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Autor: Andreas

Carl Brockhaus – O Gottes Lamm

Carl Brockhaus – O Gottes Lamm

O, Gottes Lamm! wer kann verkünden
Den Reichtum Deiner Lieb und Huld?
Wer Deiner Leiden Maß ergründen,
Die Du ertrugst so voll Geduld?

Wie Schafe stumm zur Schlachtbank gehen,
Gingst Du hinauf nach Golgatha,
Wo Schrecken, Angst und Todeswehen
allein Dein Auge vor sich sah.

Von finstern Mächten ganz umgeben,
bliebst Du doch völlig Gott geweiht,
Gabst willig hin Dein teures Leben
Zu Gottes Ehr und Herrlichkeit.

Hast Deine Lieb am Kreuz enthüllet,
So wie der Mensch den tiefsten Haß,
Hast Gottes Willen ganz erfüllet,
Und ach! der Mensch sein Sündenmaß.

Und Du, – o Liebe ohnegleichen! ­
Du gabst Dich selber für uns hin,
Daß kein Gericht uns kann erreichen,
Daß selbst der Tod für uns Gewinn.

Du hast für uns den Fluch getragen,
Als Du am Kreuz zur Sünd‘ gemacht.
Auf Dir all unsre Sünden lagen,
Als Du das Sühnungswerk vollbracht.

O Gottes Lamm! anbetend bringen,
Wenn schwach auch, wir Dir Preis und Ehr!
Wir werden völlig dort besingen
Dein Lob mit allem Himmelsheer.

O Lamm! Du wardst für uns geschlachtet,
Hast Gott erkauft uns durch Dein Blut,
Hast uns zu herrschen wert geachtet
Und stets zu warten Deiner Hut.

Dora Rappard – O Vater, dessen Liebe

Dora Rappard – O Vater, dessen Liebe

O Vater, dessen Liebe
Umfaßt die ganze Welt,
Dir wird aus gläub’gem Triebe
Dies Kind hier dargestellt;
Dir sei’s von dieser Stunde
Zum Eigentum geweiht;
Erhalt’s in Deinem Bunde
Für Zeit und Ewigkeit.

O Jesu, treuer Heiland,
Blick gnädig Du es an,
Und segne es, wie weiland
Den Kleinen Du getan!
Du hast Dein Blut und Leben
Auch für dies Kindlein schon
Aus Liebe dargegeben;
So nimm’s zum Schmerzenslohn.

O Heil’ger Geist! Du bringest
Zurück, was wir verlor’n;
Wo Du ein Herz durchdringest,
Da wird es neu gebor’n!
O komm hernieder frühe
In dieses Kindleins Herz,
Und unaufhaltsam ziehe
Es selig himmelwärts!

In Deinen heil’gen Namen
Wird es getauchet ein;
Dreiein’ger Gott, sprich: Amen!
Sprich: Hinfort bist du mein!
Ja, wahrlich, es ist Deine;
Drauf kann der Glaube ruhn.
Was Du vermagst alleine,
Wir trau’n, Du wirst es tun.

Gerhard Tersteegen – O liebe Seele, könnt’st du werden

Gerhard Tersteegen – O liebe Seele, könnt’st du werden

O liebe Seele, könnt’st du werden
Ein kleines Kindchen noch auf Erden,
Ich weiß gewiß, es käm‘ noch hier
Gott und sein Paradies zu dir.

O süße Unschuld! Kinderwesen!
Die Weisheit hab‘ ich mir erlesen:
Wer dich besitzt ist hochgelehrt,
Und in des Höchsten Augen wert.

O Kindheit, die Gott selber liebet,
Die Jesu Geist alleine gibet,
Wie sehnet sich mein Herz nach dir!
O Jesu, bilde Dich in mir!

O Jesu, laß mich noch auf Erden
Ein solch unschuld’ge Kindlein werden!
Ich weiß gewiß, so kommt schon hier
Gott und sein Paradies in mir.

Dora Rappard – Oh, ich möcht so gern

Dora Rappard – Oh, ich möcht so gern

Oh, ich möcht so gern
Gleich meinem Herrn,
Der voll Lieb‘ und Huld uns ist erschienen;
Möchte, so wie er,
Immer mehr und mehr
Nicht mir dienen lassen, sondern dienen.

Etwas Himmelslust
Senkt sich in die Brust,
Wenn man treu ihm folgt im Erdenleben
Und nicht selbstiglich
Freude sucht für sich,
Sondern sinnt, wie man kann Freude geben.

Jesu, nimm mich hin,
Gib mir Deinen Sinn!
Fülle mich mit Deines Geistes Trieben,
Daß ich ungesucht
Bring‘ solch süße Frucht,
Nicht geliebt will werden, sondern lieben!

