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Autor: Andreas

Philipp Spitta – O du schönes Weltgebäude

Philipp Spitta – O du schönes Weltgebäude

O du schönes Weltgebäude,
das der Herr mit Glanz und Pracht
uns zum Segen und zur Freude
wunderherrlich hat gemacht!
O wie wird in allen Stücken
da die Liebe offenbar,
die, den Menschen zu beglücken,
So erfindrisch sorgsam war!

Ja, man kann an allen Werken,
klein und großen, nah und fern
die verborgne Weisheit merken
des Allgüt’gen, unsers Herrn!
Allen ist das Königssiegel
ihres Schöpfers aufgedrückt;
Erd’ und Himmel sind ein Spiegel,
drin man seine Huld erblickt.

In der Nähe, in der Ferne
man viel tausend Zeugen trifft;
wie die Blumen, so die Sterne
sind ja eine heil’ge Schrift,
die, dem Kindessinn verständlich,
wonnevolle Kunde gibt
von dem Gott, der uns unendlich
segnet, labet, tröstet, liebt.

0 wie ist es schön, zu lesen
in dem aufgeschlagnen Buch
der Natur von jenem Wesen,
das man niemals hoch genug
kann erheben, preisen, loben,
das uns liebevoll umschlingt,
dem der Chor der Engel droben
laut das Dreimalheilig singt!

Ja, dich kenn’ ich, Offenbarung
meines Herrn in der Natur,
seit aus eigener Erfahrung
ich nicht bloß der Liebe Spur
angedeutet, aufgeschrieben
in den Werken seiner Hand,
nein, ihn selbst und all sein Lieben
wesentlich in Christo fand!

Philipp Spitta – Es wird mein Herz mit Freuden wach

Philipp Spitta – Es wird mein Herz mit Freuden wach

Es wird mein Herz mit Freuden wach,
ein Segenstag ist dieser Tag;
da ruft’s mit hellem Klang hinaus:
Komm heut in deines Gottes Haus!

Am Tage, da er reden will,
tu auf dein Herz und halt dich still;
da er an dir sein Werk will tun,
laß deiner Hände Werke ruhn!

Heut hält der Herr ein offnes Haus,
da teilt dem Hungrigen er aus
sein teures Wort, das Lebensbrot;
wer das genießt, dem schad’t kein Tod.

Heut wird der gute Sämann gehn,
den edlen Samen auszusäh’n,
der in den Herzen, da er haft’t,
vielfältig edle Früchte schafft.

Heut führt der treue Hirt ins Tal
die Schaf’ und Lämmer allzumal
zu guter Weid’ an rechter Stell’,
auf grüner Au, zum frischen Quell.

Heut ist der Arzt, der Wundermann,
der allen Schaden heilen kann,
mit Hilf’ in Rat und Tat bereit
für jede Wunden, Schmerz und Leid.

Das ist ein Tag, ein Segenstag,
da wird mein Herz mit Freuden wach,
und lieblich klingt der Ruf hinaus:
Komm heut in deines Gottes Haus!

Philipp Spitta – O Vaterhand, die mich so treu geführet;

Philipp Spitta – O Vaterhand, die mich so treu geführet;

O Vaterhand, die mich so treu geführet;
o Vaterauge, das mich treu bewacht;
o Vaterherz, das meine Bitte rühret,
und das mit ew’ger Liebe mein gedacht!

Du wollest mich denn ferner treulich leiten,
daß ich den graden Weg zum Himmel geh’,
und mich zum ew’gen Leben zubereiten,
es sei durch Lieb’ und Leid, durch Wohl und Weh.

O mein Erlöser, der für mich gestorben,
und der mich Gott erkauft mit seinem Blut,
der mir Vergebung aller Schuld erworben,
daß nun mein Herz im Frieden Gottes ruht!

Du wollest mich denn immer mehr erlösen,
von allen Banden völliger befrein,
bei aller List und aller Macht des Bösen
der Held, durch den ich endlich siege, sein.

0 Heil’ger Geist, der du mit sanftem Triebe
mich strafest, tröstest, treibst und beten lehrst,
der du den Gottesfrieden und die Liebe,
die Hoffnung und den Glauben mir bescherst!

