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Autor: Andreas

Weisse, Michael – Von der Heyligen Dreyfaltigkeyt

Weisse, Michael – Von der Heyligen Dreyfaltigkeyt

O göttliche Dreyfaltigkeyt
inn eyniger selbstendigkeyt,
O Gott inn der Himlischen rhu,
wie wunderlich erscheynestu!

Du schuffest den mensch rein vnd gut
vnd zirest jn nach deinem mut,
Zu deinem bild formirest jn
vnd machest einen Bund mit jm.

Da nu der mensch sampt seiner frucht
der sünden halben war verflucht,
Liessestu, Vater, deinen Son
für jn auff erden busse thun.

Da diser, sein ampt außgericht,
erschein vor deinem angesicht,
Bat er, das du vns allermeist
trösten woltest mit deinem Geyst.

Du warest seiner beth bereit,
begabest menschlich alberkeit,
Richtest dein außerwelten zu,
das sie kömen zu seiner ruh.

Nu gibestu die seligkeit
aus gnad vnd aus barmhertzigkeit
Durch Christi verdinst inn der gab
deines geystes von oben hrab.

Die drey werck vnsrer seligkeyt
preysen dich, o Dreyfaltigkeyt,
Die du nach personen genant
vnd doch nur ein Gott wirst erkant.

Die seel hat edler gaben drey,
vernunfft, willen, gedechtnis frey:
Die weyl sie wird dein bild genant
wirstu gar feyn an jr erkant.

Die sonne, so ausbündig gut,
hat jr werck, das sie mechtig thut,
Sie leuchtet, wermet vnd gibt krafft,
deutet do mit dein aygenschafft!

O liecht Heilig Dreyfaltigkeyt!
erleucht all vnser tunckelheyt,
Erwerm vnser seel, gib krafft,
so wechst dein wort inn vollem safft!

Schein vns mit gnad von deinem thron
vnd enttzünd vns inn deinem Son
Durch des heyligen Geystes kunst
mit deiner allerbesten brunst!

Dir, Got vater, vnd deinem Son,
Aus dir geborn jm höchsten thron,
Des gleichen dem heiligen Geyst,
sey lob vnd preyß inn ewigkeyt. Amen.

Quelle

Weisse, Michael – Christus, der vns selig macht

Weisse, Michael – Christus, der vns selig macht

CHristus, der vns selig macht,
kein böß hat begangen,
Der ward für vns inn der nacht
als ein Dieb gefangen,
Gefürt für Gottlose leut
vnd felschlich verklaget,
verlacht, verhönt vnd verspeyt,
wie denn die Schriefft saget.

Inn der ersten tages stund
ward er vnbescheyden
Als ein Mörder dargestelt
Pilato dem Heyden,
Der jn vnschuldig befand
one sach des Todes,
jn der halben von sich sandt
zum König Herodes.

Vmb drey ward der Gottes Son
mit Geysseln geschmissen
Vnd sein haupt mit einer Kron
von Dörnern zerrissen,
Gekleydet zu hon vnd spot
ward er sehr geschlagen,
vnd das Creutz zu seinem tod
mus er selbest tragen.

Vmb sechs ward er nackt vnd bloß
an das creutz geschlagen,
An dem er sein blut vergoß,
bettet mit weeklagen;
Die zuseher spotten sein,
auch die bey jm hiengen,
biß die Sonn auch jren scheyn
entzog solchen dingen.

Jesus schrey zur neundten stund,
klaget sich verlassen;
Bald ward Gall inn seinen mund
mit Essig gelassen;
Da gab er auff seinen Geyst,
vnd die erd erbebet,
des Tempels vorhang zerreyß
vnd manch Felß zerklübet.

Da man het zur Vesper zeyt
die schechher zerbrochen,
Ward Jesus inn seine seyt
mit eim Sper gestochen,
Darauß blut vnd wasser rhan,
die Schriefft zu erfüllen,
wie Johannes zeyget an,
nur vmb vnsert willen.

Da der tag sein ende namm,
der abent war kommen,
Ward Jesus vons Creutzes stamm
durch Joseph genommen,
Herrlich nach Jüdischer art
inn ein Grab geleget,
alda mit hüttern verwart,
wie Mattheus zeyget.

