unbekannt – Geistliche Blumen.

Dis Liedlein, obs wol Weltlich scheint,
wird alles Geistlich doch gemeint.

HOldseliger meins hertzen trost,
mein Blümlein von der liebe,
Dein lieb mich hat aus not erlost,
darumb wil ich mich vbe,
Das ich Je Lenger Je Lieber dich
von hertzen möcht gewinnen,
bey dir mich frewen ewiglich,
in deiner liebe brinnen.

Mein Augentrost, meins hertzen liecht,
mein Tausentschön und Leben,
Hertz lieb ich bit, Vergissmeinnicht,
wölst mir das Hertzkraut geben,
Das ich in dir frisch Wolgemut
dein freundlich wort kan Mercke,
dein trost mein hertz erfrischen thut,
gibt leib und seele stercke.

Dein wort schmeckt süß wie Himelbrot,
gibt krafft wie Balsam pfleget,
Es tröstet mich in aller not,
mich auch erhelt und treget,
Dein kleider riechen lieblich schön
wie Spica und Lauendel,
wie Rosmarin und Majoran,
wie Thimian und Quendel.

Secunda Pars

Dis Lied viel guter Kreuter nennt,
Wol dem, der sie recht Geistlich kennt..

Mein Ehrenpreis allein du bist,
mein Hertzblum, die mich labet,
Kein Mensch wie du, so schöne ist,
von Gottesgnad begabet,
Dein angesicht ist wolgestalt
vnd alle glieder lieblich,
dein schön vnd tugent vngezalt,
ist alles an dir freundlich.

Liebeuglein vnd fein gilbich har
hastu, die mir gefallen,
Dein Mund ist rot wie Purpur zwar,
der liebet mir für allen,
Ich dencke an dich Tag vnd nacht,
von deiner lieb ich singe,
mein seel vnd geist dein frölich lacht,
für freuden offt ich springe.

Mein höchster schatz, ich bitte dich,
du wölst dich mein erbarmen,
Gib mir dein kuss vnd hertze mich,
las mich bey dir erwarmen,
Vnd wöllest, wie ich hoff zu dir,
in deinen schutz mich fassen,
mit hülffe, lieb vnd gunst gegn mir
mich nimmermehr verlassen.

Quelle

Böhmische Brüder – Von Christo Jhesu, unserm einigen und eignen Erlöser und Mitler, durch das Euangelion offenbart.

Jam Christus ab inferis, Psalmus 45.

MEin hertz ticht ain feines lied,
einen fröhlichen gesang!
den wil ich mein leben lang
mit freud singen
vnd dem König Jhesu Christ,
der ein warer Gott ist!
Mein zunge ist bereit
als eins guten schreibers hand,
zu erheben seynen stand
vnd zu rhümen
seine ehr vnd herrligkeit,
seine zierd vnd schönheit!
Sih, du bist der schönst allein
in der Christlichen Gemein,
der welt Heiland,
von deim Vater hrab gesand,
on alle schuld erkand!

Holdselig sind die lippen
deines mundes süssigkeit,
vol wort der gerechtigkeit;
drumb dich reichlich
dein ‚Gott segnet ewiglich
und macht dein reich herrlich.
O starcker Held, schmück dich schön,
gürte dein schwert an die seit,
mach dich auff und zeuch in streit!
du solt den erdboden
unter dich zwingen,
es mus dir gelingen!
Zeig dich der warheit zu gut,
die elenden halt in hut!
deine rechte
wunderbarlich verfechte
alle frome knechte!

Dein wort ist scharff wie ein pfeil,
dafür können nicht bestehn
sondern müssen vntergehn,
die nicht wollen
deine gnadenstimm hören,
sich zu dir bekeren.
Christe, König der ehren,
warer Gott und Gottes Son!
dein stul ist des himels thron,
dein Scepter bleibt ewiglich,
gerade vnd gleich
in deinem Königreich!
Du liebst die gerechtigkeit
vnd hassest alle bosheit,
drumb dich dein Gott
hat gesalbt mit frewdenöl,
mit aller Gottes füll.

