Michael Weise – O hilf, Christe, Gottes Sohn,

Michael Weise – O hilf, Christe, Gottes Sohn,

O hilf, Christe, Gottes Sohn,
Durch dein bitter‘ Leiden,
Daß wir dir stets unterthan,
All‘ Untugend meiden,
Deinenn Tod und sein‘ Ursach‘
Fruchtbarlich bedenken,
Dafür, wiewohl arm und schwach,
Dir Dankopfer schenken.

Johann Christian Arnschwanger – Nun, liebe Seel‘

Johann Christian Arnschwanger – Nun, liebe Seel‘

Nun, liebe Seel‘, nun ist es Zeit,
Wach auf, erwäg‘ mit Lust und Freud‘,
Was Gott an uns gewendet,
Sein’n lieben Sohn
Vom Himmelsthron
Ins Jammerthal gesendet.

Nicht nur den Juden bloß allein,
Die sein’s Geblüt’s und Stammes sein,
Sondern auch allen Heiden
Ist aufgericht’t
Dies ewig Licht,
Erleuchtet sie mit Freuden.

Der Heidenn Erstling‘ wunderlich
Durch einen Stern er holt zu sich,
Daß sie den Heiland schauen
Und ihren Herrn
In Andacht ehr’n
Mit gläubigem Vertrauen.

Nun, die ihr Heiden seid gewest,
Begeht mit Dank der Heiden Fest,
Laßt eure Stimmen klingen,
Laßt ihm zu Ehr’n
Euch fröhlich hör’n
Mit freudenreichem Singen.

O Jesu, unser Heil und Licht,
Halt über uns dein Angesicht,
Mit deinen Sttrahlen walte,
Und mein Gemüth
Durch deine Güt‘
Bei deinem Licht erhalte!

Dein Glanz all‘ Finsterniß verzehr‘,
Die trübe Nacht in Licht verkehr‘,
Leit‘ uns auf deinen Wegen,
Daß dein Gesicht
Und herrlich Licht
Wir ewig schauen mögen!

unbekannt – Criste der du bist tag vnd liecht

unbekannt – Criste der du bist tag vnd liecht

Criste der du bist tag vnd liecht/
Vor dir Herr verborgen nicht/
Du vätterliches liechtes glantz/
Lehr vns den weg der Warheit gantz

WIr bitten dein Göttliche krafft/
Behüt vns Herr inn diser nacht/
Bewar vns Herr vor allem leid/
Gott Vatter der barmhertzigkeit.

Vertreib den schweren schlaf Herr Christ/
Das vns nit schad des feindes list/
Dz fleisch in züchten reine sei/
So seind wir mancher sorgen frei.

SO vnser augen schlaffen schier/
Lass vnser hertzen wachen Dir/
Beschirm vns Gottes rechte hand/
Vnd löss vns von der sünden band.

BEschrimer Herr der Christenheit/
Dein hilff allzeit sey vns bereit/
Hilff vns Herr Gott aus aller not/
Durch dein heilig fünff wunden rot.

Gedenck/ o Herr/ der schweren zeit/
Damit der leib gefangen leit/
Die Seele die Du hast erlost/
Der gib Herr Jesu deinen trost.

GOtt Vater sei lob ehr vnd preis/
Darzu auch seinem Sone weis/
Des heilgen Geistes gütigkeit/
Von nun an bis in ewigkeit.

Amen.

unbekannt – Christus der vns selig macht

unbekannt – Christus der vns selig macht

Christus der vns selig macht
Kein bös hat begangen
Ward für vns zur Mitternacht
Als ein dieb gefangen
Gefürt vor Gotlose leuth/
Vnd felschlich verklaget/
Verlacht/ verhönt/ vnd verspewt/
Wie die Schrifft das saget.

IN der ersten tages stund/
ward Er vnbescheiden/
Als ein Mörder dar gestelt/
Pilato dem Heiden/
Der jhn vnschuldig befand/
Vnnd on sach des todes
Ihn derhalben von sich sandt
Zum König Herodes.