O hilff, Christe, Gottes Son,
durch dein bitter leyden,
Das wir stetz dir vnterthan
all vntugent meyden,
Deinen tod vnd sein vrsach
fruchtbarlich bedencken,
dafür, wiewol arm vnd schwach,
dir danckopffer schencken. Amen.

Quelle

Weisse, Michael – Von der Menschwerdung Christi.

Weisse, Michael – Von der Menschwerdung Christi.

Veni redemptor gentium.

VOn Adam her so lange zeyt
war vnser fleysch vermaledeyt,
Seel vnd geyst biß jnn todt verwundt,
am gantzen menschen nichts gesundtt.

Vns het vmbfangen grosse not,
vber vns herrschet sünd vnd todt,
Wir suncken in der hellen grund,
vnd war niemand, der helffen kundt.

Gott sah auff aller menschen stet
nach einem, der seinn willen thet,
Er sucht einn Man nach seinem mut,
fand aber nichts, den fleysch vnd blut.

Denn die rechtschaffne heyligkeyt,
wirdigkeyt vnd gerechtigkeyt
Hetten sie in Adam verlorn,
auß welchem sie waren geborn.

Als er so groß sichtumb erkant
vnd keinen Artzt noch helffer fandt,
Dacht er an seine grosse lieb
vnd wie sein Wort warhafftig blieb.

Sprach, Ich wil barmhertzigkeyt thun,
für die welt geben meinen Sun,
Das er jr Artzt vnd Heyland sey,
sie gesund mach vnd benedey.

Er schwür ein Eyd dem Abraham,
auch dem Dauid von seinem stamm,
Verhieß jn zu geben den Sun
vnd durch jn der Welt hülffe thun.

Er thets auch den Propheten kund
vnd breytets auß durch jren mund,
Dauon Künig vnd fromme leut
sein warteten vor langer zeyt.

Ob sie wol, wie jr hertz begert,
des leyblich nicht wurden gewert,
Doch hetten sie im glauben trost,
das sie solten werden erlöst.

Da aber kamm die rechte zeit,
von welcher Jacob propheceyt,
Las er jm ein Jungkfraw auß,
eim Mann vertrewt von Dauids hauß.

In der wirckt er mit seiner krafft,
schuff vom blut jrer Jungkfrawschafft
Das rein vnd benedeyte kind,
bey dem man gnad vnd warheyt findt.

O Christe, benedeyte frucht,
entpfangen rein in aller zucht,
Gebenedey vnd mach vns frey,
sey vnser heyl, trost vnd ertzney!

Quelle

Freder, Johann – Nu ys de angeneme tydt

Freder, Johann – Nu ys de angeneme tydt

NU ys de angeneme tydt,
de dach des Heyls vor ogen steith!
ein Christen dar tho trachte,
Dath he vorgeues nicht de gnad
entfange vnd sick ewich schad,
syn sake hebbe in achte!

Wy möten alle vp de vahrt
vnd Christo werden apenbart,
wenn he sitt dat Gerichte,
Dar wert entfangen yederman
na synem arbeidt ock syn lohn,
dat holdt vor neen gedichte!

Ein Boem, de nicht drecht früchte gut,
wert affgehouwen thor vüres gloedt,
darinne tho vorderuen:
Darum lat ernstlick Bote dar syn,
bekere recht dat herte dyn,
so du Gades Ryck wilt eruen!

Idt werden kamen nicht tho gelick
alle de in dat Hemmelryck,
de seggen Here Here,
Sunder de gern den willen don
des Vaders in des Hemmels thron
tho synem loff vnd ehre.

Dat Licht moth lüchten hell vnde klar
vor allen Lüden apenbar:
de Geloue moth sick bewysen,
Dat se de guden wercke seen,
de ane vordreet van du gescheen
vnd Godt den Vader prysen.

De Jesum Christum angehören
sick laten nicht dat fleesch voruören,
syn willen tho vullbringen:
Im Geist se wandern vnde her gan,
de böß begert ant Crutz slan,
de lüste se bedwingen.

