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Gerhard Tersteegen – Mein Erlöser, schaue doch,

1.) Mein Erlöser, schaue doch,
Wie mein armer Geist, verstricket,
Mit geheimen Banden noch,
Ganz bedränget und bedrücket:
Will ich los, so sinkt mein Herz
Bald in Ohnmacht niederwärts.

2.) Meine Bande mannichfalt
Tiefe Seufzer aus mir zwingen:
Zions Hülfe, komm doch bald!
Laß es mir durch dich gelingen;
Mache mich einst völlig frei
Von der Lüste Sklaverei.

3.) Zwar es hat mich deine Gnad
Groben Sünden längst entrissen.
Ich hab auch nach deinem Rat,
Schon zu wandeln mich beflissen,
Daß vielleicht ein andrer wohl,
Mich für fromm schon halten soll.

4.) Aber dein genaues Licht
Zeigt mir tiefer mein Verderben;
Und wie ich, nach meiner Pflicht,
Muß mir selbst und allem sterben,
Und in wahrer Heiligkeit
Vor dir leben allezeit.

5.) Dies ist auch mein Wille wohl,
Aber, ach! es fehlt Vollbringen;
Was ich auch verrichten soll,
Thu ich noch mit Last und Zwingen:
Seh ich dann mein Bestes an,
So ist’s doch nicht rein gethan.

6.) Schau, wie ich entblößet bin,
Wie mein Geist im Kerker (Elend) stöhnet;
Wie so inniglich mein Sinn
Sich nach Deiner Freiheit sehnet.
Ach! zerreiß den Himmel doch;
Ach! zerbrich des Treibers Joch.

7.) Ach, wo ist der neue Geist,
Den du wolltst den Deinen geben,
Der den Sünden uns entreißt
Und uns bringt dein reines Leben,
Der mit Herzenslust und Kraft
Alles in und durch uns schafft.

8.) Jesu! ach erbarm dich mein,
Laß mich nicht im Elend hangen;
Mach mich gründlich, frei und rein,
Nimm mein Herz dir ganz gefangen:
Komm, und werd mir innig nah,
Du hast mich erkaufet ja.

9.) Ach, wann wird mein Herze frei
Über alles sich erheben,
Und, in reiner Liebestreu,
Nur von dir abhänglich leben,
Abgeschieden, willenlos,
Von mir selbst und allem bloß!

10.) Komm, du lang verlangte Stund!
Komm, du Lebensgeist von oben!
Ach! wie soll mein froher Mund,
Jesu! deine Treue loben,
Wenn mich deine Liebesmacht,
Dir zu dienen, frei gemacht.

11.) Laß dein Evangelium
Mir Gefang’nem Freiheit schenken:
Ich will als dein Eigenthum
Mich in dein Erbarmen senken;
Ich will hoffen, warten, ruhn;
Du wollst alles in mir tun.

12.) Eignes Wirken reicht nicht zu,
Du musst selbst die Hand anlegen;
Ich will still sein, wirke du;
Dämpfe, was sich sonst will regen:
Kehr zu meiner Seele ein,
So wird mir geholfen seyn.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Danke dem Herren, o Seele, dem Ursprung der Güter

1.) Danke dem Herren, o Seele, dem Ursprung der Güter.
Der uns erquicket die Leiber und stärkt die Gemüter.
Gebet ihm Ehr: Liebet den Gütigen sehr;
Stimmet die dankenden Lieder!

2.) Du hast, o Güte! dem Leibe die Notdurft bescheret:
Lass doch die Kräfte im Guten nur werden verzehret.
Alles ist dein, (Seelen und Leiber) allein:
Werd auch durch beide geehret.

3.) Lebenswort! Jesu! komm, speise die schmachtenden Seelen;
Laß in der Wüste uns nimmer das Nöthige fehlen:
Gib nur, daß wir Innig stets dürsten nach dir,
Ewig zur Lust dich erwählen.

4.) Nimm die Begierden und Sinnen in Liebe gefangen,
Daß wir nichts neben dir, Jesu! auf Erden verlangen:
Laß uns mit dir Leben verborgen allhier,
Und dir im Geiste anhangen.

3.) Lass uns dein’n Lebens-Geist kräftig und innig durchdringen
Und uns dein göttliches Leben und Tugenden bringen;
Bis nur wird seyn In uns dein Leben allein;
Jesu! du kannst es vollbringen.

4.) Gütigster Hirte, du wollest uns stärken und leiten,
Und zu der Hochzeit des Lammes rechtschaffen bereiten:
Bleib uns hier nah, Bis wir dich ewig allda
Schmecken und schauen in Freuden.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Nun so will ich denn mein Leben

1. Nun so will ich denn mein Leben
Völlig meinem Gott ergeben;
Nun wohlan, es ist geschehn!
Sünd‘, ich will von dir nicht hören,
Welt, ich will mich von dir kehren,
Ohne je zurück zu sehn.

2. Ich will meine Augen schließen,
Und hinfort nicht mehr genießen,
Was die Kreatur anbeut:
Weg, du kurzes Scheinvergnügen!
Du sollst mich nicht mehr betrügen,
Deine Lust brings Last und Leid.

3. Ich will’s anders nun beginnen,
Fleisch, Vernunft, Natur und Sinnen,
Sollen in den Tod hinein:
Meine Lust soll abgeschieden,
Nur mit meinem Gott zufrieden,
Ganz in Geist gekehret seyn.

4. Hab ich sonst mein Herz getheilet,
Hab ich hie und da verweilet,
Endlich sey der Schluß gemacht,
Meinen Willen ganz zu geben,
Meinem Gott allein zu leben,
Ihm zu dienen Tag und Nacht.

5. Herr, ich opfre Dir zur Gabe,
All mein Liebstes, das ich habe.
Schau, ich halte nichts zurück;
Schau und prüfe meine Nieren;
Solltest Du was Falsches spürgen,
Nimm es diesen Augenblick.

6. Deinem armen Jesus-Leben
Will ich gänzlich mich ergeben:
Ich umfaß dein Kreuz und Schmach:
Nein, ich will mich selbst nicht achten,
Sollt auch Leib und Seel verschmachten;
Dir, dem Lamme folg ich nach.

7. Ich scheu keine Müh‘ und Schmerzen;
Gründlich, und von ganzem Herzen,
Will ich folgen Deinem Zug:
Kann ich stetig und in allen,
Deinen Augen nur gefallen,
Ach, so hab ich ewig g’nug.

8. Eines will ich nur betrachten,
Und nicht wissen, noch drauf achten,
Was sonst draußen mag geschehn:
Fremd der Welt und ihren Sorgen,
Will ich hier, in dir verborgen,
Als ein wahrer Pilger gehn.

9. Dich allein will ich erwählen;
Alle Kräfte meiner Seelen
Nimm nur ganz in Deine Macht:
Ja, ich will mich Dir verschreiben;
Laß es ewig feste bleiben,
Was ich Dir heut zugesagt!

10. Herr! ich bin so ganz elendig;
Soll mein Vorsatz seyn beständig,
So mußt du mein Helfer seyn.
O Durchbrecher aller Banden!
Laß mich werden nicht zu Schanden,
Denn ich trau in dich allein.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Jesu, der du bist alleine

1. Jesu, der du bist alleine
Haupt und König der Gemeine:
Segne mich, dein armes Glied;
Wollst mir neuen Einfluß geben
Deines Geistes, dir zu leben;
Stärke mich durch deine Güt.

2. Ach dein Lebensgeist durchdringe,
Gnade, Kraft und Segen bringe
Deinen Gliedern allzumal,
Wo sie hier zerstreuet wohnen
Unter allen Nationen,
Die du kennest überall.

3. O wie lieb ich, Herr, die Deinen,
Die dich suchen, die dich meinen!
O wie köstlich sind sie mir!
Du weiß’st, wie mich’s oft erquicket,
Wenn ich Seelen hab erblicket,
Die sich ganz ergeben dir.

4. Ich umfasse, die dir dienen;
Ich verein’ge mich mit ihnen,
Und vor deinem Angesicht
Wünsch ich Zion tausend Segen;
Stärke sie in deinen Wegen,
Führ sie selbst nach deiner Pflicht.

5. In der argen Welt sie rette,
Und den Satan bald zertrete
Gänzlich unter ihre Füß:
Tödte, durch den Geist von innen,
Fleischeslus, Natur und Sinnen;
Sey nur du den Deinen süß.

6. Die in Kreuz und Leiden leben,
Stärke, daß sie ganz ergeben
Ihre Seel in deine Hand;
Laß sie dadurch werden kleiner
Und von allen Schlacken reiner,
Lauterlich in dich gewandt.

7. Laß die Deinen noch auf Erden
Ganz nach deinem Herzen werden:
Mache deine Kinder schön,
Abgeschieden, klein und stille,
Sanft, einfältig, wie dein Wille,
Und wie du sie gern willst sehn.

8. Sonderlich gedenke derer,
Die es, Herr, von mir begehren,
Daß ich für sie beten soll:
Auf dein Herz will ich sie legen,
Gib du jedem solchen Segen,
Wie es not; du kennst sie wohl.

9. Ach besuch zu dieser Stunde
Ihre Herzen, und im Grunde
Sie erfreu in dir allein:
Zeuch, mit deinen Liebeszügen,
Ihre Lust und ganz Vergnügen
Wesentlich in dich hinein.

10. Ach! du haswt uns theur erworben,,
Da du bist am Kreuz gestorben;
Denke, Jesu! wir sind dein:
Halt uns fest, solang wir leben,
Und in dieser Wüste schweben;
Laß uns nimmermehr allein.

11. Bis ich einst mit allen Frommen,
Droben werd zusammen kommen,
Und, von allen Flecken rein,
Da vor deinem Throne stehen,
Uns in dir, dich in uns sehen,
Ewig Eins in dir zu seyn.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – O Gott, o Geist, o Licht des Lebens,

1. O Gott, o Geist, o Licht des Lebens,
Das uns im Todesschatten scheint,
Du scheinst und lockst so lang vergebens,
Weil Finsterniß dem Lichte feind!
O Geist, dem keiner kann entgehen,
Ich laß dir gern den Jammer sehen.

2. Entdecke alles, und verzehre,
Was nicht in deinem Lichte rein,
Wenn mirs gleich noch so schmerzlich wäre;
Die Wonne folget nach der Pein:
Du wirst mich aus dem finstern Alten
In Jesu Klarheit vergestalten.

3. Mein’m Sündengift ist nicht zu steuren;
Durchsalbe du mich, dann geschichts:
Du muß von Grund auf mich erneuren,
Sonst hilft mein eignes Trachten nichts:
O Geist! sey meines Geistes Leben;
Ich kann mir selbst kein Gutes geben.

4. Du Athem aus der ew’gen Stille
Durchwehe sanft der Seelen Grund;
Füll mich mit aller Gottesfülle;
Und da, wo Sünd und Gräuel stund,
Laß Glaube, Lieb und Ehrfurcht grünen,
Im Geist und Wahrheit Gott zu dienen.

5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen,
Sey kindlich-folgsam deinem Trieb;
Bewahr mein Herz, und alle Sinnen,
Untadelich in Gottes Lieb:
Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen,
Laß mich auf keine Weise dämpfen.

6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne
Eröffnet und Krystallen-rein,
Aus Gottes und des Lammes Throne,
Nun quillt in stille Herzen ein;
Ich öffne meinen Mund, und sinke,
Gib mir dies Wasser, daß ich trinke.

7. Es hilft kein Wollen, Laufen, Zwingen;
Ich halte mich nur eingekehrt,
Und lasse mich von dir durchdringen,
O Kraft, die mein Gemüth begehrt!
Doch, mein Begehren sinket nieder,
Und läßt sich dir zum Grunde wieder.

8. Ich laß mich dir, und bleib indessen,
Von allem abgespehnt, dir nah;
Ich will’s Geschöpf, und mich vergessen,
Dies innigst glauben: Gott ist da!.
O Gott: o Geist, o Licht des Lebens,
Man harret deiner nie vergebens.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Wie bist du mir so innig gut

1. Wie bist du mir so innig gut!
Mein Hohepriester du!
Wir theur und kräftig ist dein Blut!
Es setzt mich stets zur Ruh.

2.) Wenn mein Gewissen zagen will
Vor meiner Sünden Schuld,
So macht dein Blut mich wieder still,
Setzt mich bei Gott in Huld.

3.) Es giebet dem bedrückten Sinn
Freimüthigkeit zu dir;
Daß ich in dir zufrieden bin,
Wie arm ich bin in mir.

4.) Hab ich gestrauchelt hie und da
Und will verzagen fast,
So spür ich dein Versöhnblut nah,
Das nimmt mir meine Last.

5.) Es sänftigt meinen tiefen Schmerz,
Durch seine Balsamskraft:
Es stillet mein gestörtes Herz,
Und neuen Glauben fasst.

6.) Da kriechet dann mein blöder Sinn
In deine Wunden ein;
Da ich dann ganz vertraulich bin:
Mein Gott! wie kann es seyn?

7.) Ich hab vergessen meine Sünd,
Als wär sie nie geschehn;
Du sprichst: Lieg still in mir, mein Kind!
Du mußt auf dich nicht sehn.

8.) Wie kann es sein? Ich sag es noch,
Herr! ist es auch Betrug?
Ich großer Sünder hab ja doch
Verdienet deinen Fluch.

9.) Nein, Jesu, du betriegest nicht,
Dein Geist mir Zeugnis gibt.
Dein Blut und Gnad und Fried verspricht,
Ich werd umsonst geliebt.

10.) Umsonst will ich auch lieben dich,
Mein Gott, mein Trost, mein Theil:
Ich will nicht denken mehr an mich;
In dir ist all mein Heil.

11.) Weg Sünde! bleib mir unbewußt:
Kommt dieses Blut ins Herz,
So stirbet alle Sündenlust,
Der Sinn geht himmelwärts.

12.) O nein, ich will und kann nicht mehr,
Mein Freund! betrüben dich:
Dein Herz verbindt mich allzusehr;
Ach bind mich ewiglich!

13.) Zieh mich in dein versöhnend Herz,
Mein Jesu, tief hinein.
Lass es, in aller Noth und Schmerz,
Mein Schloß und Zuflucht seyn.

10.) Kommt groß und kleine Sünder! doch,
Die ihr mühselig seid;
Dies liebend Herz steht offen noch,
Das euch von Sünd befreit.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung von diesem Lied

Gerhard Tersteegen – Kommt, Kinder, laßt uns gehen

1. Kommt, Kinder, laßt uns gehen,
Der Abend kommt herbei;
Es ist gefährlich stehen
In dieser Wüstenei.
Kommt, stärket euren Mut,
Zur Ewigkeit zu wandern
Von einer Kraft zur andern;
Es ist das Ende gut.

2. Es soll uns nicht gereuen
Der schmale Pilgerpfad;
Wir kennen ja den Treuen,
Der uns gerufen hat.
Kommt, folgt und trauet dem;
Ein jeder sein Gesichte
Mit ganzer Wendung richte
Steif nach Jerusalem.

3. Der Ausgang der geschehen,
Ist uns fürwahr nicht leid;
Es soll noch besser gehen
Zur Abgeschiedenheit.
Nein, Kinder! seyd nicht bang,
Verachtet tausend Welten,
Ihr Locken und ihr Schelten,
Und geht nur euren Gang.

4. Geht der Natur entgegen,
So geht’s gerad und fein;
Die Fleisch und Sinnen pflegen,
Noch schlechte Pilger sein.
Verlaßt die Kreatur
Und was euch sonst will binden;
Laßt gar euch selbst dahinten,
Es geht durchs Sterben nur.

5. Man muß wie Pilger wandeln,
Frei, bloß und wahrlich leer;
Viel sammeln, halten, handeln
Macht unsern Gang nur schwer.
Wer will, der trag sich todt;
Wir reisen abgeschieden,
Mit wenigem zufrieden;
Wir brauchens nur zur Noth.

6. Schmückt euer Herz aufs beste,
Sonst weder Leib noch Haus;
Wir sind hier fremde Gäste
Und ziehen bald hinaus:
Gemach bringt Ungemach;
Ein Pilger muß sich schicken,
Sich dulden und sich bücken
Den kurzen Pilgertag.

7. Laßt uns nicht viel besehen
Das Kinderspiel am Weg:
Durch Säumen und durch Stehen,
Wird man verstrickt und träg;
Es geht uns all nicht an:
Nur fort, durch dick und dünne!
Kehrt ein die leichten Sinne,
Es ist so bald gethan.

8. Ist gleich der Weg was enge,
So einsam, krumm und schlecht.
Der Dornen in der Menge,
Und manches Kreuzchen trägt;
Es ist doch nur Ein Weg:
Laß seyn! wir gehen weiter,
Wir folgen unserm Leiter,
Und brechen durchs Gehäg.

9. Was wir hier hör’n und sehen,
Das hör‘ und seh’n wir kaum;
Wir lassen’s da, und gehen;
Es irret uns kein Traum:
Wir gehn ins Ew’ge ein;
Mit Gott muß unser Handel,
Im Himmel unser Wandel,
Und Herz, und alles, seyn.

10. Wir wandeln eingekehret,
Veracht’t und unbekannt;
Man siehet, kennt und höret
Uns kaum im fremden Land;
Und höret man uns singen,
Von unsern großen Dingen,
Die auf uns warten da.

11. Kommt, Kinder, laßt uns gehen,
Der Vater gehet mit;
Er selbst will bei uns stehen
In jedem sauren Tritt;
Er will uns machen Muth,
Mit süßen Sonnenblicken
Uns locken und erquicken;
Ach ja, wir haben’s gut!

12. Ein jeder munter eile,
Wir sind vom Ziel noch fern;
Schaut auf die Feuersäule,
Die Gegenwart des Herrn:
Das Aug nur eingekehrt,
Da uns die Liebe winket,
Und den, der folgt und sinket,
Den wahren Ausgang lehrt.

13. Des süßen Lammes Wesen,
Wird uns da eingedrückt;
Man kanns am Wandel lesen,
Wie kindlich, wie gebückt,
Wie sanft, gerad und still,
Die Lämmer vor sich sehen,
Und, ohne Forschen, gehen,
So, wie ihr Führer will.

14. Kommt, Kinder, laßt uns wandern,
Wir gehen Hand an Hand;
Eins freuet sich am andern
In diesem wilden Land.
Kommt, laßt uns kindlich seyn,
Uns auf dem Weg nicht streiten;
Die Engel uns begleiten
Als unsre Brüderlein.

15. Sollt wo ein Schwacher fallen,
So greif der Stärkre zu;
Man trag, man helfe allen,
Man pflanze Lieb und Ruh.
Kommt, bindet fester an;
Ein jeder sey der Kleinste,
Doch auch wohl gern der Reinste
Auf unsrer Liebesbahn.

16. Kommt, laßt uns munter wandern,
Der Weg kürzt immer ab;
Ein Tag, der folgt dem andern,
Bald fällt das Fleisch ins Grab.
Nur noch ein wenig Mut,
Nur noch ein wenig treuer,
Von allen Dingen freier,
Gewandt zum ew’gen Gut!

17. Es wird nicht lang mehr währen,
Halt’t noch ein wenig aus;
Es wird nicht lang mehr währen,
So kommen wir nach Haus;
Da wird man ewig ruhn,
Wenn wir, mit allen Frommen,
Daheim beim Vater kommen;
Wie wohl, wie wohl wird’s thun!

18. Drauf wollen wir’s denn wagen,
(Es ist wohl wagens werth,)
Und gründlich dem absagen,
Was aufhält und beschwert.
Welt, du bist uns zu klein;
Wir gehn durch Jesu Leiten
Hinein in Ewigkeiten:
Es soll nur Jesus seyn.

19. O Freund! den wir erlesen,
O allvergnügend Gut,
O ewig bleibend Wesen,
Wie reitzest du den Muth!
Wir freuen uns in dir,
Du, unsere Wonn und Leben,
Worin wir ewig schweben,
Du, unsre ganze Zier.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreijzehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Vervollständigung dieses Liedes

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Hört heut der Weisen große Frage

1.) Hört heut der Weisen große Frage:
Wo ist das neugeborne Kind?
Wo sind die Weisen heutzutage,
Die fragen, wo man Jesum findt?
Von heut an soll mir dies allein
Die allerhöchste Weisheit sein.

2.) Bis ich ihn ganz in meiner Nähe,
Bis ich ihn selbst von Angesicht,
Im Glauben hier, dort wirklich sehe,
Bis ich ihn finde, ruh ich nicht.
Von heut an soll mir dies allein
Die allergrößte Sorge sein.

3.) Behalte, Welt die tollen Freuden,
Womit dein Volk sein Herz berauscht.
Es haben heut schon viele Heiden
Das Jesuskind drum eingetauscht.
Und Jesum finden soll allein
Auch meine höchste Freude sein.

4.) Erbebt vor ihm, ihr Majestäten,
Die ihm nicht herzlich untertan
Und kommt, dies Kindlein anzubeten,
Nicht in Herodis Sinn heran!
Vor ihm sich beugen, wird allein
Die Ehre seiner Heil’gen sein.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Guter Seelenhirt

1.) Guter Seelenhirt,
Meine Seele wird
Über deine Hirtentreue,
Die so groß ist, heut auf’s Neue
Seliglich erquickt,
Da sie dich erblickt.

2.) Da sie dich erblickt,
Wird sie sanft erquickt,
Dass du, guter Hirt, dein Leben
Für die Schafe dargegeben
Und dein eigen Gut
Selbst erkauft mit Blut.

3.) Selbst erkauft mit Blut
Hast du dieses Gut
Und dem Feind es abgenommen,
Der es dir zu rauben kommen,
Darum ist es dein,
Eigen und allein.

4.) Eigen und allein
Ist die Herde dein
Und du kennest deinen Samen,
Aller deiner Schäflein Namen
Sind in deiner Hand
Und dir wohl bekannt.

5.) Wie sie dir bekannt,
Ist auch deine Hand,
Herz und Namen ihnen kenntlich,
Deine Stimme wohl verständlich
Und sie folgen dir
Willig mit Begier.

6.) Willig mit Begier
Lassen sie von dir
Sich durch’s Hirtenwort regieren,
Leiten und zusammenführen,
Bis zuletzt ein Hirt,
Eine Herde wird.

7.) Bis dass dieses wird,
Treuer Seelenhirt,
Wollst du den zerstreuten Herden
Treue Diener auf der Erden
Geben immerhin
Nur nach deinem Sinn.

8.) Nur nach deinem Sinn
Schaffe weiterhin,
Dass sowohl die Hirten handeln,
Als auch deine Schafe wandeln
Und dass dir getreu
Hirt und Herde sei.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Eins ist Not, wer hat dies eine

1.) Eins ist Not, wer hat dies eine,
Der allein, der Jesum hat.
Jesum haben, macht alleine
Selig, fröhlich, ruhig, satt.
Wer Jesum erwählet, hat alles erkoren,
Wer Jesum verlieret, hat alles verloren.
Doch findet ihn wieder, wer suchet mit Fleiß,
Und wer ihn behält, der behält auch den Preis.

2.) Herzens-Jesu, leit und führe
Du mich selber bei der Hand!
Dass ich dich nur nicht verliere
Auf dem Weg ins Vaterland.
Hilf, dass ich mich von dir nicht achtlos entferne
In eitler Gesellschaft vergisst man sich gerne.
Gewohnheit macht, dass bald der Eifer entweicht,
Bei unnützen Worten verliert man sich leicht.

3.) Gib, dass ich gleich auf dem Fuße,
Weil es heut heißt, wiederkehr!
Und dich such in wahrer Buße,
Wenn ich etwa dich verlör.
Hilf, dass ich dich suche mit reuenden Schmerzen,
Mit einem geängstet bekümmerten Herzen,
Mit Seufzen und Flehen bei Tag und bei Nacht,
So wie es Maria und Josef gemacht.

4.) Stärke meinen schwachen Glauben,
Dass ich dich recht feste fass.
Dass ich dich mir nicht mehr rauben,
Noch dich aus den Augen lass!
Dass ich dich auf ewig ins Herze mir präge,
Dein Wort in demselben behalt und erwäge,
Dass solches mir Kräfte zum Wachstum dabei
An Alter und Weisheit und Gnade verleih!