Emil Quandt – Geh‘ nicht allein!

Emil Quandt – Geh‘ nicht allein!

Geh‘ nicht allein durchs Leben,
Das ist dir viel zu schwer;
Es gibt so viel zu heben,
Allein drückt dich’s so sehr.
Es gibt so viel zu klagen,
Du darfst nicht einsam sein;
Es gibt so viel zu tragen –
Geh‘ nicht allein.

Geh‘ nicht allein, das Leben
Ist einem viel zu reich;
Man muß dem andern geben,
Sonst bricht der eigne Zweig.
Man muß die Freude teilen
Und teilen seine Pein
Und miteinander weilen –
Geh‘ nicht allein!

Geh‘ nicht allein, im Leben
Schlägt manches Herz wie dein’s,
Find’st du nicht alle eben,
So findest du doch eins;
Und hast du es gefunden,
So sollst du dich ihm weihn,
Ihm bleiben treu verbunden –
Geh‘ nicht allein!

Dora Rappard – Der Tag hat sich geneiget

Dora Rappard – Der Tag hat sich geneiget

Der Tag hat sich geneiget,
Der Sabbath kommt heran;
Die ird’sche Sorge schweiget;
Die Arbeit ist getan.

O Herr, in stillem Frieden
Lieg‘ ich in Deinem Schoß;
Du Ruheplatz der Müden,
Wie ist mein Glück so groß!

Seitdem mich Deine Wunden
So selig decken zu,
Hab‘ ich all‘ Tag und Stunden
die tiefste Sabbatruh.

Philipp Spitta – In der Angst der Welt will ich nicht klagen

Philipp Spitta – In der Angst der Welt will ich nicht klagen

In der Angst der Welt will ich nicht klagen,
will hier keine Ehrenkrone tragen,
wo mein Herr die Dornenkrone trug;
will hier nicht auf Rosenpfaden wallen,
wo man ihn, den Heiligsten von allen,
an den Stamm des Sünderkreuzes schlug.

Gib mir, Herr, nur für die Lebensreise
deine Wahrheit, die den Weg mir weise;
gib den Geist, der diesen Weg mich führt!
Gib ein Herz, das gern sich führen lasse
auf der graden, schmalen, steilen Straße,
die dein heil’ger Fuß einst selbst berührt!

Mache mich im Glauben immer treuer,
und des Glaubens Frucht, das heil ’ge Feuer
ungefärbter Liebe schenke mir!
Ohne sie könnt’ ich nicht vorwärtsschreiten,
zu der Liebe kann nur Liebe leiten,
sie nur führt mich durch die Welt zu dir.

Freundlich hast du mich zu dir gerufen,
lieber Herr; doch sind noch viele Stufen,
die zum Himmel ich ersteigen muß.
O, so reiche deinem schwachen Knechte
aus dem Himmel deine Gnadenrechte;
unterstütze, leite seinen Fuß!

Und recht hoffnungsvoll in deinen blauen,
schönen, fernen Himmel laß mich schauen,
wenn ich von der Wallfahrt müde bin,
daß ich hier im tiefen Tal der Schmerzen
einen festen Frieden hab’ im Herzen,
einen klaren, himmelsfrohen Sinn!

Ja, ich bin ein Fremdling hier auf Erden,
muß hier tragen mancherlei Beschwerden,
bin ein Pilger, arm und unbekannt;
und das Kreuz ist meiner Wallfahrt Zeichen,
bis ich werd’ mein Kanaan erreichen,
das ersehnte, liebe Vaterland.

Philipp Spitta – Bleibt bei dem, der euretwillen

Philipp Spitta – Bleibt bei dem, der euretwillen

Bleibt bei dem, der euretwillen
auf die Erde niederkam,
der, um euern Schmerz zu stillen,
tausend Schmerzen auf sich nahm!
Bleibt bei dem, der einzig bleibet,
wenn auch alles untergeht,
der, wenn alles auch zerstäubet,
siegend überm Staube steht!

Alles schwindet; Herzen brechen,
denen ihr euch hier ergabt,
und der Mund hört auf zu sprechen,
der euch oft mit Trost gelabt;
und der Arm, der euch zum Stabe
und zum Schilde ward, erstarrt,
und das Auge schläft im Grabe,
das euch sorgsam einst bewahrt.

Alles stirbt; das Ird’sche findet
in dem Irdischen sein Grab,
alle Lust der Welt entschwindet,
und das Herz stirbt selbst ihr ab.
Ird’sches Wesen muß verwesen,
ird’sche Flamme muß verglühn,
ird’sche Fessel muß sich lösen,
ird’sche Blüte muß verblühn.

