Freder, Johann – Van der Scheppinge

Freder, Johann – Van der Scheppinge

IM anfang Godt geschapen hat
den Hemmel, Erd vnd eren zyrath;
De Erd was wöst vnd leddich euen,
Gades Geist dede vp dem water sweuen.

Sündach.

Am ersten dage schop Godt dat licht
vnd scheidt dar van de düsternis slicht,
Dat licht he nömende gantz syn den dach,
de düsternis nömede he ock de nacht.

Do wart vth Auend vnd morgen fyn
de erste dach in klarem schyn,
Den Godt de Allmechtige geschapen hat
tho eren syner Mayestat.

Maendach.

Am andern dach ein Veste bereidt,
de dar van ander de water scheidt,
Vnd ydt geschach ock also fyn:
Godt nömede de Veste den Hemmel syn.

Do wart vth Auent vnd morgen fyn
de ander dach in klarem schyn,
Den Godt de Allmechtige hefft bereidt
tho synen ehren in ewicheit.

Dingstedach.

Am drüdden sick de water sammeln,
an sunderg örde all vnderm Hemmel:
Dat dröge nömede Godt de erde schon,
de samling der water dat Meen nömde don.

Do wart vth Auend vnd morgen fyn
de drüdde dach in klarem schyn
Dorch Gades wort in ewicheit,
als vns de Schrifft ock melden deit.

Middeweken.

Am veerden dag wörden tho gericht
am Veste des Hemmels twe grote Licht:
Ein groth licht vor den dach bereidt,
ein klein licht dat der nacht vörsteit.

So settede ock Godt de Sonne schon,
tho lüchten des dages, dat scholde se don,
De Maen vnd Stern geuen den schyn,
thor nacht tho lüchten den minschen fyn.

Do wart vth Auent vnd morgen fyn
de veerde dach in klarem schyn.
Dat hefft gedan Godt weldichlick,
de dar nemand hefft sick gelick.

Donnersdach.

Am vöfften dat water begauet wart
mit vischen vnd vögeln na erer art;
Godt sach vor gut vnd segend ydt fyn:
vormert yuw, schölen ock fruchtbar syn.

Do wart vth Auent vnd morgen fyn
de vöffte dach in klarem schyn;
Dat hefft de ewige wyßheit gedan,
de alle dinck Regert schon.

Frydach.

Am Sösten maket Godt Deert vp erdt,
ein yeder gantz fyn na syner werd,
Dartho dat Vehe na syner art
vnd alle gewörmpte geschapen hat.

Vnd Godt sprak: Lat vns Minschen fin,
ein bild maken, vns gelick tho syn!
Also makede he den Minschen schon,
dat he auer als scholde herschen don.

Do wart vth Auent vnd morgen fyn
de söste dach in klarem schyn,
Geschapen van Gade in ewicheit
na syner groten Barmherticheit.

Sönauent edder Sabbath.

Am Söuenden dage Godt rowede fyn,
do he vullenbrachte de wercke syn:
He segend vnd hillgede den söuenden dach,
daryn he rouwede in wolbedach.

Also hefft Godt de Vader vorth
geschapen dorch syn hilliges wordt,
Dartho ock all synes heeres krafft
dorch synes hilligen Geistes macht.

So latet vns alle mercken recht,
wor tho vns Godt geschapen hefft:
Nicht dar tho, dat wy schölen werden
den Beesten gelick hyr vp Erden;

Men dat wy Godt erkennen fyn,
dar tho den leuen Söne syn,
So werde wy hebben dat Ewige leeuen,
dat vns in Christo wert gegeuen.

Dar tho help vns Godt de hillige Geist,
de erlüchte vnse herten aldermeist
Vnd make vns dar tho alle bereidt
dat wy en lauen in ewicheit!