Dein kleid der gerechtigkeit
ist seer köstlich vnd reucht fein,
leuchtet wie der sonnen schein,
wenn du geschmückt
aus deim pallast tritst daher
mit deiner reinen leer!
In deinem schmuck gehn einher
Königtöchter dir zu ehr;
dein auserwelte Braut,
die dir vertrawt,
steht zu deiner rechten hand
mit keuscher lieb entbrandt‘!
Höre, Tochter, geh eraus
vnd vergis deins vaters haus!
nim freundlich an
diesen Breutgam, Gottes Son,
vnd bet deinen HERRN an!

Die Braut, die Christliche Kirch,
wird dem König zugefürt,
mit gold auff das schönst geziert,
mit guldenstück,
gaben vnd tugend bekleid,
er hat an dir sein freud!
Man fürt sie mit freud vnd wonn
in des Königes pallast,
da er ewig wont vnd rast;
jr gespielen,
die jungfrawen, volgen jr
in gleichföörmiger zier.
So wechst, Herre Jhesu Christ,
deine Kirch zu aller frist,
jre kinder
rhümen an der Veter stat
dein ewige wolthat!

Dir sey auch jtzt lob vnd preis
auff dem gantzen erdenkreis,
der du samlest
dein gemein aus gütigkeit,
o, erhalt sie allzeit!

Quelle

Nikolaus Hermann – Der hundert vnd dritte Psalm Dauids.

NU lob, mein Seel, dein HErrn vnd Gott,
von gantzem hertzn jn preise!
Gedenck mit fleis aller Wolthat,
die er dir hat beweiset!
All dein Sünd hat er dir geschenckt,
dein Missethat er nicht gedenckt
vnd heilt all dein gebrechen.

Dein leben rett er allezeit,
allen vnfall er wehret;
Mit gnad, gut vnd Barmhertzigkeit
krönet er dich vnd ehret,
Hertz, mut vnd sinn ist freuden vol,
das Gwissn gehab sich fein wol,
mein Mund sein Wolthat preiset.

Wie ein Adler verjünget sich
vnd kriegt spann new gefieder,
So hat er new geboren dich
durchs Wort vnd sein Geist wider.
Der HErr schafft Grechtigkeit vnnd Gricht,
die elenden verlest er nicht,
die vnrecht müssen leiden.

Sein zorn wehrt nur ein kleine zeit,
sein grim sich gar bald leget;
Er schont menschlicher gbrechligkeit,
vnser schwacheit er treget.
Er ist Barmhertzig vnd gütig
gnedig, gedultig, langmüütig,
die Sünd er nicht bald straffet.

Wie ein Vater meint seine Kind
vnd jn alls guts erzeiget,
So ist Gott gegen vns gesindt,
sein hertz zu vns geneiget:
Wer jn fürcht, trawt vnd ruffet an,
den kan vnd wil er nicht verlan,
denn wir sind sein geschöpffe.

Er weis, das wir sind asch vnd staub
vnd wie grass auff dem felde:
Ein Mensch fellt ab gleich wie das laub
von Blumen in den Welden,
Sein gnad aber wehrt ewiglich,
der sollen allzeit trösten sich,
die nach seim willen wandeln.

Mosen hat er sein weg bericht
vnds Gsetz lassen auff schreiben,
Auff das Israel jrret nicht
vnd bey seim Wort möcht bleiben,
Sein wunder macht er jn bekandt,
do er sie mit gwaltiger Hand
vom Pharao erlöset.

Im Himel hoch sein Regiment
fürt er mit gwalt vnd ehren,
Im ghorchen alle Element,
sein macht kan niemand wehren:
So lob den HErrn, jr Engelein,
die jr ausricht den willen sein
vnd sein Wort weit ausbreitet!

Ir Heerscharen, lobt ewren Gott,
die jr thut nach seim gfallen
Vnd richt mit fleis aus sein gebot,
lobt seine Werck mit schalle!
Vnd du, mein allerlibste Seel,
preis Gott vnd sein Wolthat erzel,
rhüm sie von gantzem hertzen! Amen.