Vmb drei warde Gottes son
Mit geisseln geschmissen
Vnd sein haupt/ mit einer kron
Von dornen zerrissen
Gekleidet zu hohn vnd spott
Ward auch seer geschlagen
Vnd das Creutz zu seinem tod
Musst er selber tragen.

Vmb sechs ward er nackt vnd blos
an das creutz geschlagen
An dem er sein blut vergos
Bettet mit weetagen/
Die zuseher spotten sein
Auch die bei jm hiengen
Bis die Son auch jren schein
Entzog solchen dingen.

JEsus schrei zur Neunden stund
Klaget sich verlassen
Bald ward gall in seinem mund/
Mit essig gelassen
Da gab er auff seinen geist
Vnnd die Erd erbebet
Des Tempels vorhang zerreis
Mancher fels zerkleubet.

DA man hatt zur Vesper zeit
Die Schächer zerbrochen
Ward JESUS in seine seit
Mit eim speer gestochen
Daraus Blut vnd wasser ran
Die Schrifft zu erfüllen
Wie Johannes zeiget an
Nur vmb vnsert willen.

DA der tag sein ende nam
Der Abent war komen
Ward Jesus vons creutzes stam
Durch Joseph genommen
Herrlich nach Jüdischer art
In ein grab geleget
Alda mit hütern bewart
Wiei Mattheus zeuget.

Hilff Christe Gottes son
Durch dein bitter leiden
Das wir Dir steths vnderthon
All vntugent meiden
Deinen Tod/ vnd sein vrsach
Fruchtbarlich bedencken
Dafür/ wiewol arm vnd schwach
Dir danckopffer schencken.

Amen.

unbekannt – ACh Gott, ich thun dich ruffen an

unbekannt – ACh Gott, ich thun dich ruffen an

ACh Gott, ich thun dich ruffen an
vß trurigklichem mut!
Den größten fygend, den ich han,
das sit min fleisch vnd blut:
Das klagen ich also seere,
mit jm hab ich täglich stryt,
es ist mir vil zeschwäre,
dann es allzyt oben lyt.

Zu schälten vnd zu fluchen
darzu ist min fleisch gerüst,
Kein guts wil es nit suchen
sunder sin anschlag vnnd lüst.
Allzyr so thut es sträben
wider dich Herrn vnnd Gott
vnnd wil sich nit ergeben
wol vnder din gsatzt vnd gbott.

Das thun ich hertzlich klagen
dir, Gott in dinem thron!
Das crütz wil es nit tragen
vnd ouch nit naher gon.
Ich mag es nit erzwingen
on dine gnad vnd huld,
es thut mich täglich bringen
in grosse sünd vnd schuld.

Gebunden vnnd gefangen
ist mir min sinn vnnd gmüt!
Mich thut so seer verlangen
nach diner huld vnd güt.
Die teil du mit vns allen,
die, Herr, erkennend dich,
das wir nit wider fallen
wol in des tüfels rych.

Ein ding ist nnoch dahinden
das mir ouch noch gebrist:
Kein rechter gloub ist zfinden
wo kein recht liebe ist:
So gib vns ware liebe,
sy ist ein edler schatz,
das wir vns darinn übind!
sy thut erfüllen sgsatz.

O vatter, Gott vnd Herre
in dinem höchsten thron,
Verlaß vns nimmermere,
mein klag laß für dich kon!
O Gott, biß nit so verre,
dann du bist vnser hort!
das sich doch niemant keere
von dinem heilgen wort!

O vatter in dim ryhce,
du haltest, waßt verheist:
Gib vns genädigkliche
ouch dinen heilgen geist,
Das wir nit anders handlen
dann frid vnd einigkeit
vnd darzu mögend wandlen
in aller grechtigkeit.

