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Autor: Andreas

Harms, Claus – Wer Christo sich hat hingegeben

Harms, Claus – Wer Christo sich hat hingegeben

Wer Christo sich hat hingegeben,
Der hat bekommen Christi Kraft,
Der hat bekommen Christi Leben
Und alles Heiles Wissenschaft. 1 Joh. 2, 20.

Der weiß zu wirken und zu schaffen.
Bricht überall sich eine Bahn,
Er geht einher in Geisteswaffen
Und macht sich Alles unterthan. 2 Cor. 10, 4.

Der schmückt des Lebens großen Garten
Mit Blüthen schön, mit Fruchten voll,
Weiß ihn zu wässern und zu warten,
Was er nur macht, geräth ihm wohl. Joh. 7, 38.

Aus sich verherrlicht er die Zeiten,
Er bildet sie nach seinem Sinn,
Kann alle ihre Zeichen deuten;
Die Zeit ist seine Schülerin. Matth. 16, 3.

Sie wandelt sich, er bleibet stehen;
Sie richtet Alles, nur nicht ihn.
Mit hohem Muth aus seinen Höhen
Sieht er den Sturm vorüberziehn. 1 Cor. 6, 2.

Er stehet wie ein Fels im Meere,
Umschäumt und doch versenkt in Ruh,
So voll Vertrauen, o Gott, als wäre
Nichts auf der Welt, als er und tu. 2 Cor. 6, 8-10

((Dieser Vers ist von Tersteegen))

In seinem Innern herrscht die Stille
Der Friede, den die Welt nicht gibt.
Auch was ihm eigenst war, sein Wille,
Ward Wille dessen, den er liebt. Joh. 14, 27.

Die Sterne, die den Christen glänzen,
Sind Glaubenskinder, die er zeugt.
Man kennt sie an den fernsten Gränzen
Und horchet ihrer, wenn er schweigt. 2 Cor. 3, 3

So steht er viele lange Tage,
Den Vätern schon ein scheinend Licht,
Da wird es ihrer Kinder Sage:
Nein, dieser Jünger stirbet nicht. Joh. 21, 23

Wie viel er äußerlich verlieret,
So viel nimmt innerlich er zu, 2 Cor. 4, 16
Doch einmal kommt der Herr und führet
Ihn sanften Wegs in jene Ruh. Hebr. 4,9

unbekannt – Herr Jesu, deine Angst und Pein

unbekannt – Herr Jesu, deine Angst und Pein

1. Herr Jesu, deine Angst und Pein
Und dein betrübtes Leiden
Laß mir vor Augen allzeit sein,
Die Sünde zu vermeiden.
Laß mich an deine große Not
Und deinen herben bittern Tod,
Dieweil ich lebe, denken.

2. Laß, deiner Seelen Höllenqual,
Dein blutgeronnen Schwitzen
Und übrig Elend allzumal,
Darin du mußtest sitzen,
Mir oftermalen fallen ein
Und eine starke Warnung sein
Vor mehrern Missetaten.

3. Die Wunden alle, die du hast,
Hab ich dir helfen schlagen,
Auch meine große Sündenlast
Dir aufgelegt zu tragen.
Ach liebster Heiland, schone mein,
Laß diese Schuld vergessen sein,
Laß Gnade vor Recht gehen.

4. Du hast verlassen deinen Thron,
Bist in das Elend gangen,
Vertrugest Schläge, Spott und Hohn,
Mußtest am Kreuze hangen,
Auf daß du für uns schafftest Rat
Und unsre schwere Missetat
Bei Gott versöhnen möchtest.

5. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit
Von Herzen dir lobsingen,
Und wenn du zu der Seligkeit
Mich wirst hinkünftig bringen,
So will ich daselbst noch vielmehr
Zusamt dem ganzen Himmelsheer
Dich ewig dafür loben.

6. Herr Jesu, deine Angst und Pein
Und dein betrübtes Leiden
Laß meine letzte Zuflucht sein,
Wenn ich von hier soll scheiden.
Ach hilf, daß ich durch deinen Tod
Fein sanft beschließe meine Not
Und selig sterbe. Amen.

Nikolaus Tech – O Lamm Gottes, unschuldig

Nikolaus Tech – O Lamm Gottes, unschuldig

Fassung uas dem Dresdener Gesangbuch von 1736

1. O Lamm Gottes, unschuldig
Am Stamm des Kreuzes geschlachtet,
Allzeit funden geduldig,
Wiewohl du warest verachtet;
All Sünd hast du getragen,
Sonst müssten wir verzagen.
Erbarm dich unser, o Jesu.

2. Von Herzen wir dir danken,
Daß du so große Treue
Getan hast an uns Kranken.
Gib uns ein selge Reue,
Daß wir die Sünde meiden
Zu Ehren deiner Leiden.
Erbarm dich unser, o Jesu.

3. Stärk in uns das Vertrauen
Durch dein Blut, Tod und Wunden,
Laß uns darauf fest bauen
In unsrer letzten Stunden,
Und hilf uns selig sterben,
Daß wir den Himmel erben.
Gib uns dein Frieden, o Jesu.

unbekannt – Prophete Jesu, du bist groß

unbekannt – Prophete Jesu, du bist groß

1. Prophete Jesu, du bist groß
Von Worten und von Taten.
Dein Sitz ist deines Vaters Schoß,
Jedoch, der Welt zu raten,
Hast du dich selber dieser Welt
Als einen Lehrer dargestellt
In deinem Mittleramte.

2. Wie die Propheten allesamt
Von Christo Zeugnis gaben,
So zeiget dein Prophetenamt,
Daß wir an dir nun haben,
Was uns von dir versprochen wird.
Du heißt ein Lehrer, Meister, Hirt
Und Bischof unsrer Seelen.

3. Du warst es durch des Vaters Rat
In diesen letzten Tagen,
Da dich dein Gott erwecket hat,
Den Irrenden zusagen,
Wie man zum Himmel wandeln soll.
Du warest Kraft und Geistes voll
Gesalbt mit Freudenöle.

4. Vornehmlich warst du, Hirt, gesandt
Zu den verlornen Schafen
Des Haufes, Israel genannt,
Zu lehren und zu strafen,
Wo sich dein Herz auch treu erwies,
Nachdem es bei der Taufe hieß:
Dies ist mein Sohn, den höret.

5. Wer elend und zerbrochen ist,
Gebunden und gefangen,
Ein trauriger, doch gläubiger Christ,
Der soll in dir erlangen
Erquickung, Heilung, Linderung,
Eröffnung und Erledigung,
Ein gnädig Jahr und Freude.

6. In deinem Evengelio,
Das Gnad und Wahrheit brachte,
Machtst du die matten Herzen froh,
Die Moses traurig machte.
Doch hast du auch zugleich erklärt,
Was Gott durch das Gesetz begehrt,
Drum lehrst du Buß und Glauben.

7. Du bist noch jetzo der Prophet,
Der uns Propheten sendet.
Gott Lob, der feste Grund besteht,
Bis Zeit und Welt sich endet.
Der treuen Lehrer reiner Mund
Macht uns dich großen Lehrer kund,
Der Gottes Weg recht lehret.

8. Mein Jesu, ja du bist allein
Das Heil, das kommen sollte,
Durch den Gott seinen Gnadenschein
Uns offenbaren wollte.
Der Mittler und der Seelen Hirt,
Von dem mein Geist geweidet wird
Mit Stäben sanft und wehe.

9. So leite denn und führe mich
Auf einer grünen Weide.
Dein Wort sei immer kräftiglich
Des Herzens Trost und Freude.
Und wenn die Welt einmal vergeht,
Ach so erfülle, mein Prophet,
Was du hier prophezeiet.

Heuse, J. D. – Ich bin im Himmel angeschrieben

Heuse, J. D. – Ich bin im Himmel angeschrieben

1. Ich bin im Himmel angeschrieben
Und Gottes Kindern zugezählt,
Mich hatte schon sein brünstig Lieben
Von Ewigkeit dazu erwählt.
Nun ruhe ich in seinen Armen,
Mein Vater blickt mich freundlich an.
Ich weiß von nichts als von Erbarmen,
Dadurch ich ihm gefallen kann.

2. Das danke ich dem guten Hirten,
So selig hat er mich gemacht.
Mit Schmerzen sucht er mich Verirrten
Und gab auf meine Wege acht.
Komm, Schäflein, dies es kehre wieder.
Ich hörte es und kehrte um,
Warf mich mit Tränen vor ihm nieder
Und gab mich ihm zum Eigentum.

3. Wie war ich ihm so sehr willkommen,
Wie freute sich sein Hirtenherz!
Wie zärtlich ward ich aufgenommen,
Wie bald wich da mein Seelenschmerz!
Er wusch mich rein, verband die Wunden
Und legte mich ins Vaters Schoß.
Da hieß es: Du hast Gnade funden,
Du bist von Schuld und Strafe los.

4. Das waren die Erquickungszeiten,
Die Tage längst gewünschter Ruh;
Da floß ein Strom der Seligkeiten
Mir aus des Mittlers Wunden zu.
Der Vater hieß mich Kind und Erbe.
Der Sohn sprach: Du bist mir vertraut.
O, rief ich, wenn ich jetzo sterbe,
So sterbe ich als Christi Braut.

5. Nun bin ich noch bei ihm in Gnaden,
Nichts raubt mir meines Jesu Huld;
Mein Elend kann mir selbst nicht schaden,
Denn er hat göttliche Geduld.
Je mehr ich meine Ohnmacht sehe,
Je mehr wird mir die Gnade groß,
Und wenn ich dann nur brünstig flehe,
So wird mein Herz des Kummers los.

6. So geht es hier durch tiefe Wege
Nach jenen Zionshöhen zu,
Und nur auf diesem schmalen Stege
Gelange ich zur Sabbatsruh.
Dann soll man in den obern Chören
Mein Loblied bis in Ewigkeit
Aus dem verklärten Munde hören.
Herr, mache mich dazu bereit

König, Johann – Jesu, deine tiefen Wunden

König, Johann – Jesu, deine tiefen Wunden

1. Jesu, deine tiefen Wunden,
Deine Qual und bittern Tod
Laß mir geben alle Stunden
Trost in Leibs- und Seelennot!
Wenn mir fällt was Arges ein,
Laß mich denken deiner Pein,
Daß ich deine Angst und Schmerzen
Wohl erwäg in meinem Herzen!

2. Will sich gern in Wollust weiden
Mein verderbtes Fleisch und Blut,
Laß mich denken, daß dein Leiden
Löschen muß der Hölle Glut!
Dringt der Satan ein zu mir,
Hilf, daß ich ihm halte für
Deiner Wunden Mal und Zeichen,
Daß er von mir müsse weichen!

3. Wenn die Welt mich will verführen
Auf die breite Sündenbahn,
Wollst du mich also regieren,
Daß ich alsdann schaue an
Deiner Marter Zentnerlast,
Die du ausgestanden hast,
Daß ich kann in Andacht bleiben,
Alle böse Lust vertreiben!

4. Gib für alles, was mich kränket,
Mir aus deinen Wunden Saft;
Wenn mein Herz hinein sich senket,
So gib neue Lebenskraft,
Daß mich stärk in allem Leid
Deines Trostes Süßigkeit,
Weil du mir das Heil erworben,
Da du bist für mich gestorben.

Johannes Stigel – Da alle Welt im Irrthum gar

Johannes Stigel – Da alle Welt im Irrthum gar

Da alle Welt im Irrthum gar.
Gleichwie im Schlaf ersticket war,
Und, weit vergessen Gottes Gnad,
Unrechte Hülf von Pfaffen bat.
Die mit ihrer List und Geizigkeit
Verderbet haben Land und Leut,
Und da also der Glaube rein.
Welcher den Himmel schleußt allein,
Durch Finsterniß der guten Werke
Verloren hatte seine Kraft und Stärke,
Hat Gott der Vater zu einem Held
Dich, Doctor Luther auserwählt.
Dich mit dem Heiligen Geist muniret,
Mit schallender Posaun gezieret.
Hat dir gegeben Samt Paulus Mund,
Dadurch du lehrest rechten Grund,
Hat dir gegeben, recht zu lehren,
Und alle Falschheit umzukehren.
Darum hast du genommen an
Die Bürd, als ein recht Gottesmann,
Die rechte Lehr gefangen an,
Das dir zu Feind macht manchen Mann;
Haft mit der ganzen Welt mußt kämpfen,
Die dich doch nicht vermocht zu dämpfen.
Gott gab dir stark und groß Gemüth,
Ein frisches Herz und Waffen gut.
Darum ist bald entdecket worden
Die Gleißnerei und falscher Orden
Der Mißbräuch und Opinion
Und die gefälscht‘ Religion,
Und ist worden gestürzt von dir
Das wälsche grausam stolze Thier,
Das hin und wieder aus thät bieten
Den Himmel, ums Geld zu vermiethen;
Auch Bischöf, Pfaffen, Mönch‘ und Nonn,
Die Falschheit lehren und nichts Gutes thun,
Gefallen sind mit großen Schanden
Durch deine Lehr in manchen Landen.
In Summa, weil du Gottes Wort
Hast wiederbracht an manchem Ort,
So ist gefallen aller Tand,
Den wirket menschlicher Verstand.
Solches hast du recht aus Gottes Gebot
Gelehret wider Höll und Tod,
Und hast deine Lehr zu aller Zeit
Bestätigt mit Beständigkeit,
Mit tapferm Wandel, guter Zucht,
Mit aller Tugend unverrucht.
Und wie die Lehr rechtschaffen war,
Also an dir nichts mangelt gar.
Das in einem theuren hohen Mann
Zu Lob und Ehren soll bestahn.
Denn was du hast mit gutem Rath
Verhütet Unglücks und auch Schad,
Weiß Deutschland wohl und hats ermessen,
Und wirds sobald auch nicht vergessen.
Dieweil du lebtest auf dieser Erd,
Warst du gewiß, o Luther werth,
Elias dieser letzten Zeit,
Wahrhaftig mit Beständigkeit;
Nun hat Gott abgefordert dich
Und aufgenommen in sein Reich,
Da du nun lebst in Seligkeit.
Gott sei Lob, Ehr in Ewigkeit!

Ambrosius Blarer – Freilied an Cathrinen Walterin

Ambrosius Blarer – Freilied an Cathrinen Walterin

1. Al zytlich gut uff erden
Und was gehört zum lib,
Mag nit verglichet werden
Eim weidelichem Wib.

2. Für berle und all waren
Lobt sy gar hoch der Wis,
Er hat es selbs erfaren,
Drum gibt er ir den pris.

3. Si dunckt in ein thürs kleinod
Und fragt, wo man sy find,
Daby er dann vermeinet,
Das ir gantz wenig sind.

4. Nun hett ich eines funden
An üch, o Jungfrow zart,
O das mirs Got wollt gunden,
Wie glücklich war min sart.

5. Ach Jungfrow laßt üch gfallen,
Uff erd beger ich nit mer,
Ir lieben mir ob allen
In rechter Zucht und ehr.

6. All üwer wis und Wandel,
Gotsforcht und junger sin,
Auch was sunst ghort zum Handel,
Macht, das ich üch geneigt bin.

7. Von Got sind ir gezieret
Mit gaben mancherley,
Min Hertz üch stets hoffieret,
Zu got thuts mangs schrey.

8. O Got, das glück wolst senden
Mit heil on alle rüw
Und iren willen wenden
Zu mir in elich trüm.

9. Wer es von dir angsehen,
O Got und Vatter min,
Wis möcht mir bas bestehen,
Du weist, wie blond ich bin.

10. Ich ruff zu dir in stille,
Gib gnad, das daby sey
Vatter und Mutter Wille,
So stat die sach gantz frey.

11. Ich bin nit werd einichg uten,
Dinr gnad leb ich allein,
Und wil mich gantz vermuten,
Umsunst wölst mir gut seyn.

12. Min sinn und vyl gedencken
Wirts als vergeblich sin,
Dis gab mustu mir schenken,
By dir stat all min gwün.

13. Dm wort lert mich dir truwen,
Uff dich verlassen mich,
Daruff will ich stiff buwen,
Min sorg wirff ich uff dich.

14. Willdu, so lausts wol fügen,
Nichts mag dir widerston,
Dins gunsts laß ich mich bnügen,
Wils daby bliben lon.

15. Dir sey es gantz ergeben,
Bis du der vatter min,
Die sach und al min leben
Laß dir befohlen sin.

16. Dem du das glück wirst gunnen,
Dem wirds und auch sonst keim,
Die sach hat er gewunnen,
Die brut fürt er auch heim.

17. Schicks als nach diner gute,
Laß uns sin dine Kind,
Die jungfrow mir behüte,
Das ich sy willig find.

18. Dis gschrey und vyl verglichen
Für ich uß hertzensgrund,
Von üch kann ich nit wichen,
Ich wart einr guten stund.

19. Ach laßt mich das genießen,
Mit trüwen ich üch mein,
Kein ding sol mich verdrießen
In Urem Dienst zethun.

20. Von jugent, gut, gstalt, ere
Findt‘ ir wol ander man,
Doch sind der stück noch mere,
Da vyl ist glegen an.

27. Des wöl der lieb Got walten
Und selbs der mitler sin,
Den wagen wöl er schalten,
So far ich fröhlich hin.

Blarers Konstanz-Lied

Blarers Konstanz-Lied

1. Costanz, du bist
wol dran mit Christ,
darum laß dir nit grusen!
er hat uff sich erbuwen dich,
tröwung wird bald versusen.
Dir schadt kein sind,
noch boeser wind,
kein gewesser noch Platzregen:
din fels nit lat,
din nam der bstat,
hast fried in Gottes segen.

2. Du ringst ganz seer
nach siner eer,
gut sitten wiltu pflanzen;
des ist dir find
das Pfaeffisch gsind,
verdrueßt die sy din Franzen,
das jetzund nit nach altem sitt
ir schand ongstrafft mag bliben:
ir bubery
und groß hury
hond sy von dir vertriben.

3. Wirst haben dran
manch frommen man,
der dich mit trüwen meinet,
wie Zuerch und Bern
Burgrechts miß gern
sich mit dir Hand vereinet,
das lenger dich
das römisch rich
unnd du es moegist zieren,
sonst wurdist glatt
ain Pfaffenstatt
seel, lib, eer, gut verlieren.

4. Sigen will Gott
unnd machen z’spott
din find und dich hoch eeren;
diewil du dich demuetigklich
mit sinem wort last leeren.
Ach Ueberling,
Gott woll, dir gling,
das du die Fuechs lerrst rennen;
wenn man sy mäst
und thut ins best,
darnach so fressents d’hennen.

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wer ist der Braut des Lammes gleich?

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wer ist der Braut des Lammes gleich?

Wer ist der Braut des Lammes gleich?
Wer ist so arm und wer so reich,
Wer ist so häßlich und so schön,
Wem kann’s so wohl und übel gehn?
Lamm Gottes, du und deine sel’ge Schaar
Sind Menschen und auch Engeln wunderbar!

Aus Gnaden weiß ich auch davon;
Ich bin ein Theil von deinem Lohn:
So elend, als man’s kaum erblickt,
So herrlich, daß der Feind erschrickt;
So gottlos, daß wohl Alle besser sind,
Und so gerecht, als du, des Vaters Kind.

Ein Wurm, bis in den Staub gebeugt,
Der auf den Thron des Königs steigt;
Bekümmert, trübe, bloß und krank,
Und doch voll lauter Lobgesang;
So schwach, daß meine Kunst in nichts besteht,
So stark, daß Satan aus dem Wege geht.

Verfolgt, verlassen und verflucht,
Doch von dem Herrn hervorgesucht;
Ein Narr vor aller klugen Welt,
Bei dem die Weisheit Lager hält;
Verdrängt, verjagt, besiegt und ausgefegt,
Und doch ein Held, der ew’ge Palmen trägt.

Wer bin ich, wenn es mich betrifft?
Ein Abgrund voller Sündengift.
Wer bin ich, Lamm, in deiner Pracht?
Ein Mensch, der Engel weichen macht,
So rein, so weiß, so schön, so auserwählt,
Daß mirs an Worten zur Beschreibung fehlt.

O Sündenschuld, wie beugst du mich!
O Glaube, wie erhebst du mich!
Wer faßt hier den geheimen Rath?
Nur wer den Geist des Glaubens hat,
Der durch des Lammes Blut zusammenschreibt,
Was sonst wohl himmelweit geschieden bleibt.

Das ist der Gottheit Wunderwerk
Und seines Herzens Augenmerk,
Ein Meisterstück, aus Nichts gemacht;
So weit hats Christi Blut gebracht!
Hier forscht und betet an, ihr Seraphim,
Bewundert uns und jauchzt und danket Ihm!