Alle Beiträge von wp_admin

Erb, Matthias – Ein Lied der gemeind zu Reichenweyler

vmb beharliche besserung vnd bestand/ zu singen im thon/ Mag ich vnglück nitt widerston.

REich ist Gott von barmhertzigkeit/
wie gschrifft anzeigt/
vnd will vns nit verlassen/:/
Er hatt sein Wort zu diser frist/
durch Jesum Christ/
fürtragen lon on massen/
Gott lob vnd preiß/
mitt allem fleiß/
wir singen dir/
von hertzes bgir/
wölst vnser bett erhören.

Entrunnen seind wir vonn der schand/
vnds teüffels band/
darinn wir lagen gfangen/:/
In vnglaub vnnd auch falschem won/
das hatt gethon/
daß wir seind irre gangen/
Vonn Gottes wort/
welchs ist der hort/
vnd helffen thut/
zum höchsten gut/
mehr vns den rechten glauben.

Kantz, Caspar – Ein Geystlich Lied

im Thon: Ich armer Boss bin gantz verirrt

1. Ich armer Gsell
leid vngefell
allein von diser Welte,
Vielleicht das ich
nit eygentlich
hab weder gut noch Gelte.
Der Welte pracht
wird hoch geacht,
dem ich nit nach wil setzen,
hoff in meiner noht,
der ewig Gott
werd mich meins leyds ergetzen.

Der Welt laß ich hie jren pracht
mit hochmut stoltzen kallen:
Ob eins schon mir ein Gruden macht,
es möcht noch selbs drein fallen.
Die Rach gib ich,
sols letzen mich,
allein Gott meinem Herren:
was ich ja bit,
versagt mirs nit,
thut mich allzeit geweren.

Mein hoffnung steht allein auff Gott,
den wil ichs lassen walten.
Der mich auff Erd in mancher not
lange zeyt hat erhalten,
Vil lange Jar
gantz wunderbar,
er thut auch noch deßgleichen,
was ich jn bit,
versagt mirs nit,
thut auch nit von mir weichen.

Ob ich schon hie in diser Welt
verspottwürd vnd verachte,
Liegst doch nit an gut vnd geld,
noch eins ich wol betrachte:
Das ists ewig gut
frewt mir mein mut,
da mir kein Mensch kan geben,
dann JESu Christ,
der für mich ist
gestorben, merck mich eben,

Der hat mir durch sein bittern tod
des Vatters huld erworben,
Damit gebracht auß aller not,
das er für mich ist gstorben:
Das glaub ich vest,
ist mir das best,
thu auch nit anders begeren
dann das ich far
auß der Welt gar
zu Christo meinem Herren.

HERR, meinen Geist befehl ich dir,
darzu mein leib vnd leben,
Dein Göttlich gnad ich noch täglich spür,
wöllst mir noch weitter geben
Dein heiligen Geist,
dardurch mich leist,
der wöll allzeit mein walt
vnd mich O HErr,
nach deinem beger
dadurch dein wort erhalten.

Ich beschleuß hiemit mein gedicht
vnd laß beym nechsten bleiben,
Ich hete wol nach meim bericht
noch wol weitters zu schreiben,
Nach dem die Welt
mir vil nach gstelt
mit vngegrünten sachen:
das befilh ich Gott
in meiner not,
der wird alle ding wol machen.

Der ist, der recht kent all geschlecht
vnd aller Menschen hertzen,
Der ewig Gott, ich treib kein spott,
er lest nit mit jm schertzen:
Das betracht woll,
wie es sein sol,
des Herren Christi Namen,
der wöl vns gleich
ins Vaters Reich
genedlich helffen, Amen.

Der dises LLiedlein hat gemacht,
thets von jm selber dichten.
Ob er schon von der Welt veracht,
so helt ers als für nichten.
Ist wol bekand,
also genand
vnd thut sich das nit schamen,
er ist von Nörlingen,
auß der Statt,
Caspar Kantz mit seinem Namen.

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=verzeichnisse:quellen:kolde

Johanna Mener – Mit dir, o Herr, verbunden

Mit dir, o Herr, verbunden
Fühl ich mich nie allein;
Mir bleibt zu allen Stunden
Dein tröstlich Nahesein.
In frohen, lichten Tagen,
Auf blumenreicher Bahn
Darf ich mein Glück dir sagen
Und du nimmst teil daran!

Doch wenn die Wunden brennen,
Der Pfad voll Dornen ist,
Dann lernt man erst erkennen,
Wie stark und treu du bist.
Du kannst den Schmerz verstehen,
Den keiner sonst versteht;
Du kannst die Wunde sehen,
Die jedem Blick entgeht.

Wenn andrer Wohl und Wehe
Mir tief zu Herzen geht,
Wenn ich Gefahren sehe,
Wenn man mich missversteht,
Dann darf ich vor dich treten,
Und niemand weiss davon;
Du hörst das stille Beten,
Das leise Seufzen schon.