Teil vns mit, Gott vnnd Herre,
din grosse barmhertzigkeit!
Thu vnns den glouben meren,
hilff vnser blödigkeit!
Thu vnser hertz berüren
mit dines brunnen fluß,
vnd thu vns gnädig füren
vß diser finsternuß.

Din huld thu vns erzeigen
vnd ouch din früntligkeit,
Das wir dich nit verlöugnen
in der trübsäligkeit,
So wir gefangen ligend,
din gnad von vnns nit wend,
dz wir bestendig blybend
biß gar an vnser end!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Heermann, Johann – Ach Jesu, dessen Treu‘

Heermann, Johann – Ach Jesu, dessen Treu‘

Ach Jesu, dessen Treu‘
Im Himmel und auf Erden
Durch keines Menschen Mund
Kann g’nug gepriesen werden;
Ich danke dir, daß du
Ein wahrer Mensch gebor’n,
Hast von mir abgewandt,
Daß ich nicht bin verlor’n.

Vornämlich wird in mir
All‘ Herzensangst gestillet,
Wenn mich dein süßer Nam‘
Mit seinem Trost erfüllet;
Kein Trost so liebreich ist,
Als den mir giebt dein Nam‘,
Der süße Jesus-Nam‘,
Du Fürst aus Davids Stamm!

O Jesu, höchster Schatz,
Du kannst nur Freude bringen,
Es kann Nichts lieblicher
Als Jesu Name klingen.
Ich kann nicht traurig sein,
Weil Jesus heißt so viel
Als Heiland oder Held,
Der selig machen will.

Wenn Satan sich bei mir
Mit Anfechtung will regen,
So ist mir Jesu Nam‘
Zum Trost, Schutz, Fried‘ und Segen,
Zur Weisheit und Arz’nei
In aller Angst und Noth,
Daß ich nicht fürchten darf
Den Teufel und den Tod.

Daß ich ein Zornkind bin,
Das macht die schnöde Sünde:
Dein Jesus-Nam‘ macht mich
Zu einem Gnadenkinde;
Er nimmt von mir hinweg
Die Schuld und Missethat,
Bringt mir die Seligkeit
Und deines Vaters Gnad‘.

Ei nun, so heil’ge mich,
Der ich bin ganz beflecket,
Dein heil’ger Jesus-Nam‘,
Der alle Sünd‘ zudecket;
Er kehre ab den Fluch,
den Segen zu mir wend‘,
Sei meine Stärk‘, dadurch
Sich alle Schwachheit end‘.

Er sei mein Licht, das mich
In Finsterniß erleuchte;
Er sei des Himmels Thau,
Der mich in Hitz‘ anfeuchte;
Er sei mein Schirm und Schild,
mein Schatten, Schloß und Hut,
Mein Reichthum, Ehr‘ und Ruhm;
Er sei mein höchstes Gut.

Er sei mein Himmelsweg,
Die Wahrheit und das Leben;
Er wolle mir zuletzt
Aus Gnaden dieses geben,
Daß ich alsdann in ihm
Dies Leben schließe wohl,
Wenn meine Sterbenszeit
Und Stunde kommen soll.

Inmittelst helf‘ er mir,
So lang‘ ich hier noch wandle,
Daß ich in meinem Thun
Treu und aufrichtig handle.
Er steh‘ mir allzeit bei
Mit seines Geistes Gab‘
Wenn ich in meinem Amt
Was zu verrichten hab‘.

In Jesu Namen bin
Ich heute aufgestanden,
In ihm vollbring‘ ich heut‘,
Was mir kommt unter Handen.
In seinem Namen ist
Der Anfang schon gemacht:
Das Mittel und der Schluß
Wird auch durch ihn vollbracht.

Dir leb‘ ich und in dir,
In dir will ich auch sterben.
Herr, sterben will ich dir,
In dir will ich ererben
Das ew’ge Himmelreich,
Daß du erworben mir
Von dir verklärt, will ich
Dir dienen für und für.