Du most dy stellen nicht gelick
der werlt, des Düuels Brudt vnd Ryck,
sonder vorandert werden,
Vornyet moth syn dyn gemödt,
ydt möthen in dy syn gedödt
de ledemadt vp Erden.

O Godt, dorch Christum dynen Sön
giff dynen Geist! de moth ydt don!
lat en dat in vns wercken!
Dorch en de herten recht bekeer,
im leeuendt vns regeer vnde vör,
mit trost vnde hülp vns stercke!

Dy sy, Godt Vader, loff vnd ehr
vnde dy, O Christe, leue Herr,
dy benedyede Samen,
Vnde dy, O hillige Geist, tho gelick,
vp Erden alse im Hemmelryck
tho ewigen tyden, Amen!

Quelle

Sachs, Hans – Der neünde Psalm Dauid, hoch zuo singen.

Sachs, Hans – Der neünde Psalm Dauid, hoch zuo singen.

Consitebor tibi domine in toto corde.

ICh wil dem Herren sagen danck
von gantzen meinem hertzen,
Vnd wil erzelen von anfanck
deine wunder on schertzen,
Ich wil mich frewen, frölich sein
vnd loben, Herr, den namen dein,
Du bist der aller höchste!

Mein feindt hast triben hynder sich,
sie sind zuruck gefallen
Vnd sind vmbkummen schnelliglich
vor deim angesicht mit schallen.
Mein recht vnd sach hast außgefürt,
auff deinem stul sitzst du geziert,
Du bist ein rechter Richter.

Die Heyden du gescholten hast
vnd vmbbracht die gotlosen,
Iren namen vertilget fast
ewig mit schanden mosen,
Die schwerdt des feynds haben ein endt,
jre Stet hastu vmb gewendt,
Ir dechtnuß ist vmb kummen.

Der Herr aber bleybt ewigklich
vnd hat sein stul bereyte,
Zu richten recht das erdterich,
zu regieren die leute,
Wann der Herr ist des armen schutz,
zur zeyt der angst thut er jn gutz,
Wenn sie der feindt durchächtet.

Darumb werden hoffen auff dich,
die deynen namen kennen,
Wann du verlassest nicht ewich,
die dich suchen mit threnen.
Lobet den herren zu Sion,
verkündet den leuten sein thon,
Er fragt nach jrem blute!

Des armen gschrey er nicht vergist!
sey mir genedig, Herre,
Sich an meyn ellend, wie das ist
vnter dem feyndt so schwere!
Der du mich erhebst auß dem todt,
das ich erheb deyn preyß, mein Got,
Vnd mich erfrew deins heyles.

Die Heyden sind versuncken stetz
in grub, die sie gmacht hetten,
Ir fuß ist gfangen in dem netz,
das sie vns stellen thetten,
Der herr ist bekannt vnd schafft recht,
der gotloß ist verstricket schlecht
Iom werck seiner hendt, Sela!

Die gotlosen müssen zur hell
kert werden mit jrm wesen,
Got wirdt des armen vngefel
nit also gantz vergessen,
Des armen Hoffnung, zuuersicht,
die selbig wirt mit nichte nicht
Ewigklich sein verloren.

Stee auff, Herr, das die menschen nicht
vberhand nem auff erden,
Auff das all heyden für gericht
vor dir gerichtet werden,
Vnd setz jn einen lerer, Herr,
das die heyden erkennen mehr,
das sie sind menschen, Sela!

Quelle

Agricola, Johann – De Ander Psalm,

Agricola, Johann – De Ander Psalm,

Quare fremuerunt gentes.

ACh Here Godt, wo hebben sick
wedder dy so hardt gesettet,
vorsammelt ock eintrechtichlick,
eren wreuel an dy gewettet
Heiden, Jüden vnde ere genaten!
wowol se gruwelick dauen,
vorgeues ys gescheen dat:
dyn gewalt ys hoch darbauen,
du bist vor en wol seker.