AMEN!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Salomon Frank – Es ist vollbracht

Salomon Frank – Es ist vollbracht

Es ist vollbracht! Er ist verschieden,
Mein Jesus schließt die Augen zu;
Der Friedensfürst schläft ganz mit Frieden,
Die Lebenssonne geht zur Ruh‘,
Und sinkt in stille Todesnacht;
O theures Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! wie Gott gesprochen,
Des Lebens Wort muß sprachlos seyn.
Das Herz der Treue wird gebrochen,
Den Fels des Heils umfaßt ein Stein.
Die höchste Kraft ist nun verschmacht’t;
O wahres Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! Schweig‘, mein Gewissen,
Ihr Sünden schreit nicht allzusehr.
Habt ihr die Wolken oft zerrissen,
Das Blut des Lammes schreit vielmehr.
Nun ist getilgt der Sünden Macht.
O süßes Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! mein Herzverlangen,
Du allerliebste Liebe, Du,
Die Engel wünschen zu umfangen,
Nimm auch in meinem Herzen Ruh‘,
Wo Liebe Dir ein Grab gemacht:
Trostvolles Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! Ich will mich legen
Zur Ruh‘ auf Christi Grabesstein,
Die Engel sind allhie zugegen,
Ich schlumm’re sanft mit Jakob ein.
Die Himmelspfort‘ ist aufgemacht;
O Lebenswort: es ist vollbracht!

Philipp Spitta – Glaubensleben

Philipp Spitta – Glaubensleben

Was kann es Schön’res geben,
Und was kann sel’ger seyn,
Als wenn wir unser Leben
Dem Herrn im Glauben weihn?

Wir sind in seiner Nähe,
Und leben immer so,
Als ob das Aug‘ Ihn sähe,
Und sind von Herzen froh.

Wenn auch die Lippen schweigen,
So betet doch das Herz,
Und die Gedanken steigen
Beständig himmelwärts.

An Seiner Liebe laben
Wir uns in aller Still‘,
Man kann Ihn immer haben,
Wenn man Ihn haben will.

Wir spielen Ihm zu Füßen,
Wir Kinder allerwärts,
Und wenn die Thränen fließen,
So flieh’n wir an sein Herz.

Und wenn wir müde werden,
So bringt Er uns zur Ruh,
Und deckt mit kühler Erden
Die müden Kinder zu.

Da schlafen wir geborgen,
In stiller, tiefer Nacht,
Bis er am schönen Morgen
Uns ruft: erwacht! erwacht!

Was weiter wird geschehen,
Das ahnen wir jetzt kaum;
Es wird uns seyn als sähen
Wir Alles wie im Traum.

Philipp Spitta – Des Christen Kreuz

Philipp Spitta – Des Christen Kreuz

Des Christen Schmuck und Ordensband,
Das ist das Kreuz des Herrn;
Und wer erst seinen Werth erkannt,
Der trägt es froh und gern.

Man nimmt’s mit Demuth, trägt’s mit Lust,
Und achtet’s für Gewinn,
Doch trägt man es nicht auf der Brust,
O nein, man trägt es drin.

Und wenn’s auch schmerzt und wenn’s auch drückt,
Bleibt man doch glaubensvoll,
Man weiß ja wohl, wer’s uns geschickt,
Und was es wirken soll.

Man trägt es auch nur kurze Zeit,
Nur als ein Unterpfand
Für das zukünft’ge Ehrenkleid
Im Lieben Vaterland.

Weisse, Michael – Zum Begrebnis der Kinder

Weisse, Michael – Zum Begrebnis der Kinder

PReis sey dem allmechtigen Got,
der alle ding geschaffen hat,
Alles jnn seinen henden helt
vnd damit thut was jhm gefellt.

Er lest viel kinder auf erden
jnn sunden geboren werden,
Nimpt etliche iung von hinnen,
das sie nicht mehr sunden beginnen.

Wol denen allen, welchenn Got
nicht zutzeelt Adams missetat,
Denn sie werden nicht verlorenn
inn der sund ihn angeboren.

Got hilfft aus gnad vnd nicht aus pflicht,
nimpt ein kindt an, das ander nicht,
Vnd welchs er begabt, weis niemant,
biß an sein früchten wirt erkant.