Neumann, Caspar – Gott, meines Lebens Meister

Neumann, Caspar – Gott, meines Lebens Meister

Gott, meines Lebens Meister,
Du Herr der ganzen Welt,
Der so viel tausend Geister
Um seinen Thron bestellt,
Wie herrlich mußt du wohnen,
Wie schöne muß es sein,
Wo Cherubim und Thronen
Bei dir geh’n aus und ein.

Mir ist es noch verborgen,
Was diese Geister sind,
Bis daß heut‘ oder morgen
Ich, dein geliebtes Kind,
Mit allen Seraphinen
In jenem hellen Licht
Dir ewig werde dienen
Und seh’n dein Angesicht.

Sie sind ohn‘ Fleisch und Beine,
Nur lauter Kraft und Geist,
Von dem ganz frei und reine,
Was Sünd‘ und sterblich heißt;
Ihr Wesen übersteiget
Den menschlichen Verstand,
Weil ihnen schon gezeiget,
was uns noch unbekannt.

Sie leben ohne Sünde
Und werden niemals alt,
Sind mächtig und geschwinde,
Voll himmlischer Gestalt,
Voll wunderbarer Stärke,
Bei der sie nimmer ruh’n,
Und das sind ihre Werke,
Den Willen Gottes thun.

Sie sind die Hochvertrauten
Des Herren Zebaoth;
Vortrefflich muß es lauten,
Wenn sie vor diesem Gott
Das Heilig, Heilig, Heilig!
Mit Engelzungen schrein
Und alle schnell und eilig
In seinen Diensten sein.

Ach, wie viel schöne Posten
Hat uns ihr Mund gebracht,
Da Gott mit großen Kosten
Auf unser Heil bedacht:
Sie waren Christi Boten,
Da er geboren ward
Und auferstand von den Todten
Und bei der Himmelfahrt.

Mein Gott, sei hochgepriesen,
Daß du der armen Welt
Die Wohlthat hast erweisen
Und Engel uns bestellt,
Die jetzt auf meinen Wegen,
Wo sich ein Anstoß find’t
Die Hand mir unterlegen
Und treue Wächter sind.

Die Zeit wird auch noch kommen,
Da ich, verklärt und rein
Und aller Angst entnommen,
Bei Engeln werde sein;
Da will ich denn recht ehren
Dich, Vater, Sohn und Geist,
Und deinen Ruhm vermehren,
So lang‘ es ewig heißt.

Zimmermann, Johann Christian – Getreuer Gott! Wie viel Geduld

Zimmermann, Johann Christian – Getreuer Gott! Wie viel Geduld

Getreuer Gott! Wie viel Geduld
Bezeigest du uns Armen!
Wir häufen täglich unsre Schuld,
Du häufest dein Erbarmen.
Des Menschen ganzer Lebenslauf
Ist immerdar, von Jugend auf
Verderbt und dir entgegen,
Und gleichwohl, Vater, suchst du ihn
Durch Gnad‘ und Huld zurückzuziehen,
Durch Langmuth zu bewegen.

Der Menschen Elend jammert dich;
Wenn sie sich schon verstocken,
Willst du sie gleichwohl väterlich
Durch Güte zu dir locken.
Wie lange siehst und rufest du
Den Juden in der Wüste zu,
Bis sich ihr Herz bekehret!
Wie trägest du so lange Zeit
Die erste Welt mit Gütigkeit,
Eh‘ sie die Fluth verheeret!

So giebst du Sündern Zeit und Raum,
Der Strafe zu entgehen,
So lässest du den argen Baum
Nicht ohne Pflegung stehen;
Du wartest sein, du suchest Frucht;
Und wenn du gleich umsonst gesucht,
Hörst du nicht auf zu bauen.
Du schonest sein von Jahr zu Jahr,
Dein Vaterherz hofft immerdar
Noch Frucht von ihm zu schauen.

Gerechter Gott, so große Huld
Bezeigst du frechen Sündern
Und hast nicht weniger Geduld
Mit deinen schwachen Kindern.
Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt
Und Satan häufig Netze stellt,
Oft sicher, matt und träge.
Sie straucheln, sie vergehen sich,
Und fallen oft, verlassen dich
Und deine heil’gen Wege.

