Archiv der Kategorie: Francke August Hermann

Francke, August Herrmann – Gott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit

1. Gott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit
ist abermals vollendet;
zu dir im Fortgang dieser Zeit
mein Herz sich sehnlich wendet,
o Quell, daraus mein Leben fleußt
und alle Gnade sich ergeußt
in meine Seel zum Leben!

2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr,
und wird mir allzu lange,
bis es erscheine, daß ich gar
o Leben, dich umfange,
damit, was sterblich ist in mir
verschlungen werde ganz in dir,
und ich unsterblich werde.

3. O daß du selber kämest bald,
ich zähl die Augenblicke;
ach komm, eh mir das Herz erkalt‘
und sich zum Sterben schicke;
komm doch mit deiner Herrlichkeit,
schau, deine Braut hat sich bereit‘,
die Lampen sind geschmücket.

4. Doch sei dir ganz anheimgestellt
die rechte Zeit und Stunde,
wiewohl ich weiß, daß dir’s gefällt,
wenn ich mit Herz und Munde
dich kommen heiße und darauf
von nun an richte meinen Lauf,
daß ich dir komm entgegen.

5. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann
von deiner Liebe trennen
und daß ich frei vor jedermann
dich darf mein eigen nennen
und du, o treuer Lebensfürst,
dich dort mit mir vereinen wirst
und mir dein Erbe schenken.

6. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit,
daß sich der Tag geendet
und also auch von dieser Zeit
ein Schritt nochmals vollendet
und schreite hurtig weiter fort,
bis ich gelange an die Pfort‘
Jerusalems dort oben.

7. Wenn auch die Hände müde sind
und meine Knie wanken,
so biet mir deine Hand geschwind
in meines Glaubens Schranken,
damit durch deine Kraft mein Herz
sich stärke und ich himmelwärts
ohn Unterlaß aufsteige.

8. Geh, Seele, frisch im Glauben dran
und sei nur unerschrocken,
laß dich nicht von der rechten Bahn
die Lust der Welt ablocken!
So dir der Lauf zu langsam deucht.
so eile, wie ein Adler fleucht
mit Flügeln süßer Liebe!

9. O Jesu, meine Seele ist
zu dir schon angeflogen;
du hast, weil du voll Liebe bist,
mich ganz zu dir gezogen.
Fahr hin, was heißet Stund und Zeit,
ich bin schon in der Ewigkeit,
weil ich in Jesu lebe.

Text: August Herrmann Francke
Melodie: P. Sohren 1668 (Mein Herzens Jesu)
Quelle: Bayrisches Gesangbuch 1951, Nr. 473

Francke, August Hermann – Gott Lob! ein Schritt zur Ewigkeit

Gott Lob! ein Schritt zur Ewigkeit
Ist abermals vollendet.
Zu dir im Fortgang dieser Zeit
Mein Herz sich sehnlich wendet,
O Quell, daraus mein Leben fleußt,
Und alle Gnade sich ergeußt
In meine Seel‘ zum Leben.

Ich zähle Stunden, Tag‘ und Jahr‘,
Und wird mir allzulange,
Bis es erscheint, daß ich gar,
O Leben, dich umfange,
Damit, was sterblich ist in mir,
Verschlungen werde ganz in dir,
Und ich unstertblich werde.

O daß du selber kämest bald!
Ich zähl‘ die Augenblicke.
Ach komm‘, eh‘ mir das Herz erkalt‘,
Und sichs zum Sterben schicke!
Komm doch in deiner Herrlichkeit,
Schau! deine Braut hat sich bereit:
Die Lenden sind umgürtet.

Komm! ist die Stimme deiner Braut:
Komm! rufet deine Fromme.
Sie ruft und schreyet überlaut:
Komm bald, ach Jesu, komme!
So komme denn, mein Bräutigam,
Du kennest mich, o Gotteslamm,
Daß ich dir bin vertrauet.

Doch sey dir ganz anheimgestellt
Die rechte Zeit und Stunde;
Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt,
Daß ich mit Herz und Munde
Dich kommen heiße, und darauf
Von nun an richte meinen Lauf,
Daß ich dir komm‘ entgegen.

Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann
Von deiner LLiebe trennen,
Und daß ich frey vor Jedermann
Dich darf den Bräutgam nennen,
Und du, o theurer Lebensfürst,
Dich dort mit mir vermählen wirst,
Und mir dein Erbe schenken.

Drum preis‘ ich dich aus Dankbarkeit,
Daß sich der Tag (die Nacht, die Stund) geendet
Und also auch von dieser Zeit
Ein Schritt nochmals vollendet,
Und schreite hurtig weiter fort,
Bis ich gelange an die Pfort‘
Jerusalems dort oben.