Die tauff on geist vnd glaubens bund
macht keines menschen seel gesundt,
Ja auch kan durch frembd verbinden
niemandt los werden der sundenn.

Denn nicht am wollen vnd lauffen,
noch am predigen vnd tauffenn,
Sonder am Herren liegts allein,
der begabt vnd macht sein volck rein.

Niemant kan wissenn, welch kindt Got
auserwelte vnnd begabet hat,
Bis er an der frucht probire,
obs der geist Gottes regire.

Niemandt kennet des bawmes art,
eh sich seine frucht offenbart,
Vnd des kindes niemandt denn Got,
der es gantz jnn seiner gwalt hat.

Wo ers mit seinem geist anblest
vnd inn der iugent sterben lest,
So darffs nicht (wie wir) trubsal sehn,
ia ihm mag nimmer bas geschehnn.

Stierbt aber eins vons teufels heer,
dem, wirt die helle nicht so schwer,
Als dem, welchs lang auf erden bleibt
not leidet vnd viel böses treibt.

Nicht vber den todt der kinder,
sonder vber die todtsunder,
Die von Got zur hellen eilen,
solt man stetz weinen vnd heulen.

Viel harm, viel müh vnd vntugent
vertzert der todt inn der iugent,
Darumb ist besser jung sterben,
denn alt werden vnd verderben.

Wer aber lang vnnd wol lebet,
dem willen Gotes nachstrebet,
Der wirt auch zu letzt wol sterben
vnnd des lebens kron erwerben.

Wol dem menschen, der Gottes ioch
auf sich nimpt vnd tregts Christo nach,
Fecht an bald inn seiner kintheit,
denn einn gros lohn ist ihm bereit.

O Herre, hilff, das wir auch dein
vnnd dir alltzeit gehorsam sein,
Bestendig durch deine warheit
aufsteigen zur freud vnd klarheit!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Freder, Johann – Die deutsche Litanei

Freder, Johann – Die deutsche Litanei

GOdt Vater in dem himelreich,
Gott son, Gott heiliger geist zu gleich,
Du heilige dreyfaltigkeit,
ein einger Gott in ewigkeit:
Auff dein zusag wir bitten dich,
wolst vns erhören gnediglich.

Ah lieber Gott, vnser verschon,
nach vnserm verdienst vns nicht lohn!
Erbarm dich vnser durch dein gnad,
leib, ehr vnd gut behüd für schad!
Sey gnedig vns vnd hilff vns, HERR,
verlas vns nu vnd nimmermehr.

Behüt vns für des Sathans tück,
das er vns nicht mit list berück!
Wend ab von vns sein frewrig pfeil,
hilff, das er vns nicht vereil!
Auch, lieber Gott, verlas vns nicht,
wenn vns die arge welt anficht!

Behüt vns, Gott, zu aller stund
für jrthum, laster, schand vnd sund,
Für krieg, has, feindschafft, gifft vnd neid,
für wasser, fewr vnd tewer zeit,
Für pestilentz vnd kranckheit schwind,
für vngewitter, schedlich wind!

Behüt vns, HERR, in aller not,
auch für eim bösen schnellen tod!
Für allem, HERR, verlas vns nicht,
wenn wir komen für dein gericht!
Vnd für des ewigen todes fahr,
ah lieber Gott, vns auch bewar!

Wir armen sunder bitten mehr:
O Jhesu Christ, du lieber HERR,
Hilff vns durch dein heilsam geburt,
heilg aufferstehn vnd himelfart,
Durch deinen todkampf, tewer blut,
durch dein creutz, blut, schweis, bittern tod!

Dein heilge Christlich kirche für,
behalt im wort vnd reiner lehr
Vnd heilgem leben die diener dein,
die fürstehn deiner Christen gmein!
Zum wort gib deinen Geist vnd krafft,
das es frucht bring vnd bey vns hafft!