Quelle

Michael Weisse – Weltlich ehr vnd zeytlich gut,

Weltlich ehr vnd zeytlich gut,
wollust vnd aller vbermut
ist eben wie ein graß,
Aller bracht vnd stoltzer rhumm
verfelt als ein wisenblumm:
O mensch, bedenck eben das
vnd versorge dich noch baß!

Dein End bild dir teglich für,
gedenck, der Todt ist für der thür
vnd wil mit dir dauon,
Er klopfft an vnd du must hrauß
vnd da wird nichts anders auß:
Hettestu nu recht gethan,
so fündestu guten lohn!

Wenn die seel von hynnen fert
vnd jr leyb, von würmern vertzert,
wider wird aufferstehn,
Als dann vor Göttlicher krafft
geben sollen rechenschafft,
O wie wird er do bestehn,
weyl er ietzt will müssig gehn!

Denn dort wird eyn reynes hertz
vil mehr gelten denn alle schetz
vnd aller menschen gut;
Wer sich hie verfügt mit Gott,
der wird dort nicht leyden not,
Wer itzt Gottes willen thut,
der wirt dort sein wolgemut.

Ein gut gewissen allein
ist vil besser denn Edlestein
vnd köstlicher denn Gold;
Wer es in Christo erlangt
vnd jm öördentlich anhangt,
Dem vergibt Gott seyne schuld,
steht jm bey vnd ist jm hold.

Kein reychthumb noch keine gwalt,
keine zierheyt noch schön gestalt
hielfft was zur seligkeyt,
Es sey denn das Hertz zu gleych
inn Göttlichen gaben reych
Vnd geziert mit geystligkeyt
inn Christi teylhafftigkeyt.

Christus redet offenbar
vnd spricht zu aller menschen schar:
wer mit mir herrschen wil,
Der nemm auch sein Creutz auff sich,
vnterwerff sich willigklich,
Halt sich nach meinem beyspil,
thu nicht wie sein Adam wil.

O mensch, sih an Jesum Christ,
so fern er dir zum beyspiel ist,
vnd vntergib dich gar,
Nimm auff dich sein süsses joch
vnd folg jm hie trewlich noch,
So kömpstu zur Engel schar,
die des wartet jmmerdar.

Glaub dem Herrn auß hertzen grund
vnd bekenn jn mit deinem mund
vnd preyß jn mit der that,
Thu jm fleyssig deine pflicht,
wie dich sein wort vnterricht,
So wird er mit seiner gnad
dir bey stehn inn aller not.

Regier dich nach seiner leer
vnd gib jm allzeyt lob vnd ehr
mit vnterthenigkeyt,
Sprich hertzlich mit jnnikeyt:
O Gott inn Dreyfaltigkeyt,
Dir sey danck vnd herrligkeyt
hie vnd dort inn ewigkeyt!

Quelle

Thomas Blaurer – Der XXVI. Psalm Heb.

Judica me domine rc.

RIcht mich, das ichs mög lyden,
nach miner einfalt, Herr!
All sünd wolt ich gern myden,
wandlen in diner ler.
Gott mag ichs wol vertruwen,
mich sicher auff jn lon,
Mein sachen auff jn buwen,
hat mich noch nie geruwen,
so mag ich allweg bston.

Prüff vnd ersuch min nieren,
probier mit fhür min hertz!
Laß dich an mir nichts irren,
es ist umb keinen schertz.
Din warheit vnnd din güte
nimm ich für mich allein,
Dahin richt ich min gmüte
zuwider dem geblüte
in allem minem thun.

Ich wölt nit gern zuhuse
by losen lüten syn,
Die läbend in dem suse
mit pracht vnnd ytelm schyn;
Vil minder by den lüsern
möcht ich mich finden lon,
Die frässend dwitwen hüser,
heimlich vnd tückisch müser
imm Euangelion.

Wie seer hassz ich die kirchen
falsch gnanntes geistlichs stands
Der leyen vnd der Clerchen,
ich mein des Bapstes brands
Vnnd all, die jr thun vnnd dencken
ouch jrn gottlosen mund
Verblümend schon mit rencken,
wil sich ddoch gar nit lencken,
es hat ouch keinen grund.