Wenn auch die Hände lässig sind
Und meine Knie wanken,
So biet‘ mir deine Hand geschwind
In meines Glaubens Schranken,
Damit durch deine Kraft mein Herz
Sich stärke, und ich himmelwärts
Ohn Unterlaß aufsteige.

Geh, Seele, frisch im Glauben dran,
Und sey nur unerschrocken.
Laß dich nicht von der rechten Bahn
Die Lust der Welt ablocken.
So dir der Lauf zu langsam deucht,
So eile, wie ein Adler fleugt,
Mit Flügeln süßer Liebe.

O Jesu, meine Seele ist
Zu dir schon aufgeflogen:
Du hast, weil du voll Liebe bist,
Mich gänzlich ausgesogen.
Fahr hin, was heißet Stund und Zeit!
Ich bin schon in der Ewigkeit,
Weil ich in Jesu lebe.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit
Weitere Texte des Autors in der Glaubensstimme

Francke, August Hermann – Kommst Du nicht auch zu mir

Kommst du nicht auch zu mir?
Im Morgensonnenglanz strahlt rings die Au;
das kleinste Blümlein selbst erhielt von dir,
den Durst zu löschen, einen Tropfen Tau –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
Du bist es, der die Welt mit Wonne speist,
das Gras des Feldes und des Walds Getier,
daß dich der Chor der Schöpfung preist –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
So kann kein Hirsch nach frischem Wasser schrein,
kein Halm so dürsten wie dein Kind nach dir;
nach deinem Leben schmachtet mein Gebein –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
Die Sonne, die im Osten golden steigt,
bringt frohe Botschaft mir, mein Gott, von dir;
der Nebel flieht, und all mein Zagen weicht –
gewiß, du kommst zu mir!

Weitere Texte des Autors in der Glaubensstimme

Francke, Dr. August Hermann

dieser ausgezeichnete Gottesgelehrte und Stifter des Waisenhauses und des Knigl. Pädagogiums zu Halle, wurde geb. am 12. März 1663 zu Lübeck, wo sein Vater, Joh. Francke, Doktor der Rechte und Syndikus bei dem Domkapitel war. Er verließ schon im 3ten Jahre mit seinen Eltern die Vaterstadt und kam nach Gotha, wo sein Vater Hof- und Justizrath bei Herzog Ernst dem Frommen wurde. Nachdem er hier das Gymnasium besucht hatte, zeigte er schon im 14ten Jahre solche Fähigkeiten, daß man ihn für reif zur Universität hielt. Er blieb aber noch bis 1679 auf dem Gymnasium zu Gotha, ging dann nach Erfurt, Kiel und Leipzig, trieb dort die Theologie und alte Sprachen, promovirte 1681, und stiftete eine Geselltschaft von Freunden, die mit ihm dem Studium der heiligen Schrift eifrigst oblagen (Collegium Philobiblicum). Er ging nun nach Wittenberg und Lüneburg, hielt sich hierauf 2 Monat in Dresden auf, und genoß hier des Umganges mit Dr. Spener. NAchdem er nach Leipzig zurückgekehrt war, hielt er daselbst praktische Vorlesungen über die heilige Schrift, die vielen Beifall fanden. Er wurde verfolgt, ging 1680 nach Erfurt, wo seine Predigten selbst von Katholiken zahlreich besucht wurden: dieß gab Ursach, daß er Befehl erhielt, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen, was unter vielen Thränen seiner Gemeine geschah. Ihm waren mehre Einladungen geworden; er ging aber nach Halle, wo eben die Universität errichtet war, und ihm die Professur der orientalischen Sprachen, späterhin die der Theologie, übertragen wurde. Mit dieser erhielt er auch das Pastorat in der Vorstadt Glaucha, die denn nun der Ort seiner frommen Stiftungen wurde. Er fing den Bau des Waisenhauses am 13. Juni 1698 an, und ward deselbe im nächsten Jahre vollendet. Er erhielt 1714 das Pastorat an der St. Ulrichskirche in Halle; seine Geschäfte, die sich von Jahr zu Jahr mehreten, machten es nöthig, daß er zur Erhaltung seiner Gesundheit 1717 eine Reise durch Thüringen, Hessen, Franken und Schwaben machte. Doch untergrub endlich eine Zurückhaltung des Urins und eine lähmende Gicht, zu welcher sie die rothe Frieseln gesellten, seine Gesundheit so sehr, daß der fromme, von aller andächtelei freie, glaubensvolle Lehrer und Wohlthäter am 8. Juni 1727 in die ewige Freude seines Herrn und Heilandes eingieng.

Geistlicher Liederschatz
Sammlung der
vorzüglichsten geistlichen Lieder für
Kirche, Schule und Haus
Berlin, bei Samuel Elsner
Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn
1832