In dein erndt trew erbeiter send,
secten vnd ketzerey abwendt,
Tilg aus all rotten falsche lehr
vnd allen ergernissen wehr,
Auch die noch jrren, bring zu recht,
vnd leit sie auff der warheit weg!

Auch stürtz durch dein gwaltig hand
die deinem wort thun widerstand!
Vnd stewr des grausam türcken gewalt,
dein Reich vnd arme kirch erhalt,
Die sich hie leiden mus auff erd,
der blut für dir ist thewr vnd werd!

Beschütz auch vnser leib vnd gut,
wend ab all auffrhur, krieg vnd blut,
Den Fürsten, Königen vnd Herrn
gib gnad, das sie ja recht regiern,
Auch das sie halten fried allzeit,
sich hüten für zwitracht vnd streit!

Gib vnserm Keiser sieg vnd glück,
brich seiner feinde macht vnd tück,
Beschütz auch vnser landesherrn,
mit segen solwst auch reichlich mehrn
Der stedte reth vnd all gemein,
die las dir all befohlen sein!

Den Christen all in not vnd fahr
mit hülff erschein, sie stets bewar!
Tröst vnd erhalt die hertzen der,
die bhafftet sind mit engsten schwer!
Die waisen schütz mit deiner hend,
die widwen tröst in jrm elend!

Die seugenden vnd schwangern all
bewar, auch kinder, für vnfal!
Hilff allen, die schwach sind vnd kranck,
das jr hoffnung auff dich nicht wanck,
Mach sie an jrer seel gesund,
vnd tröst sie in der letzten stund!

Auch, lieber Herr, gib starck gedult
den, die da leidn on jre schuld
Vnd rett sie aus der feinde hend,
jr elend vnd gfrengnis wend!
Tröst die auch in der letzten not,
so man vom leben bringt zum tod!

Auch allen, die vnser feind sind,
vergib jr missethat vnd sünd,
Gib, das wir jn auch gern vergebn,
mit allen menschen friedlich lebn!
Hülff, das all sunder sich bekern,
von hertzen grund deinr gnad begern.

Auch, Herre, die frücht auff dem land
wolt geben vns dein milde hand,
Auch sie bewarn für hagl vnd schad!
sie zbrauchen recht gib vns dein gnad,
Das sie nicht vnsern leib beschwern
vnd vnser hertzen von dir kern!

O Jhesu Christ, war Gottes Son,
O Jhesu Christ, der gnaden thron,
O Jhesu Christ, du Gottes lamb,
das der welt sund trug vnd hin nam,
Du gebenedeiter samen,
erbarm dich vber vns, Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Freder, Johann – De Düdesche Letanie

Freder, Johann – De Düdesche Letanie

GOdt Vader in dem Hemmelrick,
Godt Sön, Godt hillige Geist tho gelick,
Du hillige Dreuolicheit
unde einige Gotdt in ewicheit:
Vp dyn thosag wy bidden dick,
woldest vns erhören gnedichlick.

Ach leue Godt, vnser vorschon,
vns na vnsem vordenst nicht lon!
Erbarm dy vnser dorch dyn gnad,
lyff, ehre vnd gudt behödt vor schadt!
Sy gnedich vnde helb vns, HERR,
verlath vns nu vnd nümmermehr!

Behödt vns vor des Satans tück,
vor syner list, droch vnd nück!
Wend aff van vns syne vürige pyl,
help, dat he vns nicht auervyl!
Ock leue Godt, vorlath vns nicht,
wenn vns dat flesch vnd werlt anuicht!

Behöd vns, Godt, tho aller stund
vor erdom, laster, schand vnde Sündt,
Vor Krych, vyentschop, hath vnd nydt,
vor Water, Vür vnd dürer tydt,
Vor Pestilentz vnd Kranckheit swindt,
von vnweder vnd schedliken windt!

Behödt vns, HErr, in aller nodt
vnbd vor einem bösen snellen dodt!
Ock, leue HErr, vorlat vns nicht,
wenn wy kamen vort leste gericht!
Vnd vor des ewigen Dodes geuar,
ach leue Godt, vns yo bewar.