By jnn mocht ich nit blyben,
wo ich mich sunst hin lend,
Vnnd soltens mich vertryben,
mit vnschuld wäsch ich dhend.
Vmb dinen altar, Herre,
ringswyß gon ich herumb,
Dem wird ich nit syn verre,
des crütz ich mich nit sperre,
biß das ich zu dir kumb.

Da wil ich erst vernemen
dz danckbar lobgesang,
Des ich mich nit wird bschenem
zum end von anefang,
Ja selbst syn ein verkünder
der hochberümpten that,
Vnd aller diner wunder,
die vns din Sun in sunder,
Christus, bewisen hat.

Din huß vnnd hofstatt schone,
da ich din wonung hatt,
Din tabernackel frone,
da man din Eer begat,
Die selbig stett vnnd orte
lieb ich von hertzen grund,
Sy stond in dinem worte,
biß ist allein min horte,
wie es gadt vß dim mund.

Darumb welst nit vfheben
vnd lassen durhin gon
Min seel, ouch lyb vnnd läben
das es der sünder lon
Empfach mit sampt den hunden
der blutdurstigen rott,
Din marter vnnd din wunden,
alls, was an dir wirt funden,
das lestern sy mit spott.

Zu säld vnnd ouch dahinden,
imm wollust vnnd am stryt,
Mit fründen vnd mit synden,
es sey nach oder wyt,
Thut sy die blutsucht tryben,
die Herren vnd die knecht,
Vor jnn mag nieman blyben,
all die wend sy entlyben,
wär nit spricht: Ir habt recht.

Kein mißthat jren henden
ist zegroß noch zeschwär,
Das gält mag sy verblenden,
als ob es wolthon wär,
Sich lassen zu bestechen
ist vol jr grechte hand,
Gricht, recht, frid sy zerbrechen,
mit heschen vnnd mit zechen
regierends lüt vnd land.

Wie sol dann ich mich schlöuffen
vß sölchem boch vnnd zwang
In disen gschwinden löuffen?
es wil mir doch sin zlang!
Din gnad, Herr, laß ich walten,
dann ich fort wie bißhar
On arglist vnd haar spalten,
das ich mich din mög halten,
in einfalt ynher far.

Min fuß soll nit abwychen,
er stadt vff rechter ban.
Hochmut, wituz vnd derglychen
macht irrthumb vnd bringt span:
Des wird ich syn vertragen,
so ich von dir allein
Lob, EEr vnd pryß wird sagen
on alle forcht vnd zagen
imb raat vnd gantzer gmein.

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=verzeichnisse:quellen:kirchenlied_wackernagel

Bibliander, Theodor – Ein Gedicht

Ein christenliche vermanung des aller edleysten grafen zuo Mirandula und Concordia, Herren Johann Franciscen Picus, an keiser Maximilian hochloblicher gedächtnus, das er die heilige christenheit rette von usseren und inneren finden – geschriben lateinisch im jar MD., aber in ein liet bracht, in der wys: Es stat ein hus in Oesterrych, im jar 1558 am XI. tag Julii.