Wenn mir die Worte fehlen,
Su siehst den Glaubensblick;
Du kennst den Grund der Seelen
Und ordnest mein Geschick.
Und wenn ich gar nicht sähe,
Wie alles werden soll,
Ich bleib in deiner Näche
Und harre glaubensvoll.

Wie könnt ich einsam werden?
Wir sind ja immer zwei;
In Glück und in Beschwerden
Bist du, o Herr, dabei.
Was ich dir nicht darf sagen,
Da will ich nichts davon;
Denn alles will ich tragen
O Herr, vor deinen Thron!

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Gustav Knak – Nach dem Heimgang der Gattin.

Ich hatt’ eine edle Perle
Von unschätzbarem Wert, (Spr. 31, 10)
Die mir der Herr in Gnaden
Zur Augenlust bescheert.

Vom Morgen bis zum Abend
Erquickte mich ihr Licht
Sie nahm’s aus Jesu Herzen,
Von Jesu Angesicht.

Wie war sie mir so köstlich,
Wie liebt ich sie so sehr!
Doch ach, ich sag’s mit Weinen,
Ich habe sie nicht mehr.

Er, der sie mir gegeben,
hat sie hinweggerückt
Und dort mit ihr auf ewig
Sein Diadem geschmückt.

Wer wird mich aber trösten
In meinem grossen Schmerz?
Das musst du tun, Herr Jesu,
Ich fliehe an dein Herz.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Fritz Fliedner – Amen! Halleluja!

Amen! Halleluja!
Off. 19, 4.

Dort am Meere von Krystall
Und vor Gottes Throne
Schallt das Lied der heil’gen all
Laut im Jubeltone.
Weit es durch die Himmel dringt
Und auf Erden wiederklingt:
Amen! Halleluja!

Worte ewig benedeit,
Hier im Erdentale,
Wie am Thron der Herrlichkeit
In des Himmels Saale
Gottesharfen tun dort kund,
Was hier stammelte der Mund:
Amen! Halleluja!

Wenn wir hier auf steilem Pfad
Näher heimwärts kamen,
Sprach das Herz durch Gottes Gnad
Auch zum Leid sein: „Amen.“
Aber wenn wir ausgekämpft,
Keine Klag den Dankruf dämpft:
Amen! Halleluja!

Als in Kampf und Todesweh
Ihm das Herz wollt’ zagen,
Lerne in Gethsemane
Christ sein „Amen“ sagen.
Selig, wer in Gottes Zucht
Aslobald sein Amen sucht:
Amen! Halleluja!

Auf demselben Oelberg dann
Ward gekrönt der Steiter;
Dort harrt’ auf den Schmerzensmann
Schon die Himmelsleiter,
Hebt zum Thron ihn aus der Gruft,
Und der ganze Himmel ruft:
Amen! Halleluja!

Wer zu Gottes Will und Wort
Lernt das Amen sprechen,
Wird das Halleluja dort
Nimmer unterbrechen.
Leis verschwistert klingt es hier;
Dort tönt’s mächtig für und für:
Amen! Halleluja!

Lehr uns, Meister, immerdar
Dir das Amen bringen,
Dir mit deiner Sel’gen Schar
Halleluja singen!
Jesus Christus, gestern, heut
Und in alle Ewigkeit,
Amen! Halleluja!

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Eva von Thiele-Winkler – Lieben und Leiden

Das Leiden ist vom Lieben
Auf Erden nicht zu trennen,
Willst du das Lieben üben,
Lernst du das Leiden kennen.
Willst du das Leiden meiden,
So wird die Lieb vergehen,
Das Lieben und das Leiden
Muss hier zusammenstehen.

Es ist das Opferleben
Der Liebe wahres Wesen.
Wer sich nicht selbst will geben,
Wird nie den andern lösen.
Die Liebe fühlt die Schmerzen,
Sieht sie den andern leiden,
Sie kann aus ihrem Herzen
Des Nächsten Not nicht scheiden.

Die Liebe muss beim Wandern
Die Last der Brüder tragen,
Sie duldet für den Andern,
Lässt sich für andre schlagen.
Sie sieht mit tiefen Qualen
Rings um sich das Verderben.
Sie stirbt zu vielen Malen,
Sieht sie die andern sterben.

Nach Samariter Weise
Beugt sie sich tief hernieder,
Und findet auf der Reise
Des Herrn verlor’ne Brüder.
Sie trägt mit Liebesarmen
Sie in des Heilands Hürde,
Und legt in sein Erbarmen
Die schmerzhafte Bürde.

Mag auch das arme Leben
An fremdem Weh verbluten,
Ertrinkende zu heben,
Selbst sinken in den Fluten, —-
Was tut’s? Wenn nur die Liebe
Bis in den Tod kann lieben!
Wenn man dem heil’gen Triebe
Nur immer treu geblieben!