Wy armen Sünder bidden mehr:
help, Jhesu Christe, leue Herr,
Help vns dorch dyn heilsam Gebordt,
dyn vpstanding vnd Hemmeluart,
Dynen dodtkamp vnd düre Blodt,
dyn hillige Crütz vnd bitter Dodt.

Dyn hillige Christlike Kercke vör,
beholt ym Worde vnd reiner leer,
Vnd hilligem leuendt de Dener dyn,
de dar regeren de Christlick gemein!
Thom wordt gyff dynen Geist vnd krafft,
dat ydt frucht bringe vnde by vns hafft!

In dyn Arn truwe arbeider sendt,
secten vnd Ketterye affwendt,
Delg vth all valsche böse Leer
vnde allen ergernissen weer,
All, de noch erren, bring tho recht
vnde leidt se vp der Warheit wech!

Ock stört dorch dyn geweldige handt
de dynem wordt don wedderstandt!
Vor des gruwsamen Törcken gewaldt
dyn Christlick Kerck vnd ehr erhaldt!
Allen Godtlosen wehr vnd stür,
sy vnse vaste Borch vnd Mür!

Beschüth ock vnse Lyff vnd gut,
wend aff all Vpror, Krych vnd blodt!
Den Königen, Försten vnd Heren
giff gnad, dat se recht wol regeren,
Giff, dat se holden fred alle tydt,
behöd se vor twedracht vnde strydt!

Giff vnsem Keiser gut gelück
wedder syner Vyendt macht vnd tück!
Beschüt ock vnse Landes Herrn,
mit segen woldest ock ricklick meren
Vnser Stadt, Rath vnd gantze gemein,
lat se dy stedes beualen syn!

Allen Christen in nodt vnd vahr
mit hülp erschyn, se stedes bewar!
Tröst vnd erholt de herten der,
de behafft sint mit angesten swer!
De Weysen nim in dyne hendt,
de Wedewen tröst in eren elendt!

De Sögenden vnd Swandern all
vnd de kinder beuar vor vnuall,
Help ock allen, de dar sint kranck,
dat er Geloue an dy nicht wanck,
Vnd mack se an der Seelen gesundt
vnd tröst se in der lesten stundt!

Och, leue Herr, giff gut gedult
den, de dar lyden ane schult
Vnd redde se vth der Vyende hend,
er elend vnd Geuengnis wend!
Tröst de och in der lesten nodt,
de dar möthen lyden den dodt!

Ock allen, de vns Vyendt sint,
vorgiff er Missedadt vnd Sünd,
Giff, dat wy en ock gern vorgeuen
vnde mit allen im frede leeuen!
Help, dat all Sünder sick bekeren,
vth herten grund dyne gnad begeren.

Och, Here, de frücht vp dem land
wold vns geuen dyne milde handt,
Vnd se bewarn vor hagel vnd schad!
tho bruken recht giff vns ock gnad,
Dat se nicht vnse Lyff besweren
vnd vnse herten van dy keren!

O Jhesu Christ, war Gades Son,
O Jhesu Christ, der gnaden thron,
O Jhesu Christ, du Gades Lam,
dat der werlt Sünd droch vnd wech nam,
Du gebenedyede Samen:
erbarme dy öuer vns, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Reußner, Adam – Das Leiden vnnsers Herrn Jhesu Christi

Reußner, Adam – Das Leiden vnnsers Herrn Jhesu Christi

Im Thon Maria zart.

O Mensch! beklag dein sünd all tag,
vnd fass es wol zu hertzen:
Für dich den todt gelitten hat
Gotts Sun mit großem schmertzen!
Vom Vatterlandt ward er gesandt
zu vnns auf diese erde,
von einer Junckfrawn werde
ward er geporn, das nit verlorn
wurd menschlichs gschlecht, herwider brecht,
was Adam hett verderbet.
wers nit bedenckt, sich nit drein senckt,
kain gnad von Got ererbet.