Vorredet, vorknüppet gar törnichlick
hebben sick de Köninge der erden,
wreuelick gelegert wedder dick
vnde den du heffst gegeuen,
Gesaluet mit dem geiste dyn,
vp dem dyn wyßheit rowet:
dem willen de Tyrannen tho weddern syn,
an dem ydt en wol vöget,
vnde delgen van der erden.

Mordt! sla dodt, sla dodt! scrien se,
scholde der lüde lere vns vangen??
Wolde Godt, se weren gebaren nu,
se möthen alle nu hangen.
Strick, band leuent, lere vnde dadt
moth vpgehauen werden:
wat wedder vns gestreuet hat
schal nümmer leuen vp erden,
dat jock könne wy nicht liden.

Desser mörder stolten modt
kanstu, Here, yo nicht dulden;
Du syst, lachest, spottest eres auermodes,
straffest wat se hyr vorschulden.
Du sprickst ein wordt, so sint se dodt
vnde weten nergent tho bliuen;
dyn torn drenget, swenget, bringet se ynn nodt,
dyn torn wert se towriuen:
so gelinget en er drouwen.

Du sprickst: Dewile se nu liggen gar,
so wil ick einen Köning welen,
De ewiglick vnde yümmerdar
vlitig waren schal der Seelen;
Tho Zion schal syne waninge syn,
mynen radt wert he erfaren
vp dem leuesten orde myn,
myn wordt wert he bewaren
vnde myne tidt vorkündigen.

De HERE sprack: Höre, wat ick dy sage,
so schal de Köning schallen,
Du bist myn Söne, daran nicht tzage,
an dy drag ick gefallen;
Gebarn hebbe ick dy dardorch den geist.
dyne herlicheit ys anbraken
na dem dode aldermeist,
hüden ys dorch dy gewraken
der Jöden vnd Heyden wöten.

Bidde van my, so geue ick dy
de Heyden dy thom erue,
dartho der gantzen werlde tzyr
schenck ick dy tho besitting vnde erue:
Richte se mit der ysern rode
dorcht wordt van dyner güde,
towriff se als men den scheruen doth,
dat se leren kennen dyns rode,
wo truwlick du se meinest.

Ere kranckheit swar vorswig erer nen,
mynen torn lath stede vth scrien;
Thobreken möth flesch, marck vnd been,
wor myn Wordt schal wol dyen;
Mynes mundes swerdt sleit frisch darynn,
nen stückelken leth ydt blieuen,
wat das öuet Adams schyn,
böse lüste kan ydt vordriuen:
so meret sick mynes Söns Rike.

De vor van juw gecrütziget ward,
ys nu juwe richter worden:
Seth tho, früchtet juw, gy Vörsten tzart,
he wil juw wedder morden;
Sith wyß vnde klick, hebbet acht vp en,
de gy regern de erden:
juwe gelücke, gudt, eere ys gantz darhen,
gy möthen vorneddert werden:
früchtet juw vnd latet juw wisen.

Geuet juw yn dysses Köninges handt,
sweret truw vnde holdt tho werden,
Süs werde gy steruen altho handt,
juwe leuent ys nicht vp erden:
Gy können nicht lyden synen thorn,
wen he vp dat sachteste törnet.
salich ys vnde nye gebarn,
dem so söte wert gekörnet,
salich ys de em vortruwet.

Quelle

Gerhardt, Paul – Die Zeit ist nunmehr da

Gerhardt, Paul – Die Zeit ist nunmehr da

Die Zeit ist nunmehr nah‘,
Herr Jesu! du bist da.
Die Zeichen, die den Leuten
Dein‘ Ankunft sollen deuten,
Die sind, wie wir gesehen,
In großer Zahl geschehen.

Was soll ich denn nun thun?
Ich soll auf dem beruhn,
Was du mir hast verheißen:
Daß du mich wollest reißen
Aus meines Grabes Kammer
Und allem andern Jammer.

Ach, Jesu! wie so schön
Wird mir’s alsdann ergeh’n?
Du wirst mit tausend Blichen
Mich durch und durch erquicken,
Wann ich hier von der Erde
Zu dir mich schwingen werde.

