe,
Wenn dein Herz sich neigt zu mir!
Daß sich so ein herrlich Wesen
Einen Wurm zur Lust erlesen,
Der so nackend und so klein,
Das mag, das mag Gnade sein!

Herr, hier lieg‘ ich in dem Staube,
Unter deinen Fuß gekrümmt;
Doch mein demuthsvoller Glaube,
Der im Staub und Asche glimmt,
Freut sich heimlich deiner Güte,
Und mein tiefgebeugt Gemüthe
Hebt sich aus des Todes Thor
Voller Zuversicht empor.

Meine Kräfte, meine Glieder
Stehn zu deinem Dienst bereit;
Sieh‘ hier sink‘ ich vor dir nieder
Voller Ehrerbietigkeit.
Deinen Willen thun und leiden,
Sei der Gipfel meiner Freuden.
Du Beherrscher aller Welt,
Thu‘ mit mir, was dir gefällt.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

J. A. Freylinghausen – Wer ist wohl wie du

J. A. Freylinghausen – Wer ist wohl wie du

Wer ist wohl wie du,
Jesu, süße Ruh,
Unter vielen auserkoren,
Leben derer, die verloren,
Und ihr Licht dazu,
Jesu, süße Ruh,

2. Leben, das den Tod,
Mich aus aller Not
Zu erlösen, hat geschmecket,
Meine Schulden zugedecket
Und mich aus der Not
Hat geführt zu Gott?

3. Glanz der Herrlichkeit,
Du bist vor der Zeit
Zum Erlöser uns geschenket
Und in unser Fleisch versenket
In der Füll der Zeit,
Glanz der Herrlichkeit.

4. Großer Siegesheld,
Tod, Sünd, Höll und Welt,
Alle Kraft des großen Drachen
Hast du wolln zu Schanden machen
Durch das Lösegeld
Deines Bluts, o Held.

5. Höchste Majestät,
König und Prophet,
Deinen Scepter will ich küssen,
Ich will sitzen dir zu Füßen,
Wie Maria tät,
Höchste Majestät.

6. Laß mich deinen Ruhm
Als dein Eigentum
Durch des Geistes Licht erkennen,
Stets in deiner Liebe brennen
Als dein Eigentum,
Allerschönster Ruhm.

7. Zeuch mich ganz in dich,
Daß vor Liebe ich
Ganz zerrine und zerschmelze
Und auf dich mein Elend wälze,
Das stets drücket mich;
Zeuch mich ganz in dich.

8. Deiner Sanftmut Schild,
Deiner Demut Bild
Mir anlege, in mich präge,
Daß sein Zorn noch Stolz sich rege;
Vor dir sonst nichts gilt
Als dein eigens Bild.

9. Steure meinem Sinn,
Der zur Welt will hin,
Daß ich nicht mög von dir wanken,
Sondern bleiben in den Schranken;
Sei du mein Gewinn,
Gib mir deinen Sinn.

10. Wecke mich recht auf,
Daß ich meinen Lauf
Unverrückt zu dir fortsetze,
Und mich nicht in seinem Netze
Satan halte auf;
Fördre meinen Lauf.

11. Deines Geistes Trieb
In die Seele gib,
Daß ich wachen mög und beten,
Freudig vor dein Antlitz treten;
Ungefärbte Lieb
In die Seele gib.

12. Wenn der Wellen Macht
In der trüben Nacht
Will des Herzens Schifflein decken,
Wollst du deine Hand ausstrecken;
Habe auf mich acht,
Hüter in der Nacht.

13. Einen Heldenmut,
Der da Gut und Blut
Gern um deinetwillen lasse
Und des Fleisches Lüste hasse,
Gib mir, höchstes Gut,
Durch dein teures Blut.

14. Solls zum Sterben gehn,
Wollst du bei mir stehn,
Mich durchs Todestal begleiten
Und zur Herrlichkeit bereiten,
Daß ich einst mag sehn
Mich zur Rechten stehn.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Johann Anastasius Freylinghausen – Monarche aller Ding

Johann Anastasius Freylinghausen – Monarche aller Ding

1) Monarche aller Ding,
Dem alle Seraphinen
Voll Ehrerbietigkeit
Uns tiefster Demut dienen,
Laß dein erhabnes Angesicht
Zu meiner Armut sein gericht.

2) Du bist die Majestät
Der höchsten Majestäten,
An deinem Glanze muß
All Glanz und Pracht erröten.
Doch bitt ich, zürne nicht mit mir,
Daß ich, der Staub, mich nah zu dir.

3) Du sprichst: Kommt her zu mir,
Laßt euch nur nichts erschrecken,
Ich will die Majestät
Mit Vaterliebe decken.
Drum komm ich auch zu meinem Teil,
Von dir zu singen, schönstes Heil.

4) Du bist das A und O,
Der Anfang und das Ende.
Hilf, daß mein Herz zu dir,
Dem Anfang, stets sich wende,
Und ich in allem, was ich tu,
In dir als meinem Ende ruh.

5) Du bist das große Licht,
Dein Licht geht niemals unter,
Der kleinste Strahl von dir
Macht Leib und Seele munter.
O daß in deiner Heiterkeit
Erstürbe meine Dunkelheit.

6) Du bist die Liebe selbst,
Die lauter Liebe quillet,
Die aller Engel Herz
Mit Lust und Lieb erfüllet.
O Lieb, ergieß dich auch in mich,
Daß ich als Liebe schmecke dich.

7) Du bist die Lebenskraft,
Durch die sich alles reget,
Was sich zum Guten nur
In eigner Art beweget.
O daß dein Leben meinen Tod
Verschlänge ganz samt aller Not.

8) Du bist das höchste Gut,
Nur du bist gut zu nennen.
O laß mich außer dir
Kein ander Gut erkennen,
Mach aber meinen Sinn und Mut
Durch dich und dein Erbarmen gut.

9) So soll mein alles dich
Mit Ruhm und Preis erheben,
Ja ich will selbst mich dir
Zum ganzen Opfer geben,
Und du wirst auch mit Lust in mir
Dein Bild erblicken für und für.

10) Ehr sei dir, großer Gott,
Du Herr der Himmelsheere,
Es jauchzen ewig dir
Der Selgen Jubelchöre;
Ich jauchze mit schon auf der Erd,
Bis ich ein Himmelserbe werd.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States