Vor seinem todt ist Christus spat
mit seinen Jüngern gsessen:
Das Osterlamb inns werck da kam,
zuvor Figürlich gessen.
Das süsse prot er gnommen hat,
gedancket vnd gebrochen,
darauf zu inen gsprochen:
Nemmt hin vnd esst! solchs wol ermesst:
mein leib ist das. Er namms trinckglaß,
dankt, vnnd hats ihnen geben:
Trinckt darauß all: in gleichem fall
trenckt euch mein Blut zum leben.

Mein leib vnd blut ich euch zu gut
wird geben vnd vergiessen,
Das wirdt ewr speiß, gaistlicher weiß:
im glauben werdt jrs niessen.
Dann yetzund wirt gschlagen der Hirt,
die Schaf zerstrewet alle:
jr werdt von mir abfallen.
ich wird vom todt als Herr vnd Got
wider aufston vnd euch vorgon
inns himlisch Vatterlande:
das sey ewr trost, jr werdt erloßt
durch mein Creütz, tod vnd schande.

Inn garten gieng der Herr, anfieng
das hail wider zu pringen,
Das Adam vor gentzlich verlor:
mit tod hüb an zu rinngen;
Blutschwaiß abfloß vor ängsten groß,
er haißt betten vnd wachen,
dann dhell mit jrem rachen
an vns sich richt. Auffs angesicht,
fiel nider Er: O mein Vatter,
nimm hin das bitter trancke!
doch das du willt, das werd erfüllt:
das fleisch ist schwach vnd krancke.

Das war wol schein ann Jüngern sein,
die fand er allzeit schlaffen.
Judas sich rüst zur selben frist,
mit grosser schar kam glauffen:
Sy hetten bschaid der Oberkait
gaistlichs vnd weltlichs Stannde,
mit waffen vnd mit bannde.
Jesus geet hin, entgegen jn:
das götlich Lamb zum schlachten kam.
sprach zum Juda: Gsell, was thust da?
O wie pöß Adams kinder!

Sie giengen hin vnd fiengen jn
wie ainen Dieb, gebunden.
Die Jünger all flohen zu mal.
Jesus sprach zu den stunden:
Ir kumbt daher, als ob ich wer
ain Mörder vnd Verräter,
der gröste vbelthäter!
so jr doch ghört, das ich hab glert
die warhait frey, ewr hail darbey
gesucht als der Hailande:
Ists der welt lon, das Gottes Son
für sein wolthat leidt schannde?

Die Juden dann den gfangen Mann
zum Hohen Priester brachten;
Dahin auch war der glerten schar
versamelt, vnnd betrachtten
wie sy jn möchten tödten,
vil vrsach suchen theten.
Fanden doch nicht, vnd hand erdicht:
er hat gelert, wir habens ghört,
den Tempel wöll zerstören,
annders gebew wöll machen new:
im seine wort verkören.

Der Bischof grim, der sprach zu jm:
willt vnnser Kirch vernichten?
Den Tempeldienst du vns verhönst,
willt newe Sect anrichten!
Das lamb das schwyg zu diser lüg:
zu Hot glitt kein entschulden,
die warhait tregt vnhulde.
Ich bschwör dich hoch! der bischof sprach,
drumb sag mir nun:bist du Gotts Sun,
der Christ, nach dem wir fragen?
Jesus bekannt: Wie du mich genannt!
das zeugen dwerck vor augen.

Der ich hie ston, dess menschen Son,
von eüch verdampt vnd gschmähet,
Wirdt kommen baldt in Götlich gwalt,
nach meim leiden erhöhet!
So sollichs wort der Bischoff hort,
hat er sein Klaid zerrissen
vnd sprach: Wir all yetzt wissen,
das der mensch hat gelestert Got,
verwirckt den todt! Das bstät der rath!
die vrtail sy bald schryen.
Sein schonens nicht: inns angesicht
schlugens jn vnd anspeyen.

