Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten

Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last;
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das du uns bereitet hast!

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leid’s, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute brennen,
die du in unsere Dunkelheit gebracht;
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht!

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang!

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer – Der Tag ist seiner Höhe nah.

Dietrich Bonhoeffer – Der Tag ist seiner Höhe nah.

Der Tag ist seiner Höhe nah.
Nun blick zum Höchsten auf,
der schützend auf dich niedersah
an jedem Tageslauf!

Wie laut dich auch der Tag umgibt,
jetzt halte lauschend still,
weil er, der dich beschenkt und liebt,
die Gabe segnen will!

In jeder Nacht, die mich umfängt,
darf ich in deine Arme fallen,
und du, der nichts als Liebe schenkt,
wachst über mir, wachst über allen.

Du birgst mich in der Finsternis,
dein Wort bleibt noch im Tod gewiß.

Christian Friedrich Spittler – Wie wird uns sein

Christian Friedrich Spittler – Wie wird uns sein

Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
des ew’gen Lichtes übergossen stehn,
und — o der Wonne! — dann zum ersten Male
uns frei und rein von aller Sünde sehn;
wenn wir durch keinen Makel ausgeschlossen
und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein
als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen
eintreten dürfen in der Sel’gen Reihn!

Wie wird uns sein, wenn nun dem Liebeszuge
zu dem, der uns den Himmel aufgetan,
mit ungehaltnem, sehnsuchtsvollem Fluge
die frei gewordne Seele folgen kann;
wenn nun vom Aug’ des Glaubens lichte Hülle,
wie Nebel vor der Morgensonne, fällt
und wir den Sohn in seiner Gottesfülle erblicken
auf dem Thron als Herr der Welt!

unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

unbekannt – Einst sing ich nicht mehr

Einst sing’ ich nicht mehr, wie ich sang;
die Saite springt, es naht die Nacht.
Doch sel’ge Lust, es währt nicht lang,
dann bin beim König ich erwacht.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Einst wankt mein Leib hier und zerfällt.
Ich weiß nicht Ort, ich weiß nicht Zeit.
Doch ist’s gewiß, mein Jesus hält schon
Wohnung droben mir bereit.

Ja einst, vielleicht im Abendschein,
wird sanft der Ruf an mich ergehn:
Komm, Kindlein, stell die Arbeit ein,
du darfst jetzt ruhn und Jesum sehn!

Ja einst; bis dahin wart’ ich still,
die Lampe brennt, und unverweilt,
wenn mir mein König auftun will,
die Seele jubelnd zu ihm eilt.

Dann rühm’ ich: Herr, du hast’s vollbracht!
Nur Gnade ist’s, die selig macht!

Julius Köbner – Harre, Herz

Julius Köbner – Harre, Herz

Harre, Herz, bis sich verwandelt
diese Welt von Sünd’ und Tod,
wo der Fürst der Bosheit handelt,
schafft millionenfache Not;
harre, bis die Welt voll Tod
in ein Eden sich verwandelt,
schöner als das erste war,
welches Gottes Wort gebar!

Harre, bis sein Reich erschienen,
bis erlosch des Fluches Spur,
bis verklärt die Bäume grünen,
himmlisch prangen Berg und Flur,
nicht mehr seufzt die Kreatur —
bis die Freiheit ist erschienen
und der Schöpfer sichtbar geht,
wo jetzt nur sein Odem weht!

Nach der Woche Schreckenstagen
kommt des Sabbats goldne Zeit,
kommt der Tag, nach dem wir fragen,
da der Leib aus Staub erneut
sich des großen Gottes freut,
da das Auge es darf wagen,
den im Glanze anzusehn,
der so unaussprechlich schön.

Dann wird er auf Erden thronen,
König in der heil’gen Stadt,
wird bei seinem Volke wohnen,
das die Welt verhöhnet hat.
In der goldnen Gottesstadt
herrscht er über alle Zonen.
Es verstummt der Stolzen Spott,
und wir jauchzen unserm Gott.

Armes Herz voll Klagen, sehne
nach dem Reiche Gottes dich!
Auge, blick empor und träne,
bis herabkommt königlich
Jesus, der am Kreuz erblich,
bis in seiner Pracht und Schöne
Jakobs Fürst die Welt regiert,
Davids Sohn das Zepter führt!

Friedhelm Traub – Gott mit uns!

Friedhelm Traub – Gott mit uns!