Nun hättest du, o Vater, Recht,
Sie wieder zu verlassen
Und einen ungetreuen Knecht
In Ewigkeit zu hassen.
Doch nein, das kann dein Herze nicht,
Dein Herz, das aus Erbarmen bricht,
Wenn deine Kinder fehlen;
Es nimmt sich ihrer Schwachheit an
Und wacht für ihre Seelen.

Drum rufst du ihnen in Gefahr,
So oft sie irre gehen,
Reichst ihnen Hand und Stärke dar,
Von Sünden aufzustehen.
Du lockest sie mit Vaterhuld,
Versprichst, durch Christum ihre Schuld
und Fehler zu vergeben,
Giebst selber Glauben, Geist und Kraft
Und nach vollbrachter Ritterschaft
Ein ewig Freudenleben.

O Langmuth, der Nichts gleichen kann!
Ach, Vater, sieh uns Armen
Auch künftig so geduldig an,
Und trag uns mit Erbarmen!
Was hülf‘ es, daß dein Herz bisher
Voll Güt‘ und Huld gewesen wär‘,
Wenn sie aufhören sollte,
Wenn deine Hand, die Straf‘ und Schwert
Bisher in Gnaden abgekehrt,
Uns nun verderben wollte.

Drum, Brunn der Güte, duld‘ uns noch
Um Christi Tod und Schmerzen,
Erwecke bald und rühre doch
Die träg‘ und sichern Herzen,
Daß deine Huld und Vatertreu
Uns ja kein Sündendeckel sei,
Daß wir das Böse hassen
Und uns noch in der Gnadenzeit
Den Reichthum deiner Gütigkeit
Zur Buße leiten lassen.

Lange, Ernst – Gott ist die wahre Liebe

Lange, Ernst – Gott ist die wahre Liebe

Gott ist die wahre Liebe,
Die ihn ohn‘ Maß und Ende treibt;
Ihr Blick wird dem nicht trübe,
Der sie umfaßt und in ihr bleibt.
Sie ist dazu erschienen
Und Menschen kund gemacht,
Daß sie sich deß bedienen,
Was sie hervorgebracht.
Sie leuchtet aus dem Sohne,
Den er zu uns gesandt,
Der ist ihr Glanz und Krone
Und ihr Versichrungspfand.

Er ist ein Mensch geboren,
Der Gottes Herz und einig Kind;
Sonst gingen die verloren,
Die mit ihm eines Fleisches sind.
Sie sollen durch ihn leben
Und Gott versöhnet sein;
Doch sich ihm wieder geben,
Denn er will nicht allein
Vom Untergang‘ sie retten,
Er schenkt auch seinen Geist,
Damit sie Alles hätten,
Was dieser Bund verheißt.

Bedenket dies, ihr Lieben,
Wo trefft ihr etwas Größ’res an?
Er hat sich euch verschrieben
Und bleibet ewig fest daran.
Was fordert er dagegen?
Auch eure Lieb‘ und Treu,
Woran euch selbst gelegen,
Er wohnt euch darin bei;
Ihr könnet reicher werden,
Sofern ihr darnach strebt,
Als welcher hier auf Erden
Viel tausend Schätze gräbt.

Der liebt nach seinem Willen,
Der gegen Gott in Liebe brennt;
Er kann die Glut nicht stillen,
Bis sie sich auch zum Nächsten wend’t;
Dem wird er so geneiget,
Wie er sich selber ist,
Daß er ihm Dienst erzeiget
Und keine Pflicht vergißt.
Es ist ein kindlich Zeichen,
Wenn man die Brüder liebt,
Der Vater thut desgleichen,
Der alles Gute giebt.