Die falschen leüt zu diser zeit
vil falsche zeugknus dichten,
Zu morgens fru eyltens on ru
zum Kaiserlichen Richter:
Nymb hin, Pylat! der vor dir stat,
der ist ain newer Lerer,
den todt verschuldt, dess Kaisers huld
hat er verlorn: ain Küng geporn
nennt er sich vnuerborgen;
die vrtail fell: er ist ain gsell,
der am Creütz soll erworgen.

Pilatus sagt: Hör, was man klag
bist du der Juden König?
Jesus sagt frey, ain Küng er sey,
zur klag antwortt er wenig.
Pilatus pflag auf disen tag
ainn gfanngnen ledig zgeben:
Jesum wolt lassen leben;
da schry der Gwalt vnnds volck gar baldt:
Laß Barraban, den pösen man!
Jesus muß kurtzumb sterben!
ans Creütz jn henck, nit anders denck:
er soll kain huld erwerben!

Pilatus sprach, als er das sah:
ich kan kain schulde finden
An disem Man: was hat er than?
der neid thut euch verblenden!
Sy schryen ser, lennger ye mer:
amm Creutz soll werden gschlachtet
vnd sein Nam gar verachtet!
Pilatus spricht: OOb ich jn richt,
wäcsch ich mein hend, dschuld auff eüch wend:
er ist gerecht, on sünde!
Sy schryen all: Sein blut das fall
auf vnns vnd vnnsre kinder!

Pilatus war beredet gar:
Barraban ließ er lauffen;
Den Herren zart mit gaißlen hart
auf Römisch weiß ließ straffen.
Die vrtail fellt, das Christus söllt,
der Richter aller Erden,
anns Creütz gehencket werden.
das Kriegsvolck kam vnd jn annam,
im Richterhauß zoh es ihn auß,
mit gspött jm gab ain Kron vnd Stab,
mit glächter, schmach vnd schande.

Als nun Kriegsknecht jhn gnug geschmeht,
das klaid abzogen, wider
Anglegt sein Rock, des Creützes block
trucket den Herren nider.
Ann Galgenberg bracht jn der scherg;
der Herr fieng an zu sincken:
da gabens jm zu trincken,
ain bitters tranck. O pöser danck!
sein leibe ploß mit neglen groß
ans holtz ward außgestrecket!
O mensch, nu schaw! die Schlang hangt da,
die dich vom tod erwecket.

Sy hat nit bnügt, habend zugefügt,
zwen Mörder an sein seyten;
Gleich wie ain wurmb lidt er ain sturmb,
veracht von allen leuten.
Bist du der Tempelbrecher,
so bis yetzt selbs dein recher,
bist ud Gots Son? hilff dir davon!
hast annder ghailt vnd hilff mittailt;
es will dich Got nit haben!
Küng Israel, vom Creütz steig schnel,
so wöln wir an dich glauben!

Es ist der Wellt hie fürgestellt,
der vnns mit Got versünet.
Zwen vngerecht seind menschlichs gschlecht,
das ewig straff verdienet:
Der lincke tail verachtt Gotts hail,
der Püsser sein Sünd kennet,
Christum sein Hailand nennet,
spricht: Gedenck mein imm Reiche dein!
dein götlich krafft mach mich tailhafft
deins lebens durch dein sterben
Wer solchs nit sucht, der bleibt verflucht:
inn Sünden muß er sterben.

Die Finsternus war dick vnd groß,
das Liecht thet sich abkören.
Im flaisch gots wort hie leidet mordt,
sein stymm ließ er starck hören:
Alls volbracht hab! Sein gaist aufgab.
der Fürhanng ward zerrissen:
da wirdt gehailt das gwissen,
jm aufgethon dess Himmels Thron;
es hilfft sein todt vnns auß der not,
der recht Priester hat geben,
zum Opffer gstellt für dsünd der welt
sein leib vnd blut zum leben!