Es stat ein hus uff erdtrich, das ist gar wol erbuwen
Uff Christum, küng im höchsten rych, dem es allein kann truwen.
Dann die uff dich, herr Jesu Christ, ir hilf und hoffnung setzend,
Mag nüt des tüfels gwalt noch list umbringen ald verletzen.
Der alt schlang hat zwar alls versuocht, das er dir näm die krone,
Bis er zuoletst hat z’wägen bracht den vatzenküng und throne,
Den stuol zuo Rom und antichrist, in den er hat ingossen
Sin macht, bosheit und allen list, und sich ganz in in gschlossen.
Das zeigend sine taten an, die er vil jar hat triben,
Als im klagt ouch manch wib und mann, wie er si hab umtriben
Mit falscher leer und ablasskron, mit bychten, büessen, lesen,
Mit rast, ruoss, waxs, bly, rouch und rom, wallfärt und falschen messen.
Das lass, o Herr, erbarmen dich, wach uff und nimm din waffen,
Zerstör des pabsts entchristisch rych, errett dine arme schaffe,
Die du mit dinem heilgen bluot erkouft hast und erlöset
Von sünd, tod, straf und hellengluot, unds grett von allem bösen,
Das si dich lobind ewiklich mit mund und frommem leben;
Darzuo willt inn das himmelrych uss dinen gnaden gäben.
Stand uff, herr Maximilian, du hochgelobter keiser,
Gryf Gottes find nun mannlich an; Gott will sin volk erlösen.
Trib uss Gotts schafstall grimme wölf, die seel und lib verderbend,
Mit Christus bluot und türen hilf vm gelt wie Judas werbend.
Hilf edler fürst von Österych, dass Gottes wort erschalle
Heiter und klar im tütschen rych und anderen landen allen,
Zuo lob und prys dem heilgen Gott, zuo trost uns armen lüten;
Das wort mag hälfen in der not und s‘ endtchrists pracht vernüten.
Gotts wort allein ist kräftig gnuog, zuo paschgen und zerbrächen
Wie ein irdinger wasserkruog den pabst und sin bös rechte.
Dann kann ein christlich oberkeit nach Gottes ordnung handlen,
Das wir in frid und heiligkeit vor Gott recht mögind wandeln.

 

Analecta Reformatoria
II. Biographien:
Bibliander – Ceporin – Johannes Bullinger
Emil Egli
Zürich
Druck und Verlag von Zürcher und Furrer
1901

Joachim Neander – Nach dem Gebrauch des H. Abendmahls.

Auff, auff! mein Geist, erhebe dich zum Himmmel,
Weich von dem Unbeständigen getümmmel,
Dadurch die Welt ihr blindes Volk betriegt;
Ich habe nun vom Himmels Manna gessen,
Bin an des guten Hirten Tisch gesessen,
Der alte Feind zu meinen Füssen liegt.

Was frag‘ ich nun nach Ehre, Lust und Schätzen?
Ein Lebens-strom der kan mich gnug ergätzen,
Der Durst ist hin, wie bin ich so erquickt!
Nun wird die Seel‘ in Wollust fetter werden,
Den Vorschmack hab ich schon auff dieser Erden,
Doch mache mich, o JEsu, mehr geschickt!

Gebeut als HErr dem theur erkaufften Kinde;
Gib, dass ich Krafft in dir als König finde;
Sey mein Prophet, so werd ich GOtt gelehrt;
Bist du mein Haupt, dann hab ich dich zum Führer;
Bist du mein Mann, so bist du mein Regierer;
Als Hoherpriester ist dein Opffer wehrt.

Was will ich mehr als diesen Himmels-Fürsten?
Ich werd hinfort in Ewigkeit nicht dürsten,
Weil mich der tränckt, der selbst das Leben ist.
Kein Hunger wird forthin die Seele pressen,
Dann mir ein Theil vom Manna zugemessen,
Das du allein, o süsser JEsu, bist.

Ich lebe nun, und wil mich GOtt ergeben,
Doch nicht ich, sondern CHristus ist mein Leben.
So lebe dann in mir, O GOttes Sohn;
Ich bin gewiss, dass droben und auff Erden
Barmhertzigkeit und Güte folgen werden,
Als ein durchs Blut des Lams erworb’ner Lohn.

Des Seligen Herren
Joachim Neanders
Berühmten Reformirten Predigers zu Bremen,
Geistreiche
Glaub- Liebes
und
Bundes-Lieder.

Gedruckt in Amsterdam, zu finden
Bey Samuel Schoonwald,
Buch-händler in der Kalberstrasse. 1725

Matthesius, Johannes – Der ein und neuntzigste Psalm

WEr bey Gott schutz vnd hülffe sucht,
wenn er sein ruth außsendet,
Und hat zu jm all sein zuflucht,
mit buß sich zu jm wendet;
Der rufft getrost in seiner nott:
du bist mein Burg, o Herr, mein Gott,
du wirst mich nicht verlassen!