Regiere mich und drücke mir den Stempel
der Gotteskindschaft in die Seele ein,
und laß mich meines Gottes heil’ger Tempel
voll Stille, voll Gebet und Andacht sein!

Philipp Spitta – Wohl uns, der Vater hat uns lieb

Philipp Spitta – Wohl uns, der Vater hat uns lieb

Wohl uns, der Vater hat uns lieb
und wird an uns gedenken
und uns aus väterlichem Trieb,
was wir bedürfen, schenken!
Was fehlt uns doch
nun weiter noch,
da wir zum Vater haben
den Geber aller Gaben?

Wenn wir ohn’ Geld und Schätze gleich
die weite Welt durchzögen,
so ist doch unser Vater reich
an Liebe und Vermögen.
Wir sorgen nicht,
daß uns gebricht
auf unsrer Lebensreise
die Kleidung und die Speise.

Er, der so viel an uns gewandt
zu unserm Heil und Leben,
der zu uns seinen Sohn gesandt
und für uns hingegeben,
der so geneigt
sich Sündern zeigt —
wie sollte der denn minder
versorgen seine Kinder?

Wie können wir doch allezeit
frei vor sein Antlitz treten,
um Hilf’ in Not, um Trost in Leid,
um alles zu ihm beten!
Er hört uns an,
er will und kann
und wird uns gern gewähren,
was wir von ihm begehren.

Wie steht uns doch sein Vaterherz
in Jesu Christo offen!
Da fliehn wir hin, wenn uns ein Schmerz
und Unfall hat betroffen.
0, und da ruht
sich’s sanft und gut,
da ist man wohlgeborgen
und ledig allen Sorgen!

Und meint ihr, daß vor Tod und Gruft
uns bange sei und grause?
Nein, wenn uns unser Vater ruft,
so gehn wir gern nach Hause.
Da ist es doch
viel besser noch!
Oft seufzt man aus der Tiefe:
Ach, wenn der Vater riefe!

Er hat uns lieb: das ist genug,
uns ewiglich zu freuen;
er hat uns lieb: das ist genug.
Wir kennen ihn, den Treuen,
und wollen auch
nach Kinderbrauch
uns unablässig üben,
von Herzen ihn zu lieben.

Philipp Spitta – Wandle leuchtender und schöner

Philipp Spitta – Wandle leuchtender und schöner

Wandle leuchtender und schöner,
Ostersonne, deinen Lauf;
denn dein Herr und mein Versöhner
stieg aus seinem Grabe auf.

Als das Haupt er sterbend beugte,
bargst du dich in mächtgem Flor;
doch jetzt komm hervor und leuchte,
denn auch er stieg längst empor.

Erde, breite deinen Frieden
unter deinem Himmel aus;
denn dein Herr ist nicht geschieden,
er zerbrach des Todes Haus.

Deine starken Felsen bebten,
als er seinen Geist verhaucht;
grüße nun den Neubelebten,
wonnevoll in Licht getaucht!

Doch du selber, meine Seele,
sag, wie feierst du den Tag,
da der Herr des Grabes Höhle
mit gewalt’gem Arm durchbrach?

Feierst du sein Auferstehen
auch in rechter Osterfreud’?
Kann man an dir selber sehen,
welch ein hoher Festtag heut?

Bist du mit ihm auferstanden
aus der Sünde Todesnacht?
Hast du dich von ihren Banden
losgerungen, frei gemacht?

Oder liegst du noch verborgen
und in deinen Sünden tot?
Kündet deinen Ostermorgen
noch kein helles Morgenrot?

0 dann laß dich nicht bedecken
länger mehr die finstre Nacht!
Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken,
von dem Tode auferwacht!

Komm, vom Schlaf dich zu erheben,
komm, der Fürst des Lebens ruft,
wache auf zum neuen Leben,
steig herauf aus deiner Gruft!

Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig
die durchbohrten Hände hin,
macht dich der Betäubung ledig,
weckt mit Liebesruf den Sinn!

Keine Strafe sollst du scheuen,
darum bleibe nicht zurück,
raff dich auf, dich zu erfreuen
an des neuen Lebens Glück!

