unbekannt – Vom geistlichen Ackermann

WAs wöllen wir aber heben an?
von einem hübschen Ackersman,
der uns den Acker thut mehren:
Gott der Vatter, Son, heiliger Geist,
der wirdt uns wol ernehren.

Er hat uns seine genade gethan,
hat uns geschencket sein einigen Son:
laß faren, laß faren, die starck sein,
Wir wöllens den selbigen Ackersman
bey seinem rechte lassen.

Jhesus war selber der Ackersman,
er hat sich selbs gespannet an,
er hat doch weder Roß noch Wagen,
Er hat gezogen biß in den todt
gar tieff in seine wunden.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein blinder Jüde vor uber ging,
er sprach zu seinem Knechte:
Knecht, stich dem Herrn sein hertzlein ab,
verkürtz jm seinen schmertzen.

Da Jhesus an dem Creutze stundt,
verblichen was jm sein roter mund,
er hub auch an zu schwitzen;
Er schwitzet das Wasser unnd auch das blut,
der gantzen Christenheit zu gut.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein rede auß seinem munde gieng:
ach Gott, mein Himlischer Vatter,
Befehl ich dir meinen Geist
in deine Göttliche hende!

Wer ist der uns das Liedlein dicht?
er hats auch von jm selber nicht,
Gott hats jm ein gegeben.
Ey, geb uns Gott nach dieser zeit
die freud das ewige leben! Amen.

Quelle

unbekannt – Nach dem Tisch zu singen.

SIngen wir auß hertzen grund,
loben Gott mit unserm mund,
Wie er seine güt an uns beweist,
so hat er uns auch gespeist,
Wie er Thier und Vögel ernert,
so hat er uns auch beschert,
welchs wir jetzundt haben verzert.

Loben wir jn als seine Knecht,
das sind wir jhm schuldig von recht,
Erkennen, wie er unns hat geliebt,
den Menschen auß genaden gibt,
Das er von bein, fleysch und von haut
artlich ist zusamen gebawt,
das er des tages liecht an schawt.

Als bald der mensch sein leben hat,
seine Kuchen vor ihm stat,
Inn dem leyb der Mutter sein
ist er zu gerichtet fein,
Aber es ist ein kleines kindt,
mangel doch an nirgent es findt,
biß es an die Welte kümpt.

Gott hat die Erden zugericht,
lest an narung mangeln nicht,
Berg und thal die macht er naß,
das dem Vieh auch wechst sein graß,
Auß der Erden Wein und Brodt
schaffet Gott und gibts jm satt,
das der Mensch sein leben hat.

Das Wasser das muß geben Visch,
die lest Gott tragen zu Tisch,
Eyer, von Vögelein gelegt,
werden junge drauß geheckt,
Müssen der Menschen speyse sein,
Hirschen, Bären, Rinder und Schwein
schaffet Gott und gibts allein.

Dancken wir sehr, bitten wir ihn,
das er gebe des Geistes sinn,
Das wir solches recht verstehn,
stets nach seynen geboten gehn,
Seinen Namen machen groß,
inn Christo on unterloß,
so singen wir recht das Gratias.

Amen.

Quelle

unbekannt – Waket up!

WAket up, gy Christen alle,
wackt up mit grotem vlith
In düssen yamerdalen!
wackt up! tys meer den tidt!
De HERE wertbalde kamen,
de dach wil ein auent haen,
de Sünders wert he verdömen:
wol mach vor eem bestan?

Geldt, Gudt kan emm nicht baten,
uns helpt noch hoge modt:
Du moest ydt korts vorlaten,
went dar kumpt de bitter dodt.
All bistu schön van varuen,
all bistu junck unde rick:
Godt kan dy balde vorderuen
in einem ogenblick tidt.

Darumme, gy Christen alle,
de hyr tho sammende syth,
Latet juwen homodt fallen
unde wachet up juwe tidt!
Wille gy by Gade leeuen,
so söket dath Ewige gudt!
he wert juw ricklick geuen
unde helpen uth aller nodt.

Gads Wordt ys uns gegeuen
uth groter barmherticheit,
Dat wy dar na schöllen leeuen
unde maken unsen wech bereidt:
So lath uns dat nu vaten
und kleeuen mit dem herten daran!
will wy dat nu vorlaten,
so ist mit uns gedan!

Och, wer he nicht gebaren,l
de Gades Wordt voracht!
Dat ys mit eem vorlaren,
he wandert all in der nacht
Vul laster unde vul schande,
und spottet mit Gades Wort:
O we dem groten eelende!
syn Seel wert Ewichliken vormort.

De armen, de by iuw wanen,
wilt dar juwe ogen upslaen,
Se werden juw vorschamen,
wen gy vor dem strengen Ordel stan.
Dat werde gy seker woll weeten,
dat Got nicht thouergelden steit,
unde de dem armen hefft gudt gedaen,
de wert syn loen entfaen.

Quelle

unbekannt – Die Sequentia, Sancti Spiritus adsit nobis gratia

up Düdesch up den Pingesten

NU kum, werder Hilliger Geist,
erlücht unse herte aldermeist
mit dynem Gödtliken glantz.

Kum, Vader der armen, her,
mit dynen gaven uns tzyr,
der herten hell unde klar.

Du högeste trost in aller noth,
der Seelen gantz leeve gast
und vorquiker in der last.

Im dem arbeyd rouwe fyn,
in der hytten ein kolder Wyn,
im weenende ein söter trost.

O salig Gödtlike glantz,
erfülle de herten gantz
der, de gelöven an dy, Godt!

Ane dyne gunst unde gnade
nichtes Gade an uns behaget,
sünder ys synde dorch unde dorch.

Böge dat stiff ys unde hart,
verdörret ys make nat,
wat vorerret, bringe tho recht.

Hele dat vorwundet ys,
werme dat vorfraren ys,
scheppe dat vorkamen ys.

Gitff dynen gelövigen,
de sick gantz vortruwen,
dyner hilligen gaven riken schat.

Tzir mit dögeden unde gudt
unse herten, sin unde modt,
giff ein frölik ende, fröwde unde frede!

Quelle

unbekannt – Ein gsang auff Weihennachten

EIn kindelein so lobenlich
ist uns geboren heüte
Von einer jungfraw selberlich
zu trost uns armen leute.
Wer uns das kindlin nicht geborn,
so weren wir all zmal verlorn,
das heil ist unser allen!
O du süsser Jesu Christ,
das du mensch geboren bist,
behüt uns vor der hellen!

Die zeit die ist nun freüdenreich
zu lobe Gottes namen,
Das Christus von dem himelreich
vff erden ist gekumen.
Es ist ein groß demütigkeit,
die Gott von himel bey uns thet,
ein knecht ist er geworden,
On alles sünde uns geleich,
dardurch wir werden ewig reich,
tragt unser sünde bürde.

Wol dem, der diß gelauben ist
mit gantzem hertzen trawen!
Dem wirt die säligkeit gewiß,
wol den, die darauff bawen,
Das Christus hat genug gethan
für uns, darumb er uß gegon
von Gott dem ewigen Vatter.
O wunder über wunderthat!
Christ trägt unser missethat
und stillet unsern hader!

Des danck ihm alle Christenheit
für solche grosse güte,
Und bitte sein barmhertzigkeit,
das er uns fürhin bhüte
Vor falscher leer unnd bösem won,
darinn wir sind lang zeit geston!
er wöll uns das vergeben!
Gott vatter, sun und heilger geyst,
wir bitten von dir allermeist:
las uns inn friden leben!

Quelle

unbekannt – A solis ortus cardine.

LAßt uns von hertzen singen all,
laßt loben mit frölichem schall!
Von auffgang biß zu nydergang
ist Christ geburt worden bekandt.

Sey uns wilkommen, kindlin zart!
welche lieb zwang dich also hart?
Ain Herre aller creatur
scheynt schlechter dann ains armen burt!