Du rettest mich vons Jeger strick,
kein Pestilentz mir schadet;
Unter dein flückel ich mich tück,
wenn die seuch zu mir nahet,
Dein waarheit ist mein schildt vnd spieß,
dein wort macht mich keck vnd gewiß,
drumb laß ich mich nicht schrecken.

Kein gram des nachts, kein pfeil am tag,
die der teufel lest fliegen,
Mir schaden kan, kein seuch noch plag
des Feinds wirdt mir obsigen:
Ob vil tausent auff beider seit
vmb mich fallen, nicht nur dran leit,
der tod kan mich nicht treffen!

Mit lust mein augen werden sehen,
wie Gott den lohn wirdt geben
Vnd vergelten den Gottlosen,
die seim Wort widerstreben,
Mein Hauß aber zu friden bleibt,
als vnglück mein Gott darvon treibt,
kein plag darzu mag kommen.

Sein Engeln er befolhen hat:
„Tragt jn auff euren henden,
Wo er auff seineen wegen gat,
das böß von jm thut wenden,
Damit sein fuß an keinen stein
anstoß, mit treuen ich jn mein,
lest jm nichts args begegnen!

Wenn er auff schlangn vnd drachen steht,
kein leid jm widerferet;
Durch Pestilentz er sicher geht
vnd bleibt auch vnversehret;
Gleich wie auch Aaron in seinem Ampt,
wehr ich der Seuch mit meiner hand,
das sie zu jm nicht nahe!

Wenn jn gleich die plag sampt dem tod
ergreifft vnd wölln jn fressen,
Im größten kampff vnd höchster not
kan ich sein nicht vergessen;
Wenn er gleich gar darnider leit,
helff ich jm auff zu rechter zeit,
so bald er mich anruffet.

Wenn all sein leib fur kranckheit hitzt
vnd er jetzt will verschmachten,
In todeskampff für engsten schwitzt,
sein heil will ich betrachten!
Ich will sein krafft vnd labsal sein
vnd jn erquicken in der pein,
bey jm bin ich in nöten.

Sein unschuld macht mich offenbar,
das man sein ehr stets preise,
Sein leben frist ich manches Jar,
mein Heiland ich jm weise,
Von hinn fehrt er mit frid vnd freud,
ein end hat all sein dürfftigkeit,
sein Seel will ich bewaren.“

Wir dancken dir für disen trost!
hilff, das wir fest dran halten!
Herr Christ, der du vns hast erlöst,
du wöllest vnser walten!
Sterck vnsern glauben, Herr, an dich,
hilff, das die lieb dem Nechsten sich
mit früchten stets beweise! Amen.

Quelle in der Glaubensstimme

Spangenberg, Cyriakus – Der 103. Psalm

NUn lob mein seel den Herren,
den Herren Jesum Christ,
Willig von hertzen gerne!
nur alls, was in mir ist,
Das lobe sein Heylgen Nammen
vnd faß es all zusammen,
war er mir guts gethon.

Er hat die Sünd vergeben
vnd heylt die gbrechen all,
Vom Todt errett mein leben,
darumb ich jn loben soll,
Hat mich gekrönt mit gnaden,
gejschenckt für meinen schaden
sein groß Barmhertzigkeyt.

Mein Mundt er frölich machet,
sein lob zusingen frey!
Mein hertz mir wider lachet,
als obs Jung worden sey,
Er hilfft vns stäts zu rechte
vnd strafft das böß geschlechte,
welchs vns verfolget sehr.

Sein weg ließ er kundt werden
Mose, dem Gottes Mann,
Sein thun zeygt er auff erden
den Kindern Israel an:
Der Herr der ist Barmhertzig,
Gnädig vnd auch Gedultig
vnd sehr von grosser Güt.

Er würt nicht hadern immer
noch Ewig halten zorn,,
Nicht straffen nach den Sünden,
sunst wern wir all verlorn,
Er will auch nicht vergelten
mit peyn vnd stätem schelten
nach vnser Missethat.

Als weyt wir den Himmel sehen
vber die Erd gebreyt,
So soll sein Gnad auch stehen
vber all Gottsförchtig leut,
So fern der Morgen vom Abend
so weyt seind hingehaben
von vns die Missethat.