Steig empor zum neuen Leben;
denn du schliefest lang genug.
Kraft zum Leben wird dir geben,
der für dich den Tod ertrug.

Fang nur an, erst aufzustehen,
fühlst du dich auch noch so matt;
der wird dir zur Seite gehen,
der dich auferwecket hat.

O bedenke und erwäge,
wie du gehn magst, nicht so lang;
solch Bedenken macht nur träge,
macht dich mehr noch schwach und krank.

Keine Hilfe wird versagen
er, wenn du nur erst begannst,
wird dich auf den Armen tragen,
wo du selbst nicht gehen kannst.

Sieh, dein Herr Ist auferstanden,
daß du könntest auferstehn,
aus der Sünde Haft und Banden
in die schönste Freiheit gehn!

Willst du ihm dich nur ergeben,
streift er deine Ketten ab,
und du siehst dein altes Leben
hinter dir als leeres Grab.

Philipp Spitta – Herr, des Tages Mühen und Beschwerden

Philipp Spitta – Herr, des Tages Mühen und Beschwerden

Herr, des Tages Mühen und Beschwerden
machtest du durch deine Nähe leicht.
Bleib bei mir, da es will Abend werden;
bleib bei mir, da sich der Tag geneigt!
Wie am Tag du stärkend bei mir weiltest,
o so tritt am Abend auch herzu;
wie du meine Müh’ und Arbeit teiltest,
o so teile segnend meine Ruh’!

Sieh, es dräut mir jetzt kein läst’ger Störer,
in dem Stübchen bin ich ganz allein,
kann jetzt ungestört dein stiller
Hörer und dein aufmerksamer Schüler sein.
Sprich du selbst mir einen Abendsegen;
denn dein Segenswort hat Segenskraft,
ist ein milder, kühler Abendregen
für das Herz, von Tagesmüh’ erschlafft.

Ach, wie ohne dich, o Herr, der Abend
mich so kalt und unbefriedigt läßt!
Doch durch dich ist er so süß, so labend,
ist ein Feierabend, ist ein Fest;
voll von segensreicher Herzenslabe
wird mir dann erst abendlich zumut;
wenn ich dich am Tagesende habe,
dann ist mit dem Ende alles gut.

Komm denn nach des Tages lautem Leben,
komm, du reicher Gast, kehr bei mir ein,
Heil zu spenden, Schulden zu vergeben,
Ruhe, Fried’ und Freude zu verleihn!
Des vergangnen Tages Wunden, Schmerzen heile,
lindre und verbanne du,
und laß mich zuletzt an deinem Herzen finden
eine sanfte, nacht’ge Ruh’!

Philipp Spitta – Du reicher Gott und Herr

Philipp Spitta – Du reicher Gott und Herr

Du reicher Gott und Herr, von dem ich alles habe,
du ew’ger Lebensquell, draus ich mich täglich labe,
ich brächte gern einmal auch eine Gabe dir;
nur weiß ich selbst nicht, was. Drum bitt’ ich: sag es mir!

„Gib mir, o Sohn, dein Herz!“ So sprichst du; ach, das meine,
mein Herz, das willst du, Herr? Mein Herz, das ich beweine,
mein armes, schwaches Herz, von Sünd’ und Lust der Welt,
von Zagheit und von Trotz so unrein, so entstellt?

Das forderst du von mir vor allen andern Gaben?
Hier ist es, wie es ist, mein Herz, du sollst es haben.
O mache du es rein, o mache du es neu,
o mach es dir zur Ehr’ bis in den Tod getreu!

Hedwig von Redern – An dem Fuß des Kreuzesstammes

Hedwig von Redern – An dem Fuß des Kreuzesstammes

An dem Fuß des Kreuzesstammes,
wo du, Herr, gestorben bist,
lege ich zum Preis des Lammes
hin mein Leben, wie es ist.
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Dir will ich mein alles geben,
nichts behalt’ ich mehr zurück:
ganz zu ruhn in deinem Willen,
das ist wahres, volles Glück.
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Daß ich nur voll Geistes werde,
allen Eigenlebens bar;
Glanz und Güter dieser Erde,
fahret wohl für immerdar!
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

O die wunderbare Gnade,
mit der Jesus mich umgibt!
Dir gehör’ ich, dich nur lieb’ ich.
der du mich zuerst geliebt!
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Johann Heermann – Was willst du dich betrüben,

Johann Heermann – Was willst du dich betrüben,

Was willst du dich betrüben,
o meine liebe Seel’?
Tu den nur herzlich lieben,
der heißt Immanuel!
Vertrau doch ihm allein;
er wird gut alles machen
und fördern deine Sachen,
wie dir wird selig sein.

Denn Gott verlasset keinen,
der sich auf ihn verläßt.
Er bleibt getreu den Seinen,
die ihm vertrauen fest.
Läßt sich’s an wunderlich,
laß du gar nichts dir grauen;
mit Freuden wirst du schauen,
wie Gott wird helfen dir.

Auf ihn magst du es wagen
getrost mit frischem Mut;
mit ihm wirst du erjagen,
was dir ist nütz und gut.
Denn was Gott haben will,
das kann niemand verhindern
aus allen Menschenkindern,
soviel ihr’ sind im Spiel.

Er richt’s zu seinen Ehren
und deiner Seligkeit.
Soll’s sein, kein Mensch kann’s stören,
wenn’s ihm war noch so leid.
Will’s denn Gott haben nicht,
so kann’s niemand forttreiben,
es muß zurückebleiben.
Was Gott will, das geschieht.

Drum ich mich ihm ergeben,
dem sei es heimgestellt.
Nach nichts mehr ich sonst strebe
denn nur, was ihm gefällt.
Sein Will’ ist mein Begier.
Der ist und bleibt der beste,
das glaub’ ich steif und feste.
Wohl dem, der glaubt mit mir!

Johann Heermann – Das Gleichnis vom Acker

Johann Heermann – Das Gleichnis vom Acker

Da nun viel Volk zu Christo kam mit Haufen
aus allen Städten hin und her gelaufen,
wollt’ er durch Gleichnis ihre Herzen rühren
und zu Gott führen.

Ein Säemann, sprach er, säete seinen Samen,
von dem fiel etlich’s an den Weg; bald kamen
und fraßen’s auf die Vögel haufenweise
als ihre Speise.

Was sie noch übrig von den Körnlein ließen,
das ward vertreten ganz und gar mit Füßen;
es mußte da verderben in der Erden
und zu nichts werden.

Etliches fiel auf den Fels und mußt’ umkommen;
denn ihm ward aller Saft und Kraft benommen.
Viel ward von Dorn und Distel verdecket
und gar erstecket.

Das aber auf ein gut Land war gefallen,
trug hundertfältig seine Frucht für allen.
Itz rief der Herr: Wer Ohren hat zu hören,
lasse sich lehren!

Die Jünger baten, dieses zu erklären.
Wohlan, sprach Jesus, ich will euch gewähren
und meine Reden von himmlischen Sachen
verständlich machen!

Ihr habt die Gnad’: euch ist’s von Gott gegeben.
Die andern, so aus Hoffart sich erheben,
die hören’s, daß sie blind und taub an Sinnen
nichts wissen können.

Der Samen ist das Wort. Die an den Wegen
sind, die es hören und doch sein nicht pflegen.
Bald nimmt’s der Teufel weg, daß sie nicht gläuben,
noch in Gott bleiben.

Die auf dem Felsen nehmen’s an mit Freuden
und glauben, doch solange sie nichts leiden.
Kommt Kreuz, so fallen sie dahin und laufen
von Gott mit Haufen.

Was unter Dornen fällt, sind, die es hören
und lassen sich die schnöde Welt betören
mit Sorgen, Wollust, Geizen und viel Prangen,
dem sie anhangen.

Das gute Land sind, die das Wort fein merken,
behalten und daraus den Glauben stärken,
daß sie von Gott auch nicht nur mit Gedanken
im Kreuze wanken.

Gib, Jesu, daß ich mich zur Predigt dringe,
sie fleißig hör’ und edle Früchte bringe,
daß ich mein Kreuz geduldig auf mich fasse
und dich nicht lasse!