Ach! was wird doch dein Wort,
O süßer Seelenhort,
Was wird doch sein dein Sprechen,
Wenn dein Herz aus wird brechen,
Zu mir und meinen Brüdern,
Als deines Leibes Gliedern?

Werd‘ ich dann auch vor Freud‘
In solcher Gnadenzeit
Den Augen ihre Zähren
Und Thränen können wehren,
Daß sie mir nicht mit Haufen
Auf meine Wangen laufen?

Was für ein schönes Licht
Wird mir dein Angesicht,
Das ich in jenem Leben
Werd‘ erstmal sehen, geben?
Wie wird mir deine Güte
Entzücken mein Gemüthe!

Dein‘ Augen, deinen Mund,
Den Leib, der noch verwund’t,
Da wir so fest auf trauen,
Das werd‘ ich alles schauen;
Auch innig, herzlich grüßen
Die Mahl‘ an Händ‘ und Füßen.

Dir ist allein bewußt
Die ungefälschte Lust
Und edle Seelenspeise
In deinem Paradeise;
Die kannst du wohl beschreiben,
Ich kann nicht mehr als gläuben.

Doch, was ich hier gegläubt,
Das steht gewiß, und bleibt
Mein Theil, dem gar nicht gleichen
Die Güter aller Reichen:
All and’res Gut vergehet,
Mein Erbtheil, das bestehet.

Ach, Herr! mein schönstes Gut,
Wie wird sich all mein Blut
In allen Adern freuen,
Und auf das Neu‘ erneuen,
Wenn du mir wirst mit Lachen
Dein‘ Himmelsthür‘ aufmachen?

Komm her, komm und empfind‘,
O auserwähltes Kind!
Komm,. schmecke, was für Gaben
Ich und mein Vater haben!
Komm, wirst du sagen, weide
Dein Herz in ew’ger Freude!

Ach du so arme Welt!
Was ist dein Gold und Geld,
Hier gegen diesen Kronen
Und mehr als gold’nen Thronen,
Die Christus hingestellet
Dem Volk, das ihm gefället?

Hier ist der Engel Land,
Der sel’gen Seelen Stand,
Hier hör‘ ich nichts als singen,
Hier seh‘ ich nichts als springen,
Hier ist kein Kreuz, kein Leiden,
Kein Tod, kein bittres Scheiden.

Halt‘ ein, mein schwacher Sinn,
Halt‘ ein, wo denkst du hin?
Willst du, was grundlos, gründen?
Was unbegreiflich, finden?
Hier muß der Witz sich neigen
Und alle Redner schweigen.

Dich aber, meine Zier,
Dich laß ich nicht von mir,
Dein will ich stets gedenken,
Herr, der du mir wirst schenken
Mehr, als mit meiner Seelen
Ich wünschen kann und zählen.

Ach! wie ist mir so weh‘,
Eh‘ ich dich aus der Höh‘
Her sehe zu uns kommen:
Ach, daß zum Heil der Frommen,
Du meinen Wunsch und Willen
Noch möchtest heut‘ erfüllen!

Doch, du weißt deine Zeit;
Mir ziemt nur, stets bereit
Und fertig da zu stehen,
Und so einher zu gehen,
Daß alle Stund‘ und Tage
Mein Herz mich zu dir trage.

Dieß gib, Herr, und verleih‘,
Auf daß dein‘ Huld und Treu‘
Ohn‘ Unterlaß mich wecke;
Daß mich dein Tag nicht schrecke,
Da unser Schreck auf Erden
Soll Fried‘ und Freude werden.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich hab oft bei mir selbst gedacht

Gerhardt, Paul – Ich hab oft bei mir selbst gedacht

Ich hab‘ oft bei mir selbst gedacht,
Wenn ich den Lauf der Welt betracht’t,
Ob auch das Leben dieser ERd‘
Uns gut sei und des wünschens werth?
`Und ob nicht der viel besser thu‘,
Der sich fein zeitlich legt zur Ruh‘?

Denn, Lieber, denk‘ und sage mir:
Was für ein Stand ist wohl allhier,
Dem nicht sein‘ Angst, sein Schmerz und Weh‘
Alltäglich über’m Haupte steh‘?
Ist auch ein Ort, der Kummers frei
Und ohne Klag‘ und Thränen sei?