Gleich wie ein Vatter treget
mitleyden mit seim Kindt,
So ist der Herr beweget,
gen die, so gleübig seind:
Er kennet vnser Kranckheyt
vnd denckt an vnser schwachheit,
das wir nichts seind dann staub.

Ein Mensch in seinem Leben
ist gleich wie Graß im Feld,
Blüet wie ein Blum gar eben
vnd doch bald hinweg fellt:
Wann nur der Wind drauff gehet,
alsdann sie nicht bestehet
vnd kennt jr stett nicht mehr.

Doch bleibt des Herren Gnade
in alle Ewigkeyt
Bey den, so Gottsforcht haben,
vnd sein Gerechtigkeyt
Auff Kindts Kind, so verbringen
sein Bundt vnd auch bedenken
sein gebott, das sie die thun.

Der Herr sein Stul bereyt hat
vnd gsetzt ins Himmelreych,
Sein groß vnd herrlich Maiestat
herrschet vber alles gleich:
Darumb lobt jn, Engel vnd Helden,
thut sein befelch vermelden,
das man seins Worts Stimm hör!

Nun lobt den Herrn mit schalle,
jr Scharen vnd Himmel Hör!
Darzu, jr Diener alle,
sein willn verbringt nun mehr!
Es lob sein Werck den Herren
an allem Ort auf Erden!
lob jn auch, mein Geyst vnd Seel!
Halleluia.

Quelle in der Glaubensstimme

Weisse, Michael – Von dem Testament des Herr, Das ist, von seinem leichnam und bluot Testaments weiß.

CHristus der Herr vergoß sein blut
allen ausserwelten zu gut,
Er gab sich für seyn volck inn todt,
das er ihm hulff auß aller not.

Nu ist er dort vor Gottes trohn
mitt seim opffer, für vnns gethan,
Da frommet er vnns gar vil mehr,
denn so er leiblich bey vns wer.

Dort erwirbt er vns gutte gab,
schickt einen andern tröster hrab,
Der leeret vns nach seinem sin
vnd zeucht vnns von der welt zu ihm.

Auff erden ist er durch den geist,
den er ein andern tröster heist,
Hat wonung in seiner gemein
vnd macht sie durch den glauben rein.

Diser zu dienst vor seinem end
verordnet er sein Testament,
Nahm brot vnnd wein, wie vil er wolt,
vnnd zeiget an, was es sein solt.

Sprach, Nempt vnd ept, das ist mein leib,
da durch ich euch mein gut verschreib!
Auch, Nempt vnd trinckt, das ist mein blut,
vnd dencket mein, so offt ihr thut!

So ist nu die leibliche speiß
sein leib vnd blut testaments weiß,
Vnd die boten von got gesandt
haben sie vnter ihrer handt.

Welch auch nach der schrifft vnterricht
mercken, wem sie dien oder nicht,
Auff das sie nicht, wie Paulus spricht,
imanden dienen zum gericht.

Wer Christo von hertzen anhangt
vnnd die speiß ordentlich erlangt,
Der ist versichert, das ihm Gott
all sein sünd vergeben hatt.

Sey auch verfügt seiner gemein
vnnd inn Christo heilig vnnd rein,
Seind auch alle werck, die er thut,
Got angenehm, löblich vnd gut.

Verkest er denn die herlikeit,
thut wider Christlich einikeit,
So wirt ihm dise speiß versagt,
als einem, so der welt nachiagt.

So er denn seine sach verricht
vnd sich bessert nach seiner pflicht,
Wirt ihm getzeugt mitt dieser speiß
gnad vnd heil nach voriger weiß.

Wer diss veracht, der lestert Got,
der es also verordnet hat;
Wee aber einem, der es thut,
denn er verdient der hellen glut.

O Jhesu Christ, wir bietenn dich:
heilige deinn volck innerlich,
Machs durch den geist der warheit frey,
Das diser speise wirdig sey!

Quelle in der Glaubensstimme

Ein Spin-Off der Glaubensstimme