Zayg an in unser hertzen grund,
das uns der Hayland werde kund,
Das wir mit dir so new geborn
dein werck befinden unverlorn,

Maria, muter, deine frucht,
die uns benimpt fraw Euen sucht,
Wie Gabriel verkündet hat
und Johannes der Prophet sagt.

Des himels taw vons vaters tron
schwingt isch owl in die junckfraw schon,
Des wirt die zarte gnaden vol
ins hertzen grund da alzumal.

Frewt euch, jr Engel, solcher ding!
jr hyrten und jr frembdeling,
Gebt Gott im höchsten preyß und syg,
den menschen auff der erden frid.

Hie leyt er in dem Krippelein,
gewunden in die tüchelein,
Geseüget so gar kümmerleich,
der da herrschet im himmelreich!

Des dancken wir dir, vatter Gott,
dir Sun, die Gayst, ain ewigs gut,
Welchs uns vergottet durch seyn wort,
yetz vermenschet durch sein geburt.

Quelle

unbekannt – Veni creator spiritus

KUmm hailiger gayst, Gott schöpffer,
such haym die gmutt deiner diener,
Erfüll mitt deiner gnaden glast
die hertzen, die erschaffen hast!

Der du, tröster hayliger gayst,
des höchsten Gottes gabe hayst,
Ain brunn des lebens, lieb und fewr,
die gaystlich salbung Gottes thewr.

Dein gab auch sibenfältig ist,
der ghrechten Gottes Finger bist,
Du machst die kelen reden süß
durchs vatters wort, das er verhieß.

Zünd an dein liecht in unserm synn,
dz unser hertz vor liebe brinn!
Die schwachait unsers leibs du merck,
mit deiner krafft ewigklich sterck!

Treyb den feynd weyt von uns hindan
und gib uns den frid von stundan
Unnd für uns durch dein gnad unnd huld,
das wir vermeyden alle schuld.

Gib uns der frewden globten lon,
gib uns der gnaden gaben schon!
Zerreiß des haders hand in grund,
verbind mit uns den frides bund!

Gib uns, das wir erkennen nun
durch dich den vatter und den sun
Und dich, der bayder gayst, glauben
zu aller zeyt ain Gott, Amen!

Quelle

unbekannt – Conditor alme Syderum.

O Herre got in ewigkait,
wie ist dein nam so wunderlich!
Er wirdt gelobt in allem landt,
er ist allen menschen bekandt.

Dein grosser gwalt unnd mächtigkeyt
der wirt erhöhet allezeyt,
Im hymel ist er auch bekannt:
du wirst ain gwaltiger Got genannt.

Von jungen kind würstu gepreyßt,
die noch mit milch werden gespeyßt,
Von wegen die dich lesterend,
das sy werden gebesserend.

Herr, ich beger anzusehen
die Sonn und Mon, auch die steren,
Du du hast gmacht mit deiner hand:
Herr, hilff, das ich kumm in dein land.

Des menschen kind hast haymgesucht,
du hast auch jm gehorsam gmacht
Alles, das du erschaffen hast,
Herr, dir sey lob und eer gesagt.

Im soll auch underworffen seyn
alle, die groß seind und klein
Und wie, Herr, ich sy nennenn soll,
darumb der mensch dir dancken soll

Im lufft die klainen Vögelein,
die müssen jm gehorsam seyn
Und die Visch, die in wassern sein:
Herr, dir sey lob und eer allein!

Quelle

unbekannt – Flehen um Erbarmen

im thon. Der unfal reit mich gantz und gar.

SIg herr, wie schwach ist mein gemüt,
ich möcht vor trauren sterben.
Erschrocken ist all mein geblüt,
mag ich kain gunst erwerben.
Vor laid ich stirb, nach gnad ich wirb,
mein schuld ist grösser worden
in helles pein, doch harr ich dein:
warumb hast mich verborgen?

Der trost ist groß in deinem wortt,
muss ich dir ye verjehen;
Noch grösser ist meins hertzen mord,
so ich mein not thet sehen.
Ach got, nu trutz, es bringt kain nutz,
so thut mein flaisch ergellen.
o herr, far für: wie ist so thür
mein angst in traurens hellen!