Dann werden grosse Fluten
Doch nimmer löschen können
Die heissen Flammengluten,
Die in der Seele brennen,
Die sich am Opferherde
Von Golgatha entzünden,
Und diese arme Erde
Mit Gottes Herz verbinden.

Darum lieber solche Schmerzen
Als alles Glück der Erden,
Und lieber Weh im Herzen
Als lieb- und leidlos werden.
Einst wird die Stunde kommen,
Da trennt sich Lieb vom Leide
Und, alles Weh entnommen,
Liebt sie in ew’ger Freude.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Emil Quandt – Das grosse Herzeleid.

Es gibt im Leben ein Herzeleid,
Das ist wie die weite Welt so weit,
Das ist wie Bergeslasten schwer,
Das ist so tief wie das tiefe Meer.

Das ist das grosse Herzeleid,
Wenn um die Sünde die Seele schreit,
Wenn die Träne rinnt um der Sünde Last
Und um die Sünde die Wang erblasst.

Das ist des Lebens Herzeleid,
Das heilet kein Balsam dieser Zeit,
Das bannet kein Zauber von Lieb und Luft.
Das tötet kein Tod in der Menschenbrust.

Und ist es erwacht, dies Herzeleid,
Dann nagt es am Herzen in Fried und Streit,
Dann trübt es den Blick in der Sonne Pracht,
Dann macht es so laut die stille Nacht.

Das ist das grosse Herzeleid:
Dafür hat der Mittler sein Leben geweiht.
Durch Christ Blut und Gerechtigkeit
Wird uns gestillt das Herzeleid.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Anna Schweichardt – Nach Anfechtungen.

Der Feind, der sprach: Ich fliege.
Ich seufzte: Ich erliege.
Mein Jesus sagte. Nein!
Der Feind, der darf nicht siegen,
Und du kannst nicht erliegen,
Denn du bist mein und ich bin dein.

Der Feind sprach von der Sünde
Und ängstigte geschwinde
Mich mit der Schulden Zahl.
Mein Jesus sprach: die Sünden,
Die kann der Feind nicht finden;
Ich zeig ihm meine Wundenmal.

Der Feind sprach von den Kräften,
Und wollt den Blich mir heften,
Auf meinen müden Leib.
Mein Jesus sprach vom Leben,
Vom Kraft- und Gnadengeben,
So lang ich seine Arbeit treib.

Der Feind, der macht’ mir bange,
Ob ich zum Ziel gelange;
Mein Jesus spricht: Gewiss!
Mit mir muss dir’s gelingen,
Durch alles durchzudringen
Und einzugehn ins Paradies.

Der Feind, willst du’s jetzt glauben,
Dass nichts mich Jesu rauben
Kann aus der starken Hand?
O Herz, willst du’s jetzt fassen,
Dass er dich nie wird lassen,
Weil du sein Eigentum genannt?

O Jesu, meine Freude!
Wie selig sind die Leute,
Die du dir auserwählt!
Sie sind auf ewig deine,
Die du aus Gnad alleine
Zu deinen Schafen hast gezählt!

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Johann Heinrich Jung, genannt Stilling – Mein Heiland, mein Erlöser!

Mein Heiland, mein Erlöser!
Blick unsre Sehnsucht an!
Sie wird nun immer größer
Auf unsrer Pilgerbahn.
Uns hüllt der Dämmrung Schleier
In tiefes Trauern ein;
Wann athmen wir doch freier?
Wann wirst du bei uns sein?

Wir harren schon so lange,
Und du erscheinst noch nicht;
Im Harren wird uns bange,
Wir sehnen uns nach Licht.
Des Irrsals dunkle Schatten
Umgeben uns mit Macht.
Ach, stärk uns! Wir ermatten
In dieser öden Nacht.

Mit neuem Muth beseelet,
Gehn wir und fürchten nichts;
Du hast uns ja erwählet
Zu Bürgern deines Lichts.
Du wirst uns nicht verlassen;
Begleit uns ungesehn
Auf unsern Pilgerstraßen!
Wohl uns! es wird geschehn!

Nur Dulden, Lieben, Leiden
Sei unsre enste Pflicht;
Mit Wachen, Beten, Streiten
Verirren wir uns nicht.
Und bleibst du noch so lange,
Wohlan! wir harren dein;
Wird uns zuweilen bange,
So wirst du uns erfreun.

Und eh wirs uns versehen,
Wohl uns! so bist du da!
Auch jetzt schon, ungesehen,
Bist du uns innig nah.
Ach! könnten wirs empfinden,
Wir glücklich wären wir!
Ach! richte doch uns Blinden
Die Augen recht zu dir!

Und öffne sie zum Sehen
In deinem reinen Licht!
Erhör doch unser Flehen,
Du weiß, was uns gebricht!
Dann wandern wir aufs Neue,
Und fassen hohen Muth
Mit felsenfester Treue;
So gehts am Ende gut!

Evangelische Liederfreude
von Ferdinand Bäßler
Berlin, 1853.
Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei