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Autor: Andreas

Johann Heermann – Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden

Johann Heermann – Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden

Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden
die, so in ihren Nöten und Beschwerden
bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen
und zu dir rufen!

Mache zuschanden alle, die dich hassen,
die sich allein auf ihre Madit verlassen!
Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen;
laß dich’s erbarmen!

Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde!
Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde;
sie müssen Wehr und Waffen niederlegen,
kein Glied mehr regen.

Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen;
vergebens ist’s, auf Menschenhilfe bauen;
mit dir wir wollen Taten tun und kämpfen,
die Feinde dämpfen.

Du bist der Held, der sie kann untertreten
und das bedrängte, kleine Häuflein retten.
Wir traun auf dich, wir Schrein in Jesu Namen:
Hilf, Helfer! Amen.

Johann Heermann – Treuer Wächter Israel.

Johann Heermann – Treuer Wächter Israel.

Treuer Wächter Israel.
des sich freuet meine Seel’,
der du weißt um alles Leid
deiner armen Christenheit:
o du Wächter, der du nicht
schläfst noch schlummerst, zu uns richt
dein hilfreiches Angesicht!

Schau, wie große Not und Qual
trifft dein Volk jetzt überall;
täglich wird der Trübsal mehr.
Hilf, ach hilf, schütz deine Lehr’!
Wir verderben, wir vergehn,
nichts wir sonst vor Augen sehn,
wo du nicht bei uns wirst stehn.

Andre traun auf ihre Kraft,
auf ihr Glück und Ritterschaft;
deine Christen traun auf dich,
auf dich traun sie festiglich.
Laß sie werden nicht zuschand,
bleib ihr Helfer und Beistand,
sind sie dir doch all’ bekannt!

Johann Heermann – Jetzt reis’ ich aus in Jesu Nam’

Johann Heermann – Jetzt reis’ ich aus in Jesu Nam’

Jetzt reis’ ich aus in Jesu Nam’,
der mir zugut vom Himmel kam,
gereiset in dies Jammertal
aus seinem höchsten Freudensaal.

Was ich in Jesu Nam’ anheb’,
wohin ich denk’, wonach ich streb’,
das alles muß geraten wohl,
von Gottes Segen werden voll.

Du richtst, Herr Jesu, meinen Fuß,
daß nichts von dir mich wenden muß.
Du führst mich aus und wieder ein,
durch dich muß alles heilsam sein.

Befiehl den Engeln, daß sie mich
auf allen Wegen sicherlich
begleiten und mit ihrer Wach’
abwenden alles Ungemach!

Treib mein Vorhaben glücklich fort,
bring mich mit Freuden an den Ort,
dahin zu kommen ich gedenk’;
der Menschen Herzen zu mir lenk,

daß sie mich willig nehmen an,
wenn ich nicht Weiterreisen kann,
und mich zu solchen Leuten führ,
die fromm sind und gefallen dir!

Und wenn ich dann nach Wunsch vollbracht,
was zu vollbringen ich gedacht,
so führe du mich selbst nach Haus,
wie du mich hast geführet aus!

Johann Heermann – Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte

Johann Heermann – Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte

Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte,
komm, mit Gnaden mich bewirte!
Bei dir alleine find’ ich Heil und Leben;
was mir fehlt, kannst du mir geben.
Kyrielcison!

Du bist die lebendige Quelle,
zu dir ich mein Herzkrüglein stelle;
laß mit Trost es fließen voll,
so wird meiner Seele wohl.
Kyrieleison!

Ach komm selbst, leg an deine Hände
und die schwere Last von mir wende,
mache mich von Sünden frei,
dir zu dienen, Kraft verleih!
Kyrieleison!

In dir hab’ ich alles, was ich soll,
deiner Gnade Brünnlein ist stets voll.
Laß mich ewig sein in dir
und bleib ewig auch in mir!
Kyrieleison!

Johann Heermann – Der Tod klopft bei mir an

Johann Heermann – Der Tod klopft bei mir an

Der Tod klopft bei mir an,
das zeigen meine Schmerzen;
doch ist nichts, das mich schrecken kann.
Ich trage den im Herzen,
der meinen Tod durch seinen Tod
getötet hat und mir bei Gott
Gnad’, Hilf‘ und Heil erworben.
Wer an ihn glaubt
und treu verbleibt,
der bleibet unverdorben.

Drum wenn mich Gott von hinnen nimmt,
so denke nicht mit Schmerzen,
er sei auf dich und mich ergrimmt;
er liebet uns von Herzen,
er liebet, sag‘ ich, dich und mich,
das glaub, o Liebste, sicherlich!
Werd‘ ich von dir genommen
auf kurze Zeit,
in Herrlichkeit
wirst du dort zu mir kommen.

Ach, hebt die Augen auf mit mir!
Den Himmel sah ich offen.
Ach. ach, wie schön ist meine Zier,
Gott hör‘ ich mir schon rufen:
Komm, treuer Knecht, o geh herein,
jetzt sollst du ewig bei mir sein
und meine Freude schmecken!
Hinfort soll dir
kein Feind bei mir
Gefahr und Furcht erwecken.

Wo bleibt Verfolgung, Angst und Qual?
Was soll ich Ärmster sagen
von Plünderung, die etlich‘ Mal
ich habe müssen tragen?
Was bringt nicht Krankheit für Gefahr,
die mir jetzt in die zwanzig Jahr
den matten Leib durchritten?
Was hab’ ich sonst
bei meiner Kunst
nicht da und dort erlitten?

Nun bringt mich Gott zur sichern Ruh’,
kein Unglück kann mich letzen,
er schließt die Türe nach mir zu,
nun mag der Teufel hetzen
mit seinen Hunden, wie er will;
und wären ihrer noch so viel,
soll er mir doch nicht schaden.
Ich bin bei Gott,
wo keine Not;
bei Gott bin ich in Gnaden.

Bald wird mir Gott selbst legen an
ein Kleid, das nicht veralten,
ein Kleid, das kein Dieb stehlen kann,
das mich nicht läßt erkalten.
Hier bin ich nur ein Wandersmann,
der nichts Erbeignes haben kann:
dort aber werd’ ich haben
das Vaterland
mir zugewandt
mit allen seinen Gaben.

Samuel Gobat – Dein ist das Reich

Samuel Gobat – Dein ist das Reich

Dein ist das Reich, mein König Jesus Christ,
dir ist das Szepter in die Hand gegeben.
Und ob der Erde Fürsten sich erheben,
wir wissen doch, daß du der Herrscher bist.
0 höchste Majestät, wer ist dir gleich?
Dein ist das Reich!

Dein ist die Kraft! O wie erhebt dein Wort
uns, die wir oft mit eigner Schwachheit ringen!
Gib du zum Wollen uns auch das Vollbringen,
du starker Held, du unsres Glaubens Hort!
Wir fassen deine Hand, die Wunder schafft.
Dein ist die Kraft!

Dein ist die Herrlichkeit! Im Glauben sehn
wir schon etwas von deiner lichten Schöne.
Wir hören etwas von dem Lobgetöne
der Sieger, die vor deinem Throne stehn.
O hilf auch uns und mache uns bereit
zur Herrlichkeit!

Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du,
dreiein’ger Gott! Wir beten an im Staube.
Uns hebt bis an dein Herz empor der Glaube,
und deine große Gnade deckt uns zu.
Lob, Preis und Dank sei deinem großen Namen
ohn’ Ende! Amen!

Jochen Klepper – Einer neuen Zeit

Jochen Klepper – Einer neuen Zeit

Ich bin kein Anfang, keine Mitte.
Ich bin der Mensch, der seine Schritte
zu einem weiten Abschluß lenkt.

Ich wachse in ein klares Ende
und bin in die Jahrtausendwende
vor ihrem Anbruch ganz versenkt.

Sooft sich meine Augen schließen,
will eine Zeit zur Mündung fließen,
die Gott ihr vorgezeichnet hält.

Ich soll beschließen, nicht beginnen,
und muß aus Gottes Händen rinnen,
bevor er neu sein Feld bestellt.

Er will die volle Stunde schlagen.
Ich werde es den Menschen sagen
auf meinem Gang durch seine Welt.

Jochen Klepper – Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,

Jochen Klepper – Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,

Kein König wird ein Reich des Glücks erzwingen,
und Friede wird uns nimmermehr beschert.
Niemand wird das Verlorne wiederbringen,
und dein gelobtes Land bleibt uns verwehrt.

Der König wird das Reich der Buße suchen,
ein Richter unter göttlichem Gericht.
Die Starken, Stolzen werden ihn verfluchen.
Er fürchtet nur dein leuchtendes Gesicht.

Die Krone wird ihm bittren Schmerz bereiten.
Die Dornenkrone raubt ihr allen Schein,
und der Gekrönte neigt sich dem Geweihten.
Die Throne werden wieder Gleichnis sein.

Der König sendet wieder nach Propheten;
denn aller Menschenrat hat jäh versagt.
Was noch geschieht, ersteht nur aus Gebeten.
Dein Wort wird Maß. Dein Wille wird erfragt.

Die Völker waren frevelhaft vermessen,
bevor der König als ein Büßer kam.
Herr, wirst du es uns noch einmal vergessen,
was deinen Zorn erregte, unsre Scham?

Jochen Klepper – Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,

Jochen Klepper – Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,

Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,
Baum zu Gottes Lobe,
deine Frucht war uns von Gott versagt.
Wir werden hart von dir verklagt.
Unsre Herzen sind verzagt.
Wer wird uns erlösen?

Lebensbaum, mitten im ewigen Garten,
Baum zu Gottes Ehre!
Seinen Engel hat der Herr bestellt,
daß er uns den Weg zu dir verwehre.
Gott scheidet Eden und die Welt.
Duldet nun, was ihm gefallt!
Lernt der Gnade warten!

Grünende Tanne, du Zeichen des Lebens!
Heil, das Gott uns kündet!
Gott will eine grüne Tanne sein,
dran man Frucht, die wir nicht bringen, findet.
Der Gottestanne Frucht ist fein.
Ihre Ernte nennt Gott dein.
Gott schafft nichts vergebens!

Feigenbaum, den der Herr zornig erblickte,
bleibe meiner Seele
mahnend, warnend, drohend eingeprägt,
daß man wisse, was ihr bitter fehle.
Gott gib, daß mich die Axt nicht schlägt
und mein Leben Früchte trägt,
das dein Licht erquickte.

Lebensholz, fruchtbar an Wassern, den klaren,
die vom Throne fließen,
drauf das Lamm mit Gott dem Herrn regiert;
Holz, daraus die Blätter ewig sprießen:
Du warst zum Kreuz des Lamms erkürt.
Herrlich hast du triumphiert,
grünst in ewigen Jahren!

Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten

Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last;
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das du uns bereitet hast!

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leid’s, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute brennen,
die du in unsere Dunkelheit gebracht;
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht!

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang!

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.