Wilt du dann mich umbringen gar,
so muß ich mich drein geben:
Du hast seyn macht, bekenn ich zwar,
möcht ich nur ains erleben:
Auß gnaden dein, das ich solt sein
im gayst deins worts erleüchtet.
trutz, der mir thät so ich nu het
dein holdschafft mir verpflichtet.

Gott du mein Ee bist überal,
so du mich last erfaren.
Ach jamers wee in disem tal!
thust du mich nit bewaren,
So gang ich umb und wain darumb;
es muß erfochten werden.
O du mein gott, ich treib kain spott:
was thun ich auff der erden?

Häts etwan ainr zu mir gesagt,
die stirn het sich gerumpfen:
Yetz sich ich selbs, ich bin verzagt,
so du mich so thust rupffen
Auß gantzer heüt; es bochend leüt:
vatter, wenn wilt mich holen
auß jamers angst, wie du wol kanst?
erlösch die haissen kolen!

Erbarm dich mein, o vatter milt,
und laß mich nicht entgelten!
Es thut für war hefftig und gilt,
ich thu nichts, dann dich schelten.
O herr verzeich, ich bkenne dich:
du wirdst mir nit abschlahen.
Ich hoff in dich, halt nichts auff mich:
thu mich flucks zu dir laden!

O Gott, erlöß die gfangnen.

Quelle

Joachim Aberlin – Der ander Psalm

IR Heiden, was tobt jr umb sust,
wie ratend jr vergebens?
Die leüt redend gantz mit verlust,
was habend sy nun läbens?
Die Künig all mit grossem schall
lenend sich auf im lande,
Fürsten, groß Herrn thund sich vast spern,
jr raaten ist ein schande.

O Herre Gott, nun weer dich vast!
sy radtend allenthalben
Wider dich selbs mit grossem last
und welchen du thust salben
Mit deinem geist, wie dann wol weist,
das er uns heilig machte,
der lieb und werd ist hie auff erd
von disem volck verachte.

All gmeinlich, die begärend heil,
laßt uns jr band zerreyssen
Und von uns werffen jre seil,
darzu jr joch zerschmeyssen.
Dann glaub du mir, Gott lachet jr,
wenn sy sich also rottend,
der wonet schon ins himmels thron,
wirt jr nun daran spotten.

Zweyfel du nit, sy sind verlorn,
Gott wirt sy wol aufwecken
Und mit jn reden in seim zorn,
sein grimm wirt sy dann schrecken.
Der vatter sagt frey unverzagt:
mein Küng ist eyngesetzet
inn berg Syon on allen won,
da hab ich jn ergetzet.

Hie antwort Christus bald dem Herrn:
seid du mich hast erkoren,
So wil ich dein gsatz treüwlich leern:
heüt hab ich dich geboren,
Drumb bist du nun mein lieber sun,
begär, ich wil dir geben
mit reychem schall die Heiden all,
deins willens sond sy leben.

Ich gib dirs zu eim eignen erb,
die welt auch in dein hute:
Regier sy nun vast rauch und härb
mit eyner eyßnin rute!
Das wilde vych zerschmeyß und brich
gleych wie eins hafners gschirre:
es straucht und fellt, wo mans nit hellt,
da gadt es stracks nun irre.

Merkt auf, jr künig all geleych!
sind klug, verstond dsach rechte,
Mit sampt den richtern in dem reych!
jr sind nun Gottes knechte!
Mit fleyß da horcht, dient jm mit forcht
und fröuwet eüch mit zittern!
da lügend nun und küßt den sun,
jr werdt jn sunst erbittern.

Erwüschend kunst, das ist mein radt,
das jr des wegs nit fälen:
Dann würckend jr ein böse that,
er nimpt eüch bey der kälen.
Sein zorn brünnt bald gleych wie ein wald,
dann wirt eüch dsach gerauwen;
wol allen hie, die auch in mü
allein auff jn vertrauwen!

Quelle