Drum laßt uns auf ihn sehen,
Und folget ihm mit Eifer nach;
Ihr wisset, was geschehen:
Wir hatten Unglück, Sünd‘ und Schmach,
Nach Freiheit kein Verlangen;
Noch hat er uns befreit,
Er ist uns nachgegangen,
Hat aus Barmherzigkeit
Sich unser angenommen;
Wir waren in der Flucht,
Er ist uns vorgekommen,
Hat unser Heil gesucht.

Ach, lasset uns ihn lieben,
Denn er hat uns zuerst geliebt,
Ist immer treu geblieben,
Wie viel wir wider ihn verübt.
Nun hat er uns gefunden,
Wir ihn im Sohn‘ erkannt,
Er sich mit uns verbunden,
Und wir sind ihm verwandt.
Wollt ihr ihn alle kennen,
So thut, was ihm gefällt;
Ach, laßt die Herzen brennen
In Lieb‘ vor aller Welt!

Rambach, Johann Jacob – Gott hat noch nie sein Wort gebrochen

Rambach, Johann Jacob – Gott hat noch nie sein Wort gebrochen

Gott hat noch nie sein Wort gebrochen,
Noch seinen theuren Bund verletzt,
Hat seine Wahrheit was versprochen,
So wird es in die That gesetzt.
Er kann und will dich nicht betrügen;
Er ist entfernt von falscher List
Und ein geschworner Feind der Lügen,
Die eine Brut des Satans ist.

Was er aus Lieb‘ und Huld verheißen,
Das läßt er in Erfüllung geh’n;
Er pflegt den Grund nicht umzureißen,
Darauf des Glaubens Pfeiler steh’n.
Ob er zuweilen gleich verziehet,
So kommt er doch zu rechter Zeit;
Wer schon so viel erfüllet siehet,
Dem ist fürs Uebrige nicht Leid.

Doch wie er das ohnfehlbar giebet,
Was seine Lieb‘ uns zugedacht;
So wird auch, wenn er Rache übet,
Sein Drohwort ganz gewiß vollbracht.
Er nimmt die Flüche nicht zurücke,
Die er auf seine Feinde legt;
Sie fühlen, wie sein Eifer drücke,
Wenn sich sein Zorn zur Strafe regt.

Drum scheue dich mit frommen Herzen
Vor dem, was er den Sündern dräut;
Es ist, o Seele, nicht zu scherzen
Mit seiner großen Heiligkeit;
Drum, willst du nicht ein Zeuge werden,
Daß er sein strenges Drohwort hält,
So thue stets auf seiner Erden,
Was ihm in Christo wohlgefällt.

Doch halt dich auch mit festem Glauben
An sein verheiß’nes Gnadenwort;
Es stehet ja auf keinen Schrauben,
Drum fahre nur im Hoffen fort!
Gieb ihm mit Abraham die Ehre,
Daß er nach seiner theuren Treu‘,
Wenns aller Welt unmöglich wäre,
Sein Wort zu halten mächtig sei.

Ach siehe, wie er seinen Worten
So oft ein Wahrlich beigefügt!
So sperret er des Zweifels Pforten,
Vor welchen nun ein Riegel liegt;
Nun haben wir zwei starke Gründe,
Auf welchen unser Glaube ruht,
Weil er, damit er Beifall finde,
Zu seinem Wort ein Wahrlich thut.

Er weiß, daß unser böser Wille
Ihn gern für einen Lügner hält,
Der sein Versprechen nicht erfülle;
Drum wird zum Wort ein Schwur gesellt.
Wie wird man nicht vor Scham gebeuget,
Wenn man mit seinen Ohren hört,
Daß selbst die Wahrheit, die nicht leuget,
Den Lügnern zu Gefallen schwört.

Ach, Seele, laß dich deß beschämen,
Daß es dein Gott so treulich meint;
Siehst du ihn sich nach dir bequemen,
So sei doch auch der Lügen Feind;
Ach, jage auch mit allen Kräften
Der unbefleckten Wahrheit nach,
Daß man bei solcherlei Geschäften
Dich als sein Kind erkennen mag.