Himmel vnd Erd hand klar bewert,
das Got im flaisch gelitten:
Erdbidmen gschicht, manch felß zerbricht,
die greber sich erschütten,
Die fromme Schar, die gstorben war,
ist yetzt wider erstannden,
loß von der Hellen bannden,
vom tod gfürt auß in Gottes hauß;
er ist Gotts Son, wie der Hauptman
sampt seinem volck verjehen:
erschracken gschwind, dz dwelt so blind
Gots wunnder nit soll sehen.

Am Sabbath tag imm grab er lag;
da haufften sich die glerten
Dem Fürsten zu sprachen on ru:
wir dencken dess verkerten,
Das er er gsagt frey, nach tagen drey
wöll er erstan zum leben:
drumb sollt du Hütter geben,
das die letst gferd nit erger werd!
bestellt Kriegswacht, vnds grab vermacht:
Christus nit solt aufkommen:
das gschiht auch heut vnd alle zeyt,
dwelt hasset alle frommen.

O mensch! hab acht vnd wol betracht,
wer der sey, der gelitten,
Vnschuldigklich also für dich
inn bittern tod geschritten!
Solch hohe sach dir fruchtbar mach!
thus in deim hertz bedencken
vnd dich gentzlich drein sencken!
so wirdst erlößt, in Got getröst,
an leib vnd Seel all deinem fel
mit der Artzney magst püssen:
für sünd vnd schad schöpf hail vnd gnad,
im glauben magst dus gniessen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hefentreger, Johannes – Der Joseph gebessert durch Joannem Trypophorum

Hefentreger, Johannes – Der Joseph gebessert durch Joannem Trypophorum

Die welt yn großem weh vnd klag,
Ym ewigen tod gefangen lag.
Ein strenger zorn war außgebreit,
Die seligkeit war gantz verlorn auff erden.
Da schencket vns Got von Hymels thron
Seyn eynygen sohn,
Das kyndeleyn fron,
Das vns hat den hymel widder aufgethan.
Eia, Eia,
Geboren ist vns der heilant von Maria.

So vns dann gegeben ist
Emanuel, das kyndeleyn Christ,
Wer fochtet, daß seyn ewiges reich
Myt ihm zugleich
Zu vns nicht solte kommen?
Dan so wyr got versonet seyn,
Da wyr noch feynd.
Gewesen synt,
Solt er vns dan nu nicht lieben?
Wyr synt frund.
Eia, Eia,
Geboren ist vns der heilant von Maria.

Nach Jacobs wort der Juden kron
Von Juda stam hat abgelan,
Sanct Daniel des heren knecht
Hat lang berecht
Die siebentzich jarwochen.
Wie lang wiltu betrogen seyn
Mit falschem scheyn,
Jerusalem, yn der krippe dein konnig erscheynt
Zu Bethlehem.
Eia, Eia,
Geboren ist vns der heilant von Maria.

 

Waldeckische Reformationsgeschichte
von
D. Victor Schultze,
Professor an der Universität Greifswald
Leipzig.
A. Deichert’sche Verlagsbuchh. Nachf.
(Georg Böhme)
1903

Hefentreger, Johannes – Das alt „Christ fur zu hymel“

Hefentreger, Johannes – Das alt „Christ fur zu hymel“

Verendert durch Johannem Trigophorum

Christ fur zu hymel,
Da sant er vns hernydder
Myt syner warheyd den heilgen geist.
Damyt trost er die Christenheit.

Drumb ist er auffgefaren,
Das er vns wil al bewaren
Vnd auff erden weit vnd breit
Sorgen vor die Christenheit.
Kyrioleiß.

Alleluia, alleluia, alleluia,
Des soln wir alle fro seyn.
Christ wil vnser troist seyn.
Kyrioleiß.

 

“Waldeckische Reformationsgeschichte
von
D. Victor Schultze,
Professor an der Universität Greifswald
Leipzig.
A. Deichert’sche Verlagsbuchh. Nachf.
(Georg Böhme)
1903“