Sieh unsers ganzen Lebens Lauf:
Ist auch ein Tag von Jugend auf,
Der nicht sein‘ eig’ne Qual und Plag‘
Auf seinem Rücken mit sich trag‘?
Ist nicht die Freude, die uns stillt,
Auch selbst mit Jammer angefüllt?

Hat einer Glück und gute Zeit,
Hilf Gott! wie tobt und zürnt der Neid!
Hat einer Ehr‘ und große Würd‘,
Ist, der vor andern ist geehrt,
Vor andern auch dabei beschwert!

Ist einer heute gutes Muth’s,
Ergötzt und freut sich seines Gut’s,
Eh‘ er’s vermeint, fährt sein Gewinn
Zusammt dem guten Muthe hin:
Wie plötzlich kommt ein Ungestüm
Und wirft die großen Güter üm?

Bist du dann fromm und fliehst die Welt
Und liebst Gott mehr als Gold und Geld,
So wird dein Ruhm, dein Schmuck und Kron‘
In aller Welt zu Spott und Hohn.
Denn wer der Welt nicht heucheln kann,
Den sieht die Welt für albern an.

Nun es ist wahr, es steht uns hier
Die Trübsal täglich vor der Thür,
Und find’t ein jeder überall
Des Kreuzes Noth und bitt’re Gall:
Sollt‘ aber drum der Christen Licht
Ganz nichts mehr sein? Das glaub‘ ich nicht.

Ein Christe, der an Christo klebt
Und stets im Geist und Glauben lebt,
Dem kann kein Unglück, keine Pein
Im ganzen Leben schädlich sein:
Geht’s ihm nicht all’zeit, wie es soll,
So ist ihm dennoch all’zeit wohl.

Hat er nicht Gold, so hat er Gott,
Fragt nichts nach böser Leute Spott,
Verwirft mit Freuden und verlacht,
Der Weolt verkehrten Stolz und Pracht.
Sein‘ Ehr‘ ist Hoffnung und Geduld,
Sein‘ Hoheit ist des Höchsten Huld.

Es weiß ein Christ und bleibt dabei,
Daß Gott sein Freund und Vater sei;
Er hau‘, er brenn‘, er stech‘, er schneid‘,
Hier ist nichts, das uns von ihm scheid‘,
Je mehr er schlägt, je mehr er liebt,
Bleibt fromm, ob er uns gleich betrübt.

Laß alles fallen, wie es fällt,
Wer Christi Lieb‘ im Herzen hält,
Der ist ein Held und bleibt besteh’n,
Wenn Erd‘ und Himmel untergeh’n,
Und wenn ihn alle Welt verläßt,
Hält Gottes Wort ihn steif und fest.

Des Höchsten Wort dämpft alles Leid
Und kehrt’s in lauter Lust und Freud‘,
Es nimmt dem Unglück alles Gift,
Daß, ob’s uns gleich verfolgt und trifft,
Es dennoch unser Herze nie
In allzu großes Trauren zieh.

Ei nun! so mäß’ge deine Klag‘!
Ist dieses Leben voller Plag‘,
Ist’s dennoch, an der Christentheil,
Auch voller Gottes Schutz und Heil.
Wer Gott vertraut und Christum ehrt,
Der bleibt im Kreuz auch unversehrt.

Gleich wie das Gold durch’s Feuer geht
Und in dem Ofen wohl besteht,
So bleibt ein Christ durch Gottesgnad‘
Im Elendsofen ohne Schad‘.
Ein Kind bleibt seines Vaters Kind,
Ob’s gleich des Vaters Zucht empfind’t.

Drum, liebes Herz, sei ohne Scheu,
Und sieh auf deines Vaters Treu‘.
Empfind’st du auch hier seine Ruth‘,
Er meint’s nicht bös‘, er ist dir gut;
Gib dich getrost in seine Händ‘,
Es nimmt zuletzt ein gutes End‘.

Leb‘ immerhin, so lang‘ Er will!
Ist’s Leben schwer, so sei du still,
Es geht zuletzt in Freuden aus:
Im Himmel ist ein schönes Haus,
Da, wer nach Christo hier gestrebt,
Mit Christi Engeln ewig lebt.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Am 22. Sonntage nach Trinitatis.

Ich danke dir demüthiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von  deinem Zorn gewendet,
Und deinen Sohn zur Freud‘ und Kron‘
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All‘ uns’re Sünd‘ ersticket.
Wer ihn nun faßt, wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an,
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug‘ und Hand
Ergreifen dieses werthe Pfand
Und nimmermehr verlieren,
Laß dieses Licht mein Angesicht
Zum ew’gen Lichte führen.

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Koth und Unflath aus,
Bau“ in mir deine Hütte,
Daß deine Güt‘ in mein Gemüth
All ihre Lieb‘ ausschütte.

Wenn ich dich hab‘, ist alles mein,
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg‘ und Weisen,
Dein‘ arme Heerd‘ auf dieser Erd‘
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht‘ in deinem Wort,
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub‘ und Treu‘ stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere.

Gib‘ mir ein g’nügsam Herz und Sinn,
Denn das ist ja ein groß Gewinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt, was ihm beliebt,
Ihm lassen gerne g’nügen.

Das Wen’ge, das durch Gottes Gnad‘
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret,
Als alles Geld, davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr‘, und sie deine Lust
Und werden nicht zu Schanden;
Kommt theure Zeit, find’t sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt, steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
Die auf ihn hoffen spät und früh,
Daß er sie schütz‘ und rette
Aus aller Noth, wenn sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als gütig sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all‘ denen gönnen,
Die sich mit Mund und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen.

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unser’s Landes Krone:
Laß immerzu sein Fried‘ und Ruh‘
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt‘ unser liebes Vaterland
In deinem Schooß und starker Hand,
Behüt‘ uns allzusammen
Vor falscher Lehr‘ und Feindesheer‘
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all die Meinen eben war,
Treib‘, Herr, die böse Höllenschaar
Von Jungen und von Alten,
Das deine Heerd‘ hier zeitlich werd‘
Und ewig dort erhalten.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Oekolampad, Johannes – Das vatter vnser

Oekolampad, Johannes – Das vatter vnser

O VATTER unser, der du bist
Im himmel, lert vns Jesus Christ,
Dyn kinder sind wir all gemeyn,
So wir glouben in dich alleyn. Kyrie eley.

Dyn Göttlich namm geheilget werdt
Von yederman vff diser erd,
Gib, das wir suochend, luther, reyn,
In thuon vnd lon, dyn eer alleyn. Kyrie eley.

Zuo komme dyn ewiges rych
Vns armen dynen kindren glich,
Vff das wir vatter lobend dich
In vnserm erbland ewigklich. Kyrie eley.

Din Göttlich will geschäch gelych
In himmel vnd vff erdterrych,
Dann vnser will der ist nit guot,
Es ist als sündtlich, was er thuot. Kyrie eley.

Das täglich brot gib vns ouch hüt
Vnd spyß mit dynem wort die lüt,
Das wir in aller angst vnd queel
Getröstet werden an der seel. Kyrie eleyson

Dartzuo vergib vns vnser schuld,
Würck in vns dyn Göttlich gedult,
Das wir von hertzen allen schon
Vertzyhen, die vns leyds hand gethon. Kyr.

In die versuochung für vns nit,
Erhalt vns vest, ist vnser bitt,
Mit dyner gnad, das vns der find,
Die welt, vnds fleysch nit überwind. Kyrie.

Erlöß vns lieber vatter all
Vom übel in dem jomerthall,
Das vns nüt schad vff diser erd,
Damit die seel erlößet werd. Kyrie eleyson.

Vund wann die seel muoß scheyden sich
Von vnserm lyb so hertigklich,
Eyn vesten glouben vns verlych,
Mit dyner gnad nit von vns wych. Kyrie.

Die Evangelischen Katechismusversuche vor Luthers
Enchiridion
Ferdinand Cohrs.
Vierter Band.
Undatierbare Katechismusversuche
Berlin
A. Hofman & Comp.
1902