Doch der Herr steht überm Staube
alles Irdischen und spricht:
Stütze dich auf mich und glaube,
hoffe, lieb und fürchte nicht!
Darum bleibt bei dem, der bleibet,
und der geben kann, was bleibt,
der, wenn ihr euch ihm verschreibet,
euch ins Buch des Lebens schreibt!

Philipp Spitta – Kehre wieder!

Philipp Spitta – Kehre wieder!

Kehre wieder, kehre wieder,
der du dich verloren hast;
sinke reuig bittend nieder
vor dem Herrn mit deiner Last!
Wie du bist, so darfst du kommen
und wirst gnädig angenommen.

Sieh, der Herr kommt dir entgegen,
und sein heil’ges Wort verspricht
dir Vergebung, Heil und Segen;
kehre wieder, zaudre nicht!
Kehre aus der Welt Zerstreuung
in die Einsamkeit zurück,
wo in geistiger Erneurung
deiner harrt ein neues Glück,
wo sich bald die Stürme legen,
die das Herz so wild bewegen;
wo des Heil’gen Geistes Mahnen
du mit stillem Beben hörst
und von neuem zu den Fahnen
Jesu Christi heilig schwörst!

Kehre wieder, irre Seele!
Deines Gottes treues Herz
beut Vergebung deinem Fehle,
Balsam für den Sündenschmerz.

Sieh auf den, der voll Erbarmen
dir mit ausgestreckten Armen
winket von dem Kreuzesstamme;
kehre wieder, fürchte nicht,
daß der Gnäd’ge dich verdamme,
dem sein Herz voll Liebe bricht!

Kehre wieder; neues Leben
trink in seiner Liebeshuld!
Bei dem Herrn ist viel Vergeben,
große Langmut und Geduld.

Faß ein Herz zu seinem Herzen,
er hat Trost für alle Schmerzen,
er kann alle Wunden heilen,
macht von allem Aussatz rein;
darum kehre ohne Weilen
zu ihm um und bei ihm ein!

Kehre wieder, endlich kehre
in der Liebe Heimat ein,
in die Fülle aus der Leere,
in das Wesen aus dem Schein,
aus der Lüge in die Wahrheit,
aus dem Dunkel in die Klarheit,
aus dem Tode in das Leben,
aus der Welt ins Himmelreich!
Doch was Gott dir heut will geben,
nimm auch heute — kehre gleich!

Philipp Spitta – 0 Jesu, meine Sonne

Philipp Spitta – 0 Jesu, meine Sonne

0 Jesu, meine Sonne,
vor der die Nacht entfleucht;
o Jesu, meine Wonne,
die alle Not verscheucht,
im Herzen klingt mir täglich
der eine helle Ton:
Wie hast du so unsäglich geliebt,
o Gottessohn!

Es faßt mich ein so tiefes,
ein himmlisches Gefühl,
es ist mir stets, als rief’ es:
Hier ist dein einzig Ziel! —
Ja, wenn mir gar nichts bliebe,
ich gäb’ mit frohem Sinn
um Jesu Christi Liebe
auch noch das Letzte hin.

Um diese Perle wäre
mir alles andre feil,
selbst Hab und Gut und Ehre,
mein ganzes Erdenteil.
Wie gerne will ich meiden
das alles, froh und still,
wenn’s von dem Herrn mich scheiden
und ihn mir rauben will!

Ich kenn’ auch gar kein Leben,
von dir, mein Herr, getrennt;
du bist mein einzig Leben
und Lebenselement.
Ich kenne gar kein Sterben,
seitdem ich leb’ in dir;
denn was mich könnt’ verderben:
die Sünde, nahmst du mir.

Ich weiß nichts mehr von Leiden;
denn alles Kreuz und Leid
kann mich von dir nicht scheiden,
du Born der Seligkeit.
Ja, wenn ich dich nur habe,
dann gilt mir alles gleich;
ich bin am Bettelstäbe
noch wie ein König reich.

Ich bin schon hier auf Erden
so selig und so leicht;
und was wird dort erst werden,
wo alle Schwachheit weicht!
Das macht ein selig Sterben,
daß ich als Gnadenlohn
ein Königreich soll erben
und eine ew’ge Krön’.

O lieber Herr, so präg es
recht meinen Sinnen ein;
o lieber Herr, so leg es
mir tief ins Herz hinein:
daß ohne deine Liebe
ich ganz verloren war’
und ohne Hoffnung triebe
auf wüstem Meer umher;

doch daß du mich allmählich
zum Hafen hast gebracht
und mich so überselig
aus Gnaden hast gemacht,
daß ich vor nichts erschrecke,
was andern schrecklich ist,
weil ich es seh’ und schmecke,
daß du mein Heiland bist.