Gott mit uns! Voran, voran!
Er ist auf dem Siegesplan!
Vorwärts in des Höchsten Macht,
bis das große Werk vollbracht!

Gott mit uns! Die Feinde fliehn!
Ganz umsonst ist ihr Bemühn.
„Sieg!“ ist unser Losungswort.
Ihnen droht Verderben dort.

Gott mit uns! Die Fahnen wehn!
Alle Völker sollen sehn
unsres Gottes großes Heil,
daran alle Welt hat teil.

Gott mit uns! Gar manches Herz,
kalt wie Stein und hart wie Erz,
wurde schon von ihm besiegt
und ist nun in ihm vergnügt.

Gott mit uns! Der Kampf ist heiß,
aber wert der Mühe Preis.
Wer mit Christus leidet hier,
wird mit ihm gekrönt dafür.

Friedhelm Traub – Vertrauen

Friedhelm Traub – Vertrauen

Wie er mich durchbringt, weiß ich nicht;
doch dieses weiß ich wohl,
daß er, wie mir sein Wort verspricht,
mich durch bringt wundervoll.

Wie er die Nacht vor mir erhellt,
ja wie, das weiß ich nicht ;
doch dies, daß es mir niemals fehlt
für einen Schritt an Licht.

Wie er die Macht des Feindes bricht,
die mir das Herz macht schwer,
das weiß ich armes Kind noch nicht,
glaub nur: sie bricht der Herr!

Wie gibt er Kraft und frischen Mut
zum treuen Tun der Pflicht?
ich glaube einfach , daß er’s tut,
doch wie, das weiß ich nicht.

In seine Hand hineingelegt,
bleib‘ ich in stiller Ruh‘.
Wie er mich führt, wie er mich trägt,
das stehet ihm nur zu.

Friedhelm Traub – Wenn ich dich nur habe

Friedhelm Traub – Wenn ich dich nur habe

Wenn ich dich nur habe,
wenn ich bis zum Grabe
dein nur, Jesus, bin:
Mögen Wetter stürmen,
unter deinem Schirmen
geh‘ ich sicher hin.

Oft wird mir zwar bange,
weil die Nacht so lange
und so dunkel ist;
doch will ich vertrauen,
ich will freudig schauen
auf dich, Jesus Christ.

Ja, bei deiner Gnade
leid‘ ich nimmer Schade,·
sie erhält mich stets;
geht’s mit meinem Herzen
auch durch viele Schmerzen,
geht’s doch himmelwärts.

Laß mich stillehalten
deinem heil’gen Walten,
deines Geistes Strahl;
mach mich immer kleiner,
meine Liebe reiner,
fester meine Wahl!

Daß zu allen Zeiten
ich mit stillen Freuden
folg‘ dir überall,
bis nach allen Mühen
ich darf mit dir ziehen
in den Himmelssaal.

Friedhelm Traub – Das tatest du für mich

Friedhelm Traub – Das tatest du für mich

Jesus, du kamst für mich
in dieses Tränental
voll Sünde, Not und Qual;
inniglich preis‘ ich dich,
Jesus, du kamst für mich!

Jesus, du littst für mich!
Littest, was ich verdient,
hast meine Schuld gesühnt;
inniglich preis‘ ich dich,
Jesus, du littst für mich!

Jesus, du starbst für mich!
Starbest den bittern Tod,
der mir gerecht gedroht;
inniglich preis‘ ich dich,
Jesus, du starbst für mich!

Jesus, du lebst für mich!
Sorgst vor des Vaters Thron
für deinen armen Sohn;
inniglich preis‘ ich dich,
Jesus, du lebst für mich!

Friedhelm Traub – In des Erlösers Wunden

Friedhelm Traub – In des Erlösers Wunden

Wo kann mein Herz gesunden,
wo wird mein Schade gut?
In des Erlösers Wunden,
Heil ist in Jesu Blut!

Wo find‘ in dunklen Stunden
ich Licht und frohen Mut?
In des Erlösers Wunden,
Trost ist in Jesu Blut!

Wo wird ein Ort gefunden,
an dem man sich er ruht?
In des Erlösers Wunden,
Ruh‘ ist in Jesu Blut!

Wo bleib‘ ich eng verbunden
mit ihm, dem höchsten Gut?
In des Erlösers Wunden,
Kraft ist in Jesu Blut!

Und wo wird überwunden
des Feindes Grimm und Wut?
In des Erlösers Wunden,
Sieg